Johann Krejcirik im Gespräch
 

Interview vom 12. Dezember 2011 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

" Ich wäre gerne bei Rapid geblieben!" ein meines Lebens"

Johann Krejcirik wurde am 23. Februar 1952 in Laa an der Thaya geboren. Der Top-Goalgetter spielte mit einer dreijährigen Unterbrechung bis zum Alter von 24 Jahren In seinem Heimatort, wo er zu den „berühmtesten Söhnen und Töchtern der Stadt“ zählt. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Mittelstürmer 1976 den Sprung nach Hütteldorf ins Profi-Fußballgeschäft (auf skurrile Art und Weise) schaffte. Bei Rapid etablierte sich der Spätzünder als Flügelstürmer neben Hans Krankl und schoss innerhalb von vier Saisonen 36 Tore in 139 Spielen. Ein Titelgewinn blieb dem Fan-Liebling aufgrund der schwierigen Umstände im Verein verwehrt. Bevor es noch zum ersten Aufflammen der großen Achtziger-Jahre-Mannschaft kam, wechselte „Krejci“ zur Admira, wo er seine Qualitäten bis 1986 unter Beweis stellte und eine neue Heimat fand. Nach eineinhalb Jahren in Mödling beendete der Niederösterreicher seine aktive Karriere und wurde Trainer. Immer wieder landete Krejcirik in der Südstadt, wo er auch heute noch als Chefscout für den Nachwuchs tätig ist.

Ich treffe Johann Krejcerik an seinem Arbeitsplatz, in der Bezirkshauptmannschaft Mödling (Verkehrsabteilung). Man merkt dem schlanken 59-Jährigen sein Alter nicht im geringsten an. Meine Fragen lassen den Junggebliebenen tief in seine Vergangenheit eintauchen, aus welcher der Ex-Grünweiße viele schöne Geschichten zurückerinnert. „Jubiläumsmann“ Krejcirik ist die 25. Rapid-Legende, die ich vor mein Aufnahmegerät bitten durfte. Unterm Strich bleibt eines der besten und lebendigsten Gespräche dieser Serie übrig...

Herr Krejcirik, Sie wurden 1952 in Laa an der Thaya (Bezirk Mistelbach) geboren. Wie sind Sie zum Fußball gekommen, wie haben Sie dieses Hobby gelebt?
Mein Vater war selbst Fußballer, das hat diesen Weg begünstigt. Außerdem war Fußball zu meiner Zeit noch viel mehr Volkssport als heute. Soviele andere Sachen haben wir als Kinder nicht gehabt, weswegen der Ball das absolut Wichtigste war.

Sie haben dann bei Ihrem Heimatverein SC Laa gespielt...
Damals hat der Verein noch gar nicht SC Laa geheißen, weil alles viel politischer war und es zwei Vereine in Laa gegeben hat. Da war der ATSV und der SV. Ich habe bei Ersterem gekickt. Mit gerade 15 Jahren habe ich in der Kampfmannschaft des ATSV gespielt. Wir waren in der dritten Leistungsstufe, der Unterliga, was heute in etwa der Gebietsliga entspricht. Damals haben die Alten den Jungen sehr unter die Arme gegriffen! Außerdem waren sie froh, dass sie einem jungen und schnellen Spieler die Bälle nach vorne spielen haben können. Das war mein Vorteil gegenüber anderen Jungen, die bei einem großen Verein immer mit Gleichaltrigen gespielt haben. Dafür hat mir die Grundlagenausbildung gefehlt. Mit 16 Jahren bin ich für ein Jahr nach Neusiedl an der Zaya gegangen. Dort habe ich drei Jahre lang gespielt. Als ich wieder nach Laa zurückgegangen bin, wurde gerade der SC neu gegründet. Die Gemeinde wollte, dass die beiden Vorgänger-Klubs zusammengelegt werden, und das war auch eine Hauptbedingung für uns Ex-Spieler – darunter auch der Vater von Gerd Wimmer –, wieder zu den Wurzeln zurückzukehren.

Waren Sie schon immer Stürmer?
Ja, der Angriff war immer schon mein Zuhause!

Welcher Klub hat Sie fasziniert?
Ich war einer der wenigen, die dem Wiener Sportclub die Daumen gedrückt haben. Zu dieser Zeit war man eigentlich Rapid- oder Austria-Fan und aus. Aber der Sportclub hat einen technisch sehr feinen Fußball gespielt, mit Erich Hof, Horst Blankenburg und Finn Laudrup. Mich hat ihr Spielstil einfach irrsinnig angesprochen.

Als Sie in der Saison 1976/77 zu Rapid wechselten, waren Sie bereits 24 Jahre alt. Wie kam es zu diesem Transfer? Sie müssen ja unglaublich viele Tore geschossen haben, um aufzufallen...
Ich habe in den drei Saisonen seit meiner Rückkehr aus Neusiedl immer zumindest 35 Tore geschossen. In der Saison 1975/76 waren es 51. Damals haben mich „Bimbo“ Binder und die Körner-Brüder immer wieder bei den Matches beobachtet, was ich aber nicht gewusst habe. Zum Glück! Ich hätte wahrscheinlich keinen Ball getroffen, wenn ich diese wahnsinnig großen Namen am Spielfeldrand vermutet hätte. Wenn sie in Laa zugeschaut haben, waren sie danach beim Heurigen, wenn sie in Orth an der Donau gekiebitzt haben, waren sie danach Fisch esssen. Ich habe auch nicht gewusst, dass mich Rapid bereits im Winter gekauft hat. Das habe ich erst erfahren, als ich nach einem Probetraining beim Sportclub nach Dornbach gehen wollte. Lothar Ulsaß, eine Legende aus Deutschland, und Josef Draxler als Präsident waren damals beim Sportclub, der gerade in der 2. Division gespielt hat und mich unbedingt verpflichten wollte. Bei den Verhandlungen sind sie aber gegen eine Wand gerannt. Wienerberger war damals Hauptsponsor bei Rapid und hatte ein großes Ziegelwerk in Laa. Über diese Verbindung ist der Deal, von dem ich gar nichts geahnt habe, gelaufen. Meine Enttäuschung hat sich in Grenzen gehalten, denn immerhin bin ich zum größten Traum, den ein Fußballer in Österreich leben kann, quasi gezwungen worden. Mit einer Bundesliga-Karriere habe ich damals eigentlich nicht mehr gerechnet. Ich war bereits verheiratet, hatte zwei Kinder und habe als Autoverkäufer gearbeitet. Robert Dienst wollte mich nach Stockerau, wo er die Mannschaft trainiert hat, in die Regionalliga holen. Dorthin wäre ich gegangen, wenn aus dem Sportclub bzw. Rapid nichts geworden wäre. Weil ich nicht nach Stockerau gegangen bin, war er ziemlich böse auf mich.

