Johann Riegler im Gespräch
 

Interview vom 11. März 2011 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

"So etwas passiert nur alle 100 Jahre!" meines Lebens"

Johann Riegler wurde am 17. Juli 1929 in Wien geboren. Bereits 15 Jahre später spielte „Hansi“ in der Kampfmannschaft des damals erstklassigen FC Wien. 1948 wechselte der gebürtige Favoritner nach Hütteldorf. Gemeinsam mit den Körner-Brüdern, Dienst und Probst bildete Riegler eine der gefährlichsten Angriffsreihen Europas in der wahrscheinlich besten Rapid-Mannschaft aller Zeiten. Fünfmal wurde der Rechtsverbinder mit Rapid Meister, gewann 1951 den Zentropacup. Das Laufwunder mit dem tödlichen Pass war aber auch selbst sehr torgefährlich, erzielte 132 Tore in 232 Pflichtspielen. Nach zehn Jahren bei Rapid wechselte Riegler als erster Spieler überhaupt direkt vom SCR zur Austria, wo er in zweieinhalb Saisonen einen Meistertitel und einen Cupsieg errang. 1961 wagte der sechsfache Teamspieler (1 Tor) einen Auslandstransfer zum RC Lens und kehrte nach einer Saison zurück nach Österreich, wo er seine Karriere bei der Klagenfurter Austria beendete.

Knapp 82 Jahre ist Johann Riegler alt. Von seiner Frau werde ich dazu eingeladen, ihren Mann in ihrem Donaustädter Eigenheim zu besuchen. Der Gastfreundschaft folgt ein Sich-Zurückerinnern im großen Stil. „Beim Kurzzeit-Gedächtnis, da hat es mich!“, gesteht Johann Riegler. Sein Langzeit-Gedächtnis ist aber in beeindruckender Form und ermöglicht einen tiefen Einblick in eine Fußballzeit, die lange vergangen und aus heutiger Zeit kaum zu begreifen ist – so erfolgreich war sie. Zwei Stunden nach Beginn des für mich so besonderen Gesprächs muss ich meine Wissbegier zügeln, weil Johann Rieglers Abendessen wartet. Wir verabschieden uns herzlich und als ich mich auf dem Weg zurück nach Hütteldorf befinde, bin ich wieder ein klein wenig gescheiter, vor allem aber beseelt von den Erinnerungen eines ganz großen Rapidlers.

Herr Riegler, laut meiner Recherche war der SV Eis Ihr erster Fußballverein. Stimmt das? Und wie sind Sie zum Fußballspielen gekommen?
Ja, beim SV Eis war ich ganz kurz. Ich habe im 2. Bezirk gewohnt und der Eis-Platz war nicht weit von dort. Und nach ca. einem Jahr bin ich zum FC Wien gewechselt, zu meinem 14 Jahre älteren Bruder, der dort gespielt hat. Über ihn bin ich zum Fußball gekommen, weil ich mir fast alle seine Matches angeschaut habe. Das hat mich beeindruckt und motiviert.

Beim Anschluss Österreichs waren Sie gerade neun Jahre alt. Wie war damals die Stimmung in Wien aus der Sicht eines Buben?
An das kann ich mich sogar sehr gut erinnern. Wir haben im 20. Bezirk in der „Gruabn“ gespielt, das war ein Platz, der etwas „reingebaut“ ist. Damals haben wir um halb neun gespielt und es kam im Radio gerade die Durchsage, dass Kriegsbeginn ist. Natürlich hat man das alles mitbekommen, keine Frage. Es sind Menschen verschwunden und man hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt in dem ganzen System. Meine Eltern haben ein Kohlegeschäft gehabt und hie und da, wenn ich ein bisschen Zeit gehabt habe, habe ich geholfen. Nicht als Neunjähriger, aber so als Dreizehnjähriger habe ich Kohlen ausgetragen. Da hat man auf einmal gesehen, dass Leute verschwunden sind. Wo die hin sind, habe ich mich damals gefragt. Zu der Zeit konnte man aus Deutschland nicht mehr raus und ich habe gewusst, dass mit diesen Menschen etwas passiert ist.

War der Fußball eine willkommene Möglichkeit, sich von diesem Alltag abzulenken?
Eindeutig! Es war nur so, dass du bei der HJ sein musstest, wenn du Fußballspielen wolltest. Ich bin aber nie dorthin zum Dienst gegangen. Die anderen haben salutiert und Märsche gemacht, das habe ich nicht getan. Bei mir ist es nur darum gegangen, dass der Spielerpass gestempelt werden musste. Ohne den hätten sie mich zu der Zeit, mit 13 Jahren habe ich schon in der B-Jugend gespielt, nicht spielen lassen.

So richtig begann Ihre Karriere im Nachwuchs des FC Wien, wie Sie bereits angedeutet haben. Durch die Not an Spielern, die der Zweite Weltkrieg mit sich brachte, haben Sie bereits ab 1944 als Fünfzehnjähriger in der Kampfmannschaft gespielt. Wie wichtig war dieses frühe Debüt für Ihre Entwicklung?
Ich war in einer Jugendmannschaft mit dem Stotz Karli und dem Zeman Walter. Das war unsere Jugend – ich erinnere mich heute noch! Mit meinem Liga-Debüt war es so: Wir haben damals am Vormittag ein Freundschafts-Match am FC-Wien-Platz gespielt, und am Nachmittag sind wir wie immer zur Ersten gegangen, die an diesem Tag am Wacker-Platz gegen den Wr. Sortclub gespielt hat, das weiß ich heute noch. Knapp vor Mittag ist herausgekommen, dass alle Spieler, die bei der Luftwaffe eingezogen waren, nicht spielen durften. Damals gab es Krakeelen (Unruhe) mit dem LSV Markersdorf, weil sich die Markersdorfer die besten Spieler der anderen Klubs geholt haben. Die Vereine haben sich natürlich dagegen gewehrt. Man stelle sich vor, dass der Großteil der Spieler im Krieg war, und dann werden einem von einem anderen Klub auch noch die Spieler weggenommen. Da bleibt ja nichts mehr übrig! Und so ist es dazu gekommen, dass die ersten vier Jugendspieler, die an diesem Tag zum Wacker-Platz gekommen sind, in der Ersten gespielt haben, darunter auch ich! Wir haben den Sportclub 3:0 geschlagen, ich kann mich heute noch an das Spiel erinnern! (lacht) Ein rotgesichtiger Sportclub-Spieler, Vita hat er geheißen, hat gesagt, dass es das ja nicht gibt, dass sie gegen eine Schülermannschaft verlieren! (lacht) Richtig aufgeregt hat er sich!
Ab dem Moment bin ich in der Mannschaft geblieben. Das ist dann so weit gegangen, dass ich zu Kriegsende – zuerst gab es noch Freundschaftsspiele, weil die Meisterschaft erst wieder im September 1945 begonnen hat – in einem Innentrio beim FC Wien gespielt habe, das aus mir, dem Richter und dem Sillaber bestanden hat. Gerade 51 Jahre alt waren wir zusammen. Drei junge Buben waren wir!

