Franz Hasil im Gespräch
 

Interview vom 2. März 2010 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

"Ich war bester Spieler des Finales!"a liegen ja Welten dazwischen!“ in meines Lebens"

Franz Hasil war ein richtig großer Fußballer, einer, der seinen Weg als Profi in Hütteldorf begann. Als der am 28. Juli 1944 geborene Supertechniker mit 17 Jahren in der Kampfmannschaft Rapids debütierte, wurde er als der „neue Hanappi“ gehandelt. Hasil erzielte in 131 Pflichtspielen 23 Tore für den SCR, wurde dreimal Meister und einmal Cupsieger, bevor er im Ausland so richtig Karriere machte. Nach einem Jahr bei Schalke 04 wechselte Hasil zu Feyenoord Rotterdam, wo er mit Trainer Ernst Happel eine extrem erfolgreiche „Rapid-Allianz“ bildete: Dem Europapokal der Landesmeister und dem Weltpokal 1970 folgte der Gewinn der Meisterschaft 1971, und viele Jahre später wurde Hasil noch eine Riesenehre zuteil – er wurde zum besten Legionär aller Zeiten in der Ehrendivision gewählt! Ein Kind Hütteldorfs als bester Gastarbeiter in den Niederlanden – wow! Seine aktive Karriere beendete der „Brasilianer“ nach ein paar Jahren in Klagenfurt bei der Vienna. Als Trainer war der 21fache Teamspieler (2 Tore) nicht so erfolgreich – das nur als Randnotiz zur Erfolgsstory.

2003 bekam Franz Hasil das „Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“, weil er als Fußball-Botschafter das Ansehen Österreichs und Rapids in der großen Fußballwelt aufpoliert hat. In der Konditorei Aida, in der ich mich mit dem Ex-Ballesterer von Weltgnaden treffe, ist Herr Hasil auch ein guter Bekannter. Ein Kleiner Brauner gibt ihm den Kick, um mirzuliebe mit seinen strahlenden blauen Augen in die Vergangenheit abzutauchen und funkelnde Schätze an die Oberfläche zu bringen. Bei Rapid steht Franz Hasil im Abseits des Rampenlichts, weil so gut wie gar nicht mit ihm angegeben wird. Vielleicht ändert sich das ja mit dem geplanten Rapid-Museum. Ein Buch, nämlich Egon Theiners Publikation „Franz Hasil – eine Wiener Fußballgeschichte“ (2004), gibt es schon über ihn. Und noch viele Ehrerbietungen mehr, wie ich im Laufe des Gesprächs erfahre...

Herr Hasil, wie sind Sie zu Ihrer genialen Technik gekommen. Haben Sie als Kind mit dem Ball andere Dinge gemacht als die Buben der Umgebung?
Ich glaube, dass die Technik zum größten Teil angeboren ist. Aber natürlich – wenn man dann an seinen Fertigkeiten arbeitet, dann muss man schon einen gewissen Ehrgeiz haben. Die Bewegungsabläufe sind auch ganz wichtig, und die haben oft gar nicht viel mit Fußball selbst zu tun. Das sollte in der Kindheit passieren, dass man sich viel bewegt, läuft, Rad fährt und andere Sportarten betreibt, damit sich das dann später positiv auswirken kann. Wenn man das veräumt, ist es später sehr schwer nachzuholen.
Früher haben wir Kinder nach dem Krieg nichts gehabt. Ich bin von der Schule nachhause gekommen, hab' mein Packerl weggehaut und draußen sechs, sieben Stunden Fußball gespielt. Teilweise bloßfüßig. Wir waren Baumkraxler, sind gesprungen und haben uns auf alle möglichen Arten bewegt. Das hat sich dann Jahre später positiv bezahlt gemacht.

