Hans Krankl im Gespräch
 

Interview vom 3. Februar 2010 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

"Rapid ist der Verein meines Lebens" ein meines Lebens"

Hans Krankl ist der „Mr. Rapid“ schlechthin. Der am 14. Februar 1953 geborene „Jahrhundert-Rapidler“ hat in Hütteldorf und Österreich sämtliche Torrekorde revolutioniert und auch in der großen Fußballwelt und als Teamkicker für Schlagzeilen gesorgt. Mit 267 Liga-Toren und 51 Cup-Treffern ist „Hanseee“ der beste SCR-Goalgetter der Neuzeit, seine 18 Europacup-Tore sind überhaupt unangefochtener Bestwert. Ganze viermal ballerte sich Krankl im Rapid-Dress zum Torschützenkönig – in der Saison 1977/78 stellte die Hütteldorfer Stürmer-Ikone mit 41 Treffern zudem einen bis heute unerreichten Bundsligarekord auf, der Krankl den „Goldenen Schuh“ einbrachte. Nach dem legendHans Krankl ist der „Mr. Rapid“ schlechthin. Der am 14. Februar 1953 geborene „Jahrhundert-Rapidler“ hat in Hütteldorf und Österreich sämtliche Torrekorde revolutioniert und auch in der großen Fußballwelt und als Teamkicker für Schlagzeilen gesorgt. Mit 267 Liga-Toren und 51 Cup-Treffern ist „Hanseee“ der beste SCR-Goalgetter der Neuzeit, seine 18 Europacup-Tore sind überhaupt unangefochtener Bestwert. Ganze viermal ballerte sich Krankl im Rapid-Dress zum Torschützenkönig – in der Saison 1977/78 stellte die Hütteldorfer Stürmer-Ikone mit 41 Treffern zudem einen bis heute unerreichten Bundsligarekord auf, der Krankl den „Goldenen Schuh“ einbrachte. Nach dem legendären WM-Doppelpack gegen Deutschland in Cordoba wechselte der Vollblut-Stürmer zum FC Barcelona, wo er als Torschützenkönig zum „Goleador“ geadelt wurde. Zurück bei Rapid feierte er seine größten Erfolge mit dem SCR – zwei Meistertitel, drei Cuperfolge und das Finale im EC der Cupsieger. Als Trainer waren Krankls Erfolge überschaubarer, sei es als Rapid-Coach, ÖFB-Teamtrainer oder Betreuer diverser anderer Mannschaften – auch wenn das relativ ist. Erfolgreich war der „Nachtfalke“ in jedem Fall auch als Johann K. – unter diesem Künstlernamen feierte Krankl 1986 Platz zwei in der Ö-Hitparade mit „Lonely Boy“.ären WM-Doppelpack gegen Deutschland in Cordoba wechselte der Vollblut-Stürmer zum FC Barcelona, wo er als Torschützenkönig zum „Goleador“ geadelt wurde. Zurück bei Rapid feierte er seine größten Erfolge mit dem SCR – zwei Meistertitel, drei Cuperfolge und das Finale im EC der Cupsieger.

Ich treffe Hans Krankl im Wirtshaus „Zum Obermüller“ beim Südwestfriedhof. Dort, wo die Legende ihren eigenen Stammtisch hat. Das Erscheinungsbild des „Dressman“ ist wie immer perfekt – ganz in schwarz gekleidet sitzt er vor mir, das gepflegte graue Haupthaar und die schöne goldene Rolex setzen glänzende Kontrapunkte. Beim Gespräch wird mir klar: Hans Krankl mag eitel sein, aber arrogant ist er mit Sicherheit nicht!
Nach einer kleinen Aufwärmphase läuft der seit Gerhard Hanappi längstdienende Kapitän Rapids positiv heiß und erzählt Geschichten, die mich komplett in ihren Bann ziehen. Die Liebe, die ich meinem Jugend-Idol als Kind entgegengebracht habe, sie ist wieder entflammt! Mit einer irrsinnig launigen Erzähllust begegnet Krankl mir, dem Rapid-Fan mit der quälend langen Fragen-Liste. Nach knapp anderthalb Stunden ist das herzöffnende Gespräch vorbei, mein Gegenüber verabschiedet sich und wirkt dabei nicht wirklich malträtiert. Meine Zeche muss ich bei der freundlichen Chefin auch nicht zahlen. Ich frage mich, was als nächstes kommt... ach ja, zum Beispiel das Forza Rapid-Quartett „Die legendärsten Torjäger Hütteldorfs“... und dort ist er ja auch die absolute Nummer 1, der Hans Krankl
.

An die Arbeit, Herr Krankl! Es gibt bei Ihnen viel aufzuarbeiten – Sie haben ja Dinge in Ihrer Vita stehen, die locker für fünf Leben reichen würden. Gemeinsam
mit Herbert Prohaska, Anton Polster und Andreas Herzog sind Sie ja eine absolute Ikone des österreichischen Fußballs. Welche Bedeutung haben Sie für den alpenrepublikanischen Kick?
Sich selbst einzuschätzen ist problematisch. Meinen Stellenwert sollen andere beurteilen. Ich bin ein Kind des österreichischen Fußballs, ein Kind von Rapid. Aber meine Wurzeln kennt man ja – die brauche ich jetzt nicht durchzukauen. Ich hatte eine schöne Karriere, habe zwei Jahre beim besten Fußballklub der Welt gespielt. Nach meiner Rückkehr zu meinen Wurzeln habe ich mich als „alter Kicker“ noch etwas verändert, zumeist bei Traditions-Vereinen in Wien. Dann habe ich mit einem „Salzburger Märchen“ einen wunderbaren Abschluss gefunden. Das war jetzt der Zeitraffer. Alle Auszeichnungen brauche ich hier nicht aufzuzählen, weil das ja ohnehin alle wissen. Was für einen Stellenwert das alles hat? Für den österreichischen Fußball habe ich sicher einiges geleistet und versucht, ihm zu helfen. Sowohl als Spieler als auch als Trainer. Aber welchen Wert das auch gegenüber den anderen Gallionsfiguren hat, das sollen andere beurteilen. Ich bin stolz auf meine Karriere, bilde mir aber darauf nichts ein.

Sie polarisieren wie kaum ein anderer Fußballer. Fühlen Sie sich denn von der Öffentlichkeit geliebt?
Polarisiert habe ich sicher immer. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich immer wieder mit dem Namen Rapid zusammenkomme, weil ich der Jahrhundert-Rapidler bin und Rapid niemandem egal ist. Man ist entweder für den SCR oder dagegen. Dadurch habe ich auch immer bis zum Ende die Meinungen der Leute gespalten. Ich muss aber auch sagen, dass mir als Teamchef sehr viele Sympathien entgegengebracht worden sind, weil die Leute gesehen haben, dass ich diesen Job mit einem Riesen-Herz für mein Land mache. Das Nationalteam ist etwas besonderes, wie Rapid – und das habe ich auch gezeigt. Als Teamchef habe ich nicht so polarisiert, wie ich es als Rapid-Spieler oder als Trainer irgendeines anderen Vereins getan habe. Sehr, sehr viele Leute sind hinter mir und meiner Arbeit gestanden. Leider ist das Ganze früher als geplant zu Ende gegangen, das ist schade. Aber im Fußball ist es halt so, dass einer kommt und einer geht. Trotzdem habe ich damals sehr viel Zustimmung erhalten, und darauf bin ich stolz.