Sie waren ein Schützling des berühmten „Papa Watzinger“. Könne Sie etwas von dieser Legende erzählen?
Er war Präsident, Sektionsleiter, Platzmeister, er hat alles gemacht. Sogar die Schuhe hat er gestoppelt, weil damals war das Leder rausgestanzt, man hat dann drei Stück übereinander gelegt und unten mit Nägeln befestigt. Es konnte natürlich passieren, dass du während dem Match umgekippt bist und der Stoppel weg war. Dann bist du schief gerannt, was aber keine Rolle gespielt hat. Andere Schuhe hat es ja nicht gegeben, und so musste man eben mit schiefen Schuhen weiterspielen. (lacht) Der Watzinger war für den FC Wien mehr oder weniger alles. Was er gesagt hat, war dort Gesetz. Er hat viele Jugendliche gekannt und zum Fußball gebracht. Wenn man damals von der Spinnerin am Kreuz Richtung Inzersdorf gegangen ist, war dort überhaupt nichts außer einer riesengroßen Wiese. Ein Match nach dem anderen ist dort gespielt worden. Wenn man dem Watzinger gefallen hat, hat er dich gefragt, ob du beim FC Wien spielen möchtest. Dort hat man eine Dress bekommen! (lacht) Die hat zwar ein Loch gehabt, aber das war egal. So sind die Kinder zum Fußball gekommen.

Sie haben beim FC Wien Walter Zeman kennengelernt, der gleich nach dem Krieg zu Rapid gegangen ist…
Ich habe mir immer Rapid angeschaut, wenn wir nicht gespielt haben. Im 45er-Jahr, das war in der Zeit Mai, Juni oder so, komme ich auf den Rapid-Platz, die Spieler rennen heraus und ich sehe plötzlich den Zeman für Rapid auflaufen, obwohl ich unter der Woche noch mit ihm trainiert habe. Innerhalb dieser kurzen Zeit ist er verkauft worden! Damals hat es Transfers gegeben, bei denen ein Verein zum Beispiel 15 Flaschen Schnaps für einen Spieler bekommen hat! (lacht) Das klingt aus heutiger Sicht lachhaft, aber damals war das ein Riesenwert! Naturalien waren nach dem Krieg heiß begehrt. Wir sind mit einem LKW mit Bänken im Hinterraum, nicht einem Autobus, nach Tschechien zu einer kleinen Tournee gefahren. Dort haben sie zu der Zeit schon alles gehabt was Essen anbelangt, und wir nichts! Mein Vater hat mir einen Koffer mitgegeben, mit dem ich Mehl, Zucker und Speck nachhause gebracht habe. Das waren Werte für uns damals, weil mit dem Schilling hat man im 45er-Jahr kein Essen kaufen können.

Sie wuchsen in der Gußriegelstraße in Favoriten auf und Ihr Bruder Franz war der Rechtsaußen in der Austria-Mannschaft, die 1936 den Mitropacup gewann. Warum wurden Sie nicht Austrianer, sondern unterschrieben 1948 den Verbandsschein für Rapid? Wer war Ihr Entdecker?
Mein Bruder hat damals sogar mit dem großen Mathias Sindelar gespielt! Es war aber so, dass die Austria nach dem Krieg niemanden gebraucht hat. Bei Rapid war hingegen ein Loch. Der Franz Binder hat bei meinen Eltern angerufen, weil ich zu dem Zeitpunkt mit 18 Jahren noch zuhause gewohnt habe. Mein Bruder hat sich schon ausgekannt mit Transfers, Handgeld und diesen Geschichten. Ich habe als junger Bub keine Ahnung davon gehabt. Der Franz hat sich natürlich eingeschaltet, und so ist das dann über die Bühne gegangen. Rapid hatte eine eigene Spielart. Rapid hat immer eine eigene Spielart gehabt, was damals wegen dem brasilianischen System aber noch spezieller war. Das brasilianische System war zum großen Teil auf einem Verbinder aufgebaut, der die Löcher zumachen hat müssen. Diesen Part habe ich damals übernommen. Zu Rapid bist du nicht geholt worden, weil du der Allerbeste warst, sondern weil du perfekt in das System hineingepasst hast. Rapid hat die Spieler nicht nach ihrem Namen gekauft oder weil sie gerade eine gute Saison gespielt haben, sondern weil sie eben dazugepasst haben. Sonst hätten sie dich nicht genommen! Das war schon immer so bei Rapid. Willkürkäufe haben die nie gemacht, das hat es nie gegeben.

Stürmer-Legende Franz Binder ließ damals gerade seine Karriere auslaufen und Rapid suchte nach einer Stammformation im Angriff. In der zehnten Runde der Saison 1948/49 feierten Sie beim 2:1-Auswärtssieg gegen Wacker Ihr Debüt in der Startelf und verdrängten Rechtsverbinder Robert Körner auf die Position des Rechtsaußen, auf der er später berühmt werden sollte. Sie und Körner I, habt Ihr Euch als Duo auf der rechten Seite sofort gefunden?
Ja, es war Harmonie auf den ersten Blick! Die rechte Seite war die aufbauende und vorbereitende Seite. Wir haben Bälle abgefangen, die Abwehr des Gegners durcheinandergewirbelt und vorbereitet. Es war eine reine Freude!

Bei Ihrem dritten Spiel (8:2 beim FAC) schossen Sie Ihr erstes Pflichtspiel-Tor für Rapid. Damals ersetzte Robert Dienst Franz Binder bereits als Mittelstürmer. Erich Probst und Gerhard Hanappi fehlten noch, um die wahrscheinlich beste Rapid-Mannschaft aller Zeiten zu bilden. Waren Sie sich dessen bewusst, dass etwas Großes am Entstehen war?
Rapid war immer gewohnt, ganz oben mitzuspielen. Und wenn du Dritter warst, war das schon zu wenig – um die Meisterschaft hat man mitspielen müssen! Die Mannschaft, die damals aufgebaut worden ist, war vom Gerippe her bereits vorhanden. Zeman, Happel, Gernhardt, Golobic, die Körner-Buam und ich. Der Merkel war eigentlich nicht einmal sonderlich gut, aber er hat in unser System hineingepasst. Er war sehr groß und mit dem Kopf eine Macht. Wenn er mit der Sense wo drübergefahren ist, ist dort kein Gras mehr gewachsen! Er war beinhart und hat die Mannschaft sehr gut ergänzt. Wie bereits gesagt: Bei Rapid hat man nicht gespielt, weil man der Beste war, sondern weil man in das System hineingepasst hat.
Also ich gekommen bin, hat es – glaube ich – keine zwei Wochen gedauert, bis sie den Dienst vom FAC geholt haben. Und der Probst war zu der Zeit bei der Vienna. Mit ihm haben sie 1950 einen Ringtausch gemacht. Drei Spieler sind von der Rapid zum FAC gegangen, der FAC hat den Walzhofer an die Vienna abgegeben und dafür den Probst nach Hütteldorf gehen lassen. Unsere beiden Strafraum-Stürmer waren das Torgefährlichste, das es damals gegeben hat! Bei Kopfbällen hat es richtig gekracht! Mit richtigen Beulen sind die beiden herumgerannt! Normalerweise hat man ein bisschen Angst vor den Verteidigern, aber bei uns war es umgekehrt, da haben sich die gegnerischen Defensivleute vor unseren beiden Wilden gefürchtet. Die sind ja ohne Rücksicht hineingefahren. Und der Körner Fredl hat sich weiter nach hinten fallen lassen und mit dem linken Fuß phantastisch geschossen! Die Bälle haben sich mit einer unglaublichen Fettn von links in einem herrlichen Bogen ins rechte Eck gedreht. Das war einmal das. Und im Mittelfeld haben wir immer drei Maschinen gehabt! Zuerst Gernhardt, Golobic und Hanappi, und später hat Gießer den Gernhardt ersetzt. So ein Mittelfeld hat es in ganz Europa nicht gegeben!
Der Typ Spieler war damals ein ganz eigener. Wir waren immer verbissen – ich habe sogar richtige Schmerzen in der Magengegend gehabt, wenn wir verloren haben. Das ist aber zum Glück nur alle 25 Matches vorgekommen, weil wir zu der Zeit alles weggeputzt haben. Große Mannschaften wie Lazio oder Arsenal. Wenn wir auf das Spielfeld hinausgerannt sind, haben uns die Gegner mit Angst angeschaut, auch die Deutschen! Früher war nicht Bayern, sondern 1860 die stärkere Mannschaft. Ich habe gegen die drei- oder viermal gespielt und sie haben jedes Mal fünf Tore kassiert. Aber bei ihnen daheim!

