Walter Skocik im Gespräch
 

Interview vom 17. August 2010 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

"Rapid ist mir in Fleisch und Blut übergegangen!" meines Lebens"

Am 6. September 2010 begeht mit Walter Skocik eine Rapid-Legende par excellence ihren 70. Geburtstag. Mit dem SCR feierte "Schani" vier Meistertitel und drei Cupsiege, international erreichte er im Europacup ein Semifinale, zwei Viertelfinali und drei Achtelfinali. Skocik spielte zehn Jahre in der Kampfmannschaft Rapids, absolvierte 250 Pflichtspiele im grünweißen Dress und traf dabei 42mal ins gegnerische Netz. 1969 führten finanzielle Differenzen zum Abgang des Schwechaters. Und während Rapid in ein tiefes Loch fiel, zeigte Skocik zuerst in Wattens und dann in Innsbruck, dass er in Hütteldorf jeden Groschen wert gewesen wäre. Nach einem Jahr in der Schweiz ging der Alleskönner - Skocik spielte im Laufe seiner Karriere so gut wie jede Position - nach Bregenz und leistete dort als Spielertrainer großartige Arbeit. Mit 38 Jahren kehrte der Ur-Rapidler nach Hütteldorf zurück und baute jene Mannschaft auf, die bis Mitte der 80er-Jahre für Furore sorgen sollte. Wenige Spiele, bevor 1982 der erste Meistertitel seit 14 Jahren fixiert wurde, musste Walter Skocik den SCR verlassen… als von den Medien und Fans anerkannter Meistertrainer. Es war der Startschuss für eine internationale Laufbahn als Coach. Der Trainer-Wandervogel hinterließ vor allem in Griechenland (Meister mit PAOK Saloniki 1984) und Saudi Arabien (Gewinner des King's Cups 1988) Spuren, die wohl niemals verwischen werden.

Ich treffe mich mit Walter Skocik in Schwechat am idyllischen Kellerberg, einem Paradies für Weinliebhaber und Kinder. Als der angehende Jubilar kommt, erscheint er. Walter Skocik ist eine einnehmende Persönlichkeit, die einen absolut unprätentiösen Auftritt hat. Ich werde auf die herzlichste Weise dazu aufgefordert, ihn Walter oder "Schani" zu nennen. Das fällt mir aus Gründen des Respekts nicht leicht, aber Walter nimmt mir diese Schwellenangst. Bei ein paar Achterln spricht der sehr jung wirkende Senior offen und ausführlich über seine ereignisreiche Karriere. Was ihn besonders sympathisch macht: "Schani" ist nicht abgehoben und nicht nachtragend gegenüber jenen Menschen, die es verdient hätten. Er ist das, was er von vielen anderen Menschen sagt - "ein Superbursch". Nach zweieinhalbstündigem(!) Interview vergebe ich leicht angeduselt elf von zehn möglichen Sympathie-Punkten… es war mir ein Fest!

Den Spitznamen "Schani" hast Du schon recht früh von Deinem Onkel bekommen. War er der Motor hinter Deiner Entwicklung als Fußballer?
Den "Schani" haben ich von meinem Vater und meinem Onkel verpasst bekommen. Beide waren Fußballer. Meinem Vater hat das Kicken einen guten Job als Geld-Ausfahrer eingebracht, mit dem er seine ganze Familie erhalten konnte, auch seine Eltern. Mein Onkel war bei Schwechat in der Wiener Liga, dann bei der Admira und beim Sportklub in der höchsten Liga und ein guter Freund von Walter "Max" Horak (Torschützenkönig 1957/58 mit 34 Treffern) . Jedenfalls haben die Leute zu meinem Vater und meinem Onkel "Schani" gesagt, weswegen ich der Bua vom "Schani" war und dann schon mit acht, neun Jahren selbst zum "Schani" geworden bin.
Fußballerisch gesehen hat sich vor allem mein Onkel um mich gekümmert. Ich war ja als Kind eigentlich ein Wacker-Anhänger, aber mein Onkel hat mich zu Rapid gebracht. Ende der Vierziger habe ich mit meinem Vater Wacker gegen Rapid im Stadion gesehen und der "Willy" Hahnemann - ein Spitzenkicker, mit dem ich per Du war - hat ein Tor geschossen. Mein Vorbild war der "Turl" Wagner. Aber obwohl ich damals ein Wacker-Fan war, gab es im Tor nur einenfür mich: Walter Zeman - der "Tiger"! Ich hatte später noch die große Ehre, mit ihm zu spielen… sogar im Nationalteam.

Du bist mit zwölf Jahren zu Rapid gegangen.
Bei Phönix Schwechat habe ich eineinhalb Jahre schwarz gespielt, hätte hier gar nicht kicken dürfen. Irgendwann musste ich den Verein wechseln und mein Onkel hat mich dann zu Rapid gelotst. Dort habe ich einen Spitzentrainer gehabt, den "Zapferl" Wagner. Von ihm haben wir soviel gelernt - Kopfbälle mit dem Pendelball, das Tänzeln mit dem Ball und das unermüdliche Training an der Schusswand. Ihm haben sehr viele Rapid-Kicker irrsinnig viel zu verdanken!

Und wie war es, fast täglich von Schwechat nach Penzing zu reisen?
Das war eine "breite" Reise! Aber ich war richtig gierig nach diesem Sport. Damals war ich Lehrbub bei der Simmering-Graz-Pauka, wo ich Maschinenschlosser gelernt habe. Dort habe ich auch nicht immer frei bekommen für das Training, auch was das Jugend-Nationalteam anbelangt. Ich hätte sicher mehr Spiele machen können. Aber das war damals halt so und nicht zu ändern.

Hast Du den Beruf des Maschinenschlossers jemals ausgeübt?
Nein. Als ich ausgelernt war, bin ich gleich zum Militär gegangen. Und danach hat mir der Karl Decker einen Job in einer Bank verschafft. Dort hatte ich aber Probleme, weil ich mit Rapid jedes Jahr sechs Wochen unterwegs war. Am 20. Dezember sind wir weggeflogen und erst Mitte Februar wieder nachhause gekommen. Zusätzlich war ich auch im Nationalteam und bei Europacupspielen kaserniert. Ich hatte Verständnis für die Sorgen meines Personalchefs, der ein sehr netter Mensch war. Ich habe dann gekündigt und bin für kurze Zeit zu einer Versicherung gewechselt. Aber das war nicht mein Job, weil ich nicht der Typ bin, der keilen kann. Danach hatte ich mit meiner Frau eine Tankstelle in Schwechat. Sie hat im ersten Jahr alleine gearbeit, und ich habe ihr nach dem Training noch bis zum Zusperren um 22 Uhr geholfen. Als ich Rapid 1969 Richtung Wattens verlassen habe, bin ich dann Profi geworden.