Herr Stickler hat Sie damals knapp vor der EM ausgebootet. Wie sehr hat Sie das damals getroffen?
Sehr schwer. Ich habe immer gesagt, dass ich der Mann sein werde, der diese Mannschaft bei der Europameisterschaft betreuen wird. Nicht, weil ich so gut bin, sondern weil es meine Mannschaft war, die ich dreieinhalb Jahre lang aufgebaut habe. Die EM wäre mir auch zugestanden! Leider hat man mir diese Möglichkeit genommen. Vergessen tut man soetwas nie. Damals hat mich das sehr getroffen, weil es kein anderer Trainer verdient hat, auch nicht der „Hicke“. Der ist auf einen fahrenden Zug aufgesprungen. Ich wollte das unbedingt machen, weswegen es mich sehr gekränkt hat. Aber damit muss ich leben und damit kann ich auch leben. Damals war es schwerer, heute macht es mir nicht mehr soviel aus.

Was hat Ihr patriotisches Herz besonders geöffnet in den gut drei Jahren Ihrer Teamchef-Ära?
Es gab nicht nur Highlights, sondern auch einige Tiefpunkte. Als wir in Moldawien verloren haben, hat mich das sehr getroffen. Aber so ist es halt als Chef des österreichischen Nationalteams: Man hat nur beschränkte Möglichkeiten, um Spiele zu gewinnen, weil wir ein kleines Land sind. Gegen die Großen und die Kategorie darunter haben wir eigentlich keine Chance. Insofern war das 2:2 gegen England eine meiner Sternstunden, eine Super-Partie! Als Fußballtrainer ist es heute egal, ob du beim Sportklub, der Admira, in Mistelbach, bei Rapid oder der österreichischen Nationalmannschaft abeitest; sogar als Teamtrainer der Brasilianer oder der Deutschen hast Du Höhepunkte und Tiefpunkte. Das ist das Sportlerleben, das Fußballerleben, das Trainerleben!

Wie wichtig sind Ihnen Statussymbole?
Sie fahren – wie es wahrscheinlich jeder Mann gerne tun würde – einen Porsche.
Porsche – das ist ein tolles Auto und ich habe einmal einen gehabt, habe ihn dann aber wieder verkauft. Ich bin ein Autonarr, ein bisserl ein Freak – aber ich habe tolle Autos gehabt, sie dann wieder verkauft und habe das nie als Statussymbol gesehen. Ein Ferrari ist zum Beispiel ein Mythos, ich würde ihn mir aber trotzdem nie kaufen. Alleine weil er für den alltäglichen Gebrauch nicht zu empfehlen ist. (lacht) Ich finde den Begriff Statussymbol überbewertet. Ein tolles Auto kaufe ich mir, weil es mir gefällt, und nicht, damit ich anderen Menschen gefalle.

Wenn man Sie anruft, wird einem die Zeit bis Sie abheben mit „Nothing Else Matters“ von Metallica verkürzt. Was ist eigentlich Ihre Lieblingsmusik – aktuell und allgemein?

(lacht) Ich habe den Song irgendwann einmal als einzigen bekommen und kann ihn einfach nicht herauslöschen. Ich mag das Lied, aber normalerweise hätte ich da längst schon etwas anderes, wenn ich mich mit dem Handy besser auskennen würde. Das Lied ist gut, aber ich bin, obwohl ich Hardrock und Heavy Metal sehr mag, kein Metallica -Fan. Schon seit über einem Jahr bin ich ein Bewunderer von Calexico , die nach einer Stadt in Kalifornien benannt sind. Gesehen habe ich sie leider noch nicht, aber wenn sie das nächste Mal nach Wien kommen, werde ich fix dabei sein. Egal, wo sie spielen. Ich war jetzt in Amerika und habe dort den Country Rock für mich entdeckt. Vor allem von Jimmy Buffet habe ich mir einige CDs besorgt. In Europa ist er nicht wahnsinnig bekannt, aber in den USA ist er ein Superstar.

Was ist Ihre erste Kindheitserinnerung in puncto Fußball?
Mein Vater war Straßenbahner und war Jugendtrainer bei KSV Straßenbahn. Da hat er mich mit cirka acht Jahren mitgenommen und ich habe dann bei den Knaben gespielt. Das Training dort ist meine erste Erinnerung. Dort habe ich mit meinen Freunden, mit denen ich immer im Park gekickt habe, zwei Jahre lang gespielt. Mit zwölf Jahren bin ich dann von einem Talente-Scout entdeckt worden und zu Rapid gekommen (für 25.000 Schilling Ablöse, Anm.) . Mein Vater hat mich schon in den Jahren zuvor immer mit auf den Rapid-Platz genommen. Dort habe ich den Fritsch Toni, den Bjerregaard Johnny, den Grausam Poidl und den Flögel Rudi spielen sehen. Und letztlich hatte ich die große Ehre und Freude, mit diesen Kapazundern, die ich noch als kleiner Bub gesehen habe, zusammenzuspielen. Als 17Jähriger bin ich in die Kampfmannschaft von Rapid gekommen und durfte mit meinen Idolen zusammen kicken. Das war für mich das Größte, eigentlich eine unglaubliche Geschichte! Wenn ich diese Größen heute im Hanappi-Stadion sehe, habe ich immer eine Riesenfreude. Gott sei Dank geht es den meisten von ihnen sehr gut, manche davon sind leider schon gestorben.

Nach Ihrem Debüt in der Kampfmannschaft und ein paar Spielen wurden Sie in die Regionalliga Ost an den WAC verliehen. Wie ging es Ihnen beim Weg zurück zu Rapid?
Ich war bei den Junioren von Rapid und war dann schon bei der Ersten dabei. Damals war der Gerdi Springer Trainer, der sich nicht mit den Jungen beschäftigt hat. Damals habe ich das nicht verstanden. Als ich dann selbst Trainer geworden bin, habe ich es schon verstanden. Er hat einfach keine Zeit gehabt, sich auf mich zu konzentrieren. Er hat mich aber als Talent erkannt und mich dazugenommen. Ich habe trotzdem gemerkt, dass er keine Zeit für meine Ausbildung hat. Deswegen wollte ich dann weg, um meinen Weg weiter zu gehen. Der Erich Fak hat mir dann dabei geholfen, und so bin ich für ein Jahr beim WAC in der Regoanalliga Ost, der damals zweithöchsten Spielklasse, gelandet. Ich hatte von Anfang an großen Erfolg und bin Torschützenkönig geworden. Dann habe ich in diesem berühmten Spiel gegen Hinteregger neun Tore geschossen, was ja nicht alltäglich ist. Und ab diesem Tag war klar, dass ich wieder zu Rapid zurück gehe. Zuerst war ich noch beim Bundesheer, aber dann ist es losgegangen. Damals ist der Ernst Hlozek, ein Slowake, Trainer geworden. Ich bin dann auch gleich ohne große Schwierigkeiten zum Einsatz gekommen und war der Mittelstürmer. Ich habe auch gut gespielt, gleich Tore geschossen und mich irrsinnig wohl gefühlt, weil das einfach mein Verein war. Rapid war immer mein Verein! Und das eine Jahr in der Regionalliga hat mir sehr gut getan, weil ich damals beim WAC mit Größen des Wiener Fußballs zusammen gespielt habe. Die waren alle damals über 30 Jahre alt und haben geschaut, was da für ein junger „Kracher“ von Rapid kommt. Der Englisch Franzi, der damals der Hero vom FavAC war, ist mit mir dorthin gekommen. Wir zwei Jungen waren damals irrsinnig goschert, aber die Arrivierten haben sofort gesehen, dass ich ihnen die Tore schieße. Ich hätte fast deren Sohn sein können. Sie haben mich dann wunderbar aufgenommen, mich beschützt und mir viel beigebracht. Das war immens wichtig für mich!