Sie wurden von Robert Körner entdeckt. Wo war das und wie lief der Wechsel vom 1. Schwechater SC zu Rapid denn ab?
Ich habe damals als knapp Zwölfjähriger mit Schwechat gegen Rapid gespielt. Wir haben 3:1 gewonnen und ich habe alle drei Tore geschossen. Der Robert Körner hat das Match gesehen und gesagt, dass er mich unbedingt haben will. Jetzt, sofort! Das Problem war die Entfernung, weil von Schwechat nach Hütteldorf war das eine Distanz wie heute von Wien nach New York. Damals gab es ja nur die Stadtbahn und die Straßenbahn. Zuerst wurde mit meinen Eltern gesprochen, die gar nicht so begeistert waren. Ich wollte das aber unbedingt machen und mir die beinahe tägliche Tortur antun. Wegen Rapid! Wer weiß, wie ich mich bei Schwechat entwickelt hätte! Ich musste dann drei- bis viermal pro Woche zum Training nach Hütteldorf. Das wurde vom Jugendleiter streng überprüft, weil man nie fehlen durfte. Wenn man dann doch nicht beim Training erschienen ist, sind die Verantwortlichen schon zuhause vor der Türe gestanden und haben nachgefragt, was denn los ist. Für mich waren diese Überprüfungen sehr gut, weil ich so zu einer kontinuierlichen Aufbauarbeit gezwungen wurde. Das viele Trainieren hat mich stark gemacht und auf die kommenden Aufgaben vorbereitet.

Welchen Stellenwert hatte Rapid damals in Österreich und abseits davon? Wie war Ihre Beziehung zu den Grünweißen?
Für mich in meiner Wahrnehmung hat es nur Rapid und die Austria gegeben. Das sind zwar auch heute noch die größten Vereine, aber nicht mehr so wie damals. Da hat sich vieles geändert. Für mich war es eine derart große Ehre, bei Rapid spielen zu dürfen, dass ich alles dafür getan habe. Ich wollte nur bei Rapid spielen und bei keinem anderen Verein. Der Verein hatte europaweit einen so großen Namen, dass ich auch ohne Geld dort gespielt hätte. Viel habe ich ja ohnehin nicht bekommen, aber ich hätte auch für nichts dort gekickt.

Waren Sie den anderen in der Jugend aufgrund Ihrer Technik einen Schritt voraus? Mussten Sie sich schon früh mit älteren, körperlich stärkeren Spielern messen?
Nein, die Schüler- und Junioren-Mannschaften habe ich planmäßig absolviert. Aber bei den Junioren habe ich dann ein Jahr übersprungen, weil mich der Franz Binder mit 17einhalb Jahren in die Kampfmannschaft geholt hat.

Sie wurden schon sehr früh als der „neue Hanappi“ gehandelt. War das Druck oder Motivation?
Ich habe ja noch drei Jahre mit dem Hanappi gespielt. Natürlich habe ich ihn sehr geschätzt, weil das ein sehr großer Fußballer war. Druck habe ich nicht verspürt, weil man nur mit einer gewissen Klasse bei Rapid spielen durfte als Junger, und die habe ich – wie andere auch – gehabt. Vielleicht war die Generation vor uns noch besser, aber Rapid war auch noch zu meinen Zeiten ein europäischer Top-Verein, bei dem man nur mit einem gewissen Standard spielen durfte.

Bei Rapid spielten Sie bei ihrem Debüt und auch danach in einem 3-2-5-System. Hatten Sie eher eine defensive Rolle, oder eher eine offensive?
Ich war zu Beginn der rechte Aufbauläufer. Meine Aufgabe hat schon auch die Defensive mitbeinhaltet, aber meine große Stärke war die Offensive. Ich war beidbeinig, hatte einen Superschuss und einen exakten Pass. Und für meine Position habe ich auch genug Tore geschossen. Aber von meiner Übersicht haben die Stürmer, die damals sehr viele Treffer für Rapid erzielt haben, noch mehr profitiert.