Dein Pflichtspiel-Debüt hast Du mit 19 Jahren am 20. März 1960 bei einem 5:0 gegen Donawitz gefeiert. In der Kampfmannschaft warst Du aber schon im Zuge der Rapid-Tourneen nach New York und Südamerika.
Zum ersten Mal habe ich 1957 unter Max Merkel in die "Erste" geschnuppert. Die Vorgeschichte dazu ist schon eine Erwähnung wert: Wir hatten damals ein Nationen-Turnier für Junioren in Spanien. Griechenland haben wir 3:0 geschlagen, England auch 3:0, die punktegleichen Holländer haben wir dann 5:1 besiegt. Im Semifinale sind wir dann gegen die Franzosen mit 3:2 drübergekommen. Mit Ach und Krach! Wir hatten schon mit 3:0 geführt, waren aber wegen der Hitze gegen Ende des Spiels "tot". Unser Tormann hat uns das Spiel über die Zeit gerettet. Zum Glück, denn im Finale haben wir im Bernabeu-Stadion gegen Spanien vor 96.000 Zuschauern gespielt. Was für ein Erlebnis! Das Spiel haben wir zwar verloren, aber aufgrund unserer Leistungen sind der Walter Glechner und ich in die Kampfmannschaft gekommen. Mein erstes Spiel war ein Testmatch in Meran gegen eine Südtirol-Auswahl, das wir mit 4:3 gewonnen haben. Beim Zurückfahren nach Wien habe ich noch gegen Innsbruck spielen dürfen. Das Match hat in einer Kaserne stattgefunden, und im Tor ist der Vater vom Kurt Jara gestanden. Im Dezember 1957 bin ich dann zum ersten Mal auf eine Tournee mitgenommen worden. Wir sind mit dem Zug nach Griechenland gefahren. (lacht)
Zweimal war ich in New York beim dortigen Sommerturnier. In Südamerika haben wir in eineinhalb Monaten knapp 20 Spiele gemacht, immer gegen die besten Mannschaften. Die älteren Spieler haben uns Junge oft spielen lassen, und so durften wir uns gegen die besten Teams aus Südamerika beweisen! Da lernt man natürlich irrsinnig viel. Wir haben immer gut mithalten können, nur einmal haben wir bei einer geschobenen Partie gegen Estudiantes mit 0:4 hoch verloren. Es war eine schöne Zeit, über die wir heute noch gerne und oft reden.
Wir haben zwar nicht viel verdient, aber diese Erlebnisse konnte uns niemand wegnehmen. Wir waren ja noch so junge Burschen, und ich habe den Broadway besser gekannt als die Mariahilfer Straße! (lacht) In New York hatten die Geschäfte Tag und Nacht offen - fantastisch war das! Dabei ist man damals in den Fünfzigern kaum ins Ausland gekommen. Die Reisen mit Rapid waren für uns auch deswegen etwas ganz Besonderes!

Du bist schnell auf den verschiedensten Positionen zum Einsatz gekommen.
Das hat schon in der Jugend angefangen. Weil ich fast immer mit älteren Jahrgängen gespielt habe, bin ich oft als rechter Verteidiger aufgestellt worden. Im Nationalteam war ich Rechtsverbinder, Linksverbinder, rechter Half, linker Half, sogar Mittelstürmer und Vorstopper! Bei Rapid habe ich mich mit Gerhard Hanappi und später mit Franz Hasil als Half und Verbinder bzw. Mittelstürmer abgewechselt. Einmal hätte ich für den verletzten Walter Glechner als Libero einspringen sollen. Aber das wollte ich nicht, weil das mein Jugendfreund war und ich ihn nicht im Falle guter Leistungen aus der Mannschaft spielen wollte. Diese Position habe ich dann Jahre später nachgeholt. In Innsbruck ist Otto Baric zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich nicht den Libero spielen kann. Natürlich konnte ich! (lacht)

In Deiner ersten Saison bist Du sofort Meister geworden und hast ein wichtiges Tor zum Aufstieg ins Cupfinale (2:4 gegen die Austria) geschossen. War dieser plötzliche Erfolg schwer zu verkraften?
Da gab es nichts zu verkraften, weil wir unbedingt spielen wollten! Das war der alles entscheidende Faktor damals. Wegen dem Geld war es sicher nicht, weil ich damals nur um die 500 Schilling verdient habe. Eine andere Sache war die, dass ich schon fast aufgehört hatte. Als ich nämlich zum Militär gekommen bin, war ich bei der Garde. Die war sehr streng und hat mich nicht zum Trainieren weglassen. Eine Sportkompanie oder Heeressportler - das hat es damals alles noch nicht gegeben. Der Ernst Happel war bei meinen Eltern zuhause und hat nachgefragt, was mit ihrem Buam los ist. Er hat es dann geschafft, dass ich nach einem halben Jahr "schon" um halb zwei weggehen habe dürfen. Das war nicht selbstverständlich. Dem Happel habe ich so gesehen auch ein Stück meiner Karriere zu verdanken, weil er mir immer wieder weitergeholfen hat. Als ich dann wieder "richtig" bei Rapid war, habe ich schnell im Olympiateam und dann im Nationalteam gespielt. Und der Happel hat dann mein Gehalt auf 1.500 Schilling verdreifacht. Das war schon was für einen Jungen wie mich! Aber wie gesagt - ich wollte einfach spielen, sooft es nur geht. Und wenn Erfolg da war, war das eine Bestätigung, aber sicher keine Belastung. (lacht) Wenn ich nicht gespielt habe, bin ich weinen gegangen…

Welchen Stellenwert hatte Rapid damals in Fußball-Europa?
Einen sehr guten! Ich war schon mit zwölf Jahren Balljunge im Stadion und habe damals die Osterturniere hautnah miterlebt. Österreich hatte damals einen tollen Fußball mit vielen guten Vereinen zu bieten. Rapid, und auch die Austria, hatten aber ein spezielles Ansehen. Nicht umsonst wurden beide Mannschaften immer nach Südamerika eingeladen, weil sie europäische Spitzenklasse waren! Rapid ist nur mit Pech gegen Real Madrid und ein Jahr später gegen den AC Milan ausgeschieden, konnte mit allen Teams mithalten. Aber die beste Mannschaft Europas war damals Honved Budapest. Ich hatte noch die Ehre, gegen Puskás zu spielen, als er seine Karriere viele Jahre später bei Real Madrid beendet hat. Ich war damals sein Gegenspieler, habe ihn aber aus Respekt nicht attackiert. Er hat auch nur 20 Minuten gespielt. Als er sich dann unter Tränen verabschiedet hat, haben alle Menschen im Stadion mit weißen Taschentüchern gewunken. Gegen den älteren di Stefano habe ich übrigens auch noch gespielt, da war er allerdings bei Espanyol Barcelona engagiert. Wir haben 3:3 gespielt, und ich habe László Kubala, der damals Spielertrainer bei Espanyol war und zusammen mit seinem Sohn gespielt hat, leicht verletzt. Unabsichtlich!