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie eine besondere Gabe besitzen?
Selbst erkennt man das eigentlich nicht. Mein Vater hat es immer geahnt, der war auch mein erster großer Förderer. Er wollte auch immer, dass aus mir ein großer Fußballer wird. Dann war ich im Nachwuchs bei Rapid. Meine beiden Jugend-Trainer, der Sepp Petschanka (stammt aus einer berühmten Hockey-Familie, Anm.) und der Robert Körner waren die zwei besten und liebsten Menschen, die ich jemals im Fußball kennengelernt habe. Die waren wie zwei Väter für mich und ich liebe sie bis heute. Den Robert Körner bis über seinen Tod hinaus, und der Sepp ist jetzt ungefähr 80 Jahre alt. Die beiden haben an meinem Kopfballspiel, Schießen, Passes, Volleys und so weiter gearbeitet und mir eigentlich alles beigebracht. Das waren meine beiden wichtigsten Wegbereiter, zwei Super-Trainer, die ich immer geliebt habe.

Danach wurden Sie sehr schnell zum wichtigsten Goalgetter. War es deprimierend, dass Ihnen trotz Ihrer vielen Tore der Meistertitel mit Rapid vorerst versagt blieb (Krankl wurde Cupsieger 1976, Anm.)?
In der ersten Zeit nach meiner Rückkehr hatte Wacker Innsbruck eine sehr gute Mannschaft, an der wir immer wieder gescheitert sind. Später hat uns dann die Austria nach großen Duellen immer am Ende ein Haxl gestellt. Das hält mir auch der Reinhard Kienast, eine sogenannte Rotzpiepn (lacht) , bis heute immer wieder vor: dass ich erst nach meiner Zeit bei Barcelona eine Rapid-Mannschaft, auch mit dem Reini, gefunden habe, mit der ich Meister werden konnte. Ich kann dann nix darauf erwidern, weil er ja irgendwie Recht hat – obwohl er eine Rotzpiepn ist! Dabei habe ich auch vor meiner Zeit in Spanien bei Rapid mit Super-Kickern gespielt, wie einem Fak, Gallos, Lorenz, Kronen und wie sie alle geheißen haben. Und eigentlich war der Reini damals ein junger Hupfer, der dann später mit mir spielen hat dürfen und dann selbst ein guter Kicker geworden ist.

War das 4:0 gegen die Austria (12.04.1974, Anm.), wo Sie alle Tore erzielten, oder das 11:1 gegen den GAK (22.06.1977, Anm.), wo Sie mit sieben Toren in einem Spiel einen unfassbaren Bundesligarekord aufstellten, das beste Spiel Ihrer nationalen Karriere?

Dem nackten Resultat nach war es wahrscheinlich das 11:1 gegen den GAK. Wenn man in einem Match sieben Tore schießt, dann spielt man sicher sehr gut. (lacht) Auch das Derby mit den vier Toren ist unvergesslich. Ich habe aber auch ein paar mal fünf oder vier Tore geschossen. Sehr oft ist mir ein Hattrick gelungen. Das bedeutet: Ein paar von den vielen Matches, die ich für Rapid gespielt habe, habe ich nicht so schlecht gespielt. (schmunzelt)

Gab es jemals ein Angebot der Austria?
Eine wahre Geschichte ist, dass ich, wenn ich beim WAC nicht so erfolgreich gewesen wäre, wahrscheinlich nicht von Rapid zurückgeholt worden wäre. Und dann hätte das Schicksal vielleicht seinen Lauf genommen, weil der WAC am Ende meiner Zeit dort den gleichen Sponsor wie die Austria bekommen hat (Elementar Versicherungen, Anm.) . Die beiden Vereine hatten auch eine Kooperation miteinander, und es hätte sein können, dass ich ein Austria-Spieler geworden wäre, ohne dass ich etwas dafür hätte können. Ich lache heute noch oft mit dem Prohaska, wenn wir darüber reden. Eine lustige und wahre Geschichte! Für mich persönlich wäre es aber nicht in Frage gekommen. Heute wechseln die Spieler ihre Vereine wie Hemden. Das ist aber nicht meines. Ich bin jemand, der sehr viel auf Tradition und Loyalität baut. Und auch wenn ich bei anderen Vereinen tätig war – zur Austria wäre ich nicht gegangen, weil das eine Sache des Charakters und der Einstellung ist. Das gibt es heute leider kaum mehr.

Vor der WM 1978 wurden Sie mit 41 Toren Schützenkönig in Österreich und in Europa. Wie ist dieser Lauf zu erklären?

Es war ein spezielles Jahr. Damals war mein Trainer Karl Schlechta, der genau gewusst hat, was ich brauche und sich sehr mit mir beschäftigt hat. Er ist die dritte Vater-Figur, die mir in meiner Karriere begegnet ist. Ich habe damals sehr viel individuell trainiert. Und die Saison hat quasi damit geendet, dass ich in der drittletzten Runde bei einem 6:0-Heimsieg gegen die Admira fünf Tore gemacht habe. In osteuropäischen Ländern gab es damals immer wieder Schiebungsgerüchte aufgrund kurioser Resultate, bei mir damals vielleicht auch. Aber mir ist in diesem Spiel einfach alles gelungen, es war das I-Tüpfelchen einer fast perfekten Saison. Sehr stolz bin ich aber auch auf den Silbernen Schuh, den ich 1974 mit 36 Toren gewonnen habe. Das war damals auch eine Riesenehre für mich, weil ich noch sehr jung war!

Mit welchem Ziel sind Sie damals nach Argentinien zur WM geflogen? Wollten Sie die Fußballwelt erobern und allen zeigen, dass Sie der Beste sind? Oder waren Ihre Zielsetzungen bescheidener?
Trotz allen Respekts für das Wunderteam – damals haben wir die beste Nationalmannschaft aller Zeiten gehabt! So eine Mannschaft wird es nicht mehr wieder geben. Es war auch ein Zufall, dass ein so kleines Land zwei derart gute Generationen herausbringt. Wir sind trotzdem ohne große Erwartungen nach Argentinien geflogen. Man darf nicht vergessen, dass wir damals in einer Gruppe mit Brasilien, Spanien und Schweden gespielt haben. Viele Leute haben sich gedacht: „Wunderbar – das kleine Österreich hat die Qualifikation geschafft, aber was sollen die dort?!“ Was alle vergessen, weil Cordoba alles überdeckt: Wir haben diese Gruppe damals vor Brasilien gewonnen! Die Jungen von heute glauben, dass ich einen Schmäh mache, wenn ich davon erzähle. Bitte schaut's in die Archive! Brasilien war hinter Österreich Zweiter und Spanien ist als Dritter nachhause gefahren. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und es zeigt vor allem, was für eine große Mannschaft wir waren. Wir haben Spanien 2:1 und Schweden 1:0 geschlagen, und beim abschließenden 0:1 gegen die Brasilianer waren wir schon müde, weil wir diesen Druck der Weltmeisterschaft mit den vielen Spielen nicht gewöhnt waren. Hätte Brasilien nicht mit 1:0 gewonnen, dann wären die Brasilianer nachhause gefahren. Das muss man sich einmal vorstellen!
Es ist damals wahrscheinlich in allen Zeitungen der Welt gestanden, dass wir die größte Überraschung dieser Weltmeisterschaft waren. Wir sind als Nobodies dorthin gekommen und haben bewiesen, dass man auch als kleines Fußball-Land für Überraschungen sorgen kann. Wir haben gegen Italien knapp und eigentlich unglücklich 0:1 verloren, gegen Holland haben wir mit 1:5 anständig eine auf die Pappn bekommen, weil wir goschert waren. Schlussendlich war Cordoba dann – Gott sei Dank – die Krönung von allem, weil dadurch die Endplatzierung mit dem sechsten oder siebenten Platz unsere Leistung veranschaulicht hat.

