Herbert Feurer im Gespräch
 

Interview vom 11. Juni 2010 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

" Ich war ein Künstler zwischen den Pfosten!“ ein meines Lebens"

Herbert „Funki“ Feurer war der erste Rapid-Tormann, der an den legendären Walter Zeman heranreichen konnte. Der am 14. Jänner 1954 geborene Aspanger wechselte 1976 von Wr. Neustadt zum SCR und war ein Hauptgrund für die grünweiße Renaissance in den Achtzigern. Je vier Meistertitel und Cupsiege waren die nationalen Highlights Feurers, im Europacup erreichte er ein Finale (1984/85) und zwei Viertelfinali (1983/84, 1985/86). In der Blüte seiner Beliebtheit – „Funki“ war zweifacher „Fußballer des Jahres“ (1980, 1981) – absolvierte der Klassetormann auch sieben Länderspiele und blieb ungeschlagen, was ihn zur augenzwinkernden Aussage „Ich bin der erfolgreichste Tormann Österreichs“ veranlasste. Nach 289 Ligaspielen, 37 Cup-Auftritten und 32 Europacup-Matches beendete der Ausnahmekönner seine ruhmreiche Rapid-Karriere als Aktiver. Danach glänzte Feurer als Tormanntrainer beim SCR (1989–1992; 1994–1998; 2000–2006) und im Nationalteam (1993–2002) mit vielen weiteren Triumphen. Aktuell verbreitet der Trafik-Besitzer als Gründer des in Österreich einzigartigen Legenden-Klubs gute Stimmung im Hanappi-Stadion. Mehr Kult geht echt nicht!

Sein Auftritt beim sensationellen 1:0-Sieg Rapids gegen Celtic Glasgow in Old Trafford 1984 bleibt unvergesslich. Fast 26 Jahre später ist Herbert Feurers Auftreten noch immer legendär. Im musealen Hinterzimmer seiner Trafik werde ich aufs herzlichste empfangen. Viele Bilder erinnern an den Tormann-Helden von einst und seine unglaublichen Taten. Das Gespräch ist locker und entspannt. Nachdem ich vom Mannschaftsfoto der Saison 1976/77 nur knapp die Hälfte der Spieler erkenne, wird mir die Kompetenz abgesprochen. Aber wie gesagt – bei Herbert Feurer ist viel „;-)“ dabei. Mit Mühe und Not kann ich eine Interview-Absage des Schmähbruders verhindern. Wenig später ist die SCR-Ikone darüber verwundert, dass ich phasenweise mehr über ihn weiß, als er selbst. Sarkasmus ist Herbert Feurers ständiger Begleiter, der Schalk sitzt ihm auf der Zunge – und jeder kann vom „König der Wuchtln“ auf die Schaufel genommen werden. Eine Ehre, denn Herbert Feurer ist ein Rapidler durch und durch!

Heute beginnt die Weltmeisterschaft in Südafrika. Stimmen Sie zu, dass nur eine Mannschaft mit einem großartigen Tormann das Turnier gewinnen kann?
Der Tormann ist meiner Meinung nach sehr wichtig, aber nicht das Wichtigste in einem Team. Wenn die Mannschaft außergewöhnlich ist, kann man die WM auch mit einem durchschnittlichen Tormann gewinnen.

Wer sind Ihre Favoriten?
Brasilien, Argentinien. Und ich zähle – wie alle anderen – auch Spanien zu den Top-Anwärtern auf den WM-Titel.

Stimmt es, dass Sie bereits als Kind ein Faible für Rapid hatten und im Nachwuchsbereich der Auswahlteams durchwegs im Rapid-Style auftraten?
Ja! Ich hatte immer ein grünes Leibchen, eine grüne Hose, weiße Stutzen und ein schwarzes Kapperl an. Deswegen bin ich immer wieder mit dem Walter Zeman verglichen worden.

War Ihnen der „Tiger“ als Kind ein Begriff?
Ja. Ich habe ihn zwar nie spielen sehen, aber für mich war er immer eine Legende. Man hat mir von ihm und seinen unglaublichen Spielen erzählt. Dass ich ihn vor seinem Ableben noch persönlich kennenlernen durfte, hat mich besonders gefreut.