Wie war die Ausgangsposition für Rapid unter dem polnischen Neo-Rapid-Trainer Antonin Brzezanczyk? Was für ein Trainertyp war er?
Ich möchte kurz ausholen: Die Dinge, die man als Basis bei den Großklubs lernt, haben mir damals gefehlt. Nach vorne ist viel gegangen, nach hinten nichts. Auf einmal hat es geheißen, dass ich auf den linken Verteidiger aufpassen muss. Das war bei den kleinen Vereinen nicht der Fall. Dieser „schwarze Fleck“ in meiner Grundausbildung war auch ausschlaggebend dafür, dass ich es nicht ins Nationalteam geschafft habe. Aber ich hatte auch Glück. Mein Trainer in Laa war ein ehemaliger Vienna-Spieler, Rudi Hanbauer. Er hat sehr hart trainieren lassen, fast auf Profi-Niveau. Ansonsten hätte ich die Umstellung auf das viele Training in Hütteldorf nicht geschafft. Aber fragen Sie nicht, wie es mir damals gegangen ist! Ich komme vom Land in die Hauptstadt und spiele plötzlich neben Hans Krankl. Manchen Spielern hätte ich am liebsten die Schuhe gebunden! (lacht) Dass ein neuer Trainer gekommen ist, der keine Vorurteile hatte, kam mir sehr gelegen. Ich werde nie vergessen, dass ich in den ganzen Vorbereitungsspielen – die meisten hat Rapid zweistellig gewonnen – kein einziges Tor geschossen habe! Trotzdem bin ich beim Meisterschaftsstart in der Startelf gestanden. Das Vertrauen des Trainers hat mir immens geholfen.

Der hat auch ein gutes Näschen bewiesen! Gleich bei Ihrem Debüt im grünweißen Dress haben Sie das entscheidende Tor zum 1:0-Sieg bei der Admira erzielt. Wie erinnern Sie sich noch an dieses Spiel und Ihr Tor?
Das war wie ein Märchen und ganz wichtig für die Anerkennung in der Mannschaft! Damals gab es noch die Doppelveranstaltungen. Das Vorspiel haben die Austria und die Vienna bestritten, danach sind wir zum Hauptspiel angetreten. 15.000 Menschen waren in der Südstadt! Ich weiß nicht, ob sich dort jemals mehr Zuschauer eingefunden haben. Ich weiß nur noch, dass knapp vor dem Pausenpfiff eine Flanke gekommen ist, ich nehme sie volley, der Ball wird abgeblockt und kommt noch einmal zurück, ich rutsche hinein und wir gewinnen mit 1:0. Es hat sehr lange gedauert, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Von mir ist jedenfalls sehr viel Druck abgefallen! Schafft man es in diesem Alter noch, sich zu etablieren? Ich habe es damals selbst nicht gewusst. Und wenn es nicht bald geklappt hätte, wäre ich bei einem Spitzenverein wie Rapid auch schnell wieder weg gewesen. So hatte ich nach diesem wichtigen Tor natürlich mehr Selbstvertrauen, war richtiggehend befreit.

Im September 1976 spielte Rapid im Europacup der Cupsieger gegen Atlético Madrid. Sie wurden in beiden Matches nach etwa einer Stunde eingewechselt und erzielten beim Rückspiel im Estadio Vicente Calderon den 1:1-Ausgleich (83.). Wie knapp war Rapid in den letzten Minuten noch dran, in die Verlängerung zu kommen (Hinspiel: 1:2)?
Ich war zwar bereits 24 Jahre alt, hatte aber keinerlei internationale Erfahrung. So gesehen war die Entscheidung des Trainers, mich von der Bank zu bringen, verständlich. Nach meinem Tor haben die Madrilenen plötzlich gewackelt! Das war eine Mannschaft mit lauter Top-Spielern. In Wien haben wir zwar dumme Tore bekommen, sind aber teilweise vorgeführt worden. Aber nach meinem Tor im Rückspiel hätte man in den letzten zehn Minuten eine Stecknadel fallen gehört. Auf einmal waren sie nervös, obwohl sie bis dahin auch 5:0 führen hätten können. Nach dem Ausgleich waren sie aber verunsichert und wir euphorisch. Es hat nicht viel gefehlt, ein Krankl-Kopfball ist auf der Linie abgewehrt worden. Das sind Spiele, die einem zeigen, dass man weit mehr drauf hätte. Wir hatten wahrscheinlich zuviel Respekt. Ich habe jedenfalls viel aus diesem Spiel gelernt.