Wäre vielleicht sogar noch mehr möglich gewesen?
Da hätten wir gegen Holland besser spielen müssen. Außerdem hatten wir Pech, weil wir – von Argentinien abgesehen – die stärksten Mannschaften in unserer Zwischenrunden-Gruppe hatten. Das Semifinale wäre damals drinnen gewesen. Aber das Gegentor gegen die Italiener war quasi ein Eigentor und vorne haben der Walter (Schachner, Anm.) und ich ein paar Super-Chancen nicht hineingemacht. Gegen Holland haben wir geglaubt, dass wir richtig super sind – das ist dann auch folgerichtig bestraft worden. Aber wir haben uns immerhin schnell erfangen!

Wann hat sich der FC Barcelona bei Ihnen bzw. Rapid gemeldet und wie waren die Transfergespräche (12 Millionen Schilling Transfersumme, Anm.) ?
Das war gegen Ende der WM. Ich war noch in Argentinien, als mich der Dr. Fani angerufen und mir mitgeteilt hat, dass Valencia an mir interessiert ist und sich bereits mit Rapid geeinigt hat. Es hat nur noch meine Unterschrift gefehlt! Für mich war das sehr okay. Als ich dann etwa zwei Tage nach Cordoba nachhause gekommen bin, habe ich vom Interesse Barcelonas gehört. Zuerst habe ich das für einen Schmäh gehalten. Dr. Fani hat aber sofort bestätigt, dass eine ganze Delegation, bestehend aus Trainer, Präsident und Vize-Präsident, von Barcelona nach Wien unterwegs ist, weil sie mich unbedingt haben wollten. Ich sollte mir dann überlegen, ob ich zu Valencia oder Barcelona will. Ich habe aber nicht lange überlegen müssen! Valencia hat mir schon sehr getaugt, weil der Mario Kempes damals dort war. Ich habe ihn ja später in Österreich kennengelernt, und er war vor allem der überragende Spieler der Weltmeisterschaft in Argentinien. Das hätte mir schon Spaß gemacht, mit ihm zusammen zu spielen, weil er ja nicht ein Torjäger wie ich war, sondern eher der geniale Vorbereiter. Das wäre fast so gewesen wie mit dem Prohaska im Team. Ich habe mich aber sofort für Barcelona entschieden. Bei allem Respekt, aber zuerst kommen Barca und Real Madrid, die man in einem Atemzug nennen muss, dann kommt ganz lange nichts, und dann kommen Milan, Inter, Juve und die englischen Top-Vereine. ManU – nicht böse sein, aber Barca und Real sind das Größte im Fußball, einfach ein Traum!

Mit Barca wurden Sie Cupsieger, gewannen den EC der Cupsieger und wurden gleich in der ersten Saison Torschützenkönig. Was waren Ihre persönlichen Highlights in Spanien?
Wegen eines Unfalls, den ich mit meiner Frau hatte, habe ich die letzten drei Saison-Spiele verpasst und bin trotzdem mit 29 Treffern Torschützenkönig geworden. Das muss man sich vorstellen!

Wie weit ging die Fan-Verehrung in dieser Zeit? Sie waren ja z.B. 1978 hinter Kevin Keegan Zweiter der Wahl zu „Europas Fußballer des Jahres“.
Das vergessen viele. Dabei war es die einzige Nominierung, die ein Österreichers je für diese Wahl bekommen hat. Nur war der Keegan leider noch besser bzw. er hat mehr Stimmen bekommen. Besser war er nicht als ich, aber der Keegan war halt auch sehr beliebt. Ich habe ihn als einen sehr netten Mensch kennengelernt. Und über die Fan-Verehrung habe ich schon oft mit spanischen Journalisten gesprochen. Ich fahre jedes Jahr ein- bis zweimal nach Barcelona und habe gesehen, welchen Hype es in den letzten Jahren gegeben hat. Wir sind damals mit dem Kinderwagerl auf der Flaniermeile La Rambla spazieren gegangen. Zwar haben mich fast alle erkannt, aber alle waren nett und zurückhaltend. Wenn ich da an Ronaldinho, Messi oder Henry denke. Die könnten nicht mehr auf die Straße gehen, weil der Verkehr zusammenbrechen würde! Ich bin ehrlich froh über meine Zeit. Ich war zwar damals auch der große Star, der Mittelstürmer, der Goleador, aber der Fußball hat sich in dieser Hinsicht sehr verändert. Mir ist das nicht sympathisch, ich habe den Rummel nie gebraucht. Meine Bühne war der Rasen und nicht die Straße.

Wollten Sie wegen Barca-Trainer Rifé aus Barcelona weg oder wegen der Verletzung Ihrer Frau?
Nein, das hatte mit der Verletzung meiner Frau nichts zu tun und wurde nur von den Medien so interpretiert. Ich war ein Jahr in Barcelona, als mein Trainer, der Franzose Lucien Muller, entlassen wurde. Sein Co-Trainer, Joaquim Rifé, ist dann Chef geworden. Der war immer leiwand, aber als er plötzlich das Sagen hatte, hat er sich aufgespielt wie nur. Mit ihm hatten sehr viele Spieler Probleme, nicht nur ich. Ich habe gesagt, dass ich – wenn der Trottel weiter Trainer bleibt – nicht mehr dort spielen möchte. Ich habe die Machtprobe gesucht und sie verloren. Ich bin dann nach Österreich zurückgegangen. Weil mich der Holzbach hingehalten hat und ich fast nicht spielen hätte dürfen, bin ich dann zehn Minuten vor Mitternacht zur Vienna gewechselt.

Im Hanappi-Stadion schossen Sie dann das 1:0-Siegestor und auf der Hohen Warte zwei Tore zum 4:0-Sieg. War das bloß ein Zeichen Ihrer unglaublichen Torgefährlichkeit oder auch ein Statement gegen die Rapid-Führung?
Beides. Ich war damals in der Form meines Lebens. Der Holzbach hat mich bis zur letzten Sekunde hingehalten, Versprechungen gemacht und das Geld doch nicht auftreiben können. Dem wäre wahrscheinlich egal gewesen, wenn ich ein paar Monate gar nicht spielen hätte können.

Die Vienna stieg dann trotz Ihrer Tore ab und Sie gingen noch für wenige Spiele zu Barcelona. Wie waren die Rückkehr und der endgültige Abschied?

In der Zwischenzeit wurde Rifé abgelöst und letztlich durch den Ungar László Kubala ersetzt. Und der Kubala, ein wunderbarer Mensch, wollte unbedingt mich als seinen Mittelstürmer haben. Er ist dann nach Wien gekommen und hat mich zurückgeholt. Ich bin im Triumphzug nach Barcelona zurückgekehrt. Nach einem halben Jahr ist Kubala dann aber vom Argentinier Helenio Herrera abgelöst worden. Barca hatte damals zwei Mittelstürmer, mich und den Quini, einen Spanier. Mit ihm habe ich mich sehr gut verstanden, auch wenn sich Herrera letztlich für ihn entschieden hat. Damals hat der Bernd Schuster schon sechs Wochen bei uns trainiert, als blutjunger 20Jähriger. Der Trainer wollte unbedingt den Schuster im Mittelfeld, womit ich als Ausländer überflüssig war. Außerdem war mit Quini ohnehin ein einheimischer Mittelstürmer da.