Wie war der „Körner I“ im Vergleich zu Ihrem zweiten Trainer bei Rapid, Rudolf Vytlacil?
Zuerst waren Franz Binder und Robert Körner die sportlichen Verantwortlichen. Zwei Rapid-Größen, zu denen wir aufgeschaut haben. Wenn die etwas gesagt haben, dann haben wir es gemacht. Aus, basta! Heute ist das, glaube ich, nicht mehr so der Fall. Und der Vytlacil, ein Tscheche, hat uns Trainings-Methoden gezeigt und nähergebracht, die wir bis dahin noch gar nicht gekannt haben. Er war ein sehr moderner Coach, der das Feld schon in Zonen aufgeteilt hat und auch sehr viel Individual-Training gemacht hat. Das hat Früchte getragen und war sehr gut.

Mit Rapid haben Sie drei Meisterschaften gefeiert. Welche war für Sie die schönste, die besonderste?
Am besten erinnere ich mich eigentlich fast an den verlorenen Titel 1965, als wir drei Runden vor Schluss die Meisterschaft quasi fix in der Tasche hatten. Wir haben dann aber die letzten beiden Matches beim GAK und gegen die Admira verloren, und der LASK ist Erster geworden. Sonst hätten wir in den sechs Jahren, die ich bei Rapid war, vier Mal den Meisterteller geholt. Ewig schade drum, aber so ist es halt im Fußball! Meine schönste Erinnerung ist die, dass ich 1967 in der letzten Runde bei der Admira das erste Tor aus einem Freistoß erzielt habe und wir uns dann den Titel geholt haben.

Gibt es noch etwas Spezielles aus Ihrer Rapid-Zeit, an das Sie sich besonders gut erinnern können? Ein Spiel, eine Situation, eine Reise oder ein Tor vielleicht?
Zum einen haben mir die „Osterturniere“ sehr getaugt. Da sind am Ostersamstag die besten ungarischen Vereine nach Wien gekommen und am Ostermontag sind wir dann nach Budapest gefahren. Für Zuschauer und Spieler waren das echte Highlights, die Matches waren alle ausverkauft. Und im Winter sind wir meistens für zwei Monate auf Tournee in Südamerika und anderswo gewesen. In Wien hat es damals ja noch „richtige“ Winter mit sehr viel Schnee gegeben. Wir hätten zuhause gar nicht trainieren können, und so sind wir dann gegen Mitte Dezember weggefahren, um zu spielen und Geld zu verdienen. Das Spielen ist aber immer vor dem Geld gestanden. Ich war damals sehr jung und hätte mir diese Reisen und Erfahrungen sonst nie leisten können. Wir sind viel herumgekommen und haben Dinge erlebt, die unbezahlbar waren. Außerdem waren wir ein zusammengeschweißtes Team, in dem es auch viele Freundschaften gegeben hat.

Mit wem waren Sie besonders gut befreundet?
Der „Schani“ Skocik hat auch in Schwechat gewohnt. Ich bin auch öfters bei ihm im Auto mitgefahren, und so ist dann auch eine Freundschaft daraus entstanden, die noch bis heute hält. Wir gehen seit geraumer Zeit miteinander Tennis spielen.

1968 wechselten Sie nach Deutschland in den Ruhrpott. Wie lief der Wechsel zu Schalke ab?
Bei Schalke haben sie einen Mann für's Mittelfeld gesucht und in mir gefunden. In Deutschland haben die Zeitungen damals getitelt „Schalke holt besten Fußballer Österreichs“. Die Ablösesumme hat damals 500.000 Mark betragen, was 1968 eine riesige Summe gewesen ist und Rapid eine Zeit lang über Wasser gehalten hat.

Knapp drei Monate nach Ihrem Engagement bei Schalke 04 schossen Sie gleich im 5. Bewerbsspiel drei Tore zum 4:1-Sieg gegen Nürnberg. Danach folgten in 18 weiteren Pflichtspielen nur mehr zwei Tore. Warum?
In Gelsenkirchen wollten sie einen Mittelstürmer aus mir machen, was aber rein von meiner Statur her eine Wahnsinns-Idee war! Ich war zwar wendig, hatte aber gegen die Riegel in der Verteidigung kein Leiberl. Ich habe zwar ein paar Tore geschossen, war aber nie mit der Aufstellung zufrieden. Damals war der Max Merkel Trainer, der mich aufgrund meiner Schussstärke auf dieser Position gesehen hat. Mich hat das aber nie glücklich gemacht, nie befriedigt.