Wie war es, mit Hans Krankl zu spielen?
Speziell am Anfang sind wir sehr gut miteinander ausgekommen. Ich habe halt lernen müssen abzuspielen. Ich war es ja immer gewohnt, die Tore zu schießen! Ich werde nie das Spiel gegen den GAK vergessen, das wir 5:3 (13. November 1976) gewonnen haben. Ich habe drei Tore geschossen, und nach dem letzten läuft Hans Krankl an mir vorbei, klopft mir auf die Schulter und sagt: „Super, Krejci! Aber ich wäre auch frei gestanden und hätte den Ball ins Tor gehaut!“ Hier der Naive vom Land, dort der angehende Superstar. Hans Krankl ist hundertprozentig der beste Stürmer, mit dem ich je zusammengespielt habe. Er hat diesen Schuss Ehrgeiz und Ego gehabt, der ihn ganz nach oben an die Spitze gebracht hat. Wie man auch an meiner Anekdote sieht! Ich hätte auch viele Tore machen können, die Hans Krankl geschossen hat. Aber ich habe den Anspruch nicht so für mich reklamiert, wie er das getan hat. Ich hätte mich das gar nicht getraut. Für mich war das ohnehin schon eine Scheinwelt, in der ich mich befunden habe. Ich habe mich auch gerne untergeordnet, weil das zu einem Mannschaftsspiel einfach dazugehört!

Rapid musste seine Heimspiele in dieser Saison in Dornbach austragen, weil die Pfarrwiese wegen der nicht erfüllten Sicherheitsauflagen für Bundesliga-Spiele gesperrt war und das Weststadion noch nicht fertig war. Wie war es für Sie , auf der historischen Pfarrwiese zu trainieren, aber dort nicht spielen zu dürfen?
Wir haben später sogar auf den Horr-Platz ausweichen müssen. Heimvorteil hatten wir in dieser Zeit keinen, was nicht einfach war! Wenige Spiele nach der Eröffnung des Weststadions mussten wir auch schon wieder wegen der Baufälligkeit raus. In dieser Zeit hatten wir viel weniger Zuschauer als heutzutage. Man kann sich eigentlich nur wundern, was heute bei Rapid passiert, weil die Spiele oft nicht so gut sind und die Fans trotzdem kommen! Sie waren stark mitverantwortlich für die nationalen und internationalen Erfolge Rapids, haben dem Verein sehr geholfen. Das darf man nicht vergessen, wenn man auf den blöden Platzsturm schaut. Wir hatten bei den Spitzenspielen hin und wieder volle Häuser, sonst oft auch nur zwei- bis dreitausend Zuschauer. Heutzutage gibt's das eigentlich gar nicht mehr, dass weniger als 10.000 kommen. Dann ist es nicht Rapid, wenn das so ist! Das hat uns gefehlt. Auch später bei Panenka und all den anderen Stars sind nicht viel mehr Leute ins Stadion gekommen. Diese Mannschaft hätte sich die Anhänger von heute verdient!
Auf der Pfarrwiese zu trainieren war schon etwas Besonderes. Ich habe nach dem Sperren des Weststadions auch noch einige Matches dort gespielt. Man geht durch diesen finsteren Tunnel, und plötzlich kommst du raus in ein Geschrei und Gehupfe... dieses halbe Jahr war eines der schönsten meiner Karriere! Im Sommer musste dort der Sechzehner ausgespritzt werden, weil dort kein Gras war. Ansonsten hätte der Wind den Sandstaub verweht. Manchmal ist das auch passiert und ich konnte am Flügel plötzlich nichts mehr sehen. (lacht)

Sie wurden rechts und links im Dreier-Angriff mit Mittelstürmer Hans Krankl eingesetzt, aber auch im rechten Mittelfeld. Wo haben Sie Ihre Optimal-Position gesehen?
Dass ich im rechten Mittelfeld aufgestellt worden bin, hat sich am Ende meiner Rapid-Zeit zugetragen. Plötzlich hat mich „Schani“ Skocik gegen den Prohaska spielen lassen. Ich habe ihn gefragt, wie das gut gehen soll?! Wir haben dann 0:0 gespielt und ich war im „Team der Runde“. Ich habe „Schneckerl“ nicht zu schnell attackiert und konnte mich gut auf sein Spiel einstellen. Wäre ich ihn dynamisch angegangen, hätte er mich mit einem Haken stehen lassen. In solchen Situationen war man gegen einen Techniker wie „Schneckerl“ schnell Zweiter, wenn man ihn zu schnell angegangen ist. Ab 28 habe ich gelernt, auch im Mittelfeld zu spielen. Eigentlich war ich ja Mittelstürmer, aber diese Position hat Hans Krankl besetzt gehabt. Ich war gewohnt, bei Ballbesitz meiner Kollegen sofort in die freien Räume zu laufen. Bei Rapid war ich plötzlich Flügelstürmer und musste mich – was ich überhaupt nicht gewohnt war – auf die damals immer offensiver agierenden Außendecker konzentrieren. Unter diesem Zwang, Fehler vermeiden zu wollen, haben meine Stärken gelitten. Wenn ich vorne war, bin ich dann in die Räume gegangen. Die Torleute haben oft ausgeschossen und Hans hat ja fast jeden Ball erwischt und Richtung gegnerisches Tor abscherzeln lassen. Heute würde ich, wenn ich uns ins damalige Alter versetzen könnte, gerne mit Hans gegen eine Viererkette spielen. Ich weiß nicht, wie oft ich alleine auf den Tormann laufen würde! Damals gab es noch den Libero, der im letzten Moment ausgeputzt hat.

Interessanter Aspekt! Wie haben Sie eigentlich das Premierenspiel im Weststadion (66. Minute eingewechselt) miterlebt?
Wir wollten endlich wieder wo daheim sein! Teilweise haben wir uns schon im Weststadion umgezogen, weil wir hier ein Warmwasserbecken hatten, und sind dann zu den Matches oder zum Training. Wir haben uns also sehr gefreut. Und das Spiel gegen die Austria war extra wichtig, weil sie damals ja auch im Weststadion gespielt haben. Wir wollten unbedingt zeigen, dass wir hier zuhause sind! Daher ging es um noch mehr Prestige und wir mussten noch mehr gewinnen, als man das bei einem Derby ohnehin muss. Uns war es überhaupt nicht recht, dass die Austria auch hier spielen wird. Wir haben unser Revier markiert und gezeigt, wer der Herr im Haus ist! (lacht)

In der letzten Runde waren Sie mit einem Treffer gegen die Rotjacken am historischen 11:1-Sieg beteiligt. Bitte erzählen Sie von diesem Match!
Ich habe mich mit Helmut Kirisits darum gematcht, wer hinter dem Hans die zweitmeisten Tore schießt. Heli hat knapp vor der Pause das 4:0 geschossen und sein Torkonto auf elf Treffer erhöht, ich brauchte noch einen Treffer, um wieder gleichzuziehen. Ich habe knapp vor Schluss das 10:1 erzielt – es war der schönste Treffer, den ich je für Rapid erzielt habe! Aus fast 40 Metern ist mein Schuss von der einen zur anderen Kreuzeck-Stange gegangen und dann im Tor gelandet. Der Kirisits ist mir über den halben Platz nachgelaufen. Ich habe gedacht, weil er mir gratulieren wollte, aber er war gar nicht erfreut. (lacht) Vereinsarzt Doktor Schmied hat gemeint, dass er so ein Tor einmal von „Bimbo“ Binder gesehen hat und danach erst wieder bei mir. Auf dieses Tor hat er mich auch noch angesprochen, als ich schon bei der Admira war. Hans hat bei diesem Spiel sieben Treffer erzielt. Ich hätte ca. fünfmal zu ihm hinlaufen können, um zu sagen: „Den hättest Du mir auch aufspielen können und ich hätte ihn alleinstehend beim Fünfer leerstehend reingemacht.“ Aber er hat sich lieber für das kurze Eck entschieden, und ich habe geschwiegen. (lacht)

Rapid wurde letztlich Zweiter, hat den Titel gegen Wacker Innsbruck in den direkten Duellen verloren. Wie wurde der Vizemeistertitel in der Mannschaft und bei den Fans bewertet?
Innsbruck hat viele Spiele in dieser Saison mit 1:0 gewonnen, knappe zehn waren es. Die hatten damals eine Bombenmannschaft mit Pezzey, den Koncilias, Stering, Welzl und so weiter. Wenn man Rapid ist, will man Meister werden. Wir hatten damals aber einen Aderlass zu verkraften gehabt und waren in einer schwierigen Situation. Gefeiert wurde der Vizemeistertitel aber in keinster Weise. Die Fans gab es ja noch nicht so wie heute. Unseren Anhänger damals war wichtig, dass wir laufen und kämpfen, dann konnte man auch Zweiter werden. Manchmal haben wir grottenschlecht gespielt, trotzdem gewonnen, und sie waren auch zufrieden.

Sie absolvierten 35 Ligaspiele in Ihrer Premieren-Saison. Wie war Ihr Standing innerhalb der Mannschaft?
Okay. Aber es gab eine klare Hierarchie, in der die Nationalspieler vor uns gestanden sind – Krankl, Persidis. Auch die Legionäre wie Emil Krause und später Bernd Krauss, der auch heute noch mein Freund ist. Hans war der absolute Star, er war der „Mr. Rapid“, und mit ihm haben noch zehn andere gespielt. Eifersüchteleien gab es keine, von meiner Seite sowieso nicht. Aber es ist klar, dass ihn seine Eigenschaften zu dem gemacht haben, was er dann später geworden ist. Im Ausland bei Barcelona musste er Stärke zeigen und Verantwortung übernehmen. Ansonsten wäre er gescheitert. Bei unserem Training haben Pawlek und ich ihn fast eine Stunde lang mit Flanken versorgt, und er hat volley draufgehaut und dabei die Stange anvisiert. Blindes Draufhauen hat es nicht gegeben! Da habe auch ich viel Sicherheit beim Flanken bekommen. Heute sollten die Spieler mehr einfache Dinge trainieren, dann wären sie im Spiel besser. Klingt paradox, ist aber so. Zurück zu Hans: Ich bin ein Jahr älter als er, habe aber damals sehr viel von ihm gelernt. Vor allem wegen meiner schlechteren Ausbildung konnte ich mein Wissen und Können nicht auf dem allerhöchsten Niveau ausspielen. Aber ich bin sehr damit zufrieden, was ich in meiner Karriere erreicht habe.

Was waren Ihre Stärken und die von Helmut Kirisits, der Ende der Siebziger – wie Sie – eine wichtige Rolle bei Rapid gespielt hat?
Bei mir waren es die Schnelligkeit – ich war der schnellste Spieler in unserer Mannschaft – und mein sehr guter rechter Schuss. Ich habe meinen Linken erst spät trainiert. Wenn man bei Brzezanczyk im Training mit dem Rechten ein Tor erzielt hat, hat es erst gezählt, wenn man mit dem Linken auch getroffen hat. Da hat man gesehen, dass man im Alter auch noch lernen kann, auch wenn es ungleich besser ist, wenn man damit sehr früh beginnt. Und von den 41 Krankl-Toren habe ich auch sehr viele aufgelegt, auch mit Cornern und Freistößen. Das ist mir später bei der Admira mit Knaller, Messlender und Oberhofer auch sehr oft gelungen. Heute hat Steffen Hofmann ein extrem hohes Standing, weil seine Assists statistisch besser belegt und bewertet werden. Das hätte ich auch haben können! Hans war mit dem Kopf stärker als drei andere zusammen, der mit Abstand Beste. Man hat den Ball nur schön hineinhauen müssen. Und neben Krankl sind dann Leute wie Persidis und Pajenk bei den Standards mit angelaufen. Meine Stärke war das Kopfballspiel nie.
Helmut Kirisits war eher der Spielmacher. Sein Manko war nur, dass man oft in die Räume gelaufen ist, er auf den Ball gestiegen ist und das Hakerl zurück gemacht hat. Er war ein exzellenter Fußballer, hat beidbeinig einen super Schuss gehabt. Wenn er mehr Dynamik gehabt hätte! Seine Knöcheln waren oft geschwollen, weil er zu spät abgespielt und deswegen einiges abgekriegt hat. „Kiri“ war aber ein sensationell guter Fußballer, der dann ja auch bei Panathinaikos gespielt hat. Wäre er ernster und zielorientierter gewesen, hätte er ein sehr guter Spieler für das Nationalteam werden können.

War es ein Zufall, dass Sie sieben Ihrer zwölf Saisontore in der Rapid-Viertelstunde erzielten?
Es war nicht unbedingt die Kraft oder Ausdauer. Aber wenn ich mich schon als Typ beschreiben kann: Wenn ich die Chance gesehen habe, ins Loch zu gehen, habe ich keine Müdigkeit gespürt. In mir war der Drang des Stürmers, der alles gibt, wenn er eine Chance sieht. Heute wird mehr gearbeitet und die Kraft geht gegen Ende eines Spiels aus. Aber damals konnte man sich mit der richtigen Einstellung auch in der 90. Minute noch überwinden.

Gemeinsam mit Herbert Feurer und Hans Krankl wurden Sie 1977 vom „Klub der Freunde des S.C. Rapid“ als „Rapidler des Jahres“ ausgezeichnet. Haben Sie gespürt, dass Sie ein Fan-Liebling sind?
Die Leute haben immer mein Bemühen und meinen Willen honoriert, gar nicht so sehr die Tore. Ich habe auch Fehler gemacht, aber die verzeiht einem der Rapid-Anhang, wenn man kämpft. Das habe ich getan! Ich bin auch 1978 ein zweites Mal gewählt worden. Das waren sehr schöne Auszeichnungen.

In der Saison 1977/78 wurde Brzezanczyk nach vier sieglosen Spielen zuerst von Interimstrainer Robert Körner, dann von Karl Schlechta ersetzt. Sie blieben von diesen Unruhen im Verein, scheint es, aber recht unbeeindruckt und erzielten sogar zwölf Treffer...
Brzezanczyk hatte einen Autounfall. Nach ein paar Spielen unter Robert Körner ist Karl Schlechta gekommen, mit dem ich einige Probleme hatte. Als zu Beginn der neuen Saison Heri Weber seinem Sturm-Trainer nach Wien nachgefolgt ist, war das schon eigenartig. Heri bekam eine Sonderbehandlung, wodurch er auch Probleme mit seinen neuen Kollegen hatte. Er hat später superklasse gespielt, aber zu Beginn seiner Rapid-Zeit hat er wenig Akzeptanz bei seinen Mitspielern gefunden. Schlechta war ein Trainer vom alten Schlag. Drei Minuten durchgehend springend Knie zur Brust. Während er zur einen Gruppe geschaut hat, hat die andere Gruppe nur vorgetäuscht. „Das gibt's ja nicht, bei Sturm haben wir diese Übung fünf Minuten gemacht!“ hat er geschrien. (lacht) Wenn wir ein Matcherl gespielt haben, acht gegen acht oder neun gegen neun, war vorne eine Partie und hinten eine, und Emil Krause und Werner Walzer waren diejenigen, die alleine im Mittelfeld gegeneinander gespielt haben. Unglaublich, wenn man das mit einem Skocik oder Baric vergleicht, was sich die vom Taktischen schon alles ausgedacht haben. Wir hatten dann auch keine Erfolge unter Schlechta.

Rapid wurde wieder Zweiter, allerdings klar hinter der Austria. War die Austria derart überlegen oder Rapid zu schwach bzw. unkonstant (zehn Niederlagen!)?
Die Austria hatte damals den „100-jährigen Sturm“ mit Parits, Pirkner und Morales. Sie waren wirklich sehr gut. Wir Rapid-Spieler haben uns damals auch geschlossen ihr Europacup-Semifinale angeschaut! Wir selbst? Ich verweise leise auf unseren Trainer und die vorige Antwort.

In der Saison 1978/79 (3. Platz) war Hans Krankl nicht mehr da, aber Sie kamen plötzlich „nur“ mehr auf 20 Spiele in der Meisterschaft. Lag das an einer Verletzung, Trainer Karl Schlechta oder dem Überangebot an Stürmern (Gallos, Pawlek, Francker, Gröss, Perovic)?
Sagen wir es so: Verletzung hatte ich keine. Es gab einfach Disharmonien, wir waren keine Einheit. Das lag auch am Trainer, der seine Verdienste gehabt hat – keine Frage! Aber bei Sturm hat es halt viel besser funktioniert, als bei Rapid. Zum Angebot im Angriff kann ich nur sagen, dass Lars Francker Hans Krankl nicht annähernd ersetzen konnte, Vukan Perovic wiederum war alles wurscht. Wir waren keine Mannschaft, was sich auch in der Tabelle wiedergespiegelt hat. „Bimbo“ Binder hat daraus seine Schlüsse gezogen und Walter Skocik geholt.

1979/80, in Ihrer Abschluss-Saison bei Rapid (5. in der Liga), spielten Sie unter Neo-Trainer Walter Skocik alle 36 Bundesliga-Partien und erzielten sieben Tore. Warum wechselten Sie am Ende der Saison zur Admira?
Es gab einen Vorfall, über den ich nicht in aller Öffentlichkeit sprechen möchte. Vor allem, weil der „Schani“ und ich uns wieder sehr gut verstehen! Ich bin damals fast unschuldig zum Handkuss gekommen. Im Winter hat mir Walter wegen einer bestimmten Geschichte schon prophezeit, dass ich im Sommer nicht mehr da sein werde. Im Frühjahr habe ich dann prompt kein Tor mehr geschossen, dafür sieben- oder achtmal das Gestänge getroffen. Außerdem wollte man verjüngen, also musste ich gehen. Wobei das Argument nicht wirklich zählt, weil man nach mir Josef Hichersberger und František Veselý geholt hat. Es hat mir schon weh getan, weil ich gerne Teil der Mannschaft mit Panenka gewesen wäre. Ich war im besten Fußballeralter. So bin ich wegen meiner Familie zu einem Verein gegangen, der in der Nähe war. Innsbruck und Salzburg waren im Gespräch, aber da wollte ich nicht hin. Letztlich ist es die Admira geworden. Kurz noch zu Walter: Es hat vieles gepasst bei ihm. Er war selbst fast noch Spieler. Bei einem Hallenturnier in Berlin hat er ein paar Junge nach dem ersten Spieltag sogar herausgenommen und selbst mitgespielt! (lacht) Wir haben das Turnier ohne Niederlage gewonnen. Im Training hat er anständig Gas gegeben.

Kurz nach Ihrem Abschied aus Hütteldorf verstarb Gerhard Hanappi. Haben Sie noch mitbekommen, inwieweit das Rapid in Trauer gestürzt hat?
Ab und zu hat er sich Trainings von uns angeschaut. Er war schon sehr gezeichnet und ist immer abseits gestanden. Ich habe ihn persönlich nicht mehr gekannt. Als er von uns gegangen ist, haben mit Sicherheit alle, die etwas mit Fußball am Hut hatten, an ihn gedacht. Nicht nur als Fußballer, sondern auch als vorbildhaften Mensch.

Vieles, was Sie bei Rapid erlebt haben, ist hier nicht erwähnt worden. Gibt es ein Ereignis, an das Sie sich besonders gerne zurückerinnern?
Ich möchte nur kurz resümieren, dass die Titelchance während meiner Zeit bei Rapid im ersten Jahr mit Abstand am größten war. Und dann will ich noch sagen, dass ich gerne geblieben wäre. Es war ein Traum, den ich miterleben durfte, und ich hätte nur zu gerne in der immer erfolgreicher werdenden Mannschaft weitergespielt!

Welche Rückennummer hatten Sie eigentlich bei Rapid?
Eigentlich immer die 7, teilweise auch die 11. Für mich war immer die Nummer 10 eine besondere. Nach „Gustl“ Starek ist sie von Heli Kirisits übernommen worden. Ich habe ihn gefragt, ob ich auch einmal damit spielen kann. In dieser Partie habe ich dann ein oder zwei Goals gegen Sturm gemacht. Nachdem ich im nächsten Spiel aber nicht getroffen habe, war der Zehner auch schon wieder weg. (lacht)

Zur Admira. Ihr Trainer war vorerst Felix Latzke, die Mannschaft war stark, wurde 1981 und 1982 Vierter. Wie erinnern Sie sich an Ihre erste Zeit in der Südstadt?
Er war ein „Gerader“! Man hat bei ihm gewusst, wie man dran ist und er hat alle gleich behandelt. Die Admira konnte spielerisch mit der Spitze nicht mithalten, wir waren aber vom Läuferischen her sehr gut.

Am 31. Mai 1981 schossen Sie das Führungstor beim 3:2-Sieg im Hanappi-Stadion, was Rapid im Titelkampf bremste. Wie war dieses Spiel?
Man spielt nie gegen Rapid, wenn man selbst einmal dort war! Man spielt höchstens gegen die, die einen nicht mehr wollten. (lacht) Ganz ehrlich: Ich wäre unheimlich gerne geblieben! Aber wie bereits gesagt – es ist blöd gelaufen...

Beim 1:3 am 20. Oktober 1984 schossen Sie mit dem Ehrentor Ihr meines Wissens nach letztes Tor im Hanappi-Stadion. Können Sie beschreiben, was die Rapid-Erfolgself der Achtziger-Jahre drauf hatte?
In der Zeit, in der ich aktiv Fußball gespielt habe, war das meiner Meinung nach die mit Abstand beste österreichische Vereinsmannschaft! Trotz einer guten Austria oder Innsbruck. Angefangen beim Trainer, bis hin zu den Legionären war das reine Extraklasse. Panenka, Kranjcar, Brucic – der helle Wahnsinn war das. Würden sie heute im Hanappi-Stadion spielen, gäbe es bei keinem Spiel einen freien Platz!

Wie war Ernst Dokupil, der Latzke 1983 abgelöst hatte, als Admira-Trainer?
Er war ein junger Trainer und quasi vom „neuen Schlag“. Er hat wichtige Spieler schon mitbestimmen lassen, wie er es dann bei Rapid in Perfektion gemacht hat. Er hat ein großes Gespür gehabt und ist damit auch meistens sehr gut gefahren. Später, nach der Dokupil-Zeit unter Ernst Weber, ist die Admira dann zu einer Klassemannschaft geworden, mit Rodax, Zsak und Baumeister.

