Erich Fak im Gespräch
 

Interview vom 5. April 2011 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

" Ich war meiner Zeit voraus!" ein meines Lebens"

Erich Fak kam am 10. März 1945 in Rudolfsheim zur Welt. Mit elf Jahren wurde er in einem Fußball-Käfig entdeckt und wechselte ein Jahr später in den Nachwuchs der Hütteldorfer. Dort entwickelte sich Fak zu einem der besten Verteidiger, der jemals die Rapid-Dress getragen hat. Der „Professor“ wurde mit Rapid zweimal Meister (1967, 1968), gewann dreimal den Cup (1968, 1969, 1972) und war zweifacher Cup-Finalist (1971, 1973). Darüber hinaus war der 13fache Teamspieler in der Saison 1972/73 Kapitän der Grünweißen, ehe er seine Karriere beim SCR nach 230 Pflichtspielen und zwei erzielten Toren unfreiwillig beendete. Von 1973 bis 1975 kickte Fak bei der Klagenfurter Austria, danach zwei Jahre in Tulln, ehe der Wiener ein kurzes Intermezzo bei DSV Alpine hatte. Danach spielte der Außenverteidiger bis 1984 bei Slovan-HAC, die letzten beiden Jahre als Spielertrainer. Und zu guter Letzt trainierte die Rapid-Legende das Team von Red Star, ehe eine erfolgreiche Fußball-Karriere zu Ende ging.

In einer Mail bitte ich Werner Walzer, mir bei der Kontaktaufnahme mit ein paar Wunschkandidaten behilflich zu sein. Als er mir am Telefon seine Unterstützung zusagt, klopft auch schon jemand an – Erich Fak. Es ist das erste Mal, dass sich eine Rapid-Legende bei mir meldet, um einen Interview-Termin auszumachen! Wenige Tage später sitzen wir im Gasthaus Peschta, dessen Besitzer Herr Fak noch aus der gemeinsamen Hütteldorfer Jugend kennt. Im Lokal wird er sofort von einem älteren Fan erkannt und in den höchsten Tönen gelobt.
Bei der Vorrecherche fällt mir auf, dass der „Professor“ – so wurde Erich Fak wegen seiner Genauigkeit beim Passspiel und anderen Lebensdingen genannt – den Autoren von „RAPID. 100 Stars in Grün-Weiß“ eine eigens verfasste Liebeserklärung zur Verfügung gestellt hat. Auch zu unserem Gespräch erscheint der 66Jährige bestens vorbereitet, hat die gewünschten Fotos ebenso im Handgepäck wie seine Meisterschafts- und Cup-Medaillen und andere Zusatzinfos. So erfahre ich Dinge, die ich nicht wusste – zum Beispiel, dass Erich Fak insgesamt 134 Freundschaftsspiele für Rapid absolviert hat und Kapitän der Grünweißen war. Dem fitten Pensionisten ist wichtig, seine „Hausaufgaben“ gemacht zu haben. Und das hat er!


Herr Fak, Sie wurden knappe zwei Monate vor dem Ende des 2. Weltkriegs geboren. Wo sind Sie aufgewachsen?
Augewachsen bin ich im 15. Bezirk, in unmittelbarer Nähe zur damaligen Stadtbahnstation Meidlinger Hauptstraße. Später bin ich mit meinen Eltern nach Hütteldorf gezogen.

Was hat der Name Rapid für Sie als Kind bedeutet?
Ursprünglich war es so, dass mein Onkel ein glühender Wacker-Fan war. Dadurch war auch ich ein Fan der Meidlinger. Als wir aber in den 14. Bezirk gezogen sind, hat sich das für mich schlagartig geändert und ich war sofort ein Rapidler. Meine Bindung zu Wacker war nie so groß, wie die meines Onkels.