Dein erster Trainer im A-Team war Robert Körner. Wie war er als Coach? Hat er Dich, was Deine spätere Karriere als Trainer anbelangt, geprägt?
Da war Ernst Happel sicher ein größerer Einfluss. Er hat später zu mir gesagt: "Schani - schau net links, schau net rechts. Als Trainer bist du alleine. Geh deinen Weg, egal was die anderen sagen!" Dafür bin ich ihm sehr dankbar gewesen! Aber ich habe ihn nicht nachgemacht. Die Tipps waren aber sehr gut. Ich war ohnehin ein sturer Hund und bin meinen Weg gegangen. Ich habe nie auf die Jungen hingehaut, sondern habe die älteren, die guten Spieler, in die Pflicht genommen. Da war ich immer sehr korrekt, und deswegen bin auch ich zumeist sehr korrekt behandelt worden. Gelernt habe ich aber von allen Trainern, von den guten und von den schlechten. Bei Letzteren habe ich halt gesehen, wie man es nicht machen soll.
Prächtige Menschen waren sie aber alle - Happel, beide Körner, Hanappi und alle anderen großen Rapidler haben sehr gut auf die Jungen geschaut. Wir waren aber auch brav, haben Koffer getragen und die Schuhe geputzt. Das hat sich so gehört, und für diesen Respekt haben wir auch sehr viel zurückbekommen. Als ich ins Nationalteam gekommen bin, habe ich mir das Zimmer mit dem Karl Koller geteilt. Der Jüngste und der Älteste! Eine Woche waren wir per Sie, und nach dem 4:1-Sieg gegen Schottland ist er mit einem Glaserl Sekt gekommen und hat gesagt: "Schani, ich bin der Karl." (lacht) So war das damals.

In dieser Zeit waren mit Ernst Happel und Franz Binder zwei absolute Rapid-Ikonen Sektionsleiter. Mit welcher Position von heute kann man deren Tätigkeit vergleichen?
Mit einem Manager. Wobei der Ernst Happel auch mittrainiert und sich mit dem Robert Körner bei der Aufstellung ausgetauscht hat. Insgesamt hat Happel mehr zu sagen gehabt. Er hat auch die Transfers gemacht und bestimmt, wer von den Jungen nachrücken soll. Dadurch, dass beide sehr gute Freunde und Ur-Rapidler waren, hat das Verhältnis sehr gut funktioniert. Aber es ist klar, dass die meisten Trainer von damals noch nicht in der Machtposition von heute waren.

1963 hatten Sie angeblich ein Angebot von Joschi Walter, zur Austria zu gehen.
Ja, dreimal hat er mich angerufen. Bei Rapid habe ich damals schwarz gespielt, weswegen im Falle eines Wechsels keine Abmeldung nötig gewesen wäre. Außerdem habe ich damals Geld gebraucht, weil ich gerade eine Wohnung in Schwechat gekauft hatte und mit dem Hanappi einen Minigolfplatz betrieben habe. Ich war auf das Geld angewiesen, aber der "Bimbo" Binder hat mir über vier Jahre einen sehr großzügigen Kredit gegeben. Wer weiß, was sich in dieser Situation abgespielt hätte, wenn ich einen Manager im Genick sitzen gehabt hätte. Wir waren aber verbunden mit dem Verein und ein Wechsel ist nicht wirklich in Frage gekommen.

Bis zu Ihrem…
Deinem!

Ach ja! Bis zu Deinem zweiten Meistertitel mit Rapid in der Saison 1963/64 hattest Du eine Art Durststrecke zu überstehen, wurdest Sechster, Fünfter und Vierter. Wie war die Stimmung unter den Fans damals in diesen dürren Jahren?
Nicht so schlecht. Wir hatten damals nicht so gute Torleute, vor allem aber hat sich die Mannschaft damals im Umbruch befunden. Viele gute Spieler haben aufgehört, und die Jungen, wie ich, Rudi Flögel, Walter Glechner oder Franz Hasil haben erst die nötige Routine sammeln müssen, die man braucht, um erfolgreich zu spielen. Wir hatten in dieser Zeit kaum Führungs-Persönlichkeiten und mussten erst selber zu solchen heranreifen. Ich war damals der Redelsführer. Wenn es ein Problem gegeben hat, hat mich der Robert Körner am Montag zum Heurigen geholt. Zuerst sind die Fetzen geflogen, wir haben uns ausgeredet, und danach hat wieder alles gepasst. Die Kameradschaft bei Rapid war schon einzigartig!

Ein Highlight dieser Zeit war das Erreichen des Europacup-Semifinales 1961. Du hast im Rückspiel gegen Benfica Lissabon den Treffer zum 1:1 geschossen. Aber die beiden Spiele standen unter keinem guten Stern. Warum?
Unglücklich war das! In Lissabon haben wir sehr gut gespielt, aber drei blöde Tore bekommen und selbst die Kugel nicht ins Tor gebracht. Das erste Tor war schon zum vergessen. Dann haut der Robert Dienst über den Ball und der Rudi Flögel hat mit einem Stangenschuss Pech. Später ist der Huyer ausgerutscht und der Ball ist zum 0:2 genau neben der Stange ins Tor gekullert. (greift sich auf den Kopf) Und das dritte Tor sieht man alle 50 Jahre, vom 16er-Eck mit Effet ins lange Kreuzeck! Beim Rückspiel sind wir dann 20 Minuten angerannt und haben Chancen en masse gehabt. Aber wir haben das 0:1 bekommen, und dann war die Angelegenheit gegessen. Ich habe zwar noch das Tor zum 1:1 gemacht, aber das hat an unserer Pechsträhne nichts mehr geändert. Als der englische Schiedsrichter dann zwei klare Elfer nach Fouls an Robert Dienst nicht gegeben hat, hat es eine Schlägerei gegeben und das Match musste abgebrochen werden. Ich hab ein Foto von mir zuhause, auf dem ich auch in einer kompromittierenden Haltung zu sehen bin. (lacht) Da waren ja richtige "Grätzn" bei Benfica in der Mannschaft. Augusto - anständig, Santana - anständig, Aguas - anständig, Germano - anständig, aber die anderen haben uns ohne Grund angespuckt und bei jeder Gelegenheit eine mitgegeben. Seitdem bin ich kein großer Fan der Portugiesen. Großartige Fußballer, aber unfaire Gfraster. Mit einem 3:2 gegen Barcelona haben sie dann den Cup geholt. Gut waren sie also schon, aber…
Finanziell war es allerdings eine Supersache! Der Verein hat die Zuschauer-Einnahmen immer zur Hälfte behalten und die andere Hälfte unter den Spielern aufgeteilt. Und weil über 60.000 Menschen gekommen sind, hat jeder von uns Spielern 20.000 Schilling bekommen. Das war eine stolze Summe damals!

Mit Rapid hast Du im Europacup ein Semifinale, zwei Viertelfinali und drei Achtelfinali erreicht. Was war das beeindruckendste internationale Erlebnis Deiner Spieler-Laufbahn?
Besonders war für mich das Achtelfinale im Messe-Cup 1963, als ich in Valencia Mittelstürmer gespielt habe. Wir haben nach einem 0:0 zuhause mit 2:3 verloren und sind unglücklich ausgeschieden. (lacht) Damals ist das Licht ausgefallen und wir sind eine halbe Stunde am Spielfeld herumgelegen, bevor es wieder weitergegangen ist. Aber es hat ein paar ganz spezielle Europacup- und Nationalteam-Matches gegeben. Wenn wir nach Ungarn gefahren sind, haben uns die Leute von der Straße aus gedeutet, dass wir fünf Stück kassieren werden. Österreich war damals eine große Fußball-Nation, die Ungarn um das Eutzerl besser. (lacht) Aber fünf Tore haben sie uns nicht gemacht.