1986 beendeten Sie Ihre Zeit bei der Admira. War das auch das Ende Ihrer Karriere?
Ich bin im Winter noch zu Mödling gegangen. Mit der Mannschaft sind wir von der Regionalliga in die zweite Liga aufgestiegen. In der darauffolgenden Saison sind wir in die Bundesliga aufgestiegen. Dort habe ich dann aber nicht mehr gespielt und aufgehört. Ich hatte den Trainerschein bereits fertig und bin zur Admira zurückgegangen. Mit der U-21 haben wir gleich den Meistertitel geholt.

Mit Didi Kühbauer?
Didi war noch bei der U-18. Ich wollte ihn einmal spielen lassen und er hat die Partie verschlafen. (lacht) Ansonsten ist er schon direkt in der Kampfmannschaft zum Einsatz gekommen. Im Nachwuchs konnte ihn kein Trainer mehr ausstehen, aber „Gustl“ Starek konnte sehr gut mit ihm umgehen. So konnte er sich gut entwickeln, beispielsweise neben Baumeister, zu dem er aufgeschaut hat.

Ab jetzt tappe ich ein wenig im Dunklen. Ich bitte Sie, meine Leerstellen auszufüllen. Ich weiß nur: Von 1992 bis 1993 waren Sie in Krems als Trainer tätig.
Nach der Admira war ich ein Jahr Trainer in Mödling. Danach habe ich einmal eine kleine Pause eingelegt und bin danach in Krems gelandet. Danach war ich wieder bei der Admira und war Co-Trainer unter Sigi Held und Tommy Parits. Danach war ich je drei Jahre bei Eisenstadt und Oberwart Trainer in der Regionalliga. Und dann bin ich wieder zurück zur Admira und habe miteingefädelt, dass Bernd Krauss nach Österreich kommt. Als er wegen der finanziellen Probleme wieder gegangen ist, war ich auch Co von Dominik Thalhammer. Man kann schon sagen, dass ich eine große Verbundenheit zur Admira aufgebaut habe. Zwischen Knaller und Rachimow war ich auch kurz Interimstrainer, wollte mich aber nicht von meinem Job karenzieren lassen. Geholfen habe ich der Admira aber immer gerne! Hauptberuflich war das wegen der Familie für mich kein Thema.

Was für eine Art Trainer waren Sie?
Als Trainer war ich zu emotional und wollte mich zu sehr einbringen. Ich habe meine Mannschaften teilweise zu wenig selber spielen lassen, war mit zuviel Begeisterung dabei. Ich habe erst später bemerkt, dass das falsch war. Irgendwann muss man die Verantwortung übergeben, wie das auch Ernst Dokupil gemacht hat. Hans Krankl hätte auch mehr von Dokupil gebraucht. Ich selbst habe immer offensiv gedacht, wollte mich fast nur nach vorne orientieren. Ein 5:3 war mir lieber als ein 1:0 oder 2:1. Didi Kühbauer hilft bei der Admira momentan sehr, dass er ein ausgezeichnetes Gefühl dafür hat, wie er mit den jungen Spielern umgehen muss. Mit seiner Art spielen zu lassen, hat er viele Leute in die Südstadt gelockt.

Sie müssen es wissen, arbeiten ja als Chefscout bei der Admira...
Ja. Hauptsächlich aber im Bereich Akademie und Nachwuchs. Ich will schon seit Jahren keine Mannschaft mehr trainieren, weil es mir viel mehr gibt, einen jungen Spieler zu holen und ihn auf den Weg nach oben zu unterstützen, als mich mit Funktionären über die Aufstellung zu streiten.

Wie professionell ist das Scouting bei der Admira?
Das Ganze hängt natürlich stark mit dem Finanziellen zusammen. Ich werde oft angerufen, schaue mir Auswahlspiele und den Wiener Raum an. Bei uns gibt es das im Normalfall nicht, dass wir mit Spielern, die schon länger bei Rapid und der Austria spielen, Kontakt aufnehmen, um sie herzubekommen. Wenn es Anfragen von einem Spieler oder dessen Vater gibt, rufen wir den Rainer Setik oder Ralf Muhr an, um das abzuklären. Von der Austria sind dann ein paar Top-Spieler zu uns gewechselt, weil die Austria kein Internat hat. Wir kapern aber nicht! Für die nächste Saison haben wir aus dem Jahrgang 1998, die dann die U-15 bilden werden, vier Spieler von Sturm Graz aufgenommen, weil sie dort anscheinend irgendetwas nicht richtig machen. Das sind wirklich gute Talente! Wir haben halt den Vorteil, dass wir das Internat, die Trainingsplätze und die Schule auf einem Platz haben. Ein Paradies ist das! Während wir ab 15 Uhr trainieren können, startet das Training des Rapid-Nachwuchses frühestens um 17:30. Ich muss aber sagen, dass im Rapid-Nachwuchs ohne Übertreibung sehr viele Top-Talente herumlaufen! Rapid hat größere Möglichkeiten als wir, aber wir sind für unsere Möglichkeiten sehr stolz auf die Anzahl der Spieler, die wir herausbringen. Augrund der Kostenreduktion bei Trenkwalder haben wir fünf Mitarbeiter, die früher unter mir gearbeitet haben, abbauen müssen. Jetzt bin ich alleine. Viel passiert zum Glück mit Anmeldungen über das Internet. Ansonsten bin ich auf den diversen Spielplätzen sehr aktiv und tue mein Bestes.

Können Sie einschätzen, wie das Scouting bei Rapid ungefähr aussieht?
In puncto Kampfmannschaft kann ich gar nichts sagen. Bei Auswahlspielen der 14-Jährigen in Niederösterreich, Kärnten oder Wien treffe ich immer wieder den „Burli“ Herzog. Über den genauen Aufbau bin ich aber nicht informiert.