Mit elf Jahren wurden Sie von einem Rapid-Scout beim Käfigkicken entdeckt. Wie und wo war das genau?
Ich habe jeden Tag stundenlang im Hugo-Breitner-Hof gekickt. Dort gab es einen berühmten Käfig, in dem ich praktisch meine Jugend verbracht habe. Es waren einige gute Fußballer dabei. 1956 bin ich von einem Herrn angesprochen worden, der mich zum Vorbereitungstraining auf die Pfarrwiese eingeladen hat. Trainer war damals der berühmte Otto Hamacek. Auf der „Roten Erde“ haben wir unsere Tests absolviert, danach hat es 5-gegen-5-Matcherl gegeben, und diejenigen Buben, die ihm gefallen haben, hat sich Herr Hamacek herausgepickt. Weil ich aber nicht der Kräftigste und Stärkste war, hat man mir gesagt, dass ich in einem Jahr wieder kommen und in der Zwischenzeit viele Knödeln essen soll. (lacht) Das war typisch für die damalige Zeit. Ab 1958 habe ich dann im Rapid-Nachwuchs alle Stationen durchlaufen – Rapid-Schüler bis 1959, Rapid-Jugend bis 1961, Rapid-Junioren bis 1963 und die Reserve-Mannschaft bis 1964.

Rapids große Mannschaft der Fünfziger-Jahre hatte damals einen ihrer letzten großen Höhepunkte – den Fast-Rauswurf von Real Madrid aus dem Europacup der Meister. Waren Sie im November 1956 beim 3:1-Heimsieg im Praterstadion?
Das war eine absolute Weltklasse-Mannschaft. Wenn wir Kinder Geld gehabt haben, sind wir immer auf die Spiele gegangen. Und wenn wir uns den Eintritt nicht leisten konnten, sind wir auf einer Mauer gestanden und haben so einen guten Blick auf die Pfarrwiese gehabt. Das Real-Match habe ich nicht live gesehen. Dafür sind wir vor der Auslage eines Elektro-Geschäfts gestanden und haben uns die Partie im Fernsehen angeschaut. Große internationale Spiele wurden schon damals live übertragen.

Mit welchen kommenden Rapid-Stars haben Sie damals im Rapid-Nachwuchs gespielt?
Mit Toni Fritsch und Helmut Maurer. Franz Hasil ist später dazugekommen. Es hat damals viele gute Fußballer gegeben, aber die wenigsten sind auch größer herausgekommen.

Wie haben Sie den Weg zur Kampfmannschaft in Erinnerung? Gab es einen besonderen Betreuer oder Mentor? War Ihr Weg zur Ersten irgendwann in Frage gestellt?
Ich war immer davon überzeugt, in die Kampfmannschaft zu kommen. Warum? Weil ich in sämtlichen Nachwuchs-Auswahlteams gespielt habe! Im Staatsliga-Team habe ich mit den besten Fußballern Wiens gekickt, und für das Jugend- und Junioren-Nationalteam war ich auch immer nominiert. Darum habe ich mir immer sehr gute Chancen ausgerechnet. Mein Vorgänger auf der linken Abwehrseite, Pepi Höltl, ist auch immer mehr ins Alter gekommen, weswegen ich bald meine Chance bekommen habe. Bei den Junioren haben wir den berühmten Walter Zeman als Trainer gehabt. Das hat uns natürlich getaugt, aber dass ich von einem Coach besonders unterstützt worden wäre, kann man nicht sagen. Wir hatten bei Rapid eine sehr gute Kameradschaft in der Mannschaft und haben uns eigentlich alle sehr gut miteinander verstanden. Es gab keine Spannungen, alles war okay. Auch der teilweise vorhandene Altersunterschied hat keine Probleme gemacht.

Sie haben später einmal gesagt, dass Ihre Erziehung auf diesen Verein zurückzuführen sei. Wie war diese Erziehung?
Otto Hamacek war unser Koordinator. Und dann haben wir noch einen beinharten Jugendleiter gehabt, den Herrn Kuril. Er hat uns zu viel Disziplin und Zusammenhalt erzogen. Wenn wir im Nachwuchs mit 7:0 gewonnen haben, war ihm das zuwenig – er wollte, dass wir 15:0 gewinnen. Das war so bei Rapid! Die strenge Erziehung hat uns aber auch immens weitergeholfen und gut getan. (lacht) Wir haben an vielen internationalen Jugendturnieren teilgenommen und haben beispielsweise die Turniere in Hütteldorf (1963) , Genf (1963) und Prag (1964) gewonnen.

