Christian Stumpf im Gespräch
 

Interview vom 5. Oktober 2011 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

" Das Derby-Tor war ein Lottosechser!" ein meines Lebens"

Christian Stumpf wurde am 24. Dezember 1966 geboren, entwickelte sich aber nicht zu einem Engel, sondern zu einem „Büffel“. So wurde er bei Rapid genannt, wo der VOEST- bzw. Stahl-Linz-Kicker binnen kürzester Zeit zum Fan-Liebling avancierte und 28 seiner 164 Meisterschaftstore in einer Profiliga erzielte. In der Saison 1995/96 wurde der Vize-Torschützenkönig (15 Treffer) mit dem SCR Meister. Legendär sind aber vor allem seine Tore im Europacup, die den Rekordmeister in das Cupsieger-Finale 1996 und die Champions-League-Gruppenphase im selben Jahr gebracht haben. Nach drei Jahren bei Rapid, in denen der gebürtige Linzer nie schlechter als Zweiter war, folgten die Wanderjahre des kopfballstarken Angreifers, die ihn via Karlsruhe zum LASK, nach Pasching, wieder zum LASK, zum Wiener Sportklub und zu Austria Lustenau führten. Ab 2006 war Stumpf für drei Saisonen Co-Trainer beim LASK. Seit 2009 arbeitet er als Trainer des Viertligisten Union Edelweiß Linz. Damit ist Christian Stumpf bei seinen Wurzeln angelangt, denn bei diesem Verein hat er mit vier Jahren seine Fußball-Karriere begonnen.

Wer könnte geeigneter sein, ein Interview mit Christian Stumpf zu führen als ich? Immerhin bin ich im chinesischen Sternzeichen Büffel! Nicht einmal der „Büffel“ selbst ist das, sondern Pferd. Aber Spaß beiseite. Beim Vereinbaren des Interview-Termins beweist die Rapid-Legende Geduld. Schließlich treffen wir uns in Leonding bei den Tennisplätzen der Sport Union. Christian wartet bereits auf mich, durch einen schönen Zufall mit einer grün-weißen Adidas-Trainingsjacke bekleidet. Mit einem kühlen Bier starten wir in ein Interview, bei dem auf beiden Seiten des Tisches die Augen zu glänzen beginnen, als es um die sportlich erfolgreichste Zeit des „Bombers“, wie Christian in Linz genannt wird, geht...

Christian, Du bist bereits mit vier Jahren in einen Fußballverein eingetreten. War schon so früh klar, dass die Kickerei Deine absolute Leidenschaft ist?
Eigentlich schon. Ich und meine Freunde waren absolut fußballfanatisch! Wir haben bei jeder Gelegenheit gekickt, direkt nach dem Kindergarten war schon wieder der Ball im Mittelpunkt. Im Gegensatz zu Wien, wo in den Käfigen aus Kindern gute Fußballer geworden sind, hatten wir einen Rasen, auf dem wir dauernd gespielt haben. Fußball war immer präsent. Wobei es einen Punkt gab, an dem ich mich auch anders entscheiden hätte können – Skifahren ist mir nämlich auch ganz gut gelegen. Schlussendlich hat aber der Ball gegen die Brettln gewonnen. Schon als kleiner Bub war ich im Linzer Stadion, war ein eingefleischter VOEST-Fan. So wollte ich auch werden, obwohl man in diesem Alter noch keine Profi-Karriere vorhersagen kann. Aber es war damals schon klar, dass Fußball mein Leben ist und sein wird!

War der Angriff schon immer Deine Heimat?
Schon bei den Miniknaben war ich Stürmer. Ich habe mich nirgendwo anders gesehen als im Sturm und habe von kleinauf immer meine Tore gemacht. Meine größte Waffe war mein Schuss!

Auf Deiner Homepage habe ich ein Bild von Dir als Kind gesehen. Deine Beine waren trotz Deines zarten Alters schon beeindruckend trainiert. Warst Du ein derart fleißiger Trainierer oder hattest Du einfach perfekte körperliche Voraussetzungen?
Als Kind war ich eigentlich immer eher klein und pummelig. Ich habe sehr gerne gegessen. Vor allem im Sommer, wenn ich bei meiner Großmutter am Attersee war, wurde ich sehr von ihr verwöhnt. Sie war Köchin beim Wienerwald und hat ihr Geschäft zum Leidwesen meines Körpers gut verstanden! (lacht) Als bewegungsfreudiges Kind habe ich die überschüssigen Kilos aber schnell wieder verbrannt. Von meiner Physis und meiner Größe her hatte ich gegenüber meinen meisten Alterskollegen sicher einen kleinen Vorteil, aber wie bereits gesagt – mein Schuss war der größte Vorzug an meinem Spiel. Ich habe von überall draufgehalten und meistens ist der Ball im Netz eingeschlagen. Ich war nicht der beste Techniker, habe aber schöne „Kanonen“ abgefeuert! Was das Körperliche anbelangt: Ich hatte in meiner ganzen Karriere nur eine Zerrung, was schon sehr angenehm war.

Die Frage, ob Du schon damals eine Präferenz pro VOEST oder LASK hattest, hast Du ja bereits beantwortet...
Ja, ich war ein eingefleischter Blau-Weißer! Im Laufe meiner Karriere war ich dann allerdings zweimal als Spieler und einmal als Trainer beim LASK – im Beruf ist das einfach etwas anderes. Meine ersten Jahre im Profigeschäft war ich aber bei der VOEST und den „Folge-Klubs“. Heute drücke ich beiden Mannschaften die Daumen.