Wie ist Ihre Leidenschaft für Rapid entstanden?
In Niederösterreich in Aspang, wo ich aufgewachsen bin, gibt es im Endeffekt nur zwei Vereine – Rapid und die Austria. Für mich war Rapid immer die klare Nummer 1!

Wie kam es dazu, dass Sie sich beim Fußballspielen ins Tor stellten?
Das ist so eine Sache. Ich war eigentlich auch ein sehr guter Feldspieler. So gesehen bin ich zu früh auf die Welt gekommen, weil das Spiel von heute, mit der Rückpass-Regel und dem Tormann als einer Art Libero, wäre mir sehr entgegengekommen. Bei Freundschaftsspielen von Rapid habe ich oft als Mittelstürmer gespielt und auch ein paar Tore geschossen. Im Endeffekt war mein Talent als Tormann aber einfach am größten. Ich sage Dir aber gleich, dass ich nie ein Tormann war, sondern immer ein „Künstler zwischen den Pfosten“. Mit den narrischen Eigenbrötlern, wie sie immer beschrieben werden, möchte ich nicht in einen Topf geworfen werden – nur damit das klargestellt ist!

Beim Zweitdivisionär Wr. Neustadt machten Sie mit Spitzenleistungen Top-Klubs auf sich aufmerksam. Waren Sie ein außergewöhnliches Talent?
Ich habe bis hin zum Nationalteam fast alle Auswahlteams durchgespielt, angefangen von den niederösterreichischen Auswahlen in der Jugend und bei den Junioren, über die Amateur-Auswahlen bis hin zum österreichischen UEFA-Team. Alleine mit meinen Leistungen in der Zweiten Division bei Wr. Neustadt hätte ich nicht so sehr Aufsehen erregen können, wie es mir in Verbindung mit den ständigen Einberufungen in die diversen Auswahlen gelungen ist. Wir waren damals in Wr. Neustadt ja nicht einmal Profis!

Als Sie 1976 zu Rapid gingen, wollten Sie auch Wacker Innsbruck und der FC Brügge verpflichten. Robert Körner und Kurt Eichelberger holten Sie aber nach Hütteldorf. War das für Sie eine eindeutige Entscheidung?
Ja, obwohl mich alle drei Mannschaften unbedingt haben wollten. Brügge war damals eine absolut tonangebende Spitzenmannschaft in Europa. Ernst Happel hat diese Mannschaft 1976 ins UEFA-Cup-Finale und zwei Jahre später ins Endspiel des Europacups der Landesmeister geführt! Und in Belgien waren sie von 1976 bis 1978 zum Drüberstreuen auch noch dreimal Meister. Innsbruck war damals in Österreich das Erfolgsteam der Stunde, und Rapid war damals nur an dritter, vierter Stelle in Österreich einzuordnen. Aber für mich hat trotzdem nur Rapid gezählt! Mir war auch der finanzielle Aspekt egal, weil ich unbedingt zu Rapid wollte! Neben dem Herrn Eichelberger und dem Robert Körner hat sich auch der Alfred Körner sehr um mich bemüht. Ich bin ihm bis heute sehr böse, weil es auch ihm zu verdanken war, dass ich beim SCR gelandet bin. Das war keine gute Idee von ihm! 1976 hatte ich nämlich noch viele Haare, war ein Fotomodell, und heute bin ich ein körperliches Wrack. Und wer ist Schuld daran? Richtig. Der Freddy Körner! 30 Jahre bei Rapid haben mich geprägt und quasi ruiniert. (lacht) Das bekommt er im „Legendenklub“ auch immer wieder zu spüren! Und bei den „Rapid-Wuchteln“ ist er sowieso vertreten.

