Ernst Dokupil im Gespräch
 

Interview vom 28. Oktober 2009 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

"Fussball ist mein Leben!" ein meines Lebens"

Ernst Dokupil ist eine der größten Trainer-Figuren in der Geschichte Rapids. Von 1974 bis 76 erzielte der Stürmer in 54 Meisterschafts-Matches neun Tore für den SCR, was oft vergessen wird. Seine Rückkehr nach Hütteldorf als Trainer und die beglückenden Folgen bleiben aber ewig in Erinnerung. Dabei standen die Zeichen für einen Gipfel-Sturm extrem ungünstig. Doch als der heute 62jährige Wiener die am Boden liegenden Hütteldorfer 1994 übernahm, folgte ein Highlight dem nächsten: Nach dem Cup-Sieg 1994/95 führte er seine Sensations-Truppe in der Folge-Saison zur 30. Meisterschaft, erreichte das Finale im EC der Pokal-Sieger und qualifizierte sich eine weitere Spielzeit später für die Champions League. Ab April 1998 lenkte „Dok“ die Geschicke der Hütteldorfer als Sportdirektor. Er übernahm aber nach drei Saisonen ohne Titel wieder das Amt des Trainers. Im Spät-Sommer 2001 endete dann die stürmische Ehe zwischen Rapid und Dokupil knapp nach Ablauf des verflixten siebenten Jahres. Dokupil sagte es selbst: „Fussball ist ein Scheiß-Spiel!“ Er wird auch das dazugehörige Geschäft gemeint haben.

Ich treffe mich mit Ernst Dokupil im „Golfclub Frühling“ in Götzendorf. Zum Interview verabredet haben wir uns nach dem Mattersburg-Spiel vor dem Eingang in die Privat-Räume des Legenden-Klubs, wo der Schmäh spürbar stark am Laufen war. Dokupil wollte Christopher-Papa Fritz Drazan in den elitären Kreis bitten, aber Klub-Chef „Funki“ Feurer, sein Co-Trainer vergangener Tage, behielt in dieser Sache die (gespielt) strenge Oberhand.
Auch im Restaurant des Golfclubs hat sich die Rapid-Legende ein Umfeld geschaffen, in dem es nicht gerade unlustig zugeht; das bemerke ich trotz der Kürze meines Eindringens in diesen Privat-Bereich meines Gespräch-Partners. Immer wieder wird er von seinen Spiel- und Tisch-Kollegen, von denen ich den Meister-Trainer weggeholt habe, auf die Schaufel genommen. Ich bin mir sicher, dass auch diese humorigen Herrschaften an passender Stelle ihr Fett abbekommen. Ernst Dokupil ist locker und herzlich. Ihn in einer Stunde komplett über sein Fussballer-Leben auszufratscheln, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Was neben der offenen Art des Star-Trainers das Schönste an diesem Interview für mich war? Dass es viele interessante und erhellende Einblicke in das Innenleben von Herrn Dokupil und Rapid gab. Auch wenn die Themen trotz aller Erfolge nicht immer nur erfreuliche Inhalte hatten.


Herr Dokupil, ist Golf Ihr neuer Lieblings-Sport?
(lacht) Nein, nein – das bleibt schon der Fussball. Aber für mich ist Golf als Sport zum selbst Betreiben ideal. Andere Joggen oder tun sonstwas, und ich spiele jeden Vormittag zwei Stunden Golf – das ist angenehm und schön.

Sind Sie mit Ihrem Handicap zufrieden?
Es ist eigentlich nicht mein Hauptziel, mein Handicap zu verbessern. Dazu müsste ich auf die „Driving Range“ gehen und jeden Tag üben, und das möchte ich gar nicht. Ich gehe lieber mit Freunden eine schöne Runde, das ist lustig und fertig.

Herr Dokupil, warum war bzw. ist Fussball für Sie die schönste Nebensache der Welt?
Ich würde es so sagen: Im Fussball geht es nicht um Leben und Tod, es ist viel wichtiger! (lacht) Da geht es um viel mehr. Nein, ernsthaft: Fussball ist mein Leben! Ich habe mit Fussball sehr viel erreicht und mein Leben lang damit zu tun gehabt. Ich denke gar nicht daran, mein Haupt-Augenmerk auf etwas anderes zu legen. Das Wichtigste ist und war für mich der Fussball! Das ist so und das bleibt auch so. Das war schon so als ich noch ein Kind war.

Wie waren Ihre Eindrücke von Rapid als Kind und dann als Jugendlicher?
Rapid war für mich eigentlich immer zu weit weg. Als ich bei Feuerwehr im Prater begonnen habe, war Rapid eine Legende, die irgendwo war. Fast unerreichbar. Ich habe sie auch nie gesehen. Als ich dann später die ersten Male selbst gegen Rapid gespielt habe, haben wir immer um die zehn Goal bekommen – das war auch nicht sehr sympathisch. (lacht)

Sie spielten für Wacker Wien, den Folge-Klub Admira und dann Simmering, bevor Sie zu Rapid wechselten. Welche Erwartungen hatten Sie an sich selbst und Ihre Karriere als Spieler? Hätte die Pfarrwiese zum großen Sprungbrett werden sollen?
Rapid war für mich als Spieler und als Trainer der Plafond! Als Spieler war es mein Ziel, irgendwann einmal im National-Team zu spielen und zu einem Spitzen-Klub zu kommen. Ich hätte damals auch zur Austria gehen können, habe mit dem Joschi Walter zur selben Zeit wie mit Rapid verhandelt. Aber ich habe mich für Hütteldorf entschieden, weil ich dachte, dass es für mich besser wäre. Bei der Austria gab's damals sehr viele gute Techniker. Bei Rapid waren weniger davon in der Mannschaft, weswegen ich mir gedacht habe, dass ich dort besser hinpasse. Das war dann aber nicht so der Fall. Vorher habe ich ja sehr viele Tore geschossen, aber bei Rapid hat nur einer die Tore geschossen – Hans Krankl. Der war mir immer im Weg, und über ihn bin ich nicht drüber gekommen. Als Spieler. Ich war auch nicht ganz verletzungsfrei. Und ein Problem war damals auch, dass Wienerberger der Haupt-Sponsor von Rapid war. Mich hat Präsident Draxler, der Hendl-Baron, von seinem privaten Geld gekauft. Als sich dann Wienerberger mit Draxler zerkriegt hat, ist der Draxler mit seinen Spielern weg gegangen. Das war eine rein politische Sache, weil fussballerisch hätte ich es schon noch einige Zeit bei Rapid ausgehalten. (lacht)

Sie wurden zweimal Dritter mit Rapid und gewannen zum Abschluss Ihres Engagements in Hütteldorf den Cup. Bedeutete dieser Titel einen Trost oder waren Sie unzufrieden damit, den Rekordmeister verlassen zu müssen?
Das war überhaupt kein Trost für mich. Von Rapid weggehen zu müssen war quasi das Ende meiner Spieler-Karriere! Als ich wegging, habe ich bei Simmering einen Vertrag unterschrieben, der mir garantiert hat, dass ich der Nachfolger von Rudolf Flögel als Trainer werde.

Zwei Jahre dauerte Ihre Zeit als Spieler in Simmering noch an, bis Sie ebendort Trainer wurden. Sie haben schnell Erfolge gefeiert, stiegen nach drei Saisonen sogar in die Bundesliga auf.

Im Winter der ersten Bundesliga-Saison war es in Simmering dann aber schon vorbei, wieder wegen einer politischen Sache. Der ehemalige Sektions-Leiter ist zurück gekommen und wollte gleich wieder die Aufstellung machen, wie früher. Das hat er aber mit mir nicht machen können, also haben wir uns getrennt.

Nach vier Jahren bei der Admira kamen Sie zur Vienna, wo Sie extrem erfolgreich waren, sich zweimal für den UEFA Cup qualifizierten. Ab wann haben Sie gewusst, dass der Trainer Dokupil besonderer war als der Spieler Dokupil?
Ich glaube, dass mir die Zeit bei der Vienna endgültig gezeigt hat, dass das etwas wird. Ich war schon mit der Admira immer an der Spitze dran, bin dann zur Vienna gegangen. Wir sind damals vom „Mittleren Playoff“ aufgestiegen und sofort in den UEFA Cup gekommen. Und was meinen Weg immer gepflastert hat, waren die Talente, die ich entdeckt habe. Damals hatte ich ein Angebot vom ÖFB, ob ich an der National-Mannschaft interessiert wäre. Und der Heinz Holzbach von Rapid hat 1988 auch mit mir verhandelt, aber dann hat Otto Baric einen Rücktritt vom Rücktritt hingelegt. Ich wäre damals ansonsten Trainer beim SCR geworden. Das waren alles Dinge, die mir gezeigt haben, dass ich ein Talent für diesen Job habe.

Einer Ihrer größten Vorzüge - Sie haben es ja selbst angesprochen – war die Entwicklung junger Spieler, die Sie an die Spitze trieben. Warum war das so?
Ein Riesen-Vorteil für mich war, dass ich zur damaligen Zeit bei Mannschaften gelandet bin, wo das gegangen ist. Die Vereine waren alle nicht akut abstiegsgefährdet, aber zur Spitze hat ihnen doch noch etwas gefehlt. Sowohl bei der Admira, als auch bei der Vienna. Dass man Spieler entwickelt, bei denen man das entsprechende Talent geortet hat, ist bei diesen Klubs einfach sehr gut gegangen. Das hat aber schon bei Simmering mit dem Toni Polster angefangen. Bei der Admira waren es dann Rodax, Ogris, Zsak, Artner oder Messlender – diese Spieler sind alle unter mir ins Nationalteam gekommen. Bei der Vienna waren es Heraf, Stöger, Herzog und Russ. Ein Haufen Spieler, aus denen dann richtig etwas geworden ist. Oder Glatzmayer! Die meisten dieser Spieler sind nur unter mir ins National-Team gekommen, teilweise zumindest. Herzog ist Rekord-Nationalspieler geworden, Polster der mit den meisten Toren! Mir war schon damals bewusst, dass ich mit jungen Spielern besonders gut kann, aber auch mit den arrivierteren. Das einzige, das mir damals gefehlt hat, war eine Spitzen-Mannschaft. Ich habe aber gewusst, dass ich dafür reif bin!

Und was waren Ihre anderen Stärken?
Der Laissez-faire-Führungsstil hat mich immer ausgezeichnet. Ich wollte einem Spieler immer vermitteln, dass er selbst etwas erreichen kann, und nicht dass ich es ihm beibringe. Auch im Match selbst habe ich den Spielern immer sehr viel Verantwortung gegeben. Ich war keiner, der jede Angriffs-Aktion bis ins letzte Detail geplant hat – das hat schon von den Spielern selbst kommen müssen. Aber ich habe meine Mannschaften fast immer so aufgestellt, dass es auch kommen hat können! Die Spieler haben oft nach ihrer Aufgabe gefragt, weil es ihnen nicht klar war. Ich habe ihnen dann gesagt, dass sie nur ihr Spiel spielen müssen. Und wenn man eine Mannschaft richtig zusammen baut, dann ist es möglich, dass jeder seine Stärken forcieren kann. Das ist mir oft gelungen mit meinen Teams, eigentlich fast immer.