Rapid „musste“ der Fans wegen bei der zweiten Gelegenheit zugreifen. Nach Ihrer Rückkehr begann dann auch prompt der sportliche Höhenflug. Was waren neben Ihnen selbst die weiteren entscheidenden Faktoren für den folgenden Höhenflug Rapids?
Ja, damals hat es dann Gott sei Dank geklappt! Neben mir sind auch der Antonin Panenka und ein wenig später der Anatoli Sintschenko, der erste Russe, der jemals in einem westlichen Land gespielt hat, gekommen. Damals hatten wir eine Super-Mannschaft, haben zweimal die Meisterschaft und den Cup gewonnen und waren damals die dominierende Mannschaft. 1985 gab es dann den Höhepunkt mit dem Europacup-Finale. Für mich war es das zweite: Mit Barcelona habe ich gewonnen, mit Rapid leider verloren. Everton war einfach um eine Spur besser als wir. Aber der Weg von 1982 bis 1985, den die Mannschaft gegangen ist, war schon etwas Besonderes.

Bei den beiden entscheidenden Spielen zu den Meistertiteln 1982 (5:0 gegen Wacker Innsbruck am 25.05.1982, Anm.) und 1983 (4:0 in Eisenstadt am 25.06.1983, Anm.) mussten Sie beide Male zuschauen, retteten aber mit dem Zurückhalten der Fans Rapid den Titel. Hat es weh getan, bei diesen Spielen nur Zuseher zu sein?
Einmal war ich gesperrt wegen einem Ausschluss in der Südstadt und einmal musste ich verletzt zuschauen, weil ich mir das Seitenband abgerissen hatte. Die Zuschauer zurückhalten musste ich nur in Eisenstadt. Ich hatte einen Gipsfuß und die Fans wollten auf das Feld rennen. Ich bin dort mit Krücken gestanden und habe versucht zu beschwichtigen, was zum Glück gelungen ist. Hätte das Spiel noch ein bisserl länger gedauert, dann wären sie wahrscheinlich über mich drübergerannt – aber aus Freude, und nicht weil sie mich zertrampeln wollten. Geärgert habe ich mich aber nicht darüber, dass ich bei den entscheidenden Spielen nicht dabei war. Immerhin hatte ich meinen Anteil zur Meisterschaft über die jeweiligen Saisonen in vielen anderen Spielen beigetragen.

Die Mannschaft war damals in zwei Lager gespalten – und die Anführer bzw. Kontrahenten waren Sie und Heribert Weber. Was waren denn Ihre Differenzen?
Das wurde von den Medien hochgeschaukelt. Es hat ja auch zehn Jahre lang geheißen, dass der Prohaska mein Busenfreund sei. Jetzt frage ich: Was heißt Busenfreund? Der Prohaska hat keinen Busen, Gott sei Dank, und ich auch nicht. Wir haben uns gut verstanden. Bei den Derbys sind wir aneinandergekracht, und nach dem Spiel waren wir wieder Freunde. Aber das war rein sportlich, weil wir privat nie zusammen waren. Ähnlich war es mit dem Heri Weber. Die Konkurrenz war da, sicher. Als ich zurückgekommen bin aus Barcelona, war er schon ein großer Spieler bei Rapid und hat gesehen, was für ein Hero ich war. Da hat es halt gewisse Berührungspunkte gegeben, wo es gekracht hat. Er war ein Chef und ich war ein Chef. Aber es ist nie ausgeartet. Wir waren beide Konkurrenten in derselben Mannschaft, aber immer auf eine gesunde Art und Weise. Das hat uns gepuscht. Er hat immer hinten alles zusammengehalten und ich habe vorne alles zusammengehalten. Ich habe als Kapitän am meisten zu Reden gehabt, aber er war trotzdem eine Autorität, ein großer Spieler. Wenn es um ein Match mit Rapid gegangen ist, dann haben wir an einem Strang gezogen. Privat waren wir nie so nah. Er hat seinen Freundeskreis in der Mannschaft gehabt und ich meinen. Aus meiner Trainer-Erfahrung heraus kann ich sagen, dass Gruppenbildungen in einem Team schlecht sind, weil Eifersüchteleien entstehen können. Bei uns war das in gewisser Weise auch der Fall, aber nie beim Spielen. Daher war diese Gruppendynamik für uns, wirklich für unsere Generation, sogar etwas sehr Positives! Heute sind wir – sagen wir – mittelalte Männer, und wenn wir uns sehen, haben wir eine Freude und lachen über die Dinge, die früher einmal waren. Es war eine Rivalität da, aber eine gesunde. Als Trainer habe ich bei solchen Entwicklungen schon öfters dazwischengehen müssen. Der Heri und ich waren halt richtige, extrem erfolgsorientierte Winnertypen, von denen es heutzutage nicht mehr so viele gibt.

Über Ihren Abschied zum Sportklub gibt es zwei Versionen. Die eine lautet: Im Winter 1986 hätte die Mannschaft ein Trainingslager in Tadschikistan absolvieren sollen. Keiner wollte hin, aber nur Sie suchten die Konfrontation und es kam zum Bruch mit dem Präsidium. Die andere Darstellung kam von Präsident Holzbach, der meinte, dass Sie des Geldes wegen zum WSC gingen. Welche stimmt?
Holzbach war lange bei Rapid und hatte sicher seine Verdienste, aber ein großer Präsident war er nicht. Ich war nie ein Freund von Trainingslagern, das gebe ich zu. Aber damals wollte keiner in der Mannschaft nach Russland, aus Angst vor einem Krieg. Ich habe von der Mannschaft quasi den Auftrag zur Intervention bekommen und habe das, auch aus Eigeninteresse, vor dem Präsidium vertreten. Da haben dann beide Seiten ihre Muskeln spielen lassen und mit Rauswurf bzw. Weggang gedroht. Letztlich hat der Verein die Spieler derart unter Druck gesetzt, dass alle umgefallen sind. Weber, Feurer – alle sind wegen der Angst vor Gehaltseinbußen oder Kündigungen umgefallen, und ich bin bei meiner Meinung geblieben. Von den Jungen will ich gar nicht reden, weil die nichts dafür können haben. Und dann ist es so ausgegangen, wie es ausgehen musste – als der Gerechtigkeits-Fanatiker, Verrückte und Depperte, der ich bin. Das Ganze ist dann in einer Vertragsauflösung zu Ende gegangen. Wir waren damals unter Trainer Vlatko Markovic Zweiter in der Winterpause und der „Zizo“ und ich waren ex aequo an der ersten Stelle der Torschützenliste mit 18 oder 19 Toren. Das muss man sich vorstellen! Bei Rapid durfte ich dann nicht mehr, und zum Glück wollte mich der Hannes Nouza beim Sportklub haben. Um vor den Rapid-Fans nicht als Sündenbock dazustehen, hat der Holzbach dann die Geschichte mit dem Geld erfunden und verbreitet. Er hat das quasi als Renten-Vertrag dargestellt, so als ob ich auf meine alten Tage noch einmal richtig Geld verdienen wollte. „Alte Tage“ ist gut, weil immerhin war ich Führender der Torschützenliste. Um die Freigabe für den Sportklub zu erhalten, musste ich unterschreiben, dass ich Rapid aus freien Stücken verlassen wollte. Hätten die Fans gewusst, dass ich rausgeworfen worden bin, hätten sie Rapid vielleicht das Stadion angezündet. Ich habe das dann unterschrieben und beim Sportklub alles dementiert. Der Großteil der Fans, nicht alle, aber der Großteil hat mir geglaubt. Es ist zwar schade, aber die wahre Geschichte geht genau so!