Ausgerechnet mit einer Spitzenleistung in einem Freundschaftsspiel gegen Ernst Happels FC Brügge wurden Sie das, was Adolf Antrich, die Fuchsbichlers, Helmut Maurer und Peter Barthold vor Ihnen vergeblich versucht hatten – Rapids unumstrittene Nummer 1. Waren Sie stolz auf diese Sonderstellung?
Das war mir alles nicht bewusst. Insofern bin ich auch erst heute stolz darauf. Damals musste ich kämpfen, weil ich von einem kleinen Verein zu Rapid gekommen bin. Plötzlich befand ich mich inmitten von Stars und Legenden, was für mich sehr beeindruckend, aber auch nicht gerade einfach war. Ich habe mich damals ganz aufs Fußballspielen konzentriert. Mit dem ganzen Drumherum habe ich mich nicht so sehr beschäftigt.

Gleich in Ihrem siebenten und neunten Pflichtspiel für Rapid spielten Sie im September 1976 im Europacup der Cupsieger gegen Atletico Madrid, vor 50.000 Zuschauern im Praterstadion und vor 45.000 im Estadio Vicente Calderon. Wie waren diese Erlebnisse für Sie? Hatten Sie die Hosen etwas voll oder haben Sie diese ungewöhnlichen Menschenmassen kalt gelassen?
Naja, ich habe ja schon in den Auswahlteams vor 30.000 bis 40.000 Zuschauern gespielt. In Wr. Neustadt waren in der Nationalliga auch 14.000 Zuschauer da. Und ob 14.000, 30.000 oder 40.000 – da ist der Unterschied nicht mehr so groß. Eher geht es darum, dass man gegen ein großen und bedeutenden Verein spielt.

In Ihrer ersten Saison spielten Sie bei Rapid-Heimspielen in Dornbach, im Praterstadion und im Weststadion. In Ihrer zweiten Saison kamen dann sogar noch der Horr-Platz, die Hohe Warte und dann die legendäre Pfarrwiese dazu. Erst in der dritten Spielzeit wurden Sie im Weststadion, dem späteren Hanappi-Stadion, heimisch. Wie waren diese Wanderjahre? Wären die zwei Vize-Meisterschaften zu Titel geworden, wenn Rapid einen fixen Heimspiel-Ort gehabt hätte?
(lacht) Ja, wir haben viele Heimstätten gehabt! Hätten wir einen fixen Ort für unsere Heimspiele gehabt und wäre es mit den Fans so gewesen, wie heutzutage, dann hätten wir mit Sicherheit beide Titel geholt. Mit dieser ständigen Umzieherei war es nur eine halbe Sache. Überall zwischen irgendwo und nirgendwo spielen und trainieren – das war ein Zustand und keinesfalls rapidwürdig! Wenn ich heute bei einem Heimspiel die Fans im Stadion beobachte, dann ist das 100:1 verglichen mit damals. Dass die Fans und die Mannschaft eine schöne Heimat haben und sich gegenseitig unterstützen, ist vielleicht das Wichtigste im Fußball überhaupt!
Wir haben im heutigen Hanappi- und damaligen West-Stadion alles erlebt! Beim ersten Meistertitel nach 14 Jahren waren gegen Wacker Innsbruck 25.000 Menschen im Stadion! Und beim Eröffnungs-Match gegen die Austria, das wir 1:0 gewonnen haben, waren es noch mehr! Aber wir haben auch Spitzenmannschaften aus dem Hanappi-Stadion geschossen und es waren nur zwischen knapp 2.000 und 8.000 Fans dabei, während Rapid auswärts die Massen angezogen hat. Ich habe eigentlich alles erlebt bei Rapid, im Positiven wie im Negativen. So harmonisch wie heute war es eigentlich nie. Es war immer ein Kampf mit dem Geld, ein Kampf um eine Heimstätte, und der Kampf, eine gute Mannschaft zusammenzubekommen. Viel Kampf und auch Krampf.

1978/79 spielten Sie „nur“ 23 Ligaspiele, Peter Barthold 13. Ähnliches passierte auch in der Saison 1983/84 mit Karl Ehn...
...weil ich damals verletzt war! Die Nummer-1-Position bei Rapid war eigentlich nie ein Thema. Wenn ich nach einer Verletzungs-Pause wieder fit war, dann habe ich auch immer gespielt.