Sie selbst schossen gleich in Ihrer ersten Saison acht Tore in ebensovielen Liga-Spielen. Waren Sie durch diesen Blitzstart gleich in der Mannschaft akzeptiert, obwohl Sie ein Neuling waren?
Ja, das muss ich schon sagen. Meine Kollegen haben gesehen, dass ich eine Verstärkung bin. Dass das brasilianische System noch dazugekommen ist und ich eine Spezialrolle darin hatte, war Schicksal.

In Ihren ersten beiden Saisonen wurde Rapid zweimal knapp hinter der Austria Vizemeister. Hat der 7:5-Derby-Erfolg in der darauffolgenden Saison so etwas wie einen Wendepunkt bezüglich der Kräfteverhältnisse markiert?
Meine Mama war auch auf dem Platz. Es gab ja einen Wolkenbruch von der Früh bis nach dem Match. Trotzdem waren 55.000 Zuschauer im Stadion! Trainer Pesser hat Folgendes gemacht: Wir haben den Gernhardt genommen und ihn in den Sturm gegeben, und ich bin ganz nach hinten gegangen. Die Austrianer haben das noch gar nicht richtig realisiert gehabt und es ist schon 2:0 gestanden. Das ist so schnell gegangen, bumbumbum! Und meine Mama ist drei Wochen mit einer Angina im Bett gelegen. (lacht) Es hat geschüttet an diesem Tag, Gott im Himmel! Das Wasser ist überall gestanden, und als ich hingefahren bin, habe ich mir nicht vorstellen können, dass das Match überhaupt stattfinden wird. Es wurde aber beinhart angepfiffen, zu unserem Glück. Auch die Austria war für Europa eine ausgesprochene Klassemannschaft. Außer Rapid und der Austria hat es in Europa vielleicht Arsenal und Real Madrid gegeben, die besser waren. Aber dann hat man schon suchen müssen. Französische Klubs waren für uns keine Gegner, auch nicht die Holländer. Ich kann mich erinnern, dass wir gegen eine holländische Mannschaft gespielt haben, ich glaube es war Ajax, und nach dem 1:1 haben sie sich abgebusselt vor lauter Freude, weil sie nicht gegen uns verloren haben. Man muss sagen, dass unsere großen Gegner im Endeffekt nicht Lazio Rom oder Neapel waren, sondern die Austria. Und nach dem 7:5 haben wir gegenüber der Austria Oberwasser gehabt. Wenn eine Mannschaft zu einem Freundschaftsspiel nach Wien gekommen ist, dann haben wir im Normalfall gewonnen. Weil wir selbstbewusst waren und die richtige innere Einstellung hatten. Heute freut man sich oft schon über eine knappe Niederlage. Heute weiß man bei Rapid und in Österreich generell über seine Schwächen besser Bescheid, als über die Stärken. Die Mentalität hat sich schon sehr verändert. Rapid war damals sogar stärker als die österreichische Nationalmannschaft.

Rapid wurde 1951 überlegen Meister und schoss aus allen Rohren: Gernhardt 10 Tore, R. Körner 17 Tore, Probst 28 Tore, A. Körner 14 Tore, Sie 12 Tore und Dienst 37 Tore. Mit insgesamt 133 Toren in nur 24 Spielen gelang ein Rekord für die Ewigkeit. Was war das Erfolgsgeheimnis?
Das hat meiner Meinung nach schon mit der Brasilien-Tournee zu tun gehabt. Wir waren der erste Klub, der deren System nach Europa gebracht hat, hinten mit einem Ausputzer und dem Happel. Ich will mich nicht selbst loben, aber ich habe eine Position eingenommen, die essentiell für dieses System war. Ich war eine Art Freigeist hinter den Spitzen, der beim Spielaufbau des Gegners abgeräumt und vorne den letzten Pass gespielt hat. Ich war immer anspielbar, was nur mit enormer Laufarbeit zu machen war.

Stimmt es, dass Trainer Hans Pesser die Taktik vor jedem Spiel gemeinsam mit der Mannschaft ausgetüftelt hat?
Er war ein guter Motivator, das muss man sagen. Man damit rechnen können, dass der Pesser eine Stunde vor Anpfiff mit uns das Spiel besprochen hat. Er ist die Mannschaft durchgegangen und hat gesagt, wie man sich zu verhalten hat. Und wenn du eh schon kaputt warst, hat dich der Pesser so aufgeputzt, dass du noch einmal explodiert ist. Er war so ein Typ dazu. Und wenn jemand von uns einen Einwand oder eine Idee hatte, dann hat er das akzeptiert. Er war nicht so, dass er unbedingt Recht haben musste, das kann man nicht sagen. Franz Binder war im Gegensatz dazu derjenige, der die Mannschaft zusammengeheftet hat, Stück für Stück. So etwas geht ja nicht auf einmal, das hat schon ein paar Jahre gedauert. Der Binder war der Architekt von diesem Team!

Knapp nach dem Gewinn des Meistertitels wurde Lazio Rom im Zentropacup mit 5:0 deklassiert und danach der Titel im Finale gegen Wacker Wien mit 3:2 gewonnen. War dieses Spiel aufgrund seiner Bedeutung und des Hanappi-Wechsels für die Mannschaft besonders nervenaufreibend?
Das war ein Mordswirbel, ein Riesenzirkus, den der Hanappi-Wechsel bedeutet hat! Es hat geheißen, dass Rapid alle Spieler ansticht. Hanappi war das i-Tüpfelchen der Mannschaft. Eigentlich haben wir uns nur selbst schlagen können. Unter normalen Umständen war Rapid nicht zu besiegen, schon gar nicht am Rapid-Platz! Wenn der Gegner aus der Kabine gekommen ist, hast du geglaubt, du spielst gegen Chinesen, so gelb waren die, so sehr ist ihnen das „Klapperl“ gegangen! Es ist eigentlich immer so gespielt worden, dass es Tschingbummkrach gegangen ist, es hat gerammelt und meistens haben unsere Gegner nach zehn Minuten zwei Goal gehabt. Dann folgte die gemäßigtere Phase und knapp vor der Halbzeit hat der Gegner wieder zehn Minuten keinen Ball mehr gesehen. So sind die Matches abgelaufen. Wenn wir zu der Zeit 4:2 gewonnen haben, war das schon ein bisserl wenig, da haben wir schon einige Goal-Chancen ausgelassen. Heute würden sie sich bei einem 4:2 ein Zwickerbussl geben. (lacht) Die Mannschaft war überragend, egal wo wir gespielt haben. Das ist keine Frage, die Mannschaft war Europaklasse!
Einzig in Südamerika war es vielleicht anders. Dort hat der Probst nicht spielen können, weil es ihm zu warm war, er in der Hitze nicht hat spielen können. Jetzt hat man ihn rausnehmen müssen und einen Ersatzmann gebraucht. Das waren wir nicht gewohnt. Wir haben quasi fünf Jahre in der fast komplett gleichen Aufstellung gespielt, weil keiner schwerer verletzt wurde. So etwas passiert nur alle 100 Jahre!