Sie waren dann beim Sportclub sehr erfolgreich, erzielten 40 Tore in 60 Spielen (eines gegen Rapid, Anm.) . Und zum Abschluss Ihrer Spielerkarriere verhalfen Sie Salzburg mit zehn Treffern, darunter das „Tor des Jahres“, zur Erstliga-Zugehörigkeit. Wie war diese letzte Zeit als Spieler, abseits von Rapid?

Super, bei aller Wehmut. Beim Sportklub war ich noch zweieinhalb Jahre und habe eine schöne Zeit gehabt. Der Nouza war super. Außerdem hatte ich in Dornbach meinen Beginn als Trainer, war zwei Jahre lang Spielertrainer! Das war sehr schön für mich. Erst Jahre nach dieser Zeit haben sie das auch in England mit dem Vialli ausprobiert. Spielertrainer zu sein ist etwas ganz Besonderes! Man kann auf die Mannschaft viel mehr Einfluss nehmen. Außerdem war es sehr lehrreich und hat mir sehr gut gefallen.
Salzburg war dann ein Märchen! Über Nacht hat der Rudi Quehenberger beim Dr. Fani angerufen und gefragt, ob ich nicht für zwei Spiele nach Salzburg gehe, weil sie die zwei Spiele unbedingt gewinnen mussten, um das Mittlere Playoff zu erreichen. Am Donnerstag kam der Anruf, am Freitag war das Match, und ich habe nur gefragt, wie das alles gehen soll. Am Freitag Nachmittag bin ich dann gefahren, bin den kasernierten Spielern vorgestellt worden und habe mich zwei Stunden ausgeruht. In der neunten Minute ist dann der Srecko Kurbaša durchgegangen, hat geflankt und ich habe volley das Tor des Jahres gemacht. Auf Schneeboden ins Kreuzeck! Wir haben dann 1:0 gewonnen und die Chance war gewahrt. Während der Woche habe ich bei Rapid trainiert und bin dann einen Tag vor dem Spiel gegen Spittal wieder losgefahren. Das Spiel: Irregulärer Boden, eigentlich keine Chance auf ein Tor. Irgendwann in der zweiten Halbzeit ist dann der Ball auf einmal bei mir, ich hau mit dem rechten Spitz drauf – 1:0 für Salzburg. Dann der Ausgleich und alles scheint erledigt, aber in der Nachspielzeit bleibt der Ball im Gatsch vor dem Kurbaša liegen und der macht das 2:1. Das war ein Hexenkessel! Der Quehenberger hat mich dann sekkiert, dass ich noch im Playoff das halbe Jahr weiterspielen soll, aber ich wollte eigentlich nicht. Alle Experten haben damals gesagt, dass ein 36jähriger Krankl alleine nicht reicht, weil die Mannschaft zu schwach ist. Wie ich das gelesen habe, habe ich dem Rudi Quehenberger doch zugesagt. Ich habe dann um die sechzehn Goal in zehn oder elf Spielen gemacht und Salzburg ist aufgestiegen. Wie gesagt – es war ein Traum, ein Märchen! Aber die Heldensage geht weiter, eine wahre Geschichte: Im letzten Spiel als Salzburg-Spieler gegen Krems waren 16.000 in Lehen, einem Stadion, das ich wegen seiner steilen Ränge geliebt habe. Salzburg war fix oben und wir haben gegen Krems trotzdem 1:0 gewonnen. Jetzt kommt es aber: Ich habe in diesem Spiel gerade einen Vertrag als Rapid-Trainer unterschrieben gehabt. Ein paar Tage vorher im Hanappi-Stadion bin ich mit großem Trara vorgestellt worden. Und so bin ich als Spieler in Salzburg verabschiedet worden. Wunderschön!

Als Sie dann als Trainer nach Hütteldorf zurückkehrten, waren die Erwartungen hoch, aber die Mannschaft musste aufgrund der sich anbahnenden finanziellen Misere stark umgekrempelt werden. Wie war die Situation damals?

In meiner Trainerkarriere habe ich schon sehr viel Pech gehabt mit unglücklichen Situationen. Bei Rapid war das eigentlich nicht so. Ich war jung, hätte eigentlich noch mit den Burschen mitspielen können. Wir haben in den ersten zwei Jahren mörderische Resultate im Europacup eingespielt. In der ersten Saison haben wir Aberdeen und Brügge hinausgeworfen und sind wahnsinnig knapp an Lüttich, wegen einem vergebenen Fjörtoft-Elfer, gescheitert. Im Viertelfinale hätte Werder Bremen gewartet. Im zweiten Jahr wären wir im UEFA Cup gegen Inter Mailand aufgestiegen, wenn uns der Schiri in Verona nicht so schlimm benachteiligt hätte (in der zweiten Runde hätte Aston Villa auf Rapid gewartet, Anm.) . Damals bin ich für meine Leistungen in meiner ersten Saison als Trainer als „Trainer des Jahres“ ausgezeichnet worden. Die Austria haben wir geputzt! 4:1, 5:2, 6:3! Zusammen mit dem Dr. Fani, den ich auch lobend erwähnen will, habe ich damals den Jan-Aage Fjörtoft gefunden, der ein Mörder-Einkauf war, sicher einer der besten der letzten 20 Jahre! Ein positiver Superkerl, mit dem ich bis heute Kontakt habe, ein wunderbarer Bursch. Wir haben auch unsere Probleme gehabt, aber trotzdem! Ein Beißer, der die Tormänner umgehaut hat, die Austria umgehaut, ein Beißer mit unglaublichem Torinstinkt. Das erste Jahr war sehr schön, bis auf den Umstand, dass wir nicht Meister geworden sind. Bei Rapid muss man immer Meister werden, und das habe ich nie geschafft. Zwei unglaublich unglücklich verlorene Cup-Finali waren da noch, vor allem das gegen die Austria. Zuerst der Ausgleich in der Nachspielzeit, dann der abgefälschte Freistoß-Treffer vom Ogris, der mir beim Jubeln die lange Nase gezeigt hat. Nur die Niederlage gegen Stockerau habe ich nie auf meine Kappe genommen. Damals wollte ich nach diesem Match zurücktreten, aber der Dr. Fani und einige andere haben mich nicht lassen. Ich wollte diese Mannschaft eigentlich nicht mehr weiter trainieren, weil mich alle im Stich gelassen haben – Fjörtoft, Herzog, Keglevits, alle! Gegen Stockerau darf man so ein Spiel nicht verlieren, noch dazu, weil wir 1:0 geführt haben. Aber das passiert im Leben und leider ist es mir als Trainer passiert. Nur für dieses eine Match habe ich keine Verantwortung übernommen, weil das war eine Frechheit! Damals hätte ich zurücktreten sollen, weil das meine Überzeugung war und es zu mir gepasst hätte. Ich habe dann aber weitergemacht, und was dann passiert ist, hat man ja eh gesehen. Die Banken, die Drogen-Dollars, der arme Czornomaz! Das war alles ein Schaß, den ich ausbaden habe müssen. Da war eine Spannung zwischen dem Holzbach und dem Dr. Fani, und ich war in der Mitte. Aber die Fans haben mir bis zum Schluss die Treue gehalten, haben an mich geglaubt, und eigentlich an die Mannschaft auch. Mir persönlich haben sie nie die Schuld gegeben. Darauf bin ich heute noch stolz, dass ich ehrlich rüberbringen konnte, dass ich damit nichts zu tun hatte. Das ist mir wichtig!
Dr. Fani, der heute noch ein sehr guter Freund von mir ist, wurde damals als Sündenbock an den Pranger gestellt. Sehr zu Unrecht. Das sind Dinge, die der Fan nicht erkennt, weil sie nicht an die Öffentlichkeit kommen. Ich will heute nicht mehr über diese Widrigkeiten sprechen, weil es nichts mehr bringt. Dr. Fani ist jedenfalls ein großer Rapid-Fan, ein großer Rapidler. Ich bin dann nach drei Jahren gegangen, und es war gut so, und es war schade. Die Leute sagen: „Was hat er denn schon erreicht als Rapid-Trainer?!“ Zwei Jahre lang international sehr viel, teilweise mitreißende Derbys, national gab es ein Auf und Ab. Das weiß ich, weil ich bin seit 20 Jahren bei Rapid, ich bin der „Rapidler des Jahrhunderts“, und mir braucht da keiner was erzählen. Ich stehe dazu, dass ich als Trainer mit Rapid nicht Meister geworden bin! Der Dokupil hat es geschafft, der Pacult hat es geschafft – das respektiere ich. Ich habe es nicht geschafft, der Kritik muss ich mich stellen. Aber die zwei Cup-Finali sind mir wichtig, die hätte ich gerne gewonnen.