Wie groß war damals der Unterschied zwischen der Liga in Österreich und der in Deutschland?
Sehr groß. In Deutschland haben sie viel kampfbetonter und schneller gespielt. Bei Rapid war im Gegensatz zu anderen österreichischen Vereinen schon eine gewisse Intensität da, aber mit der in Deutschland war es trotzdem nicht vergleichbar. Auch, weil die Dichte dort viel größer war und man in jeder Situation alles geben musste, um zu gewinnen.

Nach einem Jahr Schalke und einem erreichten Cupfinale wechselten Sie zu Feyenoord Rotterdam. Wie kam dieser Wechsel zu Rapid-Legende Ernst Happel zustande?
Der Ernst Happel ist mit seiner Frau im Winter nach Gelsenkirchen gekommen und hat mit mir bei einem Essen vereinbart, dass ich im Sommer nach Rotterdam wechseln soll. Dieses Abkommen wurde per Handschlag fixiert. Happel wollte mich ja schon holen, als ich noch bei Rapid war! Nach diesem Treffen hat mich Feyenoord, ohne dass ich etwas davon gewusst hätte, zehnmal bei Schalke-Spielen beobachten lassen. Was sie gesehen haben, hat sie begeistert, und so ist der Transfer dann auch klaglos über die Bühne gegangen.

Und wie war die erste Zeit bei Feyenoord?
Schwer. Man hat sich als Ausländer schon sehr in die Mannschaft kämpfen müssen und viel Charakter zeigen müssen. Der Happel hat mich schon deswegen nicht bevorzugen können, weil es sonst überall Gerede über die beiden Österreicher gegeben hätte. Ich habe zwar immer gespielt, aber das Rundherum war sicher härter für mich. Alleine wegen der Sprache, auf die ich mich erst einstellen musste. Und viele Spieler waren nicht gerade freundlich zu mir. Es war ja auch noch eine Feindschaft zu spüren, die vom Krieg herrührte. Da konnte es schon sein, dass ein Mitspieler seinen Vater im Krieg verloren hatte und der von einem Österreicher oder Deutschen getötet wurde. Diese Abwehrhaltung hat sich dann aber mit der Zeit erledigt, nachdem ich mir mit Leistungen innerhalb der Mannschaft ein Standing erspielt habe. Akzeptiert, eigentlich geliebt haben mich aber vor allem die Fans, wo ich nach einiger Zeit eine eigene Gruppe im Stadion gehabt habe, die ich vor dem Match begrüßt habe und die mich gefeiert haben. Feyenoord hatte damals einen Schnitt von knapp 52.000 Zuschauern.

Unter der Regie von Happel gewann Sie 1970 den Europacup der Landesmeister (2:1 n.V. gegen Celtic Glasgow in San Siro, Anm.) und den Weltpokal, 1971 die niederländische Meisterschaft. Was war das Besondere der Mannschaft? Was machte den Trainer Happel aus?
Wir hatten fünf, sechs Spieler, die wirklich Extraklasse waren. Wobei ich in aller Bescheidenheit sagen muss, dass ich damals in den Zeitungen als der überragende Spieler des Landesmeister-Finales bewertet wurde. Dass wir den Weltpokal auch noch gewonnen haben, war schon etwas Besonderes. Wir haben gegen Estudiantes La Plata in Südamerika 2:2 gespielt und zuhause 1:0 gewonnen. Damals hat es noch ein Hin- und Retour-Spiel gegeben. Für das Ansehen des österreichischen Fußballs und auch für Rapid hat das indirekt sehr viel gebracht, weil ich der erste Fußballer unseres Landes war, der diesen Titel gewonnen hat. Wir waren auch der erste holländische Klub, noch vor Ajax und PSV Eindhoven, der das geschafft hat. Das war schon eine große Sache. Wir waren damals vielleicht sogar die erste Mannschaft, die das für Holland inzwischen typische 4-3-3-System praktiziert haben. Das war eine Errungenschaft von Ernst Happel. Es war auch einer seiner größten Vorzüge, dass er die Stärken seiner Spieler ganz genau gekannt hat und sie dementsprechend auf der richtigen Position eingesetzt hat. Außerdem war er mit allen Wassern gewaschen, hat als Ex-Kicker die Sprache der Spieler gesprochen und – bei aller Strenge – einen sehr guten Draht zur Mannschaft gehabt. Die anstehenden Gegner hat er auch immer sehr gut analysiert. Happel hat ein Spiel lesen können.