Zwischen 1960 und 1967 hast Du 14 Länderspiele absolviert. "Nur" 14?
15 mal war ich Ersatz. Damals war es sehr schwer, in die Mannschaft zu kommen. Wechselspieler hat es keine gegeben, und das Duo Hanappi-Koller war absolute Europaklasse. An diesen Spielern vorbeizukommen war nicht einfach. Deshalb habe ich im Team auch immer wieder im Sturm gespielt, gegen Italien, Griechenland. Außerdem habe ich mich einmal über den Rudolf Vytlacil ausgelassen, und das hat mir der langjährige Teamtrainer Leopold Stastny übel genommen. Als ich dann die Trainer-Prüfung gemacht habe, war ich einer seiner Lieblingsschüler. (lacht)

Zwischen 1967 und 1969 bist Du zweimal Meister und ebensooft Cupsieger geworden, der SCR war das Maß aller Dinge. Es war die erfolgreichste Zeit Rapids für sehr lange. Wie gut war die Mannschaft damals?
Die Führungsspieler haben damals mit 28, 29 Jahren das beste Fußball-Alter gehabt. Wir haben gute Torleute gehabt, vor allem den Gerald Fuchsbichler. Damals war Rapid ganz stark, die Truppe ist am Zenit ihres Könnes gewesen. Als ich dann 1969 weggegangen bin, ist die Mannschaft zerfallen. Ich muss schon sagen, dass ich die Partie sehr zusammengehalten habe. Wenn zwei Spieler gestritten haben, war ich da, um sie wieder miteinander zu versöhnen. Das war schon sehr wichtig! Wir haben damals zusammengehalten, und das tun wir auch heute noch. Das Zerbröckeln hat schon mit Franz Hasil angefangen, dann Kaltenbrunner, Grausam, und nach mir hat der Hlozek dann auch Rudi Flögel und Walter Glechner aus der Mannschaft entfernt.

In Deiner letzten Saison bei Rapid hast Du im Cup-Finale gefehlt. Hatte das mit Deiner Auseinandersetzung mit dem neuen Technischen Direktor Rapids, Karl Rappan, zu tun?
Verletzt war ich nicht, sondern der Eigenstiller hat statt mir gespielt, weil ich damals den mir angebotenen Vertrag nicht unterschrieben hatte. Der Robert Körner hat versucht, mich zum Bleiben zu überreden. Aber ich bin damals aus Prinzipsache von Rapid weggegangen. Um 5.000 Schilling ist es gegangen. Nie habe ich darauf geschaut, was die anderen Spieler verdienen. Ich wollte nur dasselbe verdienen, wie die zwei Jahre zuvor, nicht mehr und nicht weniger. Aber der Herr Rappan hat sich darauf versteift, dass alle Spieler dasselbe Gehalt bekommen. Dann bin ich gegangen. Und bei Wattens habe ich es gut erwischt, weil ich auch mehr verdient habe und meine Leistungen offensichtlich mehr Anerkennung gefunden haben. Mein Herz hat aber geblutet! Ich habe vier Monate lang Heimweh gehabt. Wenn wir durch Wien gefahren sind, habe ich mich zur Seite drehen müssen, weil mir zum Heulen war.

Du hast ja auch einmal gesagt: "Rapid ist in mir drinnen, daran wird sich nie mehr etwas ändern!"
Wenn man von klein auf bei diesem Verein spielt, ist das ganz normal. Ich habe mich mit Rapid identifiziert, der Verein ist in mir in Fleisch und Blut übergegangen!

Du warst zwei Saisonen bei Swarovski Wattens. War es eine Genugtuung für Dich, bei einem 2:1-Sieg gegen Rapid auch als Torschütze erfolgreich gewesen zu sein?
Neeein! Mir hat der Wechsel weg von Rapid schon weh getan und ich musste einige Zeit an dieser Sache kiefeln, aber ich habe keinen Zorn gehabt oder sonstwas. Außerdem war der Übergang für die traurigen Umstände ein sehr guter! Wir waren nämlich eine richtig gute Truppe in Wattens, haben mit dem Fritz Pfister einen guten Trainer gehabt, und der Gernot Langes war auch super. Bei ihm waren wir öfters privat eingeladen. Beide haben sich bei mir sofort als Fritz und Gernot vorgestellt, was für mich ungewohnt war. Die Kameradschaft war gut und die Ergebnisse auch. Wattens war immer relativ weit vorne dabei (7. und 8. Platz) , und als wir dann mit Innsbruck zusammengegangen sind, waren wir sowieso spitze. Vor allem hat Wattens den etwas veralteten Innsbruckern viel frisches Blut gebracht.

Du hast es schon angedeutet - mit SSW Innsbruck hast Du in zwei Saisonen zwei Meisterschaften und einen Cup geholt. Wieder hast Du mit einem Tor einen 2:1-Sieg gegen Rapid eingeleitet. Hat Rapid mit Dir auch den einen oder anderen Meistertitel verschenkt?
Ich habe fast alle Spiele gespielt. Dabei bin ich nach Innsbruck gekommen und hatte vorerst kein Leiberl, weil ich gerade die Trainerprüfung gemacht hatte. (lacht) Der Otto Baric hat sich gewundert, was ich da am Trainingsgelände mache! Und dann war ich als Stammspieler bei allen Erfolgen dabei. Ich war damals sehr verbissen und ehrgeizig, habe mich immer wieder bewiesen. (lacht) Den einen oder anderen Titel mit Rapid hätte ich mir schon noch zugetraut. Eigentlich hätte ich noch länger in Innsbruck bleiben können, aber ich war 33 Jahre und wollte etwas Neues. Beim zweiten Cupfinal-Spiel gegen Rapid habe ich den Verantwortlichen abgesagt und mir etwas anderes gesucht.

Nach den Tiroler Festspielen warst Du in der Schweiz beim SC Fribourg eine Saison lang Spielertrainer. Danach hast Du Deine Karriere als Spielertrainer in Bregenz fünf Jahre fortgesetzt. Wie ist Dir diese Zeit in Erinnerung geblieben?
Sehr gut! Vor allem Bregenz war ein Traum! Wäre Rapid nicht gekommen, dann wäre ich als Spielertrainer sicher noch weitere zwei Jahre dort geblieben. Ich war körperlich also noch ganz gut in Schuss! (lacht) Bei Fribourg habe ich meine Laufbahn als Spielertrainer gestartet. Im ersten Jahr in Bregenz war ich dann nur Spieler. Danach ist der Präsident zu mir gekommen und hat gefragt, ob ich nicht beide Jobs machen möchte. Mit einem neuen Sponsor war das dann auch finanzierbar und wir haben in den nächsten Jahren den Verein zu dritt geführt - der Präsident, der Obmann und ich. Der Plan war, innerhalb von drei Jahren von der Landesliga in die 2. Division aufzusteigen. Hauptberuflich war ich Sportlehrer am Gymnasium, weswegen alle "Professor" zu mir gesagt haben. (lacht) Und der Professor hat hart trainiert und trainieren lassen! Damals war ich ein richtig vielbeschäftigter Mann. Wir sind dann jedenfalls recht schnell aufgestiegen und drei Jahre lang durch Österreich gefahren. Es war eine schöne Zeit!
1979 hat mich dann der "Bimbo" Binder gefragt, ob ich nicht nach Wien kommen will, weil Präsident Holzbach an mir Interesse habe. Ich habe zugesagt, weil ich bei einem Angebot von Rapid einfach nicht ablehnen konnte.

Wie war es, den ersten "reinen" Cheftrainer-Job gleich bei Rapid in Angriff zu nehmen?
Lustig ist, dass ich schon vorher einmal Rapid-Trainer war: Bei einer Südamerika-Reise ist der Vytlacil in Paris festgehangen, und mir ist vorübergehend das Traineramt übergeben worden. Für zwei Spiele. (lacht) Und in Innsbruck war ich sogar zwei Monate Trainer, weil der deutsche Trainer einfach abgehaut ist! Der hat das nervlich nicht gepackt. Ich hab' mich mit zwei anderen Spielern abgesprochen und das Ergebnis den Co-Trainer verkünden lassen. Ich wollte mich ja nicht selbst aufstellen, auch wenn es in Wirklichkeit so war. (lacht) Ansonsten war es natürlich eine riesige Herausforderung bei Rapid, aber Angst habe ich keine gehabt.

Du solltest Deinem finanzmaroden Stammverein beim Aufbau einer neuen Mannschaft helfen. Stimmt es, dass Du anfangs nicht einmal einen Assistenten hattest und die von Präsident Holzbach ausgegebene Devise "Bloß nicht absteigen!" lautete?
Einige Rapid-Insider haben mich damals gefragt, ob ich überhaupt weiß, was ich mir da antue. Es war keine Mannschaft da und kein Geld. Drei Jahre lang habe ich die Mannschaft alleine trainiert! Ohne Co-Trainer, ohne Tormann-Trainer! Im letzten Jahr hat der Rudi Nuske dann die Jungen übernommen. Ein hochanständiger Bursch und echter Rapidler! Es war sein Erfolg, dass der Willfurth herausgekommen ist. Zu mir hat er immer gesagt, dass der Gerry ein richtig Guter werden wird.
Jedenfalls war es nicht so einfach, mit so vielen 18jährigen Burschen zu bestehen. Wir sind aber in der ersten Saison Fünfter geworden, haben gekämpft wie die Wilden. Technisch war es keine Offenbarung, aber der Kampfgeist hat gestimmt, und das hat auch den Zuschauern gefallen. Die Verantwortlichen wollten, dass ich die Mannschaft den ganzen Tag über beisammen halte. Das geht ja aber mit verheirateten Männern nicht! Außerdem waren die Räumlichkeiten im Hanappi-Stadion gar nicht vorhanden. Trotzdem habe ich sehr viel trainieren lassen. Hinten waren wir sehr gut. Feurer, Persidis und die anderen sind super gestanden. Den Bernd Krauss habe ich Teamchef Stotz schmackhaft gemacht, und so ist es auch gekommen, dass der Bernd die Doppel-Staatsbürgerschaft angenommen und für Österreich gespielt hat.

Ihr seid Fünfter geworden. Und wie ist es in der zweiten Saison weitergelaufen?
In der zweiten Saison waren wir dann schon Dritter. Damals habe ich den Josef Hickersberger zum Weiterspielen überredet. Eigentlich war er schon am Weg zum Trainer, aber ich habe von Stastny den Tipp bekommen, dass der Pepi noch gut beieinander ist. Um 150.000 Schilling haben wir Hickersberger von Innsbruck zu Rapid geholt und ihm einen Leistungs-Vertrag gegeben. Und den Panenka habe ich geholt, mich richtig für ihn eingesetzt. Drei Spieler standen da zur Auswahl - Moder (später GAK) , Pollak (später Salzburg) und Panenka. Ich wollte unbedingt den Antonin haben. Der Verein wollte ihn nicht haben, weil er keine Deckungs-Arbeit gemacht hat. Ich habe mich aber für ihn eingesetzt, weil ein Klassespieler wie er Rapid auf ganz andere Art und Weise weiterhelfen konnte. Das hat er ja auch bewiesen! Der Vesely ist auch für eine Saison gekommen. Der war zwar schon sehr alt, aber Europaklasse und mit Panenka Europameister. Dann wollte ich eigentlich noch Oleg Blochin haben, aber der war leider nicht zu haben. Dafür ist dann Sintschenko gekommen. Ein hochanständiger Bursch! Er hat zwar schon aufgehört gehabt, aber für Rapid hat er dann doch noch weitergemacht. Auf einmal haben wir die Routine gehabt, die uns vorher noch abgegangen ist. Ein weiterer wichtiger Schritt war, dass mir der Masseur Müller den Hans Krankl eingeredet hat. Mit der Vienna hat er in der Vorsaison quasi zwei Spiele gegen uns gewonnen. Präsident Holzbach war er zu teuer, aber mit dem Krankl-Schilling konnten wir uns dann die Ablöse von neun Millionen doch leisten und das Zugpferd Krankl nach Hütteldorf holen!

In der dritten Spielzeit hast Du als Trainer fast wiederholt, was Dir als Spieler gelungen ist - Real Madrid aus dem Europacup zu werfen. Aber das Tor wollte im Bernabeu-Stadion einfach nicht fallen.
Mein Gott, ja! Beim Hinspiel in Wien haben wir unglücklich 0:1 verloren. Santillana hat das Tor gemacht. Uns ist ein Krankl-Treffer wegen angeblichem Abseits aberkannt worden. Das hat der ansonsten gute Schiri falsch gesehen. Ein Fotograf hat diese Situation mit ein paar schnell hintereinander geschossenen Bildern im Nachhinein aufgeklärt. Und im Bernabeu haben wir Pech gehabt. Der Real-Trainer Boškov ist nach dem Spiel zu mir gekommen und hat gemeint, dass Rapid die beste Mannschaft war, die in den letzten drei Jahren bei Real gespielt hat. Vorher haben wir eine starke PSV aus dem Bewerb geschmissen. Im Bernabeu sind wir in der ersten Halbzeit defensiv aufgetreten, um nicht ein Tor zu kassieren, das die Chancen auf den Aufstieg kaputt macht. In der zweiten Hälfte haben wir dann hopp oder dropp gespielt und hatten drei, vier ausgezeichnete Chancen. Aber der Ball wollte einfach nicht hinein. Da hat uns das Glück gefehlt, das man halt auch immer wieder einmal braucht! Der Präsident Heinz Holzbach war nach dem Spiel böse, dass wir nicht schon in den ersten 45 Minuten Harakiri-Fußball gespielt haben. Aber ich glaube, dass ich mich in Sachen Taktik ein bisserl besser ausgekannt habe, als der Herr Präsident.

Damals hattest Du auch einen Hofmann namens Helmut in der Mannschaft. Wie kannst Du diesen Spieler beschreiben?
Das war einer dieser 18jährigen Spieler, die ich zu Beginn meiner Rapid-Zeit hatte. Er war ein schneller Linksaußen mit einem guten Schuss, vergleichbar mit "Pepi" Bertalan.