1979/80 gab es mit dem fünften Platz in der Meisterschaft eine Art Tiefpunkt bei Rapid. Auch in der Folgesaison wurde man „nur“ Dritter. Wie war damals die Stimmung in der Mannschaft, dem Verein und bei den Fans?
Wir hatten eine ganz junge Mannschaft ohne große Erfahrungen. Peter Persidis und ich waren schon die Routiniers, obwohl ich auch erst um die 25 Jahre alt war. In dieser Saison haben wir achtmal 0:0 gespielt, sonst wären wir sogar in gröbere Abstiegs-Probleme geraten. Die Stimmung war aber nicht so schlecht, weil es eben eine junge Truppe war, die um den Erfolg gekämpft hat, und nicht ein erfolgloses Star-Ensemble.

1981/82 gab es dann endlich den ersten Meistertitel seit knapp eineinhalb Jahrzehnten zu feiern und eine irrsinnige Erfolgswelle kam ins Rollen. Was war der Knackpunkt?
Knackpunkt war die Verpflichtung von Antonin Panenka. Das war eine Persönlichkeit im Mittelfeld, die entscheidende Tore geschossen hat und menschlich voll in Ordnung war. Er hat der Mannschaft enorm geholfen! Auch international hat uns das Engagement von Antonin viel positive Beachtung eingebracht!

Hat er sie im Training auch mit seinen Elfmetern gehäkerlt?
Nein, nie! Ich bin nämlich immer aus dem Tor gegangen, wenn Antonin seine Elfer und Freistöße geübt hat und der Karl Ehn hat in den Kasten hineinmüssen. Er war so gut, dass er mich mit seinen perfekten Standards verunsichert hätte. Also habe ich dieses „Kräftemessen“ lieber gleich bleiben lassen. Ansonsten hätte er meine Karriere ruiniert! (lacht)

Wie wichtig war es Ihnen, dass Sie von den Rapid-Fans zu Österreichs „Fußballer der Jahre 1980 und 1981“ gewählt wurden?
Natürlich sehr! Vor allem, weil es mit guten Leistungen im Europacup und im Nationalteam zusammengehangen ist. Meine Karriere hat damals erst so richtig begonnen, bei Rapid und im Team.

Am 8. Oktober 1980 feierten Sie Ihr Debüt im Nationalteam, bei einem 3:1-Sieg gegen Ungarn. Innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre spielten Sie weitere sechs Mal für den ÖFB. Insgesamt feierten Sie sechs Siege (vier in der WM-Quali) und spielten 0:0 in Bulgarien (Torverhältnis 17:2) . Trotzdem endete Ihre Karriere als Einsergoalie mit dem letzten Spiel vor der WM 1982. Wie enttäuscht waren Sie darüber, dass es davor, währenddessen und danach vor lauter Friedl Koncilias nur so wimmelte?
Zu dieser Zeit war der Friedl Koncilia immer die Nummer 1, ein etablierter Team-Goalie mit damals schon um die 50 Spiele im Rücken. Ich habe das ohne Murren akzeptiert. Als er verletzt war, habe ich gespielt und meine Sache sehr gut gemacht. Ich war mehr als ein guter Ersatz und ganz wesentlich daran beteiligt, dass Österreich zur WM nach Spanien hat fahren dürfen. Auch beim letzten Match vor der Endrunde habe ich beim 1:0-Sieg gegen Dänemark gespielt. Als der Friedl dann wieder fit war, ist er sofort wieder in der Stammelf gewesen. Das war für mich schon erstaunlich!
Die Geschichte dazu ist aber auch nicht unkompliziert: Vor der WM war Karl Stotz Trainer, und es war schon bemerkenswert, dass ein „Jahrhundert-Austrianer“ einen Rapidler ins Tor gestellt hat. Knapp vor der WM wurde Stotz von Präsident Sekanina gefeuert, weil der geglaubt hatte, dass Ernst Happel Trainer werden würde. Das war aber ein Irrtum, und so waren bei der WM dann Felix Latzke und Georg Schmidt die Betreuer. Der Latzke hat gleich von Beginn weg klargestellt, dass Koncilia die Nummer 1 ist. Leicht zu verarbeiten war das nicht, weil ich immerhin ein entscheidender Faktor bei der Qualifikation für Spanien war. Für mich war die Sache damit aber trotzdem erledigt. Koncilia war schon 1978 im Team, und somit war es irgendwie legitim, dass er auch 1982 spielt. Da bin ich ganz ehrlich und korrekt, weil er es sich auch verdient gehabt hat.

Wie verstanden Sie sich eigentlich mit Ihrem Konkurrenten?
Ich habe mit ihm als einer der ganz wenigen kaum Probleme gehabt. Er war so ein Typ, der bei allen angeeckt ist. Ich hatte aber im Großen und Ganzen kein Problem mit ihm.

Trotz der Enttäuschungen im Team folgten für Sie höchst erfolgreiche Jahre beim Verein. Welche ist für Sie die schönste und wertvollste Erinnerung?
(bläst durch) Das ist schwer! Es waren soviele Erfolge! Am ehesten als Eckpunkte sind mir mein Meisterschafts-Debüt (2:0-Heimsieg am 11. August 1976 gegen Admira/Wacker) , ein paar Europacup-Matches, der Meistertitel 1982, die Cupsiege... in Wirklichkeit kann ich gar nichts hervorheben. Bei all den Erfolgen ist eine Selektion auch irrsinnig schwer. Ich war ja immerhin als Trainer UND Spieler bei der WM (1982, 1998) und in einem Europacup-Finale (1985, 1996) .

Im Hexenkessel Old Trafford spielten Sie im Entscheidungsspiel gegen Celtic Glasgow eine Ihrer besten Partien.
Es war eine gute Partie, aber mit Sicherheit nicht die beste. Dafür war es aber mein wichtigstes Spiel! Nicht nur, dass Rapid im Europacup weitergekommen ist – es hat unseren Namen in Europa wieder reingewaschen! Nach dem Skandalspiel von Glasgow war Rapids Image schwer angeschlagen. Dass ich nach der Attacke des Fans gegen mich wieder aufgestanden bin, war sehr wichtig. Das hat Vieles in ein anderes Licht gerückt. Schiedsrichter Agnolin hat sich nach dem Spiel sogar bei mir bedankt und mir gratuliert. Damals waren Stadion-Situationen schon oft relativ unkontrollierbar. Und ein paar Monate später ist es zur „Heysel-Katastrophe“ gekommen! Das hätte uns auch passieren können, wäre ich damals liegen geblieben.

Wie haben Sie all die Attacken vor und nach dem Spiel miterlebt?
Überall war berittene Polizei, die die schottischen Fans aber nicht kontrollieren konnte. Unser Bus ist mit Steinen beworfen worden und wir sind gemeinsam mit den Journalisten am Boden des Bus-Gangs gelegen. Mein Schutzschild war aber perfekt, weil mich der Edi Finger Jr. mit seinem „muskulösen“ Körper abgedeckt hat. Mir hätte nie etwas passieren können! Der Edi hat hinten in der Hose einen braunen Beistrich gehabt. Und den hat man auch gerochen! (lacht) Es war aber auch wirklich gefährlich. Nur als Spitzensportler muss man durch so eine Situation halt durch, aus basta!

In den Katakomben wurde nach dem Spiel ausgelassen gefeiert, Hans Krankl spielte den Interviewer. Wer waren eigentlich die großen Scherzkekse und Spaßmacher innerhalb der Mannschaft?
Die Stimmung war natürlich super, weil alle heilfroh waren, dass alles glimpflich und erfolgreich ausgegangen ist. Zu den Spaßmachern habe ich selbst damals nicht dazugehört, weil ich als Spieler eher der zurückhaltende Typ war. Der einzige Spieler, der zu dieser Zeit einen guten Schmäh gehabt hat, war eigentlich der Hansi Gröss.