In vier Jahren erzielten Sie 33 Tore für Feyenoord, wurden zum besten Legionär in den Niederlanden aller Zeiten gewählt. Waren Sie damals der Star der Mannschaft?
Ja, vielleicht. Zumindest war ich einer von zwei, drei Schlüsselspielern. 2000 bin ich zum besten Legionär Hollands des 20. Jahrhunderts gewählt worden. Die Jury hat sich das tagelang durch den Kopf gehen lassen und Spiele angeschaut, und schließlich haben sie mich vor Ronaldo, Romario und all den anderen Legionären gewählt. Ich bin dann nach Holland geflogen und geehrt worden. Eine Riesensache war das! Ich war natürlich sehr stolz und gerührt. In Österreich und bei Rapid wird das nicht so gewürdigt. Von mir hängt nicht einmal ein Foto im Hanappi-Stadion, dabei müsste ich als einer der ersten Spieler ausgestellt werden. Der Hans Krankl weiß das! Ich war nicht nur sehr gut bei Rapid, sondern über die sechs Jahre in der Kampfmannschaft hinaus auch schon viel früher dort als viele andere Spieler. Wir haben damals konstant hochklassigere Gegner gehabt, als es heute der Fall ist. Aber so ist es halt. Ich habe in dieser Zeit sogar zweimal in der Weltauswahl gespielt, einmal in Rio de Janeiro und einmal in der Schweiz, mit Beckenbauer, Cruyff, Bobby Charlton und wie sie alle geheißen haben. Darauf kann man schon stolz sein. Aber auch wenn ich mir von Seiten des SCR mehr Würdigung wünschen würde – ich war immer Rapidler und ich bleibe immer Rapidler!

Werden Sie von den Menschen in Rotterdam erkannt?
Von den älteren Leuten schon, von den Jüngeren eher nicht. Aber ich bin Ehrenbürger von Rotterdam. In der Stadt gibt es sogar eine Statue von mir. Und bei der holländischen Königin hatte ich auch eine Audienz. Es war ein steiniger Weg dorthin, und viel Schweiß steckte hinter diesen Höhepunkten, auf die ich schon sehr stolz bin.

Ihre Teamkarriere kam nie so ganz richtig in Schwung. Warum eigentlich?
Der Präsident des ÖFB, Dr. Heinz Gerö, ist des öfteren nach Rotterdam gekommen, aber Feyenoord hat mich nicht spielen lassen, weil ich in meinem Vertrag keine Klausel dafür hatte. Fast meine ganze Auslandskarriere lang ist das so gegangen, weil mich der Happel nicht hergeben wollte! So habe ich statt 70 oder 80 halt nur 21 Länderspiele auf meinem Konto. Happel und Feyenoord wollten mich auch unter keinen Umständen gehen lassen, als mich der AC Milan 1972 unbedingt haben wollte. Der Trainer, sein Co und der Präsident sind von Mailand nach Holland zu Gesprächen gekommen. Die hätten fast jede Summe gezahlt. Sie waren so beeindruckt von mir, als Feyenoord sie aus dem Europacup gekickt hat und ich eine ganz starke Partie gespielt habe. Aber Feyenoord war zu dem Zeitpunkt selbst so reich, dass sie ablehnen konnten. Der Happel hat gesagt: „Unverkäuflich!“ Dann ist die ganze Milan-Abteilung noch einmal angerückt, weil sie es nicht glauben konnten. Der Happel hat sie nocheinmal weggeschickt und ich war böse auf ihn.