Welchen Anteil hatte Gerhard Hanappi?
Er war einer der ganz wenigen, der fast nie versagt hat, aus einem einfachen Grund – er hatte eine derartige Vitalität und einen Kämpfergeist gehabt, dass er trotz seiner geringen Größe immer präsent war. Er war am einzigartigsten von uns allen! Zweikämpfe hat der gehabt, der Zwerg! Er hat nicht die ganz großen Kunststücke mit der Fettn gekonnt, aber die Passes von sieben bis acht Metern sind schnürlgerade gekommen wie auf einem Zeichenbrett. Die Wacker-Fans haben uns damals gehasst, weil ihr geliebter Hanappi nach Hütteldorf gegangen ist. Eines muss man dazu sagen. Wenn du bei Rapid gespielt hast, hast du immer gegen drei Anhänger-Gruppen gespielt, weil es früher immer Doppel-Veranstaltungen gegeben hat. Nur die Rapid-Anhänger waren für uns und alle anderen waren immer gegen uns! Du hast von Haus aus gewusst, dass sich jeder Klub, wenn er Rapid geschlagen hat, einen Namen auf drei bis vier Wochen gemacht hat. (lacht) Die haben dann vielleicht 14 Tage kein Match gewonnen, was aber egal war, weil sie Rapid geschlagen haben. Gegen Rapid hat jeder 120 Prozent gespielt. Das war immer so!

Wer war Ihr bester Freund innerhalb der Mannschaft? Immerhin waren Sie ja bei den legendären Freundschaftsspiel-Tourneen Rapids oft wochen- und monatelang gemeinsam in der Welt unterwegs...
Sehr gut war ich mit dem Happel und dem Pauli Halla, das waren meine besonderen Freunde. Nette Kerle waren das! Die anderen Kollegen waren aber auch sehr gut verträglich. (lacht) Was wir Karten gespielt haben! Der Happel war ein Weltfußballer. Und ein Weltkartendippler! Aber ich habe besser gespielt als er. (lacht) Einmal habe ich ihm das in der Stadthalle im Schmäh gesagt, da ist es ihm schon recht schlecht gegangen. „Geh sei net so blöd!“, hat er gesagt. Er war ein richtiger Ehrenmensch!

Gab es Erlebnisse, an die Sie sich noch besonders gut erinnern?
Wir haben ein Minimum von dem verdient, was die Spieler heute kriegen. Nur was du bei den Auslandsreisen erlebt hast, werden die in hundert Jahren nicht erleben! Für mich hat das mehr Wert, als die riesigste Villa! Das viele Reisen war für die damalige Zeit absolut außergewöhnlich. Wir sind mit dem Flugzeug geflogen und haben Dinge gesehen, die nur wenige Priviligierte sehen konnten. Aber nicht, weil wir so schön oder gescheit waren, sondern weil wir Fußballspielen konnten! Einmal hat mir der Happel einen Ziegelstein in meinen Reisekoffer hineingegeben. Ich habe mich gefragt, was denn da so schwer ist, dann habe ich hineingeschaut und es war ein Ziegelstein drin. (lacht)

Sie hatten inzwischen am 27. Mai 1951 Ihr Länderspiel-Debüt gefeiert (4:0 vs Schottland) und gleich beim zweiten Team-Auftritt (3:3 in Dänemark) ihr erstes Tor erzielt. Trotzdem hatten Sie am Ende Ihrer Karriere „nur“ sechs Länderspiele auf Ihrem Konto. War die Konkurrenz damals so groß?
Der Wagner-Turl, der Kominek Fritzl, Walzhofer – ich habe vier oder fünf Konkurrenten gehabt, und der Teamchef hat immer denjenigen genommen, der gerade in Form war. Bei mir ist noch extra dazu gekommen, dass das brasilianische System in der Nationalmannschaft nicht gespielt worden ist. Wenn ich gespielt hätte, hätte der Ocwirk nicht spielen können, und der Ocwirk hat spielen müssen! Die Fähigkeiten hätte ich sicher gehabt. Aber damals hat der Teamchef für jede Position zumindest drei Anwärter gehabt.

Das hört sich aus heutiger Sicht unglaublich an! Haben die anderen Nationen so stark aufgeholt oder hat Österreich so stark nachgelassen?
Beides. Es hat natürlich damit zu tun, dass andere Länder aufgeholt haben, z.B. die Holländer mit ihren Fußball-Schulen. Im Endeffekt war das nicht kurzfristig, aber auf zehn, 15 Jahre gerechnet hat es das gebracht. Natürlich ist es gut, wenn der Bub, der dort in die Schule geht, am Nachmittag die Aufgaben macht und dann Fußball spielt. Zwei bis drei Stunden Taktik und Ballgefühl. Es gibt ja 100 Sachen, die man trainieren kann! Andere Länder haben viel mehr Geld investiert. Und auch Weitsicht und Geduld gehabt.
Selbst bei uns hast du damals drei Talente gehabt, und im Endeffekt ist nur aus einem etwas geworden, weil die anderen mit den Mädchen Tanzen gegangen sind. Und wenn das passiert ist, waren sie auch schon weg, weil die Mädchen haben gesagt, dass sie ja nicht narrisch sind und jetzt immer auf den Fußballplatz gehen. Etliche Talente sind deswegen verschwunden!

Und die anderen wurden von ihrer Armut beflügelt?
Man darf nicht vergessen, wie arm wir damals wirklich waren. Zum Beispiel ich als 6jähriger Bub habe ab Mai meistens keine Schuhe angehabt, erst wieder im September. Fast alles war geteert. Wenn ich nachhause gekommen bin, hat mich meine Mama genommen und mit der Bürste den Teer von meinen Füßen heruntergeschrubbt. Wir haben den ganzen Tag Fußball gespielt, das war das große Vergnügen für uns, etwas anderes hat es für uns nicht gegeben! Computer, Fernsehen – das war ja alles nicht vorhanden, oder, dass der Vater gesagt hätte, wir fahren irgendwohin. Es hat nur den Fußball gegeben. Da war es natürlich relativ leicht, eine Liebe zu diesem Spiel und einen Ehrgeiz zu entwickeln. Heute haben die Leute sehr viel mehr im Vergleich zu früher. Ich habe sieben Jahre bei Rapid gespielt und dann habe ich mir erst ein Auto gekauft, das ich mir eigentlich gar nicht leisten konnte. Der Herr Sack, er war Vizepräsident bei Rapid und Autohändler, ist zu mir nach einem Match gekommen, hat mir zum guten Spiel gratuliert und mich gefragt, wann ich mir ein Auto kaufe. Ich habe genau gewusst, was der Opel Rekord kostet, 46.950 Schilling waren das. Also sage ich, dass ich mir das nicht leisten kann. Er hat mich gefragt, wieviel ich habe. Dreißigtausend, wenn ich alles zusammenkratze, habe ich geantwortet. Daraufhin hat er mich für den nächsten Tag zu sich eingeladen und mir um einen Spezialpreis mein erstes Auto verkauft. Damals war ich fast 27 Jahre alt! Heutzutage gibt es zu viele Ablenkungen. Ein junger Bub hat so viele Ausweichmöglichkeiten, der kann alles Mögliche machen! Bei uns war alles limitiert, da hat es nicht viel gegeben. Am Sonntag ins Kino in die Kindervorstellung zu gehen, war ja schon eine Sensation! Ich kann mich erinnern: Um 13:00 oder 13:30 hat die Vorstellung angefangen und ich bin alle 14 Tage gegangen. Ganz billig war die Karte, 20 Groschen oder so. Beim Rausgehen hast du eine kleine Bensdorp bekommen. Wenn du das heute einem Kind erzählst... (lacht) Für die Kinder ist es natürlich schön, aber für den Fußball ist es schlecht.