Was war aus Ihrer Sicht die vielleicht beste Partie Ihres Lebens?
Beste und entscheidende Partien – auch da gibt es so viele! Einen besonderen Stellenwert hat aber das Europacup-Auswärtsspiel in Eindhoven (Rapid stieg 1981 nach einer 1:2-Niederlage gegen PSV ins UEFA-Cup-Achtelfinale auf) . Und ganz, ganz wichtig war für mich und ganz Österreich das letzte Spiel der WM-Qualifikation für Spanien in Bulgarien. Um uns zu qualifizieren, durften wir nicht verlieren. Hätte ich ein Tor in Sofia bekommen, dann wäre ich der „Trottel der Nation“ gewesen. Es war dort so kalt, hatte um die fünf Minusgrade, und ich habe in der kurzen Hose gespielt und die Finger waren tiefgekühlt. Hätte ich damals das Tor nicht sauber gehalten – wer weiß, wie es mit meiner Karriere weitergegangen wäre! Wenn man älter wird, dann macht man sich über solche Dinge mehr Gedanken.

Am 7.12.1984 gewannen Sie noch gegen Ihren Vienna-Kontrahenten Michael Konsel mit 5:0. Nach dem kultigen 5:0 gegen Dynamo Dresden Ende März 1985 und einer Verletzung ersetzte Michael Konsel Sie bis zum Ende der Saison. Waren Sie die ganze Zeit über verletzt?
Ich glaube, dass ich mich wenige Tage nach dem „Europacup-Wunder“ bei einem 6:2-Sieg am FavAC-Platz verletzt habe. Ich kann nur nacherzählen, was Otto Baric, dieser Cheftrainer, im Nachhinein erzählt hat. Es wäre angeblich der größte Fehler seiner Karriere gewesen, dass er mich, Panenka und Brucic beim Europacup-Finale in Rotterdam auf der Bank gelassen hat. Ich war bei diesem Spiel eigentlich topfit!

Ich bin sprachlos. Von Antonin Panenka habe ich persönlich gehört, dass er nicht ganz fit war. Aber von Ihnen und Brucic habe ich nicht gewusst, dass Sie beide einsatzfähig gewesen wären.
Das ist auch alles erst im Nachhinein so richtig an die Öffentlichkeit gelangt. Ich hätte spielen können, Brucic war absolut einsatzbereit, und „Tondo“ war zwar nur zu 80 Prozent fit, hätte aber auch eingesetzt werden können. Routine und Klasse hätten vielleicht mehr gebracht als die talentierte Jugend. Aber wir haben da nie einen Wickel provoziert. Es war Rapid und damit aus!

In den darauffolgenden zwei Saisonen wurde Michael Konsel langsam aber sicher zur neuen Nummer 1. Wie haben Sie dieses Duell miterlebt?
Es war ein Hin und Her, wobei ich verletzungsanfälliger gewesen bin. Wir hatten nie ein Problem miteinander, auch wenn das Duell damals von der Presse künstlich hochgeschaukelt wurde. Und wenn ich damals vielleicht hin und wieder in den Hintergrund gerückt bin, habe ich damals schon meine Fähigkeiten als Journalist geschärft, was schlussendlich in den Rapid-Wuchteln münden „musste“. In meiner letzten Saison habe ich mich dann freiwillig zurückgezogen und Konsel meine Erfahrungen weitergegeben, vor allem ab meiner Zeit als Tormanntrainer. Hätte ich in dieser Situation auf meine Position beharrt und weitergemacht – wer weiß, wie sich die Laufbahn von Herrn Konsel entwickelt hätte. Ich vergönne ihm seine Karriere aber total, vor allem weil er ja auch jahrelang mein Schützling war.

1988/89 beendeten Sie Ihre großartige Karriere, bestritten Ihr letztes Spiel beim 3:0-Cupsieg in Oberwart am 16. August 1988. Was waren eigentlich Ihre größten Stärken?
Meine größten Stärken? Das kann ich Dir nicht sagen, das müssen andere beurteilen. (Ich kann mich zumindest an keine Schwäche erinnern...)