1994 stellte Günther Kaltenbrunner, damals Vorstands-Mitglied, den Kontakt zu Ihnen her. In welchem Zustand waren der Verein und die Mannschaft?
Rapid war im Ausgleich. Außer der Gaby Fröschl war niemand da bei Rapid! Der Werner Kuhn ist damals von der Bank und vom Radsport her gekommen. Ich war damals wirklich der Einzige, der sich mit dem Fussball-Geschäft ausgekannt hat. Zum Glück hatte ich damals schon ziemlich viel intus. Das hat mich immer schon interessiert und ich habe mich auch bei meinen vorhergehenden Stationen darum gekümmert. In der ersten Zeit bei Rapid sind wir tatsächlich nächtelang gesessen und haben einfach Unterlagen zusammen gesucht. Es hat ja niemand beim Verein eine Ahnung gehabt, wie man ein Budget macht, wie das mit den Spieler-Verträgen geht, wie man Punkte-Prämien festsetzt. Ich habe das schon gekonnt. Wie der Verein heute funktioniert, die ganzen Strukturen, das alles ist damals entstanden! Ganz sicher. Der Werner und ich haben damals alles sondiert. Wir haben ein paar Spieler abgegeben. Mein Vorteil war, dass ich Rapid schon gekannt habe, weil ich bei sehr vielen Spielen Zuschauer war und einige Internas gewusst habe. Ich habe den Masseur gekannt und und und. Ich habe auch noch von meiner Zeit als Rapid-Spieler die Philosophie der Fans gekannt. Ich war nie so ein Rapid-Fanatiker, aber ich habe genau gewusst, was ich tun muss. Als mein Engagement fix war, habe ich mich sofort mit den Ultras in einer Privat-Wohnung zusammen gesetzt. Wir haben besprochen, was ich mir vorstelle und was sie wollen. Damals habe ich ja nicht geglaubt, was für eine Dynamik das noch bekommt. Das gibt's wahrscheinlich nur bei Rapid. So war das damals – alle bestimmenden Faktoren bei Rapid haben wir damals geschaffen!

Damals gaben Sie angeblich das Motto aus: „Spielt's so, dass es den Fans gefällt!“ War es wirkich so einfach?
Das ist überhaupt ein Motto von mir! Gut zu spielen, ohne dabei an das Resultat zu denken, war immer meine Philosophie. Jeder sollte das Beste aus sich heraus bekommen, das er in sich drinnen hatte. Und das Resultat kommt dann von selbst. Das habe ich eigentlich immer so beibehalten. Es gibt für eine Mannschaft pro Jahr vielleicht ein bis zwei Spiele, die du gewinnen musst. Aber die normalen Spiele müssen einfach nur gut sein!

Apropos: Nach einem Derby im Eisstock-Schießen im Februar 1999 meinten Sie: „Jetzt hat die Austria endlich eine Sportart gefunden, bei der sie gegen Rapid gewinnen kann!“ Tatsächlich kam es in Ihrer Ära zu einer unfassbar langen Positiv-Serie gegen den FAK – Rapid blieb vom 25. 05. 1996 bis 09. 05. 2000 ganze 17(!) Derbys lang unbesiegt. War das ein Meilenstein Ihrer Tätigkeit beim SCR?
Es gefällt mir natürlich! Wobei ich das bis jetzt gar nicht so genau gewusst habe. Soviele Derbys gewonnen zu haben, ist natürlich etwas Besonderes, weil es ja kaum einen Trainer gibt, der so eine Serie vorweisen kann. Auch Tirol hatte damals keine Erfolgs-Erlebnisse gegen uns. Und die Austria (lacht) hat damals unglaublich viele Trainer verschlissen, aber gewonnen haben sie trotzdem nicht! Klar war das eine tolle Sache für mich, aber das „wichtigste Spiel des Jahres“ war das Derby für mich persönlich nicht. Aber für die Fans, und das ist ja das Entscheidende! Die Spieler haben immer gewusst, dass sie für ihren Anhang siegen sollen.

Der Cup-Titel war Ihr erster großer Erfolg. War das die Initial-Zündung für alles, das danach passierte?
Ja, sicher! Wenn man gesehen hat, was sich damals im Prater-Stadion abgespielt hat, wie die Fans auf einmal aufgewacht und explodiert sind! Jahrelang waren sie vorher von der Spitze weg, und plötzlich war da wieder ein Titel. Die Spieler haben natürlich enormes Selbstvertrauen getankt und die Blödlereien, die ich ja auch immer forciert habe, sind in einen neuen Bereich gestiegen. Sie waren jetzt einfach locker. Und locker feiert man – meiner Meinung nach – viel bessere Erfolge! Siehe amerikanische Spitzen-Sportler – die sind auch locker und Weltklasse. Selbstvertrauen und Lockerheit waren immer wichtige Bausteine meiner Philosophie. Nach einem Match habe ich manchmal Spieler gefragt, woran sie sich erinnern können. „Gar nichts, was weiß ich, den einen habe ich gedeckt“ haben mir viele geantwortet. Ich habe dann nachgefragt, ob sie damit zufrieden sind?! Ich habe ja von ihnen verlangt, dass sie den Ball mit Spaß und Spektakel spielen probieren. Das hat es auch nicht gegeben, dass ich einen Spieler gehabt habe, der kein Tor geschossen hat. Alle haben sie getroffen, von Marasek bis Hatz! Außer der Peter Schöttel. Damit kämpfe ich heute noch. (lacht)

Wie wichtig war Ihr Co-Trainer, „Funki“ Feurer, für Sie? Welchen Anteil hatte er an der Wiederauferstehung Rapids?
Er ist ein Schmäh-Bruder erster Güte! Damals begann eine Freundschaft, die uns auch heute noch immer verbindet. Er war derjenige Mann, der sehr viel von mir weg genommen hat. Er konnte mit jedem einzelnen Spieler super, und hat sehr viel in die Mannschaft tragen können, das sie von mir vielleicht gar nicht so akzeptiert hätten. Und wenn der „Funki“ das gesagt hat, dann ist es von einem Freund der Spieler gekommen. Viele Konflikte hat er durch sein Eingreifen schon im Keim ersticken können. Abgesehen von seinen Qualitäten als Mensch und „rechte Hand“ ist er natürlich als Co- und Tormann-Trainer allererste Marke, das muss man schon auch dazusagen! Ein Beispiel: Wenn ich zur Beobachtung bei einem anderen Spiel war und er das Training geleitet hat, hat es nachher immer Kaffee und Kuchen gegeben. „Könnt's immer haben“, hat er den Spielern gesagt. (lacht unwiderstehlich) Er hat schon oft die Spannung heraus genommen.

War Ihr durchschlagender Erfolg bei Rapid auch dadurch begründet, dass Sie bei der Vienna schon mit einigen Spielern (Andreas Heraf und Peter Stöger, Anm.) zu tun hatten, die Sie später wieder unter Ihrer Fittiche haben sollten?
Ich habe eigentlich alle Spieler gekannt. Natürlich haben ein Heraf und ein Stöger eine positive Stimmung mich betreffend in die Mannschaft getragen, das ist klar. Sie haben mir doch einiges zu verdanken gehabt und haben es mir dann in dieser Zeit zurück gegeben.

Hatten Sie damals so etwas wie einen Lieblings-Spieler bei Rapid? Über Didi Kühbauer sagten Sie zum Beispiel einmal, er wäre bis zum Hals Weltklasse, darüber Unterliga.

Den Didi habe ich schon immer sehr gerne gehabt. Aber nicht wesentlich anders als die anderen. Beim Didi hat mir halt gefallen, dass er so komplett war – er hat offensiv gut gespielt, defensiv gut gespielt. Er war positiv für die Mannschaft, aber auch nicht für alle – manche hat er so zusammengeputzt, dass sie keine Leistung mehr gebracht haben, das ist auch eine Wahrheit. Aber absoluten Lieblings-Spieler hat es keinen gegeben. Den Carsten Jancker habe ich auch sehr gerne gehabt.

Bitte erzählen Sie eine Anekdote zu Trifon Ivanov!
Es gibt da eine ganz prägende Geschichte vom Ivanov. Wir waren gerade in Sofia, wo wir ihn unter Vertrag genommen haben. Zwei, drei Tage später ist er mit Werner Kuhn ins Trainings-Lager nach Bad Tatzmannsdorf gekommen. Die ganze Mannschaft war beim Essen, und „der Wüde“ ist hinein gekommen und hat sich zum Tisch hingesetzt und ein Mineralwasser bestellt, der Werner Kuhn ein Seiderl Bier. Jedenfalls geht der Werner Kuhn zum Buffet und hat sich einen Salat geholt, als plötzlich der „Funki“ von seinem Tisch aufgestanden ist, das Bier ausgetrunken und sich zu seinem Platz zurück gesetzt hat. Der Werner Kuhn kommt vom Buffet zurück, schaut das leere Glasl an, schaut den Ivanov an...und der bleibt todernst, und das mit seiner Visage. Ein Bild für Götter und der Saal hat getobt! Und ich habe ab diesem Zeitpunkt gewusst – das ist er!
Ich habe damals gelesen, dass er bei Xamax Neuchatel hinausgeworfen worden ist. Ich habe seinen Trainer Gilbert Gress angerufen und er hat mich gewarnt, dass Ivanov ein kompletter Narr ist. Und für solche Typen habe ich eigentlich immer was übrig gehabt, das gefällt mir. Ich habe ihn bei den großen Turnieren ja immer gesehen, und da war er ja herrlich! Ja, so ist er dann bei Rapid gelandet.

Wie konnte das damals eigentlich funktionieren, mit zwei Mittelstürmern (Christian Stumpf und Carsten Jancker, Anm.) im Angriff? Eigentlich ist das ja ein absolutes No-Go.
Ich habe es ja auch gar nicht vorgehabt. Und mit dem Jancker konnte man ja auch nicht in dieser Form rechnen. Lustig war, wie er zu Rapid gekommen ist. Ich habe den Toni Polster gefragt, ob er jemanden weiß, der bei seinem Verein nicht zum Zug kommt und ein großes Talent ist. Der Toni hat gemeint, bei Köln wäre einer, der über ihn selbst und Bruno Labbadia nicht drüber kommt obwohl er im Training die meisten Tore schießt. Und schon habe ich den Jancker gefragt, ob er sich vorstellen kann, zu Rapid zu kommen. Der Carsten hat sich dann sukkzessive mit Leistung in die Mannschaft gespielt. Endlich habe ich zwei Goalgetter gehabt, weil vorher war zuerst der Pürk alleine und dann der Stumpf. Dass er der selbe Stürmer-Typ ist wie der „Büffel“ haben wir einfach in Kauf genommen. Und es hat ja dann ganz gut funktioniert. Überhaupt hatten wir noch andere tolle Kopfball-Spieler bei Rapid. Heraf, Hatz. Das sollte man beim Zusammenstellen einer Mannschaft unbedingt beachten, weil Standards sind geschenkte Tore.

Der unglaublichen Partie gegen Sporting Lissabon folgten vier weitere internationale Triumphe und ein paar Achtungs-Erfolge, die alle im Prater errungen wurden. Dann kam die lange Pause, in der Rapid erst zuletzt mit dem HSV wieder eine europäische Spitzen-Mannschaft im Happel-Stadion schlagen konnte. Was ist das besondere, das tückische an diesem Oval? Erzählen Sie doch bitte als „Mr. Happel“, wie man in diesem Stadion spielen muss, um wie in Hütteldorf erfolgreich sein zu können.
Für mich ist Rapid im Europa-Pokal einfach mit dem Prater-Stadion verbunden. Es ist halt so! Ein Erfolgs-Rezept kenne ich aber nicht. Für viele Zuschauer ist das Stadion schon gut, obwohl das mit der Laufbahn nicht ideal ist. Ich weiß aber nicht, ob die Zukunft von Rapid nicht doch im Prater-Stadion liegt, wenn sie das Hanappi Stadion nicht ausbauen. Wo bringst du die Leute sonst hin? Es ist halt schon so ein Potential da, dass man schon um die 30.000 begeistern könnte. Pro Spiel! Auch wenn im „toten“ Praterstadion alles nicht so gut rüberkommt, bin ich mir nicht sicher, ob es nicht doch zu Rapids neuer Spielstätte wird. Ich habe zu meiner Zeit schon gesagt, dass Rapid 10.000 Abonennten und Mitglieder braucht, und jetzt ist das Realität. Das gefällt mir, sehr gut sogar.

Sie haben das Hanappi Stadion einst als schlecht gepflegten Friedhof bezeichnet und Handlungs-Bedarf moniert. Was denken Sie sich heute über die Rapid-Heimat?
Ich habe ihn als „gut“ gepflegten Friedhof bezeichnet. Wegen dem Nachwuchs. Es gibt ja viel zu wenige Trainings-Plätze, immer noch, weil sich nichts geändert hat. Und aufgrund dieser Misere wollte ich mit dem Nachwuchs damals etwas Neues probieren, ihn über ganz Wien verteilen und die Besten bei Rapid haben. Diese Idee ist vor allem von den Eltern total blockiert worden. Sie wollten nicht, dass ihr Kind beispielsweise bei Columbia spielt und Rapid gehört. Das ist auch zu verstehen.

Man erzählt sich, dass Sie nicht einmal der Meistertitel über das verlorene Europacup-Finale hinwegtrösten konnte. Stimmt das?
Das stimmt. Es war die größte Enttäuschung in meinem Fussballer-Leben. Das wir das Finale verloren haben, das ist...ahhh... Für mich war es so, dass ich sehr viel auf die Meinung der Fans gehalten habe. Dass 30.000 nach Brüssel gefahren sind und wir nicht viel mehr als eine Tor-Chance gehabt haben, das hat mich geärgert, weil es einfach nicht meiner Fussball-Philosophie entsprochen hat. Die Enttäuschung darüber ist bei mir nach wie vor da. Wobei alle im Nachhinein sagen, dass es mein größter Erfolg ist. (lacht)

Nach der angesprochenen Traum-Saison gelang die erstmalige Qualifikation für die Champions League, die sie selbst als das „größte Europacup-Wunder Rapids“ bezeichneten. Rapid war jetzt am Höhepunkt, rasselte aber schnell und kontinuierlich Richtung Stimmungs-Keller. Warum?
Wir haben sehr viele wichtige Spieler verloren – Jancker, Kühbauer, Marasek, Konsel. Das Erfolgs-Team ist sukzessive zerbröckelt. Das war ein Aderlass, den Rapid gar nicht kompensieren konnte. Zwar haben wir in der Champions League die einzigen Punkte in der Rapid-Geschichte gemacht, aber die Fans waren enttäuscht, angefressen. Den Meistertitel konnten wir knapp nicht verteidigen, weil der Kader zu klein oder die Belastung zu groß war oder was auch immer. Ich habe mich damals auch mit den Journalisten angelegt, die dann die Negativ-Stimmung noch potenziert haben. Das war alles in allem ein Jammer! Manchester zum Beispiel: 0:2 verlieren kann man in Old Trafford immer, aber nicht auf diese Weise, nicht ohne Angriffs-Willen! Ich bin mir sicher, dass die heutige Rapid-Mannschaft nicht so deppert untergegangen wäre, weil sie mehr nach vorne gespielt hätte. Wir hatten damals ein paar ängstliche Spieler, die ihr Heil lieber in der Defensive gesucht haben, anstatt auch an Angriff zu denken. Das war einfach nicht meine Philosophie von Fussball. Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir okay gespielt und 2:5 verloren hätten! Wobei natürlich sehr viele Kritiker resultatsbezogen argumentieren. Da zählt nicht die Art und Weise sondern nur das nackte Ergebnis.

Wie war das damals eigentlich mit dem Wallner-Kauf? Hannes Kartnig hat Ihnen ja Kaperei vorgeworfen.
Dieser Kartnig hat damals schon jahrelang auf Rapid hingepeckt gehabt und sich als großer Fussball-Zampano dargestellt. Was davon zu halten ist, braucht man mit den neuesten Erkenntnissen ja nicht groß zu kommentieren. Für mich war das eine Gelegenheit, dass ich ihm etwas auswische. Außerdem war Wallner meiner Meinung nach das größte Talent Österreichs zu dieser Zeit. Ich habe mich dann bei ihm und seinem Manager erkundigt und erfahren, dass er einen 7-Jahres-Vertrag hatte, der vor Gericht niemals halten konnte. Nach einem Gespräch mit unseren Rechtsberatern haben wir den Vertrag dann vom Jugend-Gericht prüfen lassen, das diesen schwindligen Kontrakt für null und nichtig erklärt hat. Dann haben wir den Roman genommen und keinen Groschen für ihn gezahlt. Abgesehen vom sportlichen Wert war das natürlich eine riesige Genugtuung! Das Talent von Wallner ist aber im Vordergrund gestanden, das möchte ich schon betonen.

Was sagen Sie eigentlich zum Werdegang der beiden ehemaligen Rapid-Jungstars Wallner und Ivanschitz?

Beim Roman haben wir leider auch einen Riesen-Fehler gemacht, Verein und Fans. Weil dem Anhang hat es schon gefallen, wenn der Roman mit ihnen um die Häuser gezogen ist. Und wir haben überreagiert, der ganze Verein hat überreagiert. Mir war das eigentlich relativ wurscht, wenn er einmal einen Ausrutscher gehabt hat. Aber dem Präsidium hat das nicht gefallen, weil es angeblich schlecht für das Image der Bank gewesen ist. Fürchterlich! Dann haben sich die Journalisten auch noch auf diese Story draufgesetzt und nicht locker gelassen. Und so ist aus dem Mörder-Talent Wallner eigentlich ein Absteiger geworden. Und der Ivanschitz hat den Journalisten für meinen Geschmack ein wenig zu sehr nach dem Mund geredet. Und das erzeugt schon bei vielen Menschen eine Abneigung, wenn ein 20-Jähriger so siebengscheit daher redet. Spielerisch haben beide noch dazu einen Hänger gehabt, der Wallner noch mehr als der Ivanschitz. Man sollte immer Ziele haben, diese aber nicht zu hoch ansetzen. Das haben wahrscheinlich beide gemacht. Und so hat dann ein größerer Rückschlag eigentlich fast kommen müssen. Bei Ivanschitz ist noch der Jammer mit Salzburg dazu gekommen – eine unglückliche Wahl.

Ich kann mich erinnern, wie aufgeregt ich war, als ich Dejan Savicevic neben Ihnen auf einem schäbigen Holz-Bankerl bei einem Testspiel in Wr. Neustadt gesehen habe. Was hat der Weltstar Hütteldorf gebracht? War er nur genial, Fan-Magnet und Lehrer für die Jungen, oder störten seine unlokalisierbaren Verletzungen das Mannschafts-Klima?
Im Nachhinein war er sicher der genialste Spieler, den ich jemals trainiert habe. Sicher der beste. Aber sicher auch der problematischste – nicht für mich, sondern für die Mannschaft. Dejan hat sich ja gänzlich außerhalb der Mannschaft gestellt. Nicht beim Spiel, weil dort hat er jedem geholfen. Aber er hat dann trainiert, wenn er Lust gehabt hat, er hat dann gespielt, wenn er Lust gehabt hat. Und wenn alle Ärzte und Masseure sagen, dass er nichts hat und er trotzdem nicht spielt, dann ist das eine Katastrophe! Die Mitspieler haben seine Sonderstellung schon akzeptiert, weil sie gewusst haben, dass ihnen Savicevic pro Saison Minimum zehn Punkte mehr einbringt. Aber das Akzeptieren dieser Diva hatte natürlich auch seine Grenzen. Und Kontakt zu einem Mitspieler hatte er ja eigentlich nicht, außer zum Michi Hatz, weil der sein Übersetzer war. Ich wusste ja schon im Vorhinein, dass Savicevic ein problematischer Fall sein würde. Wie beim Ivanov. Ich dachte, dass wir Dejan vielleicht irgendwie hinbiegen könnten, aber es hat leider nicht geklappt. Irgendwann ist es dann mühsam geworden.

Bei Ihrem Trainer-Antritt 1994 war Heribert Weber der Gegen-Kanditat. Als Sie zum Sportdirektor wurden, war er Ihr Nachfolger...und wurde nach einer Saison voller Zerwürfnisse als Trainer abgesetzt. Wie war das mit Ihnen und Heribert Weber?
Mein Verhältnis zum Heri Weber war eigentlich ein kollegiales. Wir haben in den zwei Jahren nie einen Streit gehabt. Natürlich hat er eine andere Arbeits-Weise gehabt als ich. Aber er ist halt der Heri Weber, und ich hätte mir eher die Zunge abgebissen, als ihm etwas in seine Arbeit dreinzureden. Unsere sportlichen Philosophien haben aber nicht übereingestimmt. Auch wenn er sich nach hinten orientiert hat, wo ich nach vorne gegangen wäre – er war ein sehr guter Trainer, das muss man sagen.

Als Sportdirektor meinten Sie einmal, dass Sie nie wieder Trainer werden würden und brachen bald darauf Ihr Versprechen. Warum? War das eine Folge dessen, dass kein Geld da war, um Heribert Weber adäquat zu ersetzen?

Ja richtig. Ich muss aber auch dazu sagen, dass der Job als Sportdirektor für mich nicht geschaffen war und es auch nach wie vor nicht ist. In dieser Funktion habe ich mich nie übertrieben wohl gefühlt. Ich habe zwar die Fähigkeiten dazu, aber diese Aufgabe erfüllt mich einfach nicht. Das war nicht das, was ich mir vorgestellt habe, weil es eher eine Büro-Tätigkeit ist, anstatt auf dem Platz zu stehen. Nach zwei Jahren ist das Präsidium, nicht ich, zur Überzeugung gekommen, dass man den Weber-Vertrag nicht mehr verlängern will. Ich wollte und konnte mich da nicht einmischen. Ich habe dann auch ein paar Trainer für die Nachfolge Webers vorgeschlagen und das Präsidium damit alleine gelassen. Auf meiner Liste standen unter anderem der Josef Hickersberger und der Joachim Löw, die ins Budget gepasst hätten. Das weiß ich, weil ich mit ihnen verhandelt habe. Aber das Präsidium und die Bank wollten mich aufgrund meiner Verdienste unbedingt haben. Dass damit ein Mann weniger auf der Gehaltsliste stand, war sicher auch mitentscheidend. Ich wollte eigentlich gar nicht zurück auf die Trainerbank und habe es für den Verein getan, was im Nachhinein betrachtet blöd war. Damals wurde Tirol mit relativ großem Vorsprung Meister. Und dazu muss ich sagen, dass Sturm und Tirol in meiner siebenjährigen Zeit bei Rapid uns mit unlauteren Mitteln vier Meistertitel gestohlen haben, weil sie weit über ihre Verhältnisse investiert haben, während wir uns nach der Decke gestreckt haben. Wir hatten ein Budget von ca. 100 bis 120 Millionen Schilling, und die Wahnsinnigen hatten bis zu 250 Millionen Schilling, obwohl sie es gar nicht bezahlen konnten!

Nach einem 0:4 zuhause gegen den GAK kam es zum legendären Sitzstreik am Spielfeld, eine Runde später wurde das Derby verloren und Sie gingen. Wie war diese Situation aus Ihrer Sicht? Was hatten die Bank-Menschen Günther Kaltenbrunner und Peter Weber damit zu tun?
Der Kaltenbrunner war damals ja schon weg. Davor hat er sich mit mir wegen einer Sache überworfen gehabt, die so unwichtig war, dass ich sie gar nicht mehr weiß. Er hat das Präsidium dann jedenfalls vor die Wahl gestellt – und dann hat der Herr Kaltenbrunner als Präsident zurücktreten müssen! Am Vortag dieser Entscheidung war ich nämlich zufällig bei Generaldirektor Randa und habe über Fussball gesprochen. Das Präsidium dachte, dass ich über die Causa Kaltenbrunner gesprochen hätte und hat sich aus Schiss vor dem Big Boss für mich entschieden. (lacht)
In meinem letzten Jahr wusste die Bank bereits, dass sie sich von Rapid zurück ziehen würde. Nach dem 0:4 hätte sich der Vize-Präsident normalerweise den Fans stellen müssen. Anstatt dessen musste ich das tun. Und wer war im Fernsehen oder der Zeitung, wenn es um Rapid gegangen ist? Ich! Jetzt hat es für die Öffentlichkeit so ausgeschaut, also ob mir Rapid gehören würde. Dabei habe ich nur die Krot fressen müssen. Vielleicht habe ich damals nicht die richtigen Worte gefunden, wobei ich ja mit den Fans eine gute Basis hatte. Ich habe ihnen ja nur gesagt, dass sie Rapid mit solchen Aktionen nicht helfen. Mehr war da nicht, aber ein paar Radikale der Ultras wollten mich einfach nicht mehr. Der Abschied war dann nur mehr eine Frage der Zeit. Beim Auswärts-Spiel gegen Cosmos in San Marino gab es dann ohne Grund das ganze Spiel über Sprech-Chöre gegen mich. Die Mannschaft hat sich dann, weil sie so deppert war, nicht von den Fans verabschiedet. Und die haben wiederum geglaubt, dass ich das befohlen hätte, was überhaupt nicht der Fall war!
Aber zurück zur Bank. Die haben gewusst, dass sie sich zurückziehen werden und so wurde mein Budget einfach um ein Drittel gekürzt! Ich habe dann Spielern, mit denen ich bereits einig war, sagen müssen, dass ich sie nicht mehr bezahlen kann. Der Michi Hatz, der jahrelang super für mich gespielt hat, war so ein Fall. Der Matthäus hat dann die Folgen spüren müssen! Auch wenn da wieder einiges an Geld locker gemacht worden ist, hat der Lothar das nicht mehr auffangen können.

Im darauf folgenden Winter erlitten Sie einen Herz-Infarkt. Ging Ihnen das Ende bei Rapid derart nahe? Immerhin war Rapid in Ihrer gesamten Ära als Trainer und Sportdirektor nie schlechter als Meisterschafts-Dritter.

Das war ganz sicher so! Im News ist so ein Blödsinn über mich gestanden. Dabei war ich niemals der machthungrige Mensch, als der ich teilweise dargestellt wurde und rübergekommen bin! Im Gegenteil – ich war immer ein Team-Arbeiter! Aber weil alles auf mich abgewälzt wurde, hat es so ausgeschaut, als ob ich alle Macht an mich ziehen würde. Das war aber nicht so! Dann kommt dazu, dass ich bei einem Journalisten, der mich nicht will, nicht der beste Interview-Partner bin und eher wie der Pacult reagiere. Dann komme ich eher unsympathisch rüber. Und so ist dann etwas ins Rollen gekommen, das mich schon sehr getroffen hat.

Dabei war Ihr Beliebtheits-Grad zeitweise schon beängstigend.
Mir ist heute, als ich den Kurier -Artikel zu Pacults 50er gelesen habe, wieder bewusst geworden, wie schön das damals bei mir war. Bei meinem 50. Geburtstag gab es 50 bengalische Feuer rund ums Spielfeld und ich bekam viele Geschenke von den Fans. Da war schon was da!

Hätten Sie eigentlich noch eine Mission zu erfüllen gehabt?
Ich hätte sicher noch die Möglichkeit gehabt, etwas mit Rapid zu erreichen. Aber ich habe mir gar nichts mehr anbieten lassen. Das Präsidium habe ich damals fürchterlich geschimpft und ihnen meine Meinung gesagt. Dann wollte man darüber beraten und mich von der Besprechung weg haben. Ich habe aber gesagt, dass sie ihren Hund hinaus schicken können, aber nicht mich. Und dann bin ich gegangen. Ich wollte bei all den Reibereien einfach nicht mehr.

Was passierte dann?
Ich war geschlaucht und habe keinen Plan gehabt. Ich wollte alles auf mich zukommen lassen. Ich hatte keinen Manager, habe mich also folglich auch nirgendwo angeboten. Wo hätte ich nach Rapid in Österreich hingehen sollen? Wegen dem Geld wollte ich nirgendwo hingehen, weil mir der Anreiz gefehlt hätte. Zum Beispiel nach Ried zu gehen, habe ich nie notwendig gehabt. Das Ausland wäre vielleicht noch interessant gewesen, aber als Österreicher war da rein vom Stellenwert nichts zu machen. Schon gar nicht ohne Manager. (Golf-Freunde von Ernst Dokupil verabschieden sich und er sagt einen Samstags-Termin ab, weil an diesem Tag Rapid gegen Ried im Hanappi Stadion spielt)

Wird es Ernst Dokupil jemals wieder auf einer Trainerbank geben?
Nein, das glaube ich nicht. Man soll aber niemals nie sagen. Vielleicht braucht jemand einmal einen Einspringer, aber ich wüsste nicht wer und wo. Und bei Rapid wird es das nicht mehr spielen, und etwas anderes ist für mich – glaube ich – nicht mehr interessant.

Liegt Ihnen Rapid noch immer am Herzen?
Natürlich! Ich bin vier Jahre aus purer Enttäuschung nicht auf den Rapid-Platz gegangen. Erst mit dem Legenden-Klub von „Funki“ Feurer hat es mich dann wieder dort hingezogen. Mir hat der Abschied schon sehr weh getan, aber jetzt macht es wieder einen Riesen-Spaß, der Mannschaft im Hanappi Stadion zuzuschauen.

Welchen Run trauen Sie der aktuellen Mannschaft in der Europa League zu?
Ein Aufstieg wäre für mich eine Sensation. Es ist aber zu schaffen! Und so wie sie momentan spielen, ist es ihnen auch zuzutrauen. Diese Mannschaft imponiert mir jedenfalls sehr!

Welche der aktuellen Spieler begeistern Sie am meisten?
Das muss der Steffen Hofmann sein! Ich habe mit ihm unlängst hier Golf gespielt, und er ist abgesehen von seinen Fähigkeiten als Spieler auch als Mensch super. Wenn ich Sportdirektor in Salzburg wäre und Rapid vom Fenster weg haben wollte, würde ich ihnen den Steffen wegnehmen. Aber das ist zum Glück kein Thema, weil er mit seiner Familie in Wien glücklich ist und Rapid auch ein Glücksfall für ihn ist! Der Steffen bleibt ein Grünweißer, da bin ich mir eigentlich sicher!

Interview vom 28. 10. 2009 (grela)

10 Fragen zum besseren Kennenlernen:

Lieblings-Elf aller Zeiten?

Jede Zeit hat eine Mannschaft, die mit ihrem Offensiv-Fussball zu begeistern vermag. Ein Team, das bedingungslos nach vorne spielt, berührt mich auch. Sei es Barcelona, Manchester oder irgendein anderes Ensemble.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?
Für mich das Prater Stadion!

Ihre größte Niederlage am Fussball-Platz?
Brüssel.

Rapid ist...
...für mich der Inbegriff des österreichischen Fussballs!

Kottan oder Columbo?
Kottan natürlich!

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?
Den gibt es nicht!

Der beste Kicker, der je in unserer Liga gespielt hat?
Das war sicher der Savicevic.

Eine Marotte?
Ich habe keinen Spleen oder irgendetwas in diese Richtung.

Welches Talent hätten Sie gerne, haben es aber nicht?
Frei zu reden bei einer Spieler-Besprechung war nie ein Problem für mich, aber vor einer größeren Zuhörerschaft schon.

Für Sie die größte Unsportlichkeit am Rasen?
Spucken wahrscheinlich. Oder eine Watschn.