1981/82 warst Du auf dem Weg zum ersten Meistertitel seit 14 Jahren, wurdest aber nach einer Serie von fünf Spielen ohne Sieg entlassen, ein Koreiman-Triplepack in Innsbruck besiegelte Deine Trainerzeit bei Rapid. Danach übernahm Rudi Nuske die Mannschaft mit drei Punkten Rückstand auf die Austria und fuhr den Titel trotz vier Remis und einer Niederlage in zehn Spielen ein. Es war sogar von einer Spielerrevolte gegen Dich die Rede. Was geschah damals wirklich?
Da war irgendwas mit den Spielern, aber Genaueres ist diesbezüglich nie herausgekommen. Das Hauptproblem war aber Präsident Holzbach. Das hat schon nach dem Real-Spiel angefangen. Ich habe ihn bereits gekannt, als ich noch ein Bub war, weswegen ich auch manchmal frech war. Weil die guten Dinge hat er sich immer an die eigenen Fahnen gehängt, das Schlechte auf andere, wie den jungen Franz Binder, abgewälzt. Nur eines muss ich sagen - die Spieler, die ich haben wollte, habe ich meistens bekommen. Eine Geschichte nebenbei: Damals wollte ich unbedingt den Bozo Bakota haben. Der Austria wurde er um zwei Millionen angeboten, uns um 1,6, was damals eine Utopie war, und Sturm hat ihn letztlich um 600.000 Schilling bekommen. Da sieht man, dass Manager schon damals ein Wahnsinn waren!
Jedenfalls habe ich am 1. April den Anruf bekommen, dass ich nicht mehr zum Training kommen soll. Das hat mich sehr getroffen! 14 Tage lang habe ich mich nur vergraben, war aber immer mit meinem Nachfolger, dem Rudi Nuske, in Kontakt. Wir haben zusammen die Mannschafts-Aufstellungen gemacht. Beim wichtigen 3:0 gegen die Austria bin ich mit seiner Frau ganz oben im Stadion gesessen, damit uns keiner sieht. Die Presse ist hinter mir gestanden, die Zuschauer auch, aber es hat nichts geholfen! So kann es im Fußball halt auch rennen. Was mir im Nachhinein sehr weh getan hat, war, dass ich auf keinem Meister-Foto zu sehen war, obwohl man diesen Titel zu einem großen Teil mir zu verdanken hatte. Drei Jahre lang war ich alleinverantwortlich. Zu Mittag habe ich im Massage-Kammerl geschlafen, habe eineinhalb Stunden vor Trainingsbeginn die Torleute trainiert! Deswegen hat mich diese Art des Abschieds schon sehr getroffen. Ich bin nie im Bösen von Rapid gegangen, aber sowohl der Abschied als Spieler, als auch der als Trainer waren nicht gerade korrekt. Trotz allem war es eine Erfahrung, die mich weitergebracht hat. Und im Ausland habe ich es ja gut getroffen!

Die erste Auslands-Trainerstation war Spanien, bei UD Las Palmas.
Ja. Mit Las Palmas bin ich wegen der schlechteren Tordifferenz gegenüber Valencia abgestiegen. Mit Alberto Martinez, den ich nach einem zufälligen Treffen bei unserem gemeinsamen Zahnarzt gleich mitgenommen habe. Danach hätte ich Co-Trainer von Ernst Happel in Hamburg werden sollen. Ich habe aber zu diesem Zeitpunkt gerade mit Valencia und Espanyol Barcelona verhandelt. 14 Tage später, als sich die Verhandlungen zerschlagen hatten, habe ich dann bei Happel angerufen und nachgefragt, ob er mich noch will. Da hatte HSV-Manager Günther Netzer ihm aber bereits einen Co-Trainer hineingedrückt gehabt, den der Happel nie wollen hat.
Ich hatte aber Glück, bin in Griechenland bei einem Super-Klub gelandet. Drei Vereine sind für mich zur Auswahl gestanden, und ich habe mich glücklicherweise für AE Larissa entschieden. Ich bin im Blazer und Krawatte gekommen, alle anderen in der "Kurzen". Alles bei einer Affenhitze! Ich wollte dann eigentlich gleich wieder weg, weil ich das alles nicht gewohnt war. Ich bin dann aber doch geblieben. Zum Glück! In Spanien bin ich ein bisserl eingefahren, weil die Pesetas eine Abwertung hatten und ich fast ein Drittel verloren habe. Dreimal haben sie in Larissa das Angebot erhöht, und am Ende habe ich ein tolles Gehalt in Dollar gehabt. Die Mannschaft dort war super, eine der besten, die ich jemals trainiert habe! Ich konnte aber nicht bleiben, weil ich meine Tochter in eine deutsche Schule geben wollte. Danach wollte mich der GAK. Helmut Senekowitsch hätte eigentlich zu AEK, Olympiakos oder Panathinaikos sollen, ist dann aber selbst zum GAK gegangen. Ich selbst hatte gerade das Cupfinale mit Larissa erreicht und habe gleichzeitig mit PAOK verhandelt, weil es in Saloniki eine deutsche Schule gegeben hat. Das Cupfinale haben wir leider verloren, aber die Qualifikation für das internationale Geschäft hatten wir schon in der Tasche. Als ich offenbart habe, dass ich zu PAOK wechseln werde wegen der Familie, hat mir jeder in Larissa gratuliert und gemeint, dass ich zum Klub mit dem besten Präsidenten gehe. Der Abschied war herzlich. Wir haben uns viel abgebusselt und geweint (lacht) , sind aber im besten Einvernehmen voneinander gegangen. Das mit der Familie haben sie verstanden, obwohl ich noch Vertrag gehabt hätte.
Ich bin also nach Saloniki, und der Präsident, der mir ein Langzeit-Engagement versprochen hat, wurde nach 19 Jahren abgesägt! Der war ein richtiger Sir mit Handschlag-Qualitäten! Der Verein war danach noch immer recht gut geführt, obwohl ich in meiner Zeit bei PAOK drei verschiedene Präsidenten hatte. Wir sind dann Meister geworden, und das Cup-Finale gegen Larissa haben wir mit 1:4 verloren! (lacht) Das war nach dem Gewinn der Meisterschaft, wo die Mannschaft wahrscheinlich schon ein paar Feste gefeiert hat. Aber ich habe es Larissa vergönnt. Der Meistertitel war ohnehin schon etwas sehr Großes! PAOK ist zweimal Meister geworden, einmal unter Werner Lorant Mitte der Siebziger und dann mit mir.