1963/64 wurde Rapid zum 23. Mal Meister. Wie weit entfernt waren Sie damals vom Kader der Ersten?
Nicht sehr weit. Ich habe es aber nicht sonderlich eilig gehabt. Meine Entwicklung hat mich in keiner Phase negativ gestimmt. (lacht) Das klingt vielleicht arrogant, aber so war es halt! Außerdem gab es damals die „Reserve“, die immer das Vorspiel bestritten hat. Die Hälfte der Leute, die auf die Pfarrwiese gekommen sind, waren auch schon zu diesem Zeitpunkt am Platz. Das war ein super Trostpflaster! Wir waren damals auch nicht eifersüchtig. Die „Reserve“ aufzulösen, war für mich einer der größten Fehler, die man begehen konnte!

Ich vermute, dass Sie damals schon mit dabei waren, wenn Rapid seine berühmten Tourneen bestritten hat. Wie war das für einen jungen Mann wie Sie? Die Eindrücke müssen ja gewaltig gewesen sein...
Auf meine erste Tournee bin ich 1969 nach Südamerika mitgefahren. Wir waren in Kolumbien, Paraguay, Uruguay, Brasilien, Argentinien und Ecuador. Das waren traumhafte Erlebnisse! Wir hatten einen sehr strengen Zeitplan. In den meisten dieser Länder war es zudem sehr gefährlich, weswegen wir eigentlich nur in der Gruppe ausgegangen sind, ich meistens mit Dr. Schmidt, einem damaligen Funktionär. Natürlich haben wir Sehenswürdigkeiten gesehen und Stadtrundfahrten gemacht. Aber es war kein Urlaub! Wir hatten schließlich unsere Trainings, Freundschaftsspiele und mussten an den nächsten Spielort reisen. Meistens waren diese Spiele ausverkauft, weil die Menschen neugierig auf die europäische Spitzenmannschaft Rapid waren. Ansonsten hätten wir ja auch gar keine Einladung bekommen. Eine Ausnahme war Ecuador, was aber an der extremen Hitze gelegen hat – am Platz hatte es fast 55° Celsius! (lacht) Da sind die Menschen lieber zuhause geblieben, statt ins Stadion zu kommen. Prinzipiell muss man sagen, dass wir fast durchgehend gegen die Spitzenmannschaften des jeweiligen Landes gespielt haben – gegen River Plate in Argentinien, Peñarol Montevideo in Uruguay und Nacional Asunción in Paraguay. Wir hatten einen sehr guten Ruf.

Gibt es eine besonders lustige bzw. schöne Anekdote aus dieser Zeit des Reisens?
An eine spezielle würde ich mich ja gut erinnern, aber die will ich nicht erzählen, weil ich niemanden denunzieren will. (lacht) Aber ich weiß auch noch eine andere Episode von einem Trainingslager in Kärnten. Ich bin auf meinem Zimmer gewesen, gemeinsam mit Toni Fritsch und Franz Hasil . Auf einmal ist der Trainer Robert Körner gekommen und hat Zigarettenrauch gerochen. Rauchen, muss man wissen, war für die jungen Spieler damals strengstens verboten. Also hat der Trainer gefragt, wer geraucht hat. Ich habe auf den schlafenden Hasil gedeutet. Robert Körner hat aber gewusst, dass Franz Hasil nicht raucht. Also hatte er den Toni und mich im Visier. Wir haben beide nein gesagt, auf einmal hat Franz Wolny vom Balkon gerufen: „Erich, gib‘ ma an Tschick!“ (lacht) Mehr habe ich nicht mehr gebraucht! Ich habe 200 Schilling in die Mannschafts-Kassa einzahlen müssen. Das hat weh getan! Dafür habe ich es mir gemerkt. Mit diesem Geld sind wir einmal pro Jahr zusammen ausgegangen.

Ihr Debüt haben Sie im Cup-Achtelfinale beim 7:0-Heimsieg gegen Gloggnitz (10.10.1964) mit 19 Jahren gefeiert, und zwar rechts in der Dreier-Verteidigung statt Paul Halla. Ihr Platz war aber eher auf der linken Außenposition und Ihr Konkurrent Josef Höltl, oder?
Ich war eigentlich ein Rechtsfuß, habe aber immer „verkehrt“ gespielt, auch im Nachwuchs. Ich war so gesehen meiner Zeit bereits voraus. Natürlich konnte ich auch rechts spielen, aber durch das nahende Karriere-Ende von Josef Höltl habe ich schlussendlich auf meiner angestammten Seite gespielt. Ich konnte beidbeinig flanken, was natürlich ein riesiger Vorteil war. Auch im Nationalteam habe ich oft rechts gespielt, ähnlich wie Philipp Lahm heute. Aber links sehe ich ihn besser, genau so, wie es bei mir der Fall war.