In der Folge waren Sie 1993/94 mit dem VfB Mödling Sechster, punktegleich mit Rapid. Dann kam die unruhige Zeit in Innsbruck und es folgten Saisonen abseits der Bundesliga, bis Sie 1999 als Salzburg-Coach zum „Trainer des Jahres“ gewählt wurden. Bei Fortuna Köln schafften Sie trotz Aufholjagd den Klassenverbleib nicht, bei der Rückkehr zum VfB Admira Wacker Mödling hingegen schon. Wie waren diese Jahre mit vielen verschiedenen Stationen in der Retrospektive?
Überall, wo ich Trainer war, war die Chemie zwischen Spielern und Trainer hervorragend. Das habe ich auch immer angestrebt. Ich habe mit allen Spielern ein gutes Verhältnis gehabt. Außer mit denen, die ich nicht aufgestellt habe, also ca. mit 90 Prozent war es ein sehr gutes Verhältnis. Besonders nach Rapid war die Zeit in Mödling, wo ein familiär geführter Verein – das waren drei Leute! – für Furore in der obersten Liga gesorgt hat. Das mit Mödling wird aber leider oft vergessen. In Innsbruck haben wir gut gespielt, aber dann ist alles zerbrochen und es gab die Verhaftungen. Das war eine dieser unglücklichen Situationen, von denen ich vorher gesprochen habe. In Salzburg haben wir das UI-Cup-Finale gegen Valencia erreicht. Mit den Salzburgern bin ich sogar Stadthallensieger geworden, unfassbar! (lacht) Ausgepfiffen von der ersten bis zur letzten Sekunde, aber Salzburg ist mit mir als Trainer Stadthallensieger geworden. (sehr lustig aufgelegt) Übrigens: Ich habe auch mit Rapid einen Titel erreicht, das will ich nicht verschweigen. Stadthallen-Sieger. Das war Rapid in der Zeit davor auch nicht. Mit mir als Spieler? Nie! Wie gesagt – ich bin Stadthallen-Sieger geworden... Champion de la Stadthalle mit Rapid! A bisserl was muss ich mir auf die kleinen Titel auch einbilden. Bei Köln hat ein läppischer Punkt gefehlt, und bei der Admira hat es dann funktioniert und wir haben elf Punkte aufgeholt. Da haben der Heinrich Strasser und ich ein kleines Wunder geschafft, zusammen mit dem Peter Stöger und dem Rashid Rachimow. Das Team war so zusammengeschweißt! Dass wir das geschafft haben, ist für mich mehr wert als fünf Meistertitel – da können die Kritiker sagen, was sie wollen. Es war das Beste und Spannendste, das ich jemals erlebt habe. Das war eine Zitterei, ein Stress, eine Freude, ein Bangen, ein Weinen und Lachen vom ersten bis zum letzten Match – mit einer Intensität, wie ich es als Trainer niemals erlebt habe.

Was ist Ihrer Meinung nach das größte Übel im österreichischen Fußball?
Funktionäre. Aus dem kommen wir nicht heraus, weil die Statuten und Gesetze alle aus der Steinzeit kommen. Und die Funktionäre lassen es nicht zu, dass man diese Regelungen ändert. Da reden dann Menschen über den Fußball, die rein gar nichts davon verstehen. Das Ehrenamtliche, das Abputzen, das Festhalten an Positionen, die Eifersüchteleien – grauslich! Österreich hat für mich kein Spielerproblem, weil es Talente und große Fußballer in jeder Generation gibt.
Der ÖFB ist bei allen Veränderungen noch immer ein veralteter Apparat, die Vereine sind veraltete Apparate. Einiges hat sich in der letzten Zeit gewandelt, aber bei weitem noch nicht genug. Ein Verein gehört wie ein Unternehmen geführt. Das hat sich bei Rapid sehr verbessert, und noch bei Salzburg. Aber auch bei diesen beiden Klubs läuft noch nicht alles perfekt. Vieles ist bei Rapid dem Andy Marek zu verdanken, das ist europäische Spitzenklasse! Der Erfolg gibt Rapid Recht, auch wenn ich kleine Eischränkungen im Verein machen möchte. Wenn man schaut, wer bei den Vereinen und dem ÖFB das Sagen hat, dann mussen ich sagen: Wir sind arm. Kleine Ausnahmen bestätigen die Regel.

Was denken Sie sich, wenn Sie hören, dass Österreichs Jugendliche in punkto Sucht und Depression im europäischen Spitzenfeld liegen?
Als ich einmal gesagt habe, dass die Latein-Stunden abgeschafft gehören, da hat man das auf Ö3 rund um die Uhr gespielt und komplett ins Lächerliche gezogen. Ich bleibe aber dabei, weil ich weiß, dass ich Recht habe. Viele Leute haben mir zugestimmt. Dabei ist es ja so, dass ich die Römer verehre und viele Geschichtsbücher zu diesem Thema gelesen habe. Tatsache ist aber, dass an den Schulen die Turnstunden immer mehr aus dem Programm verschwinden. Sport ist aber das beste Mittel gegen Sucht und Depressionen. Man sollte nach Sport süchtig sein, egal nach welchem! Auf Ö3 ist der Sinn meiner Aussage verschwunden, weil man sich über meinen Dialekt lustig gemacht hat. Dabei wäre es so wichtig, ernsthaft über diese Problematik zu sprechen. Beim Fußball zum Beispiel schult man den Zusammenhalt, die Kameradschaft und das Miteinander. Da wäre die Politik gefragt. Aber dort können sie nicht, wollen es nicht oder es interessiert sie nicht. Und das ist traurig.

Wer war eigentlich der kompletteste Stürmer, den sie je selbst trainiert haben?
(denkt nach) Edi Glieder und Jan-Aage Fjörtoft!

Zurück nach Hütteldorf. Wer waren die besten Rapid-Stürmer der letzten zehn, zwanzig Jahre?

Heimo Pfeifenberger hat mir immer getaugt. Und später der Carsten Jancker. Der beste Spieler, den ich jemals bei Rapid trainiert habe, war der Andi Herzog. Unbestritten!