Dein Ruf in Griechenland muss ja unglaublich gut sein. Dort hast Du es als vorletzter Trainer geschafft, die überdominante Dreier-Phalanx AEK Athen, Panathinaikos und Olympiakos zu durchbrechen.
Als ich meine Trainerkarriere 2005/06 bei Diagoras Rhodos beendet habe, hat niemand verstanden, warum ich einen drittklassigen Verein betreue. Ich habe das dann bei zig Interviews damit "gerechtfertigt", dass ich ja eigentlich schon aufgehört hatte und es mir und meiner Frau in Griechenland einfach sehr gut gefällt. Die Reporter waren trotzdem ratlos. Daran sieht man schon, dass ich anscheinend einen guten Ruf in Griechenland haben muss. Immer noch. Ich habe mich aber auch immer sehr korrekt verhalten, nie über einen Spieler oder eine unfaire Mannschaft geschimpft. Dieses Verhalten hat zu meiner Beliebtheit sicher beigetragen. Für mich und meine Frau war es ein Traum dort, alleine wegen dem Wetter. Und einen ausgesetzten Streuner habe ich mit nach Österreich genommen. Der ist mein Liebling!

Und wie war die zweite Saison bei PAOK?
Auch gut. Ich hatte in Saloniki drei Vertraute - den Tormann, meinen Manager, gegen den ich noch im Nationalteam gespielt habe, und meinen Dolmetsch, der mich immer simultan übersetzt hat. Irgendwann hat mein Manager dann gesagt, dass wir gehen sollten, und ich bin dann tatsächlich gegangen. Der Präsident hat mir damals zwei Spieler gekauft, die ich gar nicht gebraucht habe, dafür einen anderen nicht. Mir war das zu chaotisch. Ich hätte noch ein Jahr länger bleiben können, aber ich bin nur noch drei Wochen geblieben, bis der neue Trainer da war.

Danach bist Du zurück in die Heimat zum Wiener Sportclub gegangen.
Genau. Der Erich Hof hat mir die Rutsche Richtung Ingenieur Nouza gelegt. Ich bin damals im April direkt eingestiegen. Damals haben die vier Letzten der Bundesliga gegen die vier Ersten der 2. Division gespielt, und ich bin mit dem Sportklub aufgestiegen. Mit Krankl und Keglevits im Sturm. Und den Felix Gasselich und den Frenkie Schinkels habe ich damals geholt. Beim Frenkie habe ich mir eigentlich gedacht, dass er Österreicher ist. (lacht) Bei mir hat er aber nie gespielt, weil er sich den Meniskus beim Tennisspielen verletzt hat. Die Mannschaft war vorne sehr stark, hinten sehr schwach. Wir haben dann gerne einmal hoch, aber knapp verloren. 4:5 oder so. Eigentlich war alles in Ordnung, aber mit meinem Co-Trainer habe ich mich überhaupt nicht verstanden, weswegen wir uns dann bald im beiderseitigen Einverständnis getrennt haben. Dann wollte mich eigentlich der LASK haben, aber überraschenderweise bin ich dann zu Al-Ittihad nach Jeddah in Saudi Arabien gegangen. Dort hatte ich meinen größten Erfolg.

Bei den Scheichs hast Du 1988 den King's Cup gewonnen.
Ja! Am Anfang habe ich Bauchweh gehabt! Ich hatte nur einen Drei-Monate-Vertrag zu Beginn und anständig Federn. Aber die haben den Vertrag per Telefon minütlich aufgebessert, bis ich zugesagt habe. Meiner Frau habe ich gesagt, dass sie gar nicht mitzukommen braucht, weil ich ja nur mit drei Monaten spekuliert habe. Dann komme ich an, und mir sind fast die Augen herausgefallen! Die Stadien dort - bumm! Und erst die Infrastruktur für Spieler und Betreuer! (lacht) Beim Auswendiglernen der Spieler-Namen ist mir fast der Schädel zerplatzt! Das erste Spiel war ein 2:2. Okay. Aber dann haben wir die zwei wichtigsten Spiele gewonnen und die Fußball-Begeisterung dort war am überschäumen. Da hatte ich dann sofort einen Einjahres-Vertrag in der Tasche und habe gleich meine Freunde geholt. Den Didi Constantini als Co-Trainer, den Alfred Riedl als Trainer der U18 und den Karl Ritter als Trainer der U14. Danach sind wir zuerst ins Nationencup-Finale gekommen und haben dort gegen eine Mannschaft verloren, die Ernst Happel für ein Mörder-Gerstl trainieren hätte sollen. Damals war er aber schon krank und ist lieber zu Innsbruck gegangen. Das Finale haben wir als schlechtere Mannschaft in der Verlängerung verloren. Im Elferschießen hätten wir aber gute Karten gehabt, weil wir vorher schon zwei gewonnen hatten. Schade, denn das war quasi die Champions League im Nahen Osten. Das Ligacup-Finale haben wir auch knapp verloren. Mit Pech wieder. (lacht) Aber den King's Cup, der der wichtigste Bewerb von den dreien war, haben wir mit Glück 1:0 gewonnen. Da war der König anwesend. Das Tor war drei Meter abseits, aber so ist halt der Fußball! Der Didi hat mich dann daran erinnert, dass ich für einen Sieg bei einem Cup ein Auto versprochen bekommen habe. Ich wollte einen Mercedes 300 SE. Es war nur ein 260er SE da - den habe ich aber auch genommen. (lacht) Über 20 Jahre bin ich mit dem Auto gefahren!
Der nächste Vertrag, den ich mir alleine ausgehandelt habe, war dann noch besser dotiert. Die zehn Prozent Vermittlungsgebühr vom alten Vertrag habe ich natürlich weiterhin bezahlt. Das haben nicht alle gemacht. Ich habe von meinen Landsleuten aber nix genommen, weil ich ihnen gerne geholfen habe. Denn Jürgen Macho habe ich auch nach England vermittelt, andere auch. Einmal war es dann wieder umgekehrt. Da wollte mich der Sigi Held als Tormanntrainer nach Japan mitnehmen, aber das wollte ich nicht.

Als Tormanntrainer!?
Ja! Kein Problem, ich habe ja die Torleute in Bregenz und auch bei Rapid trainiert. Bei den Europacup-Matches von Rapid durfte man noch nicht wechseln. Deswegen bin ich in der Woche vor diesen Spielen immer vom Robert Körner als Goalmann trainiert worden. Mit zehn Jahren habe ich auch als Tormann angefangen und bin später noch oft beim Einschießen ins Tor gegangen.

Von Saudi Arabien ging es dann für zwei kurze Stationen zu Olympiakos Volos und Apollon Athen. War die Sehnsucht nach Griechenland oder die Nachfrage nach dem berühmten Meistertrainer so groß?
Beides. Zuerst bin ich zu Volos, aber nur für drei Monate. Ich bin gerade zu einem sportlich ungünstigen Zeitpunkt dort gewesen. Danach wollten sie mich wieder nach Saudi Arabien holen. Es ist aber nichts daraus geworden, weil ich schon bei Apollon im Wort gestanden bin. Später war ich dann auch bei Etnikos Athen, bevor es wieder zurück nach Österreich gegangen ist.