In der nächsten Saison wurden Sie zum Tormann-Trainer unter Hans Krankl und folgten dem „Goleador“ auch nach Mödling. Bestand da eine spezielle Freundschaft zwischen Ihnen beiden?
Damals schon. Und in Mödling hatten wir auch einen großen Erfolg. Als Hans nach Innsbruck gegangen ist, hätte ich auch mitgehen sollen. Die beiden anderen Optionen waren der Cheftrainer-Posten in Mödling und Rapid, wohin mich Ernst Dokupil unbedingt zurückholen wollte. Wieder – wie damals bei Wr. Neustadt – hatte ich drei Möglichkeiten, wieder war Rapid das vermeintlich schlechteste Angebot, und wieder zog es mich magnetisch nach Hütteldorf, obwohl es dort kein Geld gab. Trotzdem wurde gemeinsam mit „Dok“ ein Erfolgslauf gestartet, wie schon in meiner aktiven Zeit.

Sie blieben bis Ende 2006 Co- und Tormanntrainer. Nur nicht in der Ära Weber. Was war passiert?
Der Heri war eigentlich immer ein Freund von mir und wir hatten nie Probleme. Nur gab es damals halt Meinungsverschiedenheiten, die zu einem spontanen Bruch geführt haben. (Das Mobiltelefon klingelt) Eine Sekunde, der Weber ruft mich gerade an! (Es war dann doch ein Freund/Bekannter spitznamens „Präsident“) Wo waren wir? Ach ja, der Herr Weber wollte mir erklären, wie ich meine Tormänner zu trainieren habe, und daraufhin habe ich gesagt: „Okay – wenn du das so genau weißt, dann mach' es doch selber!“ Damit war die Geschichte damals erledigt. Jetzt ist das schon lange geklärt. Der Heri hat zugegeben, dass die Aktion damals ein Blödsinn war und auch seiner Sturheit entsprang.

Sie kehrten dann wieder zurück zu Rapid, und als Pacult 2006 kam, hörten Sie endgültig auf. Aber nicht aus Antipathie, oder?
Ich habe fast alle wichtigen und namhaften Trainer Österreichs überlebt, aber dann kam Peter Pacult und ich hatte nach drei Monaten ein schweres Burnout. (lacht) Nein, im Ernst: Mit ihm gab es keine Probleme. Aber eines Tages bekam ich nur mehr sehr schwer Luft, und so bin ich – anstatt mit Peter Schöttel in die damalige Schwarzenegger-Arena zu fahren – im Spital gelandet. Ich habe dann aus gesundheitlichen Gründen von einem auf den anderen Tag aufgehört.

2007 gründeten Sie den in Österreich einzigartigen Legenden-Klub bei Rapid. Wer kann Ihnen als inzwischen „diplomiertem“ Schmähbruder am ehesten das Wasser reichen?
Da gibt es viele! Anfangs habe ich das nicht gewusst, weil ich viele von den Legenden noch nicht persönlich kannte. Flögel, Grausam, Höltl und andere haben mehr Witz im Zeigefinger als andere im ganzen Körper! Für mich waren das aber nicht nur Legenden, sondern auch unantastbare Vorbilder. Jetzt führen wir im Legenden-Klub Schmäh und schauen uns die Matches unterhalb der Pressetribüne an. Wunderschön ist das!

(Ich spreche Herbert Feurer auf den Überwachungsbildschirm im Hinterzimmer seiner Trafik an) Seit 1988 führen Sie diese Trafik im 16. Bezirk in der Effingergasse. Was würden Sie im Falle eines Überfalls machen?
Am Nikolaustag des Vorjahres ist das tatsächlich passiert. Meine Angestellte war damals im Geschäft und hat dem Krampus gesagt, dass sie kein Geld hat. Da ist der Räuber wieder gegangen. Nicht einmal ein Packerl Zigaretten hat er mitgenommen! Wenn man „scharfe“ Angestellte hat, hat man kein Problem. (lacht)

Woher rührt eigentlich der Spitzname „Funki“?
Das weiß ich nicht. Auf einmal war er da! Woher und von wem? Keine Ahnung. Herbert war den Kollegen zu lang. Vielleicht wegen meinem Nachnamen. Ein Feurer schlägt schließlich Funken!