Am 7. November 1965, also ein Jahr später, haben Sie dann Ihre Meisterschafts-Premiere beim 4:0 gegen Simmering gefeiert. In der Woche darauf gewannen Sie das Derby vor 30.000 Menschen im Praterstadion. War das das erste große Highlight Ihrer Karriere?
(lacht) Gegen die Austria zu spielen, war immer ein Highlight! Die Stimmung im Stadion war – wie immer bei einem Derby – sehr angespannt. Ich muss sagen, dass ich das Wort Motivation in diesem Zusammenhang nicht mehr hören kann. Wer als Rapidler gegen die Austria nicht von Haus aus motiviert ist, hat seinen Beruf verfehlt und ist kein echter Grünweißer! Gegen die Austria zu spielen, ist etwas ganz Besonderes. Immer! Diejenige Mannschaft, die verloren hat, ist immer darnieder gewesen und hat zwei Wochen gebraucht, um sich zu derrappeln. Wenn wir verloren haben, habe ich in der Firma oft eine große Schraube in einem Kuvert zugeschickt bekommen. (lacht) Weil damals gab es für eine derbe Niederlage die uralte Bezeichnung „man hat a Schraub'n kriagt“.

Während Ihres Aufstiegs beendete Gerhard Hanappi seine Karriere. Können Sie beschreiben, welche Stellung und Wertigkeit er bei Rapid hatte?
Hanappi war ein Gott! Er war der Superstar schlechthin und nur mit Happel oder Zeman vergleichbar. Die anderen waren auch super, aber diese drei Spieler waren außergewöhnlicher, als jeder andere Kicker bei Rapid. Hanappi war das Um und Auf im Mittelfeld, als Mensch immer ein Vorbild und überhaupt nicht eingebildet. Die Jungen, die nachgerückt sind, haben alle zu ihm aufgeschaut, auch wenn sie zu ihm hinuntergeschaut haben. (lacht) Gerhard Hanappi war in Zentimetern gemessen nicht der Größte, aber am Platz war er es ohne jede Frage. Damals war man per Sie mit den Arrivierten. Wenn er das Gefühl gehabt hat, dass man in Ordnung ist, hat er einem das Du-Wort angeboten. Mir hat er Ende der Sechziger sogar mein Haus entworfen! (lacht) Damals habe ich mir ein Grundstück im Irenental gekauft, und Architekt Hanappi hat mir den Plan gemacht. Meine Wohnung im 14. Bezirk habe ich aber trotzdem nie aufgegeben, weil man ja nie weiß, ob man im Alter dann nicht lieber doch in der Stadt wohnen will. Aber zumindest den Sommer verbringe ich immer im Wienerwald. Herrlich!

1966/67 haben Sie sich dann im Laufe des Herbsts in der „Ersten“ etabliert, 16 der 26 Ligaspiele absolviert. Im Europacup der Cupsieger erreichten Sie das Viertelfinale, scheiterten in der Verlängerung unglücklich an Bayern München. Wie war es, gegen Gerd Müller zu spielen?
Ich glaube, dass wir damals in München sehr ungerecht behandelt worden sind. Der zweite Treffer war ein glattes Abseitstor! Leider kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern, aber es gab auch noch andere Situationen, die nicht ganz lupenrein waren. Gegen Gerd Müller habe ich nicht direkt verteidigt, weil er als Mittelstürmer der Gegenspieler von Walter Glechner war. Vor dem Tor war er jedenfalls nur sehr schwer zu stoppen, vor allem wenn die Gefahr einer Drehung gegeben war. Er hat seinen Hintern hinausgestreckt, den Verteidiger weggedrängt, eine Drehung gemacht und eingeschossen. Auf der ganzen Welt konnte das niemand so gut wie Gerd Müller!

Rapid wurde in einem Herzschlag-Finale mit den punktgleichen Innsbruckern Meister. Wie haben Sie als Newcomer diese dramatische Entscheidung miterlebt?
Wenn man mit Rapid Meister wird, gibt es keine Steigerung! Für mich war das einmalig. Auf der Pfarrwiese hat es eine große Feier gegeben, aber so pompös wie heutzutage war es nicht. In der entscheidenden Phase war die Mannschaft überhaupt nicht nervös. Ein ungutes Gefühl haben wir nur immer gegen die Austria gehabt. Diese Matches durfte man nicht verlieren!

Am 28.05.1967 feierten Sie Ihr Teamdebüt bei einem freundschaftlichen Heimspiel gegen Weltmeister England (0:1). Das muss ein tolles Erlebnis für Sie gewesen sein!
Für mich war die Nominierung nicht so eine besondere Sache, weil ich in der Schüler- und Jugend-Mannschaft schon in allen Nationalteams gespielt habe. Für mich war es nur eine Frage der Zeit, bis ich ganz oben ankomme. Schon in der Jugend und in der Schule bin ich „Professor“ genannt worden, weil meine Passes so genau waren. Fehlpässe hat es bei mir so gut wie keine gegeben. Wenn ich bei einem Spiel zwei Fehlpässe gemacht habe, dann hat mich das schon unheimlich geärgert. Deswegen gefällt mir auch der FC Barcelona so sehr, weil es kaum Fehlpässe gibt. Aber zurück zu meinem Teamdebüt: Gegen die großen Namen eines Weltmeisterteams zu spielen, war schon etwas Besonderes, auch wenn ich keine Angst vor ihnen hatte. Es kann ja nix passieren! (lacht)

Was waren eigentlich Ihre weiteren Stärken? Können Sie den Spieler Fak selbst beschreiben?
Ich war ein sehr guter Techniker und im Spielaufbau war ich auch extrem stark – ich habe immer von hinten herausgespielt und die Wuchtel nie blind nach vorne gedroschen. Von Schwächen möchte ich eigentlich gar nicht reden, aber wenn, dann war mein Schuss nicht besonders gut. Das war damals aber mehr oder weniger egal, weil das System für einen Außenverteidiger viel defensiver angelegt war. Die Trainer wollten nicht, dass wir sonderlich offensiv werden. Deswegen habe ich auch kaum Tore gemacht. Was auch ein enormer Unterschied zu damals ist, sind Schuhwerk und Ball. Furchtbar war das damals! Das Spiel ist heute viel laufintensiver als damals, weswegen ich diese verschiedenen Zeiten nicht miteinander vergleichen will. Aber wir haben trainiert und geübt bis zum Umfallen, damit wir auch mit dem schlechten Material einen guten Fußball bieten können. Die Geschmeidigkeit haben wir uns schon im Käfig angeeignet.

Bis 1971 haben Sie 13 Länderspiele absolviert.
Es waren nur 13 Länderspiele! Irgendwer hat mir damals etwas angehängt und ich weiß bis heute nicht wer oder was genau. Aber plötzlich hat mich Teamchef Leopold Stastny nicht mehr einberufen, ohne Grund und ohne Erklärung, es hat keinen Kommentar gegeben. Irgendeine blöde Rederei, eine Unterstellung wird es gegeben haben. Stastny hat mich immer unbedingt wollen, es gab keinerlei Probleme zwischen uns, und urplötzlich war ich weg vom Fenster. Ich war zu stolz, um nachzufragen. Aber die anderen, die nach mir im Team gespielt haben, waren taktisch und technisch auch nicht besser. (lacht) Es soll nicht überheblich klingen, aber es war so!

Zurück zu Rapid. Es gab damals eine Fülle an Spitzenspielern bei Rapid. Wer waren die wichtigsten?
Johnny Bjerregaard war als Goalgetter fast nicht zu ersetzen, trotz Grausam und Seitl. Wie später Hans Krankl. Man hat schon bei den Junioren und später beim WAC gesehen, dass er fast alle Tore schießt. Die Instinkte dieser beiden Spieler, so unterschiedlich sie waren, waren herausragend. Aber ansonsten hat es die Kombination ausgemacht – die hat gepasst! Wir hatten viele Eigenbauspieler, die bei Rapid aufgewachsen sind, wodurch der Zusammenhalt gepasst hat. Und die dazugekommenen Spieler waren sehr gute Ergänzungen. Herausgestochen ist da kaum wer.