Du warst fast zwanzig Jahre alt, als Du von Union Edelweiß Linz zur VOEST gewechselt bist. Hast Du damals noch an eine Karriere als Profifußballer geglaubt?
Ich habe in der VOEST bis zur Lehrprüfung Schlosser ausgelernt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ab 16 Jahren das Fortgeh-Alter schon sehr genossen habe! Ich habe gerne etwas getrunken, war dauernd unterwegs und hatte in Linz den Ruf eines Lebemannes. Mädchen, Alkohol – ich habe damals einige Fehler gemacht, möchte diese Zeit aber nicht missen. Als viele hier schon gesagt haben, dass ich mein Talent verschleudere, habe ich doch noch die Kurve gekriegt. An erster Stelle ist der Abschluss im Beruf gestanden, aber ich habe das Profitum weiter angestrebt. Meine Eltern haben mich immer unterstützt und mir nicht dreingeredet, solange ich auch in puncto Arbeit am Ball geblieben bin.

Wie war es, sich bei einem Erstligaverein durchzusetzen? Du bist ja erst 1988, etwa drei Jahre nach Deinem Wechsel, Profi geworden.
Ich bin aus der Bezirksliga in Oberösterreich, das ist ungefähr die sechste Liga gewesen, zu meinem damaligen Traumverein gekommen. Von der Lehrwerkstätte aus hatten wir jede Woche einen Sporttag, wo ein paar VOEST-Kicker auf mich aufmerksam geworden sind. Im ersten Jahr, 1985 war das, habe ich in der U-21 gespielt, im zweiten Jahr bin ich dann bei den Profis gelandet. Zellhofer, Jürgen Werner, Fuchsbichler – mit diesen Größen zusammen zu spielen, hat mir ein mulmiges Gefühl beschert, ich war aber auch sehr stolz. Zuerst war ich Halbprofi. Als ich ausgelernt war, habe ich nämlich halbtags in der VOEST gearbeitet und erst am Nachmittagstraining teilgenommen. So habe ich auch die „andere“ Seite kennengelernt, ich hatte einen körperlich schweren und schmutzigen Beruf. Ich bin in der Lok-Werkstatt gestanden und habe Bremsendienst gehabt. Das war anstrengend und gefährlich. Damals habe ich beim Kicken Gas gegeben, weil ich nicht mein Leben lang da unten arbeiten wollte. Die 50- bis 55-Jährigen waren körperliche Wracks, und genau das wollte ich vermeiden! Gott sei Dank ist es dann aufgegangen. Heute werden schon die Jungen teilweise mit Geld zugeschüttet, was bei meinem Jahrgang nicht so extrem der Fall war. Diejenigen, die es geschafft haben, haben nicht schlecht verdient, aber alleine das „zu späte“ Bosman-Urteil hat mich jede Menge Geld gekostet. Ich bin niemanden etwas neidig, weil es uns auch nicht schlecht gegangen ist, aber nach der Schufterei am Abend zu trainieren und am Wochenende gibt's das Match – das waren schon noch andere Zeiten. Wer die Chance heutzutage allerdings nicht nutzt, ist dumm, denn aus meiner Sicht gibt es nichts Schöneres als Fußball-Profi zu sein.

1988/89 bist Du innerhalb kurzer Zeit auf 30 Liga-Spiele gekommen. Und obwohl Deine Torquote sehr gut war (zehn Treffer) , bist Du 1989/90 zu Flavia Solva verliehen worden. Warum eigentlich?
Damals ist Willy Kreuz bei uns Trainer geworden. Es war auch meine Schuld, dass ich wegen meines lockeren Lebenswandels mit ihm Probleme bekommen habe. Meine Form war damals auch nicht berauschend. So bin ich mit den Vereinsverantwortlichen übereingekommen, dass ich mich bei einem anderen Verein beweisen soll. Für mich war das ein großer Schritt, weil ich von zuhause ausgezogen und ohne Freunde und mein ganzes Umfeld in die Steiermark gegangen bin. Das war mein Karriere-Knackpunkt! Ich war komplett auf mich alleine gestellt und in der Südsteiermark weit weg vom Schuss. Dieses Jahr hat mich reifen lassen. Ich habe dort viele Tore gemacht, 14 waren es, soweit ich mich erinnere. Leider sind wir trotzdem abgestiegen und im letzten Spiel habe ich mir den Mittelfußknochen gebrochen. Das hat mich aber nicht bremsen können. Ich bin zwar mit einem Gips nach Linz zurückgekehrt, aber mein Weg ist ab jetzt ständig bergauf gegangen.

Warst Du jetzt beim FC Stahl Linz etabliert?
Ja! Meistens habe ich die Tore gemacht. Wenn das der Fall ist, wird man automatisch akzeptiert. (lacht)

1990/91 war Stahl Linz noch zweitklassig, eine Saison später gelang Dir bei Deinem zweiten Spiel gegen Rapid in der 86. Minute das Goldtor. Hat Dich dieses Erlebnis stark gepusht?
Das ganze Spiel war toll, das Stadion war auch voll, und ich habe einen guten Tag erwischt. Dass ich dann auch den Siegestreffer geköpfelt habe, hat in mir ein Riesengefühl ausgelöst. Gerade gegen den Michi Konsel, der ja später einer meiner besten Freunde werden sollte. In Linz hat nach dem Sieg gegen den Rekordmeister Hochstimmung geherrscht. Ich habe mir am nächsten Tag jede Zeitung gekauft und die Berichterstattungen genossen.

Zum Saisonende 1991/92 gelang Dir auch noch das Ehrentor bei einer 1:4-Niederlage im Hanappi Stadion. Und das in der 89. Minute. Die Rapid-Viertelstunