Didi Kühbauer im Gespräch
 

Interview vom 22. April 2009 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

"Ich bereue nichts!" ein meines Lebens"

Didi Kühbauer ist eine Rapid-Ikone. In der Saison 1992/93 landete der inzwischen 38-Jährige in Hütteldorf, zog den Kult-Klub aus dem Sumpf der späten 80er- und frühen 90er-Jahre und feierte die größten Erfolge seiner Karriere. Mit den Grünweißen holte er den Cup (1995), den Meistertitel (1995/96) und stand im Europacup-Finale der Cupsieger (1996). 39 Tore schoss Didi in 176 Bewerbs-Spielen für den SCR. Der Heißsporn gehörte zur inzwischen selten gewordenen Spezies der "Wachrüttler" und "Dazwischenhauer", dessen Kampfgeist legendär ist. Noch selten vereinte ein Spieler die Tugenden Rapids so perfekt wie Didi Kühbauer. Seine Führungs-Qualitäten stellte der Mittelfeld-Motor auch bei anderen Vereinen unter Beweis. "Don Didi" setzte sich trotz aller Probleme bei Real Sociedad durch, wurde Kapitän des VfL Wolfsburg und führte seinen Stamm-Verein Mattersburg zum dritten Platz in der Meisterschaft und ins internationale Geschäft. Im Juni 2008 beendete der Burgenländer seine aktive Karriere und begann wenig später eine neue – seit Dezember 2008 betreut Kühbauer die Admira Amateure.

Zum Interview erscheint der sympathische Ex-Teamspieler (55 Spiele, 5 Tore) pünktlich und mit Kinderwagen. Während die ältere Tochter Emily im Kindergarten ist, zeigt er im Umgang mit der entzückenden Kim(i), dass er auch als Vater sehr talentiert ist. Und obwohl ich mit Didi Kühbauer vorher noch nie ein Interview hatte und ihn auch nicht persönlich kenne, stellt er gleich klar, dass Siezen gar nicht geht. Er sei der Didi. Aus – Punkt – Basta! Mir kommt dieser offene Zugang sehr gelegen, denn ich habe ihn als Fan immer mit „Didi" tituliert. Und Didi Kühbauer ist mein absoluter Lieblings-Rapid-Spieler ever, für mich die Personifikation Rapids! Dazu stehe ich, dabei bleibe ich, trotz Fußballgott undsoweiterundsofort. Zumindest bis wieder so ein talentierter und torgefährlicher Wachrüttler und Dazwischenhauer in Hütteldorf landet. Aus – Punkt – Basta!


Didi, Gratulation zu 7 Punkten aus den letzten drei Spielen. Wie zufrieden bist Du mit dem Beginn Deiner Trainer-Karriere?
Eigentlich waren es 13 Punkte aus den letzten fünf Spielen. Dafür hat es aber mit drei Niederlagen begonnen. Überhaupt habe ich alles in meiner Karriere mit einer Niederlage begonnen, bei jedem neuen Klub. Insofern habe ich auch bei meinem Start in die Trainer-Laufbahn damit rechnen müssen. Ich habe geglaubt, dass ich es vielleicht ändern kann, aber es hat nicht funktioniert. Mir taugt's im Moment jedenfalls.

Wie würdest Du Dich selbst als Trainer beschreiben?
Anders, ganz anders als in meiner Zeit als Spieler. Es ist halt ein gewaltiger Unterschied, immerhin führst du 20 verschiedene Charaktere. Als Spieler habe ich mir von meinen Kollegen erwartet, dass sie genauso mitziehen wie ich selbst und dass sie das, was ich ihnen vorlebe, nachmachen. Vielleicht hat der Nebenmann nicht deine eigene Qualität, aber vom Einsatz-Willen her kann er es in jedem Fall bringen. Und genau das muss er können! Das muss für einen Profi eine normale Sache sein. Um das umzusetzen, bin ich schon Mal lauter geworden. Als Trainer muss man da schon mehr aufpassen, weil man nicht alle Spieler über einen Kamm scheren kann. Ich bin nach wie vor lautstark im Training, aber nicht mehr so, wie ich es als Spieler war. Eigenartig, dass gerade ich das sage, aber Disziplin ist für mich schon sehr, sehr wichtig. Allerdings brauche ich auch nicht nur Ministranten – die gehören nämlich in die Kirche und nicht auf den Fußball-Platz. Dort brauchst du eben auch Emotionen. Zusammenfassend könnte man sagen, dass mir ein Zwischending taugt, eine disziplinierte Grätzn vielleicht. Aber noch einmal: Den Trainer Kühbauer kann man nicht mit dem Spieler Kühbauer vergleichen, weil es einfach ein komplett anderer Job ist. Bisher habe ich das so eingehalten und das werde ich auch weiterhin so machen.

Wenn man sich die Oldies Vastic, Mayrleb und Baur anschaut und miteinbezieht, wie sehr Du in Mattersburg fehlst – hast Du Deine Karriere vielleicht zu früh beendet?
Ich wollte immer als sehr guter Spieler von der Fußball-Bühne abtreten und den Fans in bester Erinnerung bleiben. Man sollte sich mit Respekt an mich erinnern. Tut mir leid, aber ein Ivo Vastic war schon letzte Saison nicht mehr der Alte und heuer eiert er überhaupt herum. So einen Abgang wollte ich mir selbst ersparen. Eigentlich wollte ich ja ein Jahr Pause machen und mich noch mehr um meine zwei Kinder kümmern. Aber ich habe neben der Admira auch noch ein paar andere Angebote gehabt und mich schlussendlich für's Weitermachen als Trainer entschieden. Und ich darf mich nicht beklagen, weil ich bei aller Arbeit noch immer genügend Zeit für meine Familie habe. Als Profi hatte ich noch mehr Freizeit. Das können die Kicker von heute gar nicht mehr schätzen. Manche beklagen sich sogar – das ist für mich ein krankes Verhalten.

Weg von der Gegenwart in die Vergangenheit. Wie bist Du als Kind zum Fußball gekommen?
Mein vier Jahre älterer Bruder war immer mein Vorbild, wegen ihm habe ich zum Kicken angefangen. Außerdem hatten die Kinder damals nicht das Angebot von jetzt. Heutzutage interessieren sich viele Kinder eine Woche für Judo, eine Woche für Skateboarden und nächste Woche wollen sie wieder etwas anderes machen. Für mich hat's damals zum Kicken vielleicht noch die Alternative Tennis gegeben, das war's dann! Aber für mich war immer klar, dass ich Fußball spielen will.

Was hat Dich nach Mattersburg gebracht? Du bist ja in Heiligenkreuz (Niederösterreich) geboren.
In Heiligenkreuz wurde ich eigentlich nur geboren, weil mein Vater damals dort gehackelt hat. Wir sind aber ziemlich bald nach Mattersburg gezogen und ein Mattersburger bin ich auch!

Hast Du eine spezielle Jugend-Erinnerung an ein beeindruckendes Fußball-Spiel, das Dich motiviert hat, Profi zu werden?
Kein Fußball-Spiel war der Auslöser, sondern vielmehr meine Situation. Meine Eltern haben für uns Kinder immer alles getan, aber Geld war nicht im Überfluss da. Wir haben uns nach der Decke strecken müssen. Deshalb war bei mir immer der Ehrgeiz vorhanden, dass ich selbst ein besseres Leben führen will bzw. meinen Kindern mehr ermöglichen möchte. Das hat mich angespornt. Viele Junge heute haben ohnehin fast alles. Bei denen ist der Ehrgeiz dann nicht mehr so ausgeprägt. Vielleicht schaffen auch deshalb immer mehr Migranten-Kinder den Durchbruch, weil sie – wie ich – keinen Luxus hatten. Du brauchst immer ein Ziel vor Augen. Nur zum Spaß mache ich andere Sachen (grinst) .

Wer war Dein größter und wichtigster Förderer?
Der Pucher, aber nicht der Martin, sondern sein Bruder Robert. Der hat mich immer als Mensch und Freund behandelt, mich nie als Fußball-Aktie gesehen. Außerhalb von Mattersburg, auch bei der Rapid, haben sie sich eher lustig über ihn gemacht. "Schaut's, da kommt der Herr Friseur!" haben sie alle gesagt, weil der Robert einen Friseur-Laden in Mattersburg gehabt hat. Dabei hat er sich sehr gut ausgekannt und mich immer nach bestem Gewissen beraten. Und mein zweitgrößter Förderer war der Martin Pucher. Auch ein Super-Typ!

Du hast bereits mit 16 Jahren bei der Admira Dein Bundesliga-Debüt gegeben, bist aber "erst" mit 21 ins Nationalteam einberufen worden. Heute kommt man oft früher ins Team - war die damalige Spieler-Generation so stark?
Schon. Ich hätte aber sicher früher debütiert, wenn mich nicht eine schwere Verletzung zurückgeworfen hätte. Heute sind aber wirklich andere Top-Spieler da als zu meiner Zeit, weichere. Das kann man nicht vergleichen. Und dass jemand wie der Pehlivan, den ich nebenbei für einen guten Kicker mit viel Spiel-Intelligenz halte, nach fünf Bundesliga-Partien schon im Nationalteam dabei ist – das hätte es früher mit Sicherheit nicht gegeben.

Wie war die WM 1998 in Frankreich aus Deiner Sicht?
Oasch! Viele Leute habe unsere Leistungen besser geredet und geschrieben als sie es tatsächlich waren. In Wirklichkeit waren die meisten Leistungsträger total außer Form. Ich, der Herzog, der Toni (Polster, Anm.) – wir alle waren nicht gut drauf. Der einzige, auf den das nicht zugetroffen hat, war Wolfgang Feiersinger. Der hat eine Bomben-WM gespielt. Bei der Heim-EM im letzten Jahr war's ganz ähnlich. Da haben die Medien auch alles viel besser dargestellt als es war. Nach dem Lesen mancher Kritiken habe ich mir gedacht, dass ich ein komplett anderes Spiel gesehen habe. Wenn schon die Laufbereitschaft positiv hervorgehoben wird, weiß ich auch nicht mehr! Wollen's vielleicht einen Orden dafür, dass sie g'rennt sind? Ansonsten waren drei Top-Chancen gegen die Polen da, sonst nix. Die eine Partie hätten wir gewinnen müssen, aber der Rest war zum Vergessen.

Ich persönlich habe Dich wegen Deiner Fähigkeiten als Abräumer, Spieleröffner, Antreiber und wegen Deiner Torgefährlichkeit immer mit Roy Keane von ManU verglichen. Hältst Du diesen Vergleich für einen Blödsinn?
Nein, gar nicht. Ich habe mir das selber auch oft gedacht! Der Keane, der war ein Mitreißer und Dazwischenhauer, so wie ich. Halt auf einem Weltklasse-Niveau. 15 Jahre Manchester United kann man mit meiner Karriere nicht vergleichen. Aber es stimmt schon, als Typen waren wir vom selben Schlag.

Bei Rapid entstand mit Dir ein Weg aus dem Tal, der in großen Erfolgen gipfelte. Was hat den Ausschlag für den Erfolg gegeben?
Die Kameradschaft und die Eingeschworenheit! Wir haben als Team einfach super funktioniert. Der Schmäh ist gelaufen wie wahnsinnig, aber wir haben bei allem Spaß den Fokus nie verloren. Irgendwann ist alles wie im Rausch passiert. Wir haben die Fans zurückgeholt, weil außer auf der West gab's ja fast nur ein überkritisches Raunzertum im Rapid-Anhang. Das hat sich damals stark geändert und ist jetzt überhaupt ein Wahnsinn! Als ich das erste Mal nach meiner Rückkehr zu Mattersburg wieder im Hanappi-Stadion gespielt habe, habe ich die ärgste Gänsehaut meines Lebens gehabt! Schau' (zeigt seinen Arm her) , wenn ich drüber rede, bekomme ich gleich wieder eine!

Stephan Marasek, Zoran Barisic, Sergej Mandreko und Du wart als die "Daltons" bekannt und berüchtigt. Kannst Du Euer damaliges Verhältnis beschreiben und sagen, wie Euer Kontakt heute ausschaut?
Wir waren damals die besten Freunde. Wir waren positiv verrückt, manchesmal vielleicht sogar grenzdebil. Was wir getrieben haben, war oft an der Grenze zum Verbrechen (lacht) . Jetzt sehen wir uns natürlich viel seltener, wegen den Familien und der Entfernung. Stephan ist in Tirol. "Zoki" sehe ich hin und wieder und gebe ihm gute Tipps, damit er bei Rapid keinen Blödsinn macht (lacht) . Nein, im Ernst – der "Zoki" weiß schon, was er tut. Sergej ist ja momentan in Russland. Mit ihm hatte ich noch eine schöne gemeinsame Zeit in Mattersburg. Aber auch wenn wir nicht mehr den Kontakt von früher haben, sind das Freundschaften, die für immer bestehen bleiben. Wenn wir uns treffen, dauert es vielleicht fünf Minuten, bis das Eis gebrochen ist, und dann ist eigentlich fast alles so wie früher.

Du warst bei Real Sociedad und dem VfL Wolfsburg teilweise sehr erfolgreich. Wie würdest Du Deine Karriere fernab von Österreich heute bewerten?
Es war alles da, der Erfolg, die Verletzungen, die Akzeptanz und die Enttäuschungen. In Spanien war ich als "Neuer" nur bedingt willkommen. Die arrivierteren Spieler haben mir am Anfang teilweise absichtlich schlechte Passes zugespielt. Außerdem hatte ich auch zweimal mit dem Schlüsselbein Probleme und andere Verletzungen. Bei Wolfsburg lief es eindeutig besser. Da war ich nach der ersten Saison schon Publikums-Liebling. Leider hatte ich mit dem kicker Probleme. Bei einem geplanten Interview wollte ich noch vorher unter die Dusche und habe gegenüber dem ungeduldigen Journalisten darauf bestanden. Ab diesem Zeitpunkt hat mich dieses Blatt ignoriert und ich habe es auch nicht mehr gelesen. Aber viel schlimmer war, dass sich mein Trainer Wolfgang Wolf als linke Bazille herausgestellt hat. Unter vier Augen hat er mit seiner gespaltenen Zunge A gesagt und vor den Medien Z. Und meine Mitspieler haben mir unter der Dusche noch Recht gegeben, aber vor dem Trainer haben sie ihre feigen Mäuler brav gehalten.

Deine Karrierre begann und endete in Mattersburg. War eine Rückkehr zu Rapid für Dich je ein Thema, oder wolltest Du unbedingt nach Mattersburg?
Ich wollte eigentlich unbedingt zu Rapid. Mit den Verantwortlichen habe ich mich im Grünspan zu Verhandlungen getroffen. Aber das Angebot war lächerlich, eine Beleidigung! Man wollte mir, weil ich im Ausland eh schon einige Jahre sehr gut verdient hatte, soviel zahlen wie den Bankerldrückern. Was ist das bitte für eine Begründung?! Ich kann es nur betonen: Geld war für mich zwar nie das Wichtigste, aber eine gewisse Anerkennung hätte ich mir schon gewünscht. Ich hätte ein absoluter Führungs-Spieler sein sollen mit dem Gehalt eines Reservisten. Das war's für mich dann! Da bin ich lieber nach Mattersburg gegangen. Dort habe ich zwar weniger verdient, als ich es beim SCR getan hätte, aber vom Gefüge her war meine Entlohnung okay. Jahre später wäre es fast wieder zu einem Wechsel nach Hütteldorf gekommen. Der Peter Pacult wollte mich haben, und Martin Pucher hätte mich aufgrund meiner Verdienste auch ablösefrei wechseln lassen. Ich war aber fair und habe gesagt, dass ich nicht mehr lange spielen werde und es sich bei allem Reiz wohl für beide Seiten nicht mehr auszahlt. Eines will ich noch hinzufügen: Die beiden Meistertitel Rapids 2005 und 2008 waren ein Wahnsinn, aber mit mir wären es sicher noch ein, zwei Titel mehr geworden!

Du bist sechsmaliger Sieger der Krone-Fußballer-Wahl. Was macht Dich so populär?
Keine Ahnung, wahrscheinlich meine Ecken und Kanten, mein Einsatz und meine absolute Identifikation mit vor allem Rapid. Weil es von den Fans gekommen ist, waren und sind diese Preise eine große Auszeichnung für mich. Ich war nie ein großer Journalisten-Freund, habe mir nie Deals ausgemacht, wie viele andere Fußballer das heute machen. Bei allem Respekt – der Helge Payer ist für österreichische Verhältnisse ein guter Tormann, aber von der Klasse eines Herbert Feurer oder Michael Konsel kann er nur träumen, wird wohl nie deren Level erreichen. Wenn wir gegen Rapid gespielt haben, war immer klar – eine Flanke nach der anderen Richtung Payer. In den Medien kommt er aber rüber, als wäre er das Jahrhundert-Talent unter den Torhütern. Von wegen Deals mit Journalisten.

Wie würdest Du Deine Beziehung zu den Rapid-Fans früher und heute beschreiben?
Früher war das eine Liebe, unglaublich! Wie gesagt – wir haben auch viele Fans nach Hütteldorf ins Stadion geholt und ich war Publikums-Liebling. Was sich aber heute im Hanappi-Stadion abspielt, ist fast nicht zu glauben. Das ist einzigartig in Österreich und hat echt internationales Niveau! So viele Dosen kann Red Bull gar nicht verkaufen, dass sie diese Stimmung jemals haben werden. Ich habe ja schon von meiner Ganslhaut erzählt, die ich bei meiner Rückkehr hatte. Unglaublich, habe ich zu mir selber gesagt – schade, dass du das nicht öfters miterleben kannst. Und jetzt ist es ja sogar noch besser!
Leider kam es auch zu einem weniger lustigen Zwischenfall. In Mattersburg haben die Rapid-Fans unseren Tormann mit Feuerzeugen beworfen. Da bin ich zu einem Rapid-Spieler gegangen und habe gesagt, dass er die Fans beruhigen soll. Ich will seinen Namen nicht nennen, aber er hat verweigert, weil er es sich nicht mit dem Anhang verscherzen wollte. Das ist für mich ein Armuts-Zeugnis! Ich bin dann selbst zu den Rapid-Fans gegangen und habe mit einem Scheibenwischer gesagt, dass sie sich nicht an unserem Goalie abreagieren sollen, nur weil ihre eigene Mannschaft schlecht spielt. Nachher hat es geheißen, dass ich einem Fan angeblich den Stinkefinger gezeigt haben soll. So ein Blödsinn! Beim darauffolgenden Spiel im Hanappi-Stadion habe ich auf der "West" das Transparent "Kühbauer – zerstöre Deine Legende nicht!" gelesen. Das hat mich schwer getroffen, war meine einzige Enttäuschung in punkto Rapid-Fans. Ansonsten erinnern sich – glaube ich – noch ein paar Leute, dass ich mein Herzblut literweise für diesen Verein vergossen habe.

Themenwechsel. Gibt es für Dich einen Lieblings-Trainer bzw. einen, dem Du lieber nie über den Weg gelaufen wärst?
Mein Lieblings-Trainer war der Sigi Held in meiner letzten Zeit bei der Admira. Der hat gewusst, wie er mich angreifen und steuern muss. Bei den Trainer-Nieten mag ich jetzt keine Namen nennen.

Könntest Du Dir vorstellen, in Zukunft auch bei der Rapid als Trainer zu arbeiten?
Natürlich, wer will das nicht?! Ich müsste ja deppert sein, wenn nicht. In Österreich gibt es keinen Klub, der dich nur annähernd so groß machen kann wie Rapid. Aber bis dorthin ist es noch ein weiter Weg. Ich hole mir jetzt bei den Admira-Amateuren das Rüstzeug für den Job als Trainer und gehe den Weg von Anfang an. Ich hatte auch von anderen Vereinen tolle Angebote, wollte aber nicht zu früh bei einer Spitzen-Mannschaft beginnen. Der Hans Krankl hat wahrscheinlich auch zu zeitig die Rapid trainiert. Ich lasse mir Zeit, dann wird sich der Rest schon ergeben. Ein Traum wäre es schon, Rapid zu trainieren. Eines kann ich aber versprechen: So viel Geld gibt es auf dem ganzen Planeten nicht, dass ich jemals bei der Austria arbeiten würde. Egal welcher Job, und wenn ich mir das Geld dort nur abholen müsste.

Deine Derby-Duelle mit Andreas Ogris sind Legende. War es nur logisch, dass die beiden emotionalsten Spieler beider Vereine aneinandergeraten?
Auf dem Feld habe ich die Austria gehasst wie die Pest. Auch nach dem Spiel war ich nicht der beste Freund von irgendeinem Violetten, und ich mag sie auch bis heute nicht. Das Nase-an-Nase-Bild mit dem Ogris ist wirklich Legende. Bei einem Derby war ich halt noch mehr unter Strom als normal.

Die Meisterfrage ist in der heurigen Saison geklärt. Wer steigt Deiner Meinung nach ab – Mattersburg oder Altach?
Ja leider, Meister wird Rapid heuer nicht mehr. Ansonsten bleibt Mattersburg in der Liga, das sagen mir Herz und Hirn. Wenn eine Mannschaft solange nichts gewonnen hat und trotzdem nicht abgeschlagen Letzter ist, dann packt sie es. Außerdem ist es den Rapidlern sicher lieber, nach Mattersburg als nach Altach zu fahren. Wobei Rapid ja nur das erste Spiel in Mattersburg gewonnen hat. Danach gab's in meiner Zeit im Pappelstadion nur mehr Niederlagen für Grün-Weiß und ein paar Unentschieden.