Rapid wurde 1967/68 souverän zum 25. Mal Meister, holte sich zum Drüberstreuen das Double. War es damals vorstellbar, dass es sich um den letzten Meistertitel für 14 Jahre handeln könnte?
Nein! Aber die Mannschaft ist dann schön langsam aus finanziellen Gründen zerfallen. Ohne Routine und Klasse war es dann vom Leistungs-Potential kaum mehr möglich, den Meistertitel zu holen.

In der Saison 1968/69 reichte es immerhin noch für Platz drei. Darüber hinaus wurde der Cupsieg wiederholt und im Europacup der Meister für Furore gesorgt. Im Achtelfinale wurde sensationell Real Madrid besiegt. Können Sie sich an diese historische Europacup-Saison zurückerinnern?
Natürlich. Das Hinauswerfen von Real Madrid war der Höhepunkt für diese Mannschaft, eindeutig! Dass wir damals beendet haben, was 1956 quasi angefangen wurde, war eine Sensation, die uns niemand weltweit zugetraut hätte. Aber wir haben alle Rapid-Tugenden in die Waagschale geworfen und es geschafft. Das Gefühl war unbeschreiblich! Wir hatten viel Selbstbewusstsein, weil wir eine große Mannschaft waren. Nach dem Aufstieg haben wir richtig Lunte gerochen. Aber in Manchester haben wir keinen guten Tag erwischt. Zuhause war die Leistung dann okay, aber es war ohnehin schon aussichtslos. In Bestbesetzung und an zwei guten Tagen hätten wir aber auch United aus dem Bewerb werfen können. Vom Potential her war das eine Europaklasse-Mannschaft. Noch!

Wie war der damalige Trainer Rudi Vytlacil?
Streng! Er war ja Spieler bei Rapid (1932-34) und ist zu diesem Zeitpunkt vom bulgarischen Nationalteam nach Hütteldorf gewechselt. Seine Trainingslager waren beinhart! Heute werden – soweit ich weiß – Drei-Phasen-Trainings gemacht. Wir hatten damals ein Vier-Phasen-Training. In der Früh Lauftraining, vormittags Training mit dem Ball, nach dem Mittagessen und einem kleinen Schläfchen gab es am Nachmittag das dritte Training und am Abend haben wir noch in der Halle trainiert.

1969/70 begann dann der Ausverkauf bei Rapid, mit Walter Skocik verließ ein Anführer der Mannschaft Hütteldorf. In den Jahren darauf folgten ihm Glechner, Flögel, Bjerregaard und andere. Wie haben Sie diesen schleichenden „Niedergang“ des SCR miterlebt? Warum ließ Rapid Leistungsträger gehen, anstatt die Mannschaft weiter zu verbessern?
Es war wohl das liebe Geld. Ich weiß nicht genau, was finanziell bei Rapid los war. Aber es wurde gespart, das ist Fakt. Teilweise ist es um lächerliche Beträge gegangen. Und wenn man sich nicht mehr wertgeschätzt vorkommt, geht man halt viel leichter weg. Viele Spieler hatten nie vor, Rapid zu verlassen, aber die Umstände haben sie praktisch dazu gezwungen. Bei mir war es ähnlich. Ich will niemanden denunzieren, aber das Verhalten mancher Funktionäre war nicht ganz astrein, sagen wir es so.

Keine Details?
Tut mir leid, aber in dieser Sache bin ich lieber diskret und vorsichtig.

Unter Gerd Springer roch man 1970/71 als Dritter mit drei Punkten Rückstand auf Wacker Innsbruck trotzdem am Meistertitel, verlor das Cupfinale gegen die Austria unglücklich in der Verlängerung. Warum scheiterte man damals so knapp am Double?
Es war, wie bereits gesagt, eine Umbauphase. Zum Kennenlernen und sich aufeinander Einspielen benötigt man einfach Zeit. Und die hatten wir nicht. Also war es nur eine logische Folge, dass die Mannschaft in den entscheidenden Situationen nicht immer das Richtige gemacht hat.

Nach dem Cupsieg 1971/72, dieses Mal gewann Rapid in der Verlängerung gegen den Sportclub, ging Gerd Springer und Ernst Hlozek kam. Worin haben sich diese beiden Trainer voneinander unterschieden?
Der Springer war ein komplizierter Trainer. Er war früher Eishockey-Spieler und wollte, dass wir ähnlich spielen. „Im Mittelfeld ist Wasser und dort darf der Ball nicht hin!“ – das war seine Maxime. Das war natürlich ganz entgegen meiner Spielphilosophie. Auch der Rudi Flögel und der Gustl Starek haben sich fürchterlich aufgeregt. Auch mit dem Hlozek haben die wenigsten Spieler eine Freude gehabt. Hlozek hat viel Unruhe in die Mannschaft gebracht. Er war kein korrekter Mensch und wir beide mochten uns einfach nicht.

Rapid scheiterte 1972/73 in der Liga und im Cup denkbar knapp an Wacker Innsbruck. In dieser Saison spielten Sie gemeinsam mit Werner Walzer und Hans Krankl die meisten Saison-Partien, waren Fix-Bestandteil der Mannschaft. Und trotzdem war es Ihre letzte Saison für Rapid.
Es hat eine Situation gegeben, in der ich den Hans Krankl vor Hlozek verteidigt habe. Und danach hat er mich im Visier gehabt. Was sich dann abgespielt hat, kann und will ich nicht in aller Öffentlichkeit erzählen. Die Konsequenz war jedenfalls, dass ich Rapid verlassen musste. Das hat natürlich sehr weh getan. Ich war 28 Jahre alt und hätte sehr gerne noch ein paar Jahre bei „meinem“ Verein gespielt. Aber es ging nicht mehr, schweren Herzens.

Am 12. August 1972 haben Sie bei der Klagenfurter Austria Ihr erstes Pflichtspieltor für Rapid erzielt. Einen guten Monat später gelang gleich Ihr zweites und letztes Tor im Rapid-Dress zum 6:0-Endstand gegen den Sportclub. War das erste Tor gar eine Bewerbungshilfe?
Nein. Klagenfurt-Trainer Hohenberger wollte mich schon länger haben. Dann hat es sich aufgrund der eben beschriebenen Situation ergeben, und nach einem Anruf hat er alles in die Wege geleitet. Das mit den Toren hatte seinen Grund: Die Systeme hatten sich geändert und die Verteidiger wurden offensiver. Dadurch hatte ich plötzlich mehr Torchancen. Und vom Käfig kannte ich ja das Gefühl des Toreschießens. (lacht)

In Klagenfurt spielten mit Franz Hasil, Ewald Ullmann und Alois Jagodic drei weitere Ex-Rapidler. War es ein spezielles Gefühl, gegen Rapid anzutreten?
Es war ein eher trauriges Gefühl. Wenn man bei einem Verein aufwächst und dann plötzlich gegen ihn spielt, hat man ein ungutes Kribbeln im Bauch. Bei mir war es in jedem Fall so.

Nach zwei Jahren in Kärnten wechselten Sie für knappe zwei Saisonen zum FC Tulln, danach noch kurz zu DSV Leoben. Wie haben Sie das Ende Ihrer Profikarriere in Erinnerung?
Profis waren wir ja damals keine, sondern Halbprofis. Wir hatten fast alle einen normalen Job. Bei Rapid gab es vielleicht drei bis vier Vollprofis, aber die durchgehende Professionalisierung im österreichischen Fußball hat erst 1978 stattgefunden. Ich habe bei einer Versicherung gearbeitet, 42 Jahre war ich bei der Allianz-Elementar, mit Gesellenprüfung und allem Drum und Dran. Den Job hat mir Rapid verschafft, wie vielen anderen Kollegen auch. Ich bin um sechs Uhr aufgestanden und in die Arbeit gegangen. Um 16 Uhr haben wir dann zwei Stunden trainiert, und am Abend bin ich dann ins Bett gefallen. (lacht) Das war ganz schön anstrengend! Beim Verein haben wir ein wenig mehr verdient, als in der Firma. Von der habe ich damals zwei Jahre Karenz-Urlaub für mein Engagement in Klagenfurt bekommen, was ohnehin schon ein Entgegenkommen war. Danach musste ich zurück, und Tulln ist ja gleich in der Nähe. Nach der Arbeit bin ich nach Tulln zum Training gefahren, was von der Distanz her okay war. Leoben wollte mich unbedingt haben, weil ich zweimal mit Tulln gegen DSV gespielt habe und Walter Schachner beide Male keinen Stich gemacht hat. Inzwischen war Gerdi Springer dort Trainer und sie haben mich geholt. Ich musste zwar nur einmal pro Woche zum Training fahren, aber gemeinsam mit den Wochenenden, an denen ich immer unterwegs war, ist mir das zuviel geworden. Also habe ich nach einem Jahr aufgehört und bin zu Slovan HAC nach Wien zurückgekehrt. In den letzten beiden Jahren war ich dort Spielertrainer. Danach habe ich noch Red Star trainiert, aber dann war endgültig Schluss.