1951/52 folgte der nächste Meistertitel. Eine Spielzeit später wurde Rapid von der Austria und Wacker abgehängt, und trotzdem gelang mit dem 6:1 im Freundschaftsspiel gegen Arsenal ein Höhepunkt der Rapid-Geschichte. Wie haben Sie dieses Spiel in Erinnerung?
Wenn ich alles, was ich gesehen und miterlebt habe, Revue passieren lasse, komme ich schon zu dem Schluss, dass wir damals die beste Rapid-Mannschaft aller Zeiten gehabt haben! Schon alleine, weil wir wirklich ganz große Mannschaften in Europa geschlagen haben, wie eben Arsenal.
Die Umstände waren schon einzigartig! Wir haben am Donnerstag noch für die Hochwasser-Opfer in Holland vor 60.000 Zuschauern gespielt. Wir haben Middlesbrough mit 2:1 geschlagen, das weiß ich heute noch. Am Sonntag sind wir dann nach Brügge gefahren und haben Arsenal Sechse reingehaut, und dann sind wir am Montag in der Früh schnell nach Paris gefahren, am Dienstag haben wir gegen Stade Français Paris gespielt und 2:0 gewonnen. Und am Donnerstag sind wir mit dem Flugzeug, was damals sehr selten war, geflogen und haben die dänische Nationalmannschaft 5:1 geschlagen. (lacht und reibt sich die Hände) Das alles in der kurzen Zeit, und die Reisen noch dazugerechnet! Natürlich haben wir, wenn wir 2:0 geführt haben, das Tempo rausgenommen. Wenn du da voll reingehst, hält das niemand auf Dauer durch, weil der Körper eben nicht mehr geben kann. Wir haben oft nur mehr mit 50 Prozent gespielt, aber das hat noch immer genügt!
Beim Arsenal-Spiel sind 15 Spieler in einem Raum mit zehn Quadratmeter gestanden und Trainer Uridil ist bei der Tür gestanden und hat hineingeredet. Er hat gesagt: „Kinder i sog eich, des sand Wedln. Wenn ma de schlogn, moch ma a Festl!“ Das war alles! (lacht) Vor allem war es so, dass sich jeder Spieler selbst einstellen hat können. Heute muss ja ein Trainer alles ansagen. Das muss ich selber sehen, wo der Gegner heute ein Loch hat, dass zum Beispiel der linke Außendecker schwach ist. Na, genau dort muss man hineinspielen! Heute sieht das schon der letzte Zuschauer, aber der Trainer muss es noch immer hineinschreien, weil manche Spieler zu blind sind.

Laut Aufstellung vom Spiel gegen Arsenal hat Hanappi ihre Rolle als Rechtsverbinder übernommen und Sie den Platz rechts in der Läuferreihe. Waren solche Rochaden eher außergewöhnlich oder gar nicht unüblich?
Außendecker habe ich gegen Arsenal sogar gespielt. Solche Wechsel hat es nur gegeben, wenn es sein musste. Aber das hatte Rapid – Spieler, die auf vielen Positionen spielen konnten. Wir waren damals universeller und mussten nicht motiviert werden. Aktuell fehlt Rapid der eine oder andere lautstarke Antreiber. Das braucht eine Mannschaft aber! Also ich bin so richtig zornig geworden, wenn uns eine Niederlage gedroht hat. Verlieren war für mich, als hätte ich einen Bruch. Das wollte ich verhindern! Ein Ausspruch vom Happel zum Beispiel ist 1.000%ig richtig: „Es gibt im Jahr fünf Match‘, die du gewinnen musst. Da zählt nicht das Spielerische, nur der Erfolg.“ Da hat er Recht, das ist gar keine Frage! Es gibt fünf entscheidende Matches pro Saison, die musst du gewinnen, da hilft gar nichts. Ein paar von den einfachen Spielen sollte man halt auch gewinnen, wenn ich an die Rapid-Mannschaft von heute denke! (lacht)

1953/54 wurden Sie wieder vor der Austria Meister, zu den Derbys kamen durchschnittlich mehr als 50.000 Besucher. Befand sich Wien zu diesen Gelegenheiten noch mehr im Ausnahmezustand als später und auch aktuell?
14 Tage vor dem Match hat man über fast nichts anderes gesprochen. Der Schmäh ist gerannt wie wild. Mit violetten oder grünen Hüten sind die Herrschaften übern Ring und die Kärntnerstraße gegangen. Die Art der Leute und die Gesellschaft waren auch anders. Man muss sagen, dass die Rapid-Fans durch uns so viele gute Matches gesehen haben, dass es keine Rolle gespielt hat, wenn ein Derby einmal in die Binsen gegangen ist. Wichtig war die Leistung, der Einsatz. Und diese beiden Dinge haben eigentlich immer gepasst!
Das waren damals so gewitzte Leute, ein bisschen einen Schmäh hat eigentlich jeder gehabt. Auf dem Spielfeld ebenso, wie auf den Rängen. Das muss ein Spieler aber selbst mitbringen, eine gewisse Listigkeit, weil man das nicht lernen kann. Dass er noch dazu mit dem Ball umgehen können muss, ist klar. Trotzdem ist das eine Seltenheit geworden. Der Messi ist eine rühmliche Ausnahme. Der hat mehr Instinkt, als die ganze österreichische Liga zusammen! Und die Technik hat er auch noch...

Laut Wikipedia waren Sie damals 176 cm groß und wogen 52 Kilo. Wenn das stimmt, waren Sie ja ein absolutes Leichtgewicht! Empfanden Sie Ihre „Zartheit“ als Manko?
Ich war an und für sich ein sehr emotioneller Spieler, der nicht gerne verloren hat. Bei mir hat es immer geheißen: „Kämpfen und gemma!“ Auf dem Rapid-Platz war das eine Riesenhetz, weil er so eng war und dadurch noch mehr Zweikämpfe stattgefunden haben.

Wie war damals der Kontakt von den Spielern mit den Fans? Sind viele Anhänger zum Training gekommen?
Am Donnerstag hat immer die Erste gegen die Reserve ein Trainingsmatch gespielt, da hast du mit 2.000 bis 2.500 Zuschauern rechnen können. An einen Fan kann mich noch genau erinnern, ich sehe ihn heute noch vor mir – groß, ein bisschen eine Schnapsnase. Nach dem 7:5 im Derby war er am Dienstag beim Training und hat zu mir gesagt: „Hans, ich habe Buße getan.“ „Wieso?“, habe ich gefragt. „Weil ich zu Fuß vom Praterstadion nach Hütteldorf gegangen bin!“ An diesem Tag hat es ja geschüttet! Und der Mann mit der Schnapsnase hat Buße getan, weil er das Match gesehen hat. (lacht) Noch kurz zur Pfarrwiese: Die Holztribüne war schon ein bisschen schimmelig und hat ungesund gerochen. Und die Stehplatztribüne war so ein schiefer Hügel, auf dem die Leute drei Stunden ausgeharrt haben! Die Stiegen sind ja erst viel später gekommen.