Es gibt das Gerücht, dass Sie aus Gründen der Trainings-Intensität von Feyenoord zurück nach Österreich gewechselt wären. Stimmt das, waren Sie ein fauler Trainierer?
Das war nur im allerersten Jahr so, ganz am Anfang, als ich wegen der Intensität im Training und der Dynamik bei den Spielen fast schon aufgegeben hätte, aber der Happel mich zum Bleiben überredet hat. Danach wollte mich Feyenoord gar nicht mehr hergeben. Sie haben mir gegen Ende meines Engagements einen Dreijahres-Vertrag angeboten, den ich aber abgelehnt habe. Das war vielleicht der größte Fehler meiner Spielerkarriere. Bis nach Wien sind mir die Verantwortlichen dreimal nachgereist, aber ich habe nicht mehr wollen! Ins Ausland wollten sie mich nicht verkaufen, da war nur Österreich eine Option, weil die Vereine hier nicht als direkte Konkurrenz gesehen wurden. Ansonsten hätten sie mich 18 Monate blockieren lassen können. Die vertraglichen Situationen waren damals ja ganz andere.

Sie gingen dann als knapp Dreißigjähriger zur Klagenfurter Austria. War die Rapid auch ein Thema, oder gar nicht?
Ich wäre sehr gerne zu Rapid gegangen und habe auch mit Präsident Draxler und den anderen Verantwortlichen gesprochen. Leider war damals das Geld nicht da, um die relativ geringe Ablöse an Feyenoord zu bezahlen. Und so bin ich wegen dem Sponsor von Austria Klagenfurt, der mich bezahlen konnte, nach Kärnten gegangen. Ein schönes Land, aber fußballerisch gesehen war es im Vergleich zu Holland wie Tag und Nacht!

Mit der Austria Klagenfurt spielten Sie gegen den Abstieg, in Ihrer Abschluss-Saison bei der Vienna auch. Waren Sie so gesehen nicht eine Perle vor die Säue?
In Klagenfurt habe ich gut gespielt, aber ich war fast alleine dort. Eine Mannschaft funktioniert halt nur dann, wenn sie ein paar bessere Spieler hat. Aber was soll's, das war halt ein Fehler.

Als Cheftrainer waren Sie unter anderem bei der Vienna, Flavia Solva und dem Wiener Sportclub tätig, Erfolge wie als Spieler blieben Ihnen aber verwehrt. Warum klappte es nicht nach Wunsch?
Die Mannschaften waren ja alle nicht erstklassig, als ich sie übernommen habe. Mit der Vienna bin ich sogar in die Bundesliga aufgestiegen, aber viel mehr war nicht möglich. Für mich war es schwer, weil ich auch von mir selbst ein so hohes Niveau gewohnt war. Wenn man dann als Trainer mit weniger talentierten Spielern zusammenarbeitet, muss man viel verzeihen können. Man braucht viel Geduld, weil man das richtig gute Kicken in diesem Stadium nicht mehr richtig weitervermitteln kann. Und nirgendwo war ein Geld vorhanden, um eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu formen.

Sie waren auch im Rapid-Nachwuchs tätig und hatten ein Zwischenspiel im Trainerteam von Hans Krankl. Wie war diese Zeit?
Damals war ja auch kein Geld da, auch weil die Zuschauerzahlen damals nicht annähernd so gut waren wie heute. Es war eine sehr schwierige Zeit, in der Hans Krankl das Beste herausgeholt hat.

Sie haben eine Trafik betrieben. Wie oft passiert es Ihnen, dass Sie von Fußball-Fans auf Ihre tolle Karriere angesprochen werden?

16 Jahre habe ich diese Trafik betrieben, bis ich vor einem Jahr in Pension gegangen bin. Angesprochen bin ich immer wieder geworden. Aber am stärksten war das, als in Holland so gegen 2003 eine 20minütige Sendung über mich ausgestrahlt wurde, in der es um die Legionärs-Legenden von früher ging. Nach diesem Beitrag sind die Holländer in Scharen in meine Trafik gekommen, hunderte waren das jedes Jahr. Ich habe dann ein wenig mit ihnen geplaudert, bin aber aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen.

Gehen Sie noch ins Hanappi-Stadion?
Ich habe die Legenden-Karte und bin immer wieder bei den Matches. Vor vielen Jahren habe ich mir mehr Spektakel und Show im Hanappi-Stadion gewünscht. Das haben sie dort gut umgesetzt. Rapid ist eindeutig der beste Klub in Österreich. Rapid ist Rapid! Die Fans lieben Rapid eindeutig am meisten, da kann die Austria nicht annähernd mithalten.

Wer ist für Sie der beste Kicker in Österreich?
Wahrscheinlich Steffen Hofmann, bei Rapid mit Sicherheit. Viel mehr richtige gute Kicker gibt es momentan nicht beim Verein. Früher hat es locker sechs Spitzen-Fußballer gegeben. Vergleichen kann man das sicher nicht. Früher hat man für ein Auslands-Engegement richtig gut sein müssen, aber heute kaufen sie ja schon fast jeden Spieler. Ohne abfällig über jemanden sprechen zu wollen, aber der Stefan Maierhofer zum Beispiel... naja, lassen wir das.

Interview vom 02.03.2010 (grela)

10 Fragen zum besseren Kennenlernen:
Ihre Lieblings-Elf aller Zeiten?

Real Madrid mit di Stefano und Puskas. Das waren die Besten, auch wenn ich Manchester United ebenfalls immer sehr gemocht habe.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?
Das Wembley-Stadion. Der Name, die Stimmung! Und dass wir Österreicher diejenige Mannschaft geschlagen haben, die dann genau dort acht Monate später in Wembley Weltmeister geworden ist, das war schon eine Extra-Leistung! Soetwas bleibt ewig in Erinnerung.

Ihre größte Niederlage am Fußball-Platz?
Als ich mit Feyenoord gegen Benfica Lissabon 1972 im Europacup der Landesmeister ausgeschieden bin. Zuhause haben wir 1:0 gewonnen und auswärts 1:5 verloren, wobei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Im Halbfinale hätten wir gegen Ajax Amsterdam gespielt und das Finale hat im De Kuip stattgefunden.

Rapid ist...
...meine Heimat. Ich bin dort quasi aufgewachsen, habe vor allem als Junger alles getan, um Teil dieser Legende zu sein.

Ihr Lieblings-Gericht?

Ich bin ein Fischesser, egal was für einer, am liebsten aus dem Ofen.

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?
Italien, dort gibt es wunderbare Plätze. Außerdem kann ich auch dorthin fahren und muss nicht fliegen, weil ich das vermeide, wenn es nicht unbedingt sein muss.

Wovor haben Sie Angst?
Vor Krankheiten. Gut über die Runden zu kommen – das wäre ein großer Wunsch von mir.

Eine Marotte?
Früher war das Casino eine Marotte von mir. Dort habe ich viel Geld verloren. Heute weiß ich, dass das ein riesiger Blödsinn war.

Welches Talent hätten Sie gerne, haben es aber nicht?
Sagen wir es so: Ich hätte gerne mein Talent für's Tennis entdeckt. Aber in meiner Zeit hat sich das nur die Oberschichte leisten können, für den „kleinen Mann“ war das unerschwinglich. Gut, so ist es halt der Fußball geworden, und da ist es ja nicht so schlecht gelaufen...

Der beste Defensivmann, gegen den Sie je gespielt haben?
Johan Neeskens, der war eine Urgewalt, bei Ajax und in Barcelona. Und im Training war es gegen meinen Klub-Kollegen Rinus Isra?l immer besonders schwer.