Wie haben Sie es miterlebt, als Rapid 1982 erstmals seit Ihrer Zeit wieder Meister wurde?
Mit großer Freude! Ich hänge derart an dem Verein, dass ich mich über jeden Erfolg freue. Rapid war mein Leben, und das hat nie wirklich aufgehört.

Und danach? Wie war Ihr Kontakt zum Rekordmeister bis zur Gründung des Legendenklubs?
Inoffiziell. (lacht) Ich bin privat auf die Matches gegangen und habe brav meine Karte bezahlt. "Funki" Feurer sind wir Legenden alle zu großem Dank verpflichtet, weil er dieses Projekt auf die Beine gestellt hat! Wegen dem Geld ist es nicht, aber sich mit alten Bekannten zu treffen und im Legendenklub Schmäh führen zu können, ist ein Segen. Auch die Anerkennung freut mich natürlich.

Gibt es für Sie einen Lieblings-Rapidler aller Zeiten?
Ich habe mich immer sehr stark für Hans Krankl eingesetzt. Zu Recht! Insofern ist er mir der liebste Rapidler. (zeigt ein Foto her) Hier sind wir zusammen beim Europa-League-Match gegen Sofia im Happel-Stadion. Das Spiel war eine Katastrophe, aber Spaß hatten wir trotzdem.

Und was ist Ihr Kommentar zur aktuellen Mannschaft?
Es rennt nicht so gut, aber der Kader ist okay. Stören tut ich mich nur, wenn einer viele Fehlpasses macht. Aber ich schimpfe nicht laut, sondern ärgere mich in mich hinein. (lacht) Das soll aber hin und wieder vorkommen.

Wurden Sie jemals darauf angesprochen, dass Ihr Name der Austria-Abkürzung FAK sehr ähnlich ist?
Jaja. (lacht) Bei der Eröffnung des Legendenklubs im Goleador hat eine Rapid-Sekretärin um meinen Namen gefragt und wollte mich deswegen nicht zur Feier lassen. Der „Funki“ hat dann in seinen Rapid-Wuchteln geschrieben, dass es völlig logisch ist, dass man mit einem solchen Namen bei Rapid nirgendwo hineinkommt. (lacht) Dabei bin ich durch und durch Rapidler, mehr als manch anderer!


Interview vom 05.04.2011 (grela)


10 Fragen zum besseren Kennenlernen:

Ihre Lieblings-Elf aller Zeiten?
Die Fünfziger-Jahre-Mannschaft von Rapid. Ich hab‘ sie als Kind spielen sehen und wurde von dieser unglaublichen Klasse geprägt.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?
Bernabeu!

Ihre größte Niederlage am Fußball-Platz?
Das 0:6 gegen die Austria. Das war nicht lustig!

Rapid ist...
... etwas ganz Besonderes!

Was fehlt in Ihrem Kühlschrank nie?
Schwere Frage. Es ist immer alles griffbereit, was ich mag.

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?
Einer, der innerhalb Österreichs ist. Ich bin am liebsten im Irenental.

Wohin würden Sie reisen, wenn Sie eine Zeitmaschine hätten?
Ritterzeit.

Eine Marotte?
Ich bin genau bis hin zur Pingeligkeit.

Der beste Spieler, gegen den Sie je gespielt haben?
Georgie Best.

Der bedeutendste Sportler aller Zeiten?
Weiß ich nicht. Aber in Österreich war es Gerhard Hanappi. Eindeutig!