In Innsbruck hast Du 1992/93 den 5. Platz erreicht. Danach ging es für zwei Jahre zum LASK. Wie waren diese beiden Engagements?
Bei Wacker Innsbruck war ich der Co von Branko Elsner, der aber nach einem Bandscheiben-Vorfall im Winter aufhören musste. Ich hätte einen Vertrag gehabt und dort weitermachen können, aber der Präsident Steinlechner hat sich einen deutschen Trainer eingebildet. Das wollte ich dann nicht ausstreiten und bin freiwillig gegangen. Der Didi Constantini hat mich dann mit LASK-Präsident Jungbauer zusammengebracht. Ich hatte damals nur 14 Feldspieler in Linz, und trotzdem sind wir als Zweitliga-Meister in die 1. Division aufgestiegen! In der zweiten Saison sind wir Sechster geworden, nur acht Punkte hinter Meister Salzburg. Als ich beim LASK war, haben mich die Scheichs wieder in Wien gesucht, aber es ist letztlich nichts aus einem weiteren Engagement geworden.

Dann kam der Wechsel zu Omonia Nikosia, und nach ein paar Monaten auf Zypern bist Du zur Austria. Hattest Du bei Omonia Deine Mission erfüllt, oder war der Lockruf der Austria ausschlaggebend für den Wechsel nach Wien?
Bei Omonia war ich nur ein halbes Jahr, bin erst im Winter hingekommen. Eigentlich wollte ich danach wieder zurück nach Saudi Arabien. Bei einem Heimaturlaub hat mich aber der Pepi Argauer traktiert, dass ich zur Austria gehen soll. Eigentlich wollte ich dort etwas aufbauen, aber das war nicht möglich. Coordes hatte noch ein Budget von 96 Millionen Schilling, Hrubesch hatte 75 Millionen und ich nur mehr 50. Die Austria war wegen der vielen Jungen ein sicherer Abstiegskandidat, aber letztlich waren wir Fünfter, als ich gehen musste. Ich könnte mir noch heute in den Hintern beißen, dass ich nicht nach Saudi Arabien gegangen bin! Den Roberto Donadoni hätte ich gecoacht! Und erst das Geld…

Doppelt bitter auch, weil die Kündigung bei der Austria nicht gerade von der feinen Art war, oder?
Zwei Wochen, nachdem es geheißen hat, dass weiter mit mir geplant wird, sind wir nach Ried gefahren. Dort hatte ich gerade Spielerbesprechung in der Kabine, als das Telefon geläutet hat. Ich habe gesagt, dass ich erst später sprechen kann, aber der Präsident Rudolf Streicher musste mich anscheinend gleich kündigen. Eine Gemeinheit, dass man mir das nicht vorher oder zumindest nach dem Spiel gesagt hat!

Nach dieser Enttäuschung warst Du in St. Pölten, bei der Vienna und beim FC Mannswörth engagiert. Was sind die herausragenden Erinnerungen zu diesen drei Engagements?
In St. Pölten hatten wir Pech! Damals wurde von 16 auf zehn Mannschaften reduziert und wir waren der letzte, der siebente Absteiger. Damals haben wir in der Qualifikation verloren, weil meine besten Spieler im Elferschießen verschossen haben. Schade - wären wir oben geblieben, dann hätte der Pröll wahrscheinlich damals schon ein gescheites Stadion hingebaut. Und dass ich zur Vienna gegangen bin, hat seinen Ursprung in diesem Lokal, hier beim Frank! (zeigt Richtung Innenräume der Kellerei) Dort sind wir gesessen, und ich habe unterschrieben, weil sie mich in Wein "eintaucht" haben. (lacht) Und mit dem Obmann von Mannswörth bin ich vier Jahre lang in die Schule gegangen. Das war sozusagen ein Freundschaftsdienst, dass ich hier etwas gemacht habe, weil verdient habe ich kaum etwas.

Heute bist Du fixer Bestandteil des Rapid-Legendenklubs. Wie erlebst Du Rapid heutzutage?
Ich bin sehr oft im Stadion. Überhaupt sind von unserem Jahrgang die meisten Ex-Spieler anwesend - Flögel, Höltl, Grausam, Fak, Bjerregaard, Nuske und Walzer. Der "Funki" hat das mit dem Legendenklub sehr gut gemacht! Und auch von Präsident Edlinger bin ich positiv überrascht. Am Anfang habe ich mir gedacht, dass er sich als Politiker nur profilieren will, Schulden macht und wieder abhaut. Heute muss ich aber sagen: Hut ab! Jetzt wo Jelavic weg ist, muss man aber aufpassen. Irgendein Guter muss her, der die Tore machen kann. Hofmann ist natürlich ein Erlebnis. Er ist das Um und Auf von Rapid, sicher 30 Prozent der Mannschaft. Sogar, wenn es nicht gut läuft, rennt er und grätscht er. Ein Superbursch! Einer meiner Lieblinge war der Korkmaz. Den habe ich schon geliebt, bevor er bei Rapid zum Stammspieler geworden ist.
Während dem Spiel lebe ich mit! Wenn der Schiedsrichter schlecht pfeift, habe ich das Gefühl, dass ich noch immer auf der Bank sitze. (lacht) Was da oft zusammengepfiffen wird!


Interview vom 17.08.2010 (grela)


10 Fragen zum besseren Kennenlernen:
Deine Lieblings-Elf aller Zeiten?

Honved hat mir früher am besten gefallen. In England mag ich Arsenal am meisten. Und Barcelona ist zwar nicht meine Lieblingsmannschaft, aber ihr Spiel der letzten Jahre war phasenweise schon sehr beeindruckend! Jede Zeit hat ihre beste Mannschaft. Eine Mannschaft hervorzuheben, ist insofern schwierig.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Du je gespielt hast?
Camp Nou und Bernabeu! Obwohl ich auch im Wiener Stadion vor 90.000 Zuschauern gespielt habe. Und das Stadion in Belo Horizonte hat mich auch sehr beeindruckt.

Deine größte Niederlage am Fußball-Platz?
Die größte Niederlage war immer, wenn man von einem Klub weggehen hat müssen.

Rapid ist...
...einzigartig. Das gibt es in Österreich nur einmal! Was Rapid schafft, ist phänomenal. Rapid ist Rapid, etwas ganz Besonderes!

Dein Lieblings-Gericht?
Fondue.

Kottan oder Columbo?
Columbo. (lacht) Der ist so schrullig und wickelt alle ein!

Dein liebster Platz außerhalb von Österreich?
Las Palmas und Griechenland waren sehr schön! Aber am besten gefallen hat es mir in Bregenz. Wir haben am Hang oben gewohnt und direkt auf den See hinuntergeschaut. Ein Traum!

Wovor hast Du Angst?
Krankheiten, die die Familie betreffen.

Eine Marotte?
Ich habe Respekt vor Kanaldeckeln. Wenn ich einen sehe, dann weiche ich aus. (lacht) Ich hab' da schon Nebel oder ähnliches herauskommen gesehen. Das ist mir einfach unangenehm.

Welches Talent hättest Du gerne gehabt, hattest es aber nicht?
Bei aller Liebe zum Fußball - aber mich hätte es schon interessiert, wie weit ich es in einer Einzelsportart geschafft hätte. Beim Tennis oder Schwimmen. Ich war nämlich immer sehr ehrgeizig.

Der beste Spieler, gegen den Du je gespielt hast?
Ich habe gegen Eusebio, Müller und viele andere Klassespieler gespielt. Aber das größte Erlebnis war wahrscheinlich, gegen Puskas gespielt zu haben
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