Angeblich witzelten Ihre damaligen Kollegen, dass Sie in Ihrer Karriere sicher dreimal um die Welt gelaufen sind. Vom „Laufwunder“, der „Pferdelunge“ und dem „Roboter“ war die Rede. Waren sie tatsächlich so laufstark? Und was waren Ihre weiteren Vorzüge?
Ich konnte Dienst und Probst perfekt einsetzen und ihnen den tödlichen Pass zuspielen. Ich habe in meinem Fuß schon sehr viel Gefühl gehabt! Meistens waren das Flanken, die genau über die Köpfe der Verteidiger gegangen und dann bei den beiden Vollstreckern gelandet sind. Und wenn die beiden Wilden einmal am Rennen waren, waren sie kaum zu stoppen. Wenn sie auf zehn, elf Meter zum Schießen gekommen sind, haben wir von drei Chancen zumindest zwei Tore gehabt. Die haben nicht fünfmal danebengeschossen! Mein anderer Vorteil war die extreme Laufbereitschaft bis zum Umfallen.

Wahnsinn, dabei haben sich das Schuhwerk und der Ball im Vergleich zu damals so unglaublich verbessert!
(lacht) Ich war in Brasilien und beim ersten Match habe ich geschossen und haue dabei mit dem Schuh in die Erde hinein und er bricht in der Mitte ab! Damals hatten wir keine Reserve-Schuhe, ein Paar war da und damit war Schluss. Ich musste mir also aus der Notwendigkeit heraus brasilianische Schuhe kaufen. Die waren etwas leichter, nicht so bockig, wie sie in Europa gängig waren.

Und in Österreich haben Sie davon profitiert.
Natürlich, diese weichen Schuhe hat es bei uns ja nicht gegeben! Unsere haben vorne ein Kapperl gehabt, und wenn man damit irgendwo härter angestoßen ist, ist es abgebröckelt. So hart waren die Kappeln!

Bei der WM 1954 standen Sie im österreichischen Kader, kamen aber zu keinem Einsatz. Überwog die Zufriedenheit, Teil einer Weltklasse-Mannschaft zu sein, oder die Enttäuschung über das Tribünen-Schicksal?
Nein, enttäuscht war ich nicht. Im Gegenteil – ich habe mitgefiebert! Wir hatten damals eine Riesenmannschaft und haben neben Ungarn und Uruguay zu den Mannschaften gehört, denen man den WM-Titel zugetraut hat. Deutschland wurde nicht so favorisiert. Wir haben phantastisch gespielt, da gibt es gar nichts. Bis auf das Deutschland-Match. Viele haben nicht ihren besten Tag gehabt, wie der Happel. Der größte Fehler war aber, dass Zeman gespielt hat, obwohl er nicht fit war. Vienna-Goalie Schmied hatte einen Sonnenstich vom Schweiz-Spiel und Wacker-Tormann Pelikan hatte noch kein Länderspiel gemacht, weswegen ihm Zeman vorgezogen wurde. Das war ein Fehler! Beim Springen hat man ganz deutlich gesehen, dass er Probleme hat. Und dann hat es sechs Goal von den Deutschen gegeben. Ich muss ehrlich sagen, dass ich schon sehr gerne gespielt hätte, keine Frage, nur musste ich anerkennen, dass der Wagner-Turl in dem Moment besser in die Mannschaft hineinpasst hat. Er war ein Riesefußballer!

In der Saison 1955/56 wurde Rapid zum 20. Mal Meister. Wurde das damals als spezielles Jubiläum gefeiert?
Das klingt jetzt vielleicht überheblich, aber du warst zu der Zeit mit der Mannschaft ständig ganz vorne. Viel Aufheben ist wegen diesem Jubiläum nicht gemacht worden. Wir haben uns damals ja gedacht, dass der 30. Meistertitel nicht weit ist. (lacht) Ein fataler Irrtum! Ich bin mit Rapid in elf Saisonen zweimal Dritter geworden, das war schon schlecht...

Zusätzlich gab es viele internationale Bewerbsspiele für den SCR, weil man im neu gegründeten Europacup der Landesmeister bis ins Viertelfinale kam und auch im Mitropacup erst im dritten Finalspiel gegen Vasas Budapest unterlag. Im Entscheidungsspiel, das die Ungarn klar mit 9:2 gewannen, erzielten Sie vor 104.000 Zuschauern die beiden Rapid Tore. Wie haben Sie sich nach diesem Spiel gefühlt?
Neun Tore haben wir bekommen, was soll man da schon noch groß sagen?!

Aber immerhin haben Sie die zwei Rapid-Tore geschossen! Vor 104.000 Zuschauern muss das ja ein einprägsamer Moment gewesen sein...
Das ist keine Frage, trotzdem war die Enttäuschung viel größer, als das Glücksgefühl! Es war ja ein wichtiges Finale. Auf lustig und trallala habe ich danach jedenfalls nicht gemacht, obwohl ich zwei Tore gemacht habe. Aber so, wie dieses Match gelaufen ist, passiert es halt manchmal im Fußball. Von Vasas ist jeder Schuss genau in den Winkel hineingegangen, da kannst du nichts tun, kannst dich nicht dagegen wehren. Ich habe gekämpft, die anderen auch, aber es war so, als ob wir gegen eine Wand gerannt wären – es hat sich nichts getan.

Es war eine ziemlich einzigartige Niederlage.
Mit Rapid habe ich noch einmal sehr hoch verloren, 2:7 beim AC Milan ein halbes Jahr vor dem Vasas-Debakel. Milan, das war damals eine Weltmannschaft! Wir auch, aber nicht an diesem Tag.

In der darauffolgenden Spielzeit wurde Rapid erneut Meister. Das Highlight waren aber die drei Duelle gegen Real Madrid im Europacup. Nie war eine Mannschaft bei den fünf Titelgewinnen Reals in Serie so nahe dran, das Weiße Ballett aus dem Europacup zu werfen, wie Rapid. Wäre Rapid reif für diesen großen Titel gewesen?
Das erste Match haben wir draußen im Bernabeu mit 2:4 verloren. Bis zwei Minuten vor Schluss sind wir mit 1:4 zurückgelegen, dann ist der Gießer Karli mit dem Ball gegangen und gegangen und gegangen, und weil er niemanden zum Anspielen gefunden hat, hat er einen richtigen Spitz gemacht und getroffen. Der Di Stéfano ist fuchsteufelswild zur Abwehr zurückgerannt. Er hat genau gewusst, was ihnen da passiert ist, dass das Rückspiel dadurch sehr schwer wird. Wir haben dann 3:1 gewonnen und noch dazu viermal die Stange getroffen. Es war ein Riesenpech! Ich habe sogar ein reguläres Tor gemacht! Der Körner Robert hat einen Eckball hineingeflankt und ich habe den Ball mit der Fettn ein bisschen abgescherzelt. Draußen wären sie gewesen, keine Frage. Aber der Schiedsrichter hat Abseits gepfiffen, obwohl es das bei einem Corner gar nicht gibt! Unglaublich, wie nahe wir da dran waren. Und dann das Entscheidungsspiel, das wir nach Madrid verkauft haben. Dazugekommen ist noch, dass sich der Hanappi verletzt hat. Der Gießer auch, wir waren eine zerrissene Mannschaft. In der 2. Minute haben wir schon ein Goal gehabt. Der Bilek hat mit mir im Mittelfeld gespielt, und wir haben ihm noch vor dem Match gesagt: „Lass‘ dich auf nichts ein, kein Dribbbling und nichts, wichs ihn weg den Ball!“ Aber kaum war die Partie angepfiffen, hat er den Ball blöd verloren und wir haben schon ein Goal gehabt.

Überwiegt nach so einem Erlebnis das Positive, dass man mit DER „Mannschaft der Stunde“ so gut mitgehalten hat, oder der Ärger, dass man es letztlich doch nicht geschafft hat?
Zuerst ist da nur Enttäuschung und Ärger! Das ist gar keine Frage, wenn du so nahe dran bist. Wenn ich das Ganze aber mit dem großen Abstand Revue passieren lasse, komme ich schon zu dem Ergebnis, dass wir etwas Großes erreicht haben. Zum Applaudieren war es aber zu wenig. Zu unserem 3:1-Sieg im zweiten Match muss ich noch sagen: Es gibt gewisse Matches, die rennen auf so einer Ebene, dass du mehr oder weniger chancenlos bist, da kannst du nichts dagegen tun. Wie gesagt, wir haben viermal die Stange getroffen und ich habe ein ganz reguläres Goal geschossen... aber so ist es im Fußball! (lacht) Natürlich, wenn du mit dem Ball umgehen kannst, kann man ihn schon ein bisschen drosseln und ihm sagen, wohin er fliegen soll. Aber, ob er an die Stange oder ins Tor geht, liegt nicht in Deiner Macht. Es ist ja dieselbe Bewegung! Man kann den Ball aber auch überhaupt gleich in den 3. Stock der Tribüne schießen, das gibt es auch. Bei uns war das aber eine Rarität!

Wäre Rapid bei einem imaginären Rauswurf Reals in der Lage gewesen, die damalige Champions League zu gewinnen?
Drei Jahre vorher wäre es noch günstiger gewesen. Damals hätten wir wahrscheinlich gar kein drittes Spiel gebraucht! Aber zumindest in die Nähe wären wir auch 1956 gekommen. Im Falle eines Aufstiegs hätten wir so ein großes Selbstvertrauen gehabt, dass alles möglich gewesen wäre! Real hat danach Nizza, Manchester und Fiorentina gehabt. Die Franzosen hätten wir sicher geputzt, die Italiener wahrscheinlich auch. Bei United hätte man schauen müssen.

War es damals auch so, dass der Schiedsrichter beim Real-Spiel in Wien dem großen Namen Reals Tribut gezollt hat?
Das wird es immer geben! Die größere Mannschaft wird niemals benachteiligt werden, dagegen kann man sich nicht wehren. Das war so, und das wird auch immer so bleiben.

In der Rückrunde schossen Sie 23 Ihrer 25 Saisontore, wurden Zweiter in der Torschützenliste. War das das „Frühjahr Ihrer Karriere“?
Im Herbst habe ich viele Spiele gefehlt, ansonsten hätte ich den Robert Dienst noch abgefangen. (lacht) Wobei! Alles, nur das nicht! Der wäre böse gewesen. Aber ganz im Ernst: Der Dienst und der Probst waren im Strafraum lebensgefährlich. Unter den beiden hat es aber eine gesunde Konkurrenz gegeben, ihnen war der Sieg noch wichtiger, als der persönliche Erfolg. 1956 ist der Probst ins Wuppertal gewechselt. Damals war das schon nicht mehr DIE Rapid-Mannschaft der 50er-Jahre.

1958/59, in Ihrer letzten Rapid-Saison, kamen Sie nur sechs Mal zum Einsatz (7 Tore) . Waren Sie verletzt oder gab es Probleme mit Trainer Rudolf Kumhofer?
Ich habe eine gekriegt und war verletzt.

Damals überwarfen Sie sich jedenfalls mit Rapid und wechselten zur Austria. Was war passiert?
Der Schick war zu der Zeit der Sekretär bei Rapid und hat den Reiter Peter von Vorwärts Steyr gebracht. Ich bin ja nicht auf der Nudelsuppe dahergeschwommen gekommen und habe ganz genau gewusst, dass man mich ersetzen will, weil ich schon etwas älter und zu diesem Zeitpunkt obendrein noch verletzt war. In so einer Situation bist du das schwächste Glied, keine Frage. Als man mir nur mehr die Hälfte meines Geldes geben wollte, habe ich „Aus!“ gesagt.

Gab es damals erwähnenswerte Reaktionen, weil Sie als erster Spieler einen direkten Wechsel zwischen den beiden Erzrivalen gewagt haben?
Der Wirbel war schon recht groß, aber ich habe ihn gerne ausgehalten. Bei der Austria habe ich in dieser Phase eindeutig mehr Geld und vor allem auch Anerkennung zu erwarten gehabt. Die Austria war ja mehr oder weniger im Aufbau, während die Mannschaft bei Rapid schon lange fertig war. Die Austria hat dann erst ab meinem zweiten Jahr dazugekauft. Ich hab‘ diesbezüglich auch viel mit dem Pepi Smistik gesprochen, der damals bei der Austria war. Und vorher war er ein legendärer Mittelläufer bei der Rapid. Superklasse! Die Austria-Fans waren auch von Anfang weg skeptisch. (lacht) Rapidler, Kettenraucher, 30 Jahre alt – man kann es ihnen gar nicht verdenken! Aber dann haben sie gemerkt, dass ich die perfekte Ergänzung zum Horst Nemec bin. Ich war der Anführer dort und habe dem Horstl erklärt, dass er sich im Spiegel anschauen und endlich begreifen soll, was für ein unstoppbarer Riese er eigentlich ist! Nach dieser Unterredung habe ich gemacht, was ich schon bei Dienst und Probst gemacht habe, und der Nemec hat Tore wie am Fließband erzielt.
In zehn Jahren bin ich mit Rapid fünfmal Meister geworden, dann bin ich zur Austria gekommen und habe dort zweieinhalb Jahre gespielt. Als ich zu ihnen gekommen bin, waren sie Siebenter, am Ende der Saison sind wir Vierter geworden. In der nächsten Saison waren wir zwischenzeitlicher Vizemeister. Eigentlich hätten wir den Titel gewinnen müssen, doch dann ist Folgendes passiert: Die Vereins-Verantwortlichen haben mich gefragt, ob wir eine Süd- und Mittelamerika-Tournee machen sollen. Die Jungen wollten unbedingt. Ich war auch bereit, habe aber gesagt, dass man die Meisterschaft dann abhaken muss. Auf Tournee spielst du gegen zweitklassige Mannschaften, die rennen wie die Teufel bei 40 Grad Hitze und nehmen dir Substanz weg. Na gut, die Buam haben sich entschieden, sie wollen fahren und dann sind wir auch gefahren. Wir sind schlussendlich Fünfter geworden, aber immerhin auch Cupsieger. Da haben wir Rapid im Finale 4:1 geschlagen. Im Jahr darauf sind wir mit sieben Punkten Vorsprung Meister geworden.

Am 5. September 1959 haben Sie den 2:1-Sieg der Austria gegen Rapid auf der Pfarrwiese mit einem Doppelpack fixiert. Auch Ihren ersten Cupsieg 1960 feierten Sie – wie eben erwähnt – mit einem Final-Erfolg gegen den SCR. Waren diese Spiele etwas Besonderes für Sie?
Wenn du einen Klub wechselst, gibst du für den neuen Verein genauso viel. Aber die Vergangenheit und die vielen Erfolge bei Rapid waren natürlich noch ganz frisch! So hat man in Hütteldorf aber wenigstens gesehen, dass ich dort schon noch ein paar Jahre lang Anspruch auf Einsätze und volle Bezüge gehabt hätte.

Nach dem Meistertitel mit der Austria wechselten Sie nach Saisonende zum RC Lens. Wie kam es zu diesem Wechsel? Auslandstransfers waren damals ja eher unüblich.
Da ist ein mir bekannter Manager gekommen, der mich bei einem Match der Austria gegen Sampdoria gesehen hat. Wir haben 5:2 gewonnen und ich habe zwei Goal gemacht. Danach hat mich der Manager gefragt, ob ich ins Ausland möchte. Mit dem Geld hat es in Frankreich auch gut ausgeschaut und ich habe meinen Wechsel nie bereut. Zu der Zeit haben wir einen Afrikaner von der Elfenbeinküste bei Lens gehabt, heute hast du in jeder französischen Mannschaft sieben bis acht. Die anderen Spieler waren zum großen Teil eingewanderte Polen, die in den Jahren 1919/20 nach Frankreich gekommen sind und dort in den Kohle-Minen gearbeitet haben. In der zweiten und dritten Generation haben sie aber schon alle einen französischen Pass gehabt. Dort im Kohlegebiet war alles aus roten Ziegelsteinen gebaut, aber die hast du nicht gesehen, weil es war lauter Kohlendreck drauf. Grauslich, zum länger dort Leben unmöglich!

Und der Fußball?
Sechster sind wir geworden. Bei uns in Lens selbst haben die anderen Mannschaften kaum gewinnen können. Lens hat damals 30.000 Einwohner gehabt, 18.000 waren am Fußballplatz. Aber auswärts waren wir angreifbar.

Nach dem Jahr in Lens wechselten Sie zurück nach Österreich und ließen Ihre aktive Karriere in Klagenfurt ausklingen. Im Cup gelang Ihnen wieder ein Tor gegen Rapid. Beim Liga-Sieg gegen den SCR, einem der letzten Höhepunkte Ihrer Karriere, spielten Sie im Mittelfeld. Danach musste Austria Klagenfurt absteigen und Sie beendeten Ihre Karriere. Konnten oder wollten Sie nicht mehr?
Ich war 34 Jahre alt und der Körper wollte einfach nicht mehr. Wenn du als Fußballer aufhörst, kannst ja meistens nichts, und so viel haben wir damals nicht verdient, dass ich sagen hätte können, ich habe ausgesorgt. Ich hatte Frau und Kind, eine kleine Gemeindebauwohnung im 3. Bezirk, ein Auto und aus. Der Spruch vom Binder war immer „Kinder, spüts, s‘Göd kummt von allan und liegt auf der Stroßn“ – die Straße suche ich heute noch! (lacht) Und dann bin ich zum SC Helfort als Trainer gegangen, habe mir das ein paar Monate angeschaut. Das Einkommen war aber derart gering, dass ich mich um einen „richtigen“ Job umschauen musste. Da hat man mir den Direktor der Bauarbeiterurlaubskasse vorgestellt und der hat mich genommen. 27 Jahre war ich dann dort.

Haben Sie den Fußball weiter mitverfolgt?
Das ist ja keine Frage! Auch heute noch! Ich habe da oben in der Wohnung im ehemaligen Kinderzimmer meines Sohnes eine Art Fußball-Fernsehzimmer. Dort sehe ich frranzösischen, spanischen, italienischen, deutschen und österreichischen Fußball. Die einzigen, die ich nicht sehe, sind die Engländer, leider. Übrigens, der italienische Fußball ist ganz grauenhaft! Ich habe jetzt in paar Matches von Juventus gesehen, die nicht zum Anschauen waren, g r a u e n h a f t! Man sieht das an den Zuschauern. Da hast du ein Stadion für 60 bis 70.000 Zuschauer und 10.000 Zuschauer kommen hin, alles andere ist Beton...

Das bedeutet, dass die Liebe zum Fußball nie weggegangen ist.
Nein! Ich habe ungefähr mit neun Jahren angefangen, also in der Schülermannschaft, und habe bis 34 gespielt. Das ist schon eine lange Zeit gewesen, in der es nur das runde Leder gab. Fußball ist ja ein harter Job, nicht nur körperlich, aber vor allem. Heute bin ich 82 Jahre alt, habe im Vorjahr einen Herzinfarkt gehabt und einen Herzschrittmacher bekommen. Die Beanspruchung war in diesem System schon sehr groß.

Zum hundertjährigen Jubiläum von Rapid mussten Sie sich bereits an der Hüfte operieren lassen. War das die Spätfolge einer Karriere voller Laufbereitschaft?
Eindeutig! Ich habe mir das nicht nur einmal machen lassen. Im Jänner war die linke Hüfte dran, im September die rechte. Das war eine recht unangenehme Geschichte.

Wenn am Sonntag Rapid bei der Austria spielt – wem halten Sie die Daumen?
Ich habe im Endeffekt nur zweieinhalb Jahre bei der Austria gespielt, aber zehn bei Rapid. Dass da die Bindung zu Hütteldorf eine ganz andere ist, ist gar keine Frage!

Der „Funki“ Feurer, von dem ich Ihre Telefonnummer habe, macht den Legendenclub und es besteht die Möglichkeit für die Legenden, zu den Matches zu gehen und Bekannte zu treffen. Nützen Sie dieses Angebot?
Wenn ich es mir aussuchen kann, nehme ich schon das Live-Match. Erstens einmal sehe ich eine Menge Leute, den Flögl Rudi , den Skocik Walter und wie sie alle heißen. Als ich schon fast aufgehört habe, waren die beiden die nächste Rapid-Generation. Mich interessiert natürlich auch, wie es ihnen geht. In meinem Alter musst du das ja fragen. Aber die Anreise ist schon recht beschwerlich.


Interview vom 11.03.2011 (grela)


10 Fragen zum besseren Kennenlernen:

Ihre Lieblings-Elf aller Zeiten?
„Meine“ Rapid-Mannschaft! Zeman – Happel, Merkel – drei von Golobic, Gießer, Hanappi, Gernhardt – R. Körner, ich, Dienst, Probst, A. Körner.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?
Also das beeindruckendste war das Maracanã! Obwohl ich dort nie gespielt habe, sondern nur davorgestanden bin! Ich habe in Sao Paulo und in vielen anderen brasilianischen Stadien gespielt. Im Maracanã nicht, aber wir sind immerhin draußen gestanden und haben alle gesagt „Wahnsinn!“

Ihre größte Niederlage am Fußball-Platz?
Enttäuschungen im Fußball gibt es immer wieder. Etwas Spezielles herausnehmen kann ich eigentlich nicht, weil mir im Endeffekt jede Niederlage weh getan hat! Bei mir war das zumindest so, egal ob Freundschafts- oder Pflichtspiel.

Rapid ist...
... der Klub mit der größten Tradition in Österreich! Was mir persönlich nicht gepasst hat, waren die Verkäufe in letzter Zeit. Wenn ich das mache und den Standard halten will, muss ich Spieler dazukaufen. Das ist aber nicht passiert.

Was fehlt in Ihrem Kühlschrank nie?
Käse! Das haben sie mir in Frankreich beigebracht, und die Liebe zu einem guten Steak.

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?
Die Schweiz! Dass man sich das in der heutigen Zeit kaum leisten kann, ist ein anderer Kaffee. Es würde aber meiner Art entsprechen – korrekte Menschen, gutes Essen, zwar etwas schwer, aber das macht auch nichts.

Wohin würden Sie reisen, wenn Sie eine Zeitmaschine hätten?
Was mich sehr interessiert hätte, wäre der südamerikanische Urwald vor ein paar hundert Jahren.

Eine Marotte?
Ich habe mit dem Golobic vor jedem Match geblödelt. Ein paar Schmähs haben schon sein müssen, und wenn es ein gemeinsamer Tanz war! (lacht)

Der beste Spieler, gegen den Sie je gespielt haben?
Alfredo Di Stéfano!

Der bedeutendste Sportler aller Zeiten?
Wer mich als junger Bub schon sehr fasziniert hat, waren die 100-Meter-Läufer. Der Jesse Owens hat mir besonders imponiert. Damals haben sie ja die langen Schritte gemacht, er hat als erster die kurzen, schnellen gemacht. Der hat mir sehr gefallen!