Peter Pacult sind Sie ja freundschaftlich verbunden, zumindest hat man diesen Eindruck. Wie sind Sie mit seiner Performance zufrieden?
Die Ergebnisse sprechen ganz klar für ihn! Als Trainer ist er ein Sturschädel, manchesmal komisch gegenüber der Mannschaft und der Öffentlichkeit. Manchesmal ist er auch verrückt und redet lauter Blödsinn. (schmunzelt) Meine Kollegen bei Sky haben ja hin und wieder Probleme mit ihm. Ich kenne ihn aber ganz anders! Aber egal, ob sein Benehmen gut ankommt oder nicht – seine Erfolge sind ihm nicht abzusprechen und die sollte man auch respektieren!

Zuletzt waren Sie beim LASK engagiert. Sind Sie jetzt Feuerwehrmann oder jederzeit an längerfristigen Angeboten interessiert? Wenn ja – was würde Sie reizen?
Ich verehre das „New York Fire Department“ und das „New York Police Department“, bin aber selbst kein Feuerwehrmann. (lacht) Aber wenn man es so sagen will. Einmal habe ich es beim LASK probiert und es hat funktioniert. Momentan strebe ich keinen Trainerjob an. Ich setze mich nicht in das Stadion eines Vereins, bei dem der Trainer wackelt. Man hat mir eineinhalb Jahre lang nachgesagt, dass ich Trainer von Wr. Neustadt werde, alle um mich herum. Sogar die Spieler des Vereins wollten das unbedingt. Ich war diesbezüglich ratlos, weil mit mir kein Verantwortlicher darüber gesprochen hat. Und wer ist jetzt Trainer dort? Ich nicht!
Bei mir passiert so viel aus dem Bauch heraus, und ganz schnell. Sollte der Peter Pacult fünfmal hintereinander verlieren, werde ich nicht noch öfters ins Hanappi Stadion gehen und sagen: „Schaut's alle her, ich bin's, der Hanseee! Könnt's Euch eh noch an mich erinnern?“ Das alles bin ich nicht, das alles brauche ich nicht. Ich will gar nicht mehr Trainer sein. Andererseits habe ich gelernt, dass man niemals nie sagen soll. Das ist nicht nur im James Bond-Film so. Wenn ich also bei irgendeiner Sache mit dem Herzen dabei sein sollte, dann werde ich es auch tun. Vielleicht trainiere ich sogar eine Knaben-Mannschaft oder eine Mannschaft der Wiener Liga. Wenn ich es will, dann mache ich es!

Sie haben damals bei Ihrem Abschied als Rapid-Trainer gemeint, dass Sie den Meistertitel mit Rapid noch irgendwann nachholen werden. Welche Gültigkeit haben diese Worte zum aktuellen Zeitpunkt?
(lacht) Ich habe das wirklich gesagt, und ich sage es jetzt vorsichtig – ich war immer dieser Meinung. Das ist so ein Spleen von mir gewesen, dass ich das noch unbedingt machen wollte. Die drei Jahre als Rapid-Trainer waren mir im Rückblick zuwenig. Ich wollte immer noch etwas bei Rapid machen, weil das der Verein meines Lebens, meines Herzens, meines Blutes ist! Das ist kein Quack-Quack, sondern das ist so und das weiß auch jeder. In den letzten Jahren bin ich allerdings skeptischer geworden, weil man mich dort nicht wirklich haben will. Es herrscht teilweise eine große Eifersucht auf meinen Namen, auf mein Team. Und andererseits gebe ich zu, dass sie mich wahrscheinlich nicht brauchen – dem Verein geht es gut, wozu brauchen sie also den Krankl?! Es gibt den Präsidenten Edlinger, egal wie gut oder schlecht er ist. Die Erfolge des Vereins sprechen auch für ihn, egal wie er daran beteiligt ist. Es sind alle Positionen bis hin zum Trainer gut besetzt, und den Pacult will ich sicher nicht beerben. Auch weil ich ihn mag. Ich werde jetzt 57 Jahre alt (am 14. Februar – Gratulation von Forza Rapid!, Anm.) und habe in den letzten Jahren beobachtet, dass es schwer werden wird, noch etwas bei Rapid zu machen.
(Pause) Ich denke mir trotzdem, dass es noch zu einem Verhältnis Krankl-Rapid kommen sollte, egal in welcher Position. Ich will nicht Präsident sein, wegen dem finanziellen Risiko. Das würde ich fast ausschließen, genauso wie den Job des Zeugwarts. Aber dazwischen ist viel möglich, auch wenn ich keine konkreten Vorstellungen habe. Ich geniere mich aber nicht zuzugeben, dass ich gerne noch einmal in irgendeiner Form bei Rapid tätig sein würde. Ich wohne nur fünf Minuten entfernt, das ist mein Stadion, mein Wohnzimmer, mein Klub und meine Mannschaft (Hans Krankl will sich korrigieren, wir einigen uns aber darauf, dass Rapid unser aller Mannschaft ist, Anm.) . Vor fünf, sechs Jahren war ich noch überzeugt davon, dass sich das alles noch ausgehen wird. Aber es gibt beim Verein Menschen, die Angst vor mir, meinem Namen und meinem Standing bei den Fans haben. Ich weiß, dass manche die Angst haben, dass ich alle rausschmeißen würde, wenn ich bei Rapid etwas zu sagen hätte. So ein Blödsinn! Warum sollte ich das denn machen? Manche glauben, dass, wenn ich zurückkomme, die Sonne so auf mich strahlt, dass für die anderen nur mehr Schatten übrigbleibt. Aber was kann ich dafür, dass mich die Fans so mögen? Obwohl mich wahrscheinlich 80 Prozent des „Block West“ nicht mehr spielen gesehen haben. Jede Zeit hat ihre Idole, und das waren in letzter Zeit halt der „Jimmy“, der Steffen und der Jelavic. Wenn ein Junger das seinem Vater sagt, wird sich sein alter Herr vielleicht an mich zurückerinnern und sich seinen Teil denken. Ich werde von den Fans geschätzt, aber geliebt? Und bei mir ist es ja auch nicht so, dass ich auf den Steffen oder einen anderen Publikumsliebling neidig bin! Ich würde es mir ehrlich und vom Herzen wünschen, dass ich meinem Verein noch einmal helfen kann. Egal wie! Vielleicht ändern sich die Zeiten ja noch.

Wird Rapid heuer Meister?

Absolut ja!

Interview vom 03.02.2010 (grela)

10 Fragen zum besseren Kennenlernen:
Ihre Lieblings-Elf aller Zeiten?

Die Europapokal-Finalmannschaft des FC Barcelona 1979, die Europapokal-Finalmannschaft von Rapid 1985 und die 1978er-Mannschaft, die Deutschland 3:2 geschlagen hat.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?
Nou Camp!

Ihre größte Niederlage am Fußball-Platz als Spieler oder Trainer?

Das verlorene Cup-Finale 1991 gegen Stockerau.

Rapid ist...
...Religion!

Kottan oder Columbo?
Kottan, ganz klar! Nur Kottan. Das ist die beste Fernsehserie, die es je in Österreich gegeben hat.

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?
Jesolo und Florida.

Wovor haben Sie Angst?
Vor dummen Funktionären.

Eine Marotte?
Sonne, Sand und Meer.

Welches Talent hätten Sie gerne, haben es aber nicht?
Gitarre zu spielen wie der Jimmy Hendrix.

Der beste Verteidiger, gegen den Sie je gespielt haben?
Da gibt es einen Brasilianer von Flamenco Rio de Janeiro, dessen Name mir jetzt nicht einfällt. Sagen wir halt Bruno Pezzey... damit wir patriotisch bleiben.