Deine Meinung zu Steffen Hofmann?
Ein wunderbarer Techniker. Ich will ihn aber nicht mit mir vergleichen. Als Menschen sind wir grundverschieden. Mir ist er viel zu brav. Im Gegensatz zu Steffen Hofmann habe ich mir nie die Schneid abkaufen lassen! Ich kann das sagen, weil ich Steffen selbst öfters die Schneid abgekauft habe.

Schlägt Dein Herz auch für einen ausländischen Verein oder bewunderst Du die großen Klubs nur aus der Distanz?
Ich liebe Barca! So sollte Fußball ausschauen. Das ist genial, einfach eine andere Liga.

Zum Thema Schiedsrichter: Warst Du das "Häferl" oder die Referees die "Bösewichter"?
Du bekommst nicht 100 gelbe Karten, wenn immer nur der Schiedsrichter Schuld ist. Und natürlich war ich ein "Häferl"! Wenn mich ein Spieler verletzten wollte, dann habe ich dieses Spiel über 90 Minuten mitgespielt und ihn meine harten Knochen spüren lassen. Mich zipft aber an, dass die Schiedsrichter geschützt sind ohne Ende. Weil der Kapl so auf sie aufpasst, werden sie nie richtig zur Verantwortung gezogen. Bei einem Spieler ist das anders. Außerdem muss ich noch sagen: Irren ist menschlich, aber einen Fehler nicht zugeben ist letztklassig.

Siehst Du aktuell einen Kühbauer-Nachfolger bzw. welcher Spieler in Österreich kommt Deinem Typ am nächsten?
Von der Art, vom Charakter her keinen – leider oder Gott sei Dank, wie man es halt sehen will. Wenn ich gemerkt habe, dass das Spiel meiner Mannschaft einschläft, habe ich entweder dazwischen gehaut oder eine hitzige Diskussion mit dem Referee begonnen. Heute gibt's diese Wachrüttler nicht mehr. Die heutige Kicker-Generation ist viel zu brav. Brav sein muss ich aber eh schon zuhause bei der Frau, da brauche ich das nicht auch noch auf dem Spielfeld.

Ein Abschluss-Kommentar?
Die Entscheidungen in meiner Karriere waren vielleicht nur zu 80% richtig, aber ich bereue nichts! Denn ich habe mich nie verbiegen lassen und bin der geblieben, der ich bin – 100% Didi Kühbauer.

Interview vom 22. 04. 2009 (grela)

10 Fragen zum besseren Kennenlernen:

Lieblings-Elf aller Zeiten?
Für mich gibt's keine ultimative Top-Elf. Aber der Maradona ist für mich gestern, morgen und in hundert Jahren der Beste aller Zeiten.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Du je gespielt hast?
Nou Camp, alleine von der Geschichte her!

Deine größte Niederlage am Fussball-Platz?
Ganz klar Brüssel. Weil ein Europacup-Finale für einen österreichischen Verein einfach nicht selbstverständlich ist.

Rapid ist...
...der Klub schlechthin in Österreich. Da geht nix drüber!

Kottan oder Columbo?
Weder noch. Beides ist Kult, aber für mich absolut kein Muss.

Dein liebster Platz außerhalb von Österreich?
Barcelona – einfach eine Wahnsinns-Stadt. Aber Österreich ist noch immer am schönsten.

Wovor hast Du Angst?
Vor meiner Frau, wenn es später geworden ist. Nein, ernsthaft: Krankheiten, vor allem, wenn man ihnen hilflos ausgeliefert ist.

Eine Marotte?
Ich habe lange überlegt, aber mir ist keine eingefallen. Ich hab' auch nie ein Fussball-Ritual gehabt. Außerdem bin ich schon von Haus aus naturdeppert, da brauche ich keine Marotte mehr.

Welches Talent hättest Du gerne, hast es aber nicht?
Ein Musikinstrument (Gitarre, Schlagzeug etc.) perfekt spielen zu können, war immer ein Traum für mich. Leider geht das nicht von alleine, und so habe ich nach einem Jahr mit dem Gitarrespielen aufgehört. Ohne Üben funktioniert's halt nicht.

Der schönste Moment Deines Lebens?
Die Geburten meiner beiden Töchter, ganz klar!