Gab es in den letzten Jahrzehnten einen Rapid-Spieler, der Ihnen ähnlich war?
Vom Typ her vielleicht Christian Keglevits. Ansonsten ist das schwer zu vergleichen. Momentan ist mir Christopher Trimmel einigermaßen ähnlich. Er ist kräftiger, ich war schneller.

Was finden Sie an Rapid kritikwürdig?
Peter Schöttel lässt nicht mit einem ausgebildeten Stürmer spielen, weil Burgstaller ein offensiver Mittelfeldspieler ist. So entzieht man den Stürmern das Selbstvertrauen. Ein Angreifer muss aber unbedingt das Vertrauen seines Trainers spüren. Das ist der wesentliche Punkt, der mir bei Rapid momentan fehlt. Optisch schaut das natürlich ganz gut und kompakt aus, weil er vorne einen Mann hat, der viel nach hinten arbeitet. Meiner Meinung nach hat Rapid aber die Tradition, dass sie hinausgehen, um Spiele zu gewinnen. Dieses Vorhaben wird ohne einen gelernten Stürmer nicht unbedingt einfacher. Aber wenn sich noch ein wenig im Kader tut und die Mannschaft noch besser umsetzt, was ihr der Trainer beibringen will, hat Rapid heuer gute Chancen auf den Meistertitel. Ich habe als ehemaliger Stürmer zu offensiv gedacht, Peter Schöttel hat als gelernter Verteidiger vielleicht ein zu großes Sicherheitsdenken. Didi Kühbauer geht das etwas anders an. Die Admira wird ihn nicht halten können. Ich spekuliere damit, dass er zu Rapid geht und Peter Schöttel auf den Sportdirektor-Posten rücken könnte.

Und Christopher Dibon?
Wir sind ein Ausbildungsverein. Christophers Vertrag läuft im Sommer aus und es würde mich schon sehr wundern, wenn er nicht wechseln würde. Er ist einer der vernünftigsten Burschen, die ich jemals kennengelernt habe! Er hatte schon mehrere Anfragen, wollte aber hier bleiben, weil er sich noch nicht so weit gefühlt hat. Er weiß genau, dass er bei einem Großklub nicht mehr als Talent gesehen wird, sondern seine Leistung bringen muss. Sollte sich Rapid für ihn entscheiden, würden sie einen tollen Spieler bekommen, vom Charakter, der Einstellung und dem Potential her. Ich sehe ihn als Rapidler, weil er aus meiner Sicht perfekt zu diesem Umfeld passen würde. Salzburg empfehle ich ihm nicht, und auch die Austria passt eigentlich nicht zu ihm.

Interview vom12.12.2011 (grela)

10 Fragen zum besseren Kennenlernen:

Ihre Lieblings-Elf aller Zeiten?
Von 1960 bis heute habe ich keine so gute Mannschaft in Österreich gesehen, wie die Rapid, die das Europacup-Finale 1985 erreicht hat. International gesehen hat es noch nie so etwas Gutes gegeben wie die aktuelle Barcelona-Mannschaft. Im Gegensatz zu Real kommen sie mit viel weniger Fouls aus. Von Puyol abgesehen rutscht dort kaum einer hinein, sondern läuft die Bälle ab. Vom Können und der Spielfreude her ist das überragend! Messi ist vielleicht noch zu jung, um ihn als weltbesten Spieler aller Zeiten zu bewerten, aber ich weiß eigentlich nicht, was da noch drüber gehen kann.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?
Das Camp Nou. Wir haben Barcelona im Rahmen des Joan-Gamper-Turniers mit 1:0 geschlagen und wissen heute noch nicht, wie uns das gelungen ist. (lacht) Ein abgefälschter Freistoß von „Kiri“ ist hineingegangen, auf unserer Seite sind an die fünf Bälle an die Stange gegangen.

Ihre größte Niederlage am Fußball-Platz?
Ich will keine herausheben. Wenn ich heute bei einem Senioren-Matcherl hinausgehe, will ich immer noch gewinnen. Insofern hat mir jede Niederlage weh getan, wobei das 2:8 in der Stadthalle gegen die Austria besonders schmerzlich war.

Rapid ist...
... das Beste, was einem passieren kann! Ich bin sehr stolz darauf, dass ich dort vier Jahre lang spielen habe dürfen.

Was fehlt in Ihrem Kühlschrank nie?
Coca Cola.

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?
Mein liebster Platz ist bei meiner Familie. Und in Österreich hatten wir die schönsten Urlaube, wo wir uns am wohlsten gefühlt haben.

Wohin würden Sie gehen, wenn Sie in der Zeit reisen könnten?
Vielleicht würde ich gerne noch einmal die gleiche Chance bei Rapid bekommen, wie es damals der Fall war. Mit dem Wissen von heute hätte ich damals mehr erreichen können!

Eine Marotte?
Habe ich nicht und auch noch nie gehabt. Ich stelle mich der Realität und habe nie daran geglaubt, dass mir eine bestimmte Aktion weiterhilft. Mit solchen Dingen fängt das Suchen von Entschuldigungen, warum es nicht geklappt hat, schon an. Entweder kann ich etwas und es reicht, oder eben nicht. Ich selbst hatte vor fünf Jahren aus dem Nichts heraus einen Kopftumor und bin dieser schwierigen Situation mit einer positiven Einstellung begegnet. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten hat mich oft weitergebracht.

Der beste Verteidiger, gegen den Sie je gespielt haben?
Bruno Pezzey. Ich habe mir oft gedacht, dass ich alleine auf den Tormann zulaufe, und auf einmal hat er mir den Ball doch noch weggegrätscht. Er war ein Wahnsinn!

Der bedeutendste Sportler aller Zeiten?
In meiner Zeit war es Pelé. Für mich wird ihn Messi schon in naher Zukunft überholen.