Mit Ihren drei „Rapid-Wuchteln“ und einer ÖFB-Ausgabe waren Sie sehr erfolgreich. Ist ein neues Buch geplant?
Derzeit nicht, weil ich bei Rapid immer weniger Lustiges sehe. Bei den Jungen gibt es eigentlich keinen Schmäh mehr. Vielleicht trauen sie sich derzeit auch nicht. Es kann aber schon sein, dass sich in der etwas ferneren Zukunft wieder etwas ergibt.

Gibt es eine unerzählte, brisante Wuchtel, die Sie nie veröffentlichen konnten?
Da gibt es genug!

War Ihnen einer Ihrer ehemaligen Mitstreiter nach der Veröffentlichung dieser amüsanten Anekdoten böse?
Nein, nie! Es soll ja immer nur zum Schmunzeln sein. Beleidigendes ist da nicht dabei gewesen. Außerdem habe ich vor der Veröffentlichung immer um Erlaubnis gefragt. So macht man das nämlich als guter Journalist, wie Du sicher weißt. (Ich nicke grinsend)

Sie haben als Spieler, Co- und Tormann-Trainer viele Coaches miterlebt. Wer war der beste und warum?
Ernst Dokupil. Weil er einfach ein persönlicher Liebling von mir ist und Unwahrscheinliches geleistet hat.

Was sagen Sie zum momentan tobenden Zweikampf zwischen Helge Payer und Raimund Hedl?
Beide sind ja meine „Sieben-Monats-Kinder“! Das Hierarchie-Problem ist unter Herrn Pacult entstanden. Normalerweise sollte es da nie ein Problem geben. Bei mir war es immer so – eine eindeutige und gestärkte Nummer 1, ein verlässlicher und sehr guter Ersatzmann, und dann noch ein Junger, der als neuer Einser aufgebaut wird. Bei zwei gleichwertigen Tormännern ist das Problem, dass sich der aktuelle Starter nicht soviel traut, weil er immer Angst vor einem Fehler und einer damit verbundenen Ablösung hat. Ein Tormann, der das unumstößliche Vertrauen seines Trainers spürt, traut sich mehr und nimmt ein höheres Risiko. Wie es jetzt weitergeht, weiß ich nicht, weil ich nicht mehr involviert bin. Bei mir wäre Payer gesetzt, Hedl ein geliebter Zweier, und als junge Nachwuchshoffnung würde ich – und ich habe mit beiden trainiert – eher Königshofer als Lukse wählen.

Und wer ist aktuell der beste österreichische Goalie?
Derzeit Leo Hillinger!

Interview vom 11.06.2010 (grela)

10 Fragen zum besseren Kennenlernen:
Lieblings-Elf aller Zeiten?

Immer die gegenwärtige Rapid-Mannschaft.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?
Das King-Fahd-Stadion in Riad hat mich persönlich am meisten beeindruckt. Das haben die Öl-Multis in die Wüste hineingebaut – ein unglaubliches Stadion! Mit Rapid waren wir dort zu einem Freundschaftsspiel eingeladen.

Ihre größte Niederlage am Fussball-Platz?
Gegen Atletico oder Real Madrid hat ein Spieler aus 30 Metern geschossen und ich habe den Ball über die Latte gelenkt. So habe ich einen Corner verschuldet, und die Leute haben gesagt: „Schau her, jetzt hat der ‚Funki' auch einmal einen Fehler gemacht!“

Rapid ist...
...keine Religion, sondern eine Lebenseinstellung.

Kottan oder Columbo?
Columbo!

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?
Österreich ist das Schönste, das es gibt!

Wovor haben Sie Angst?
Krankheiten.

Eine Marotte?
Als ich Spieler war, hat mir die Frau Ramhapp, die Frau Zeugwart, vor dem Match immer ein Kleeblatt auf den linken Schuh gemalt.

Welches Talent hätten Sie gerne, haben es aber nicht?
Viele. Aber ein Popsänger zu sein, das wäre was!

Wer ist der beste Stürmer, gegen den Sie je gespielt haben?
Santillana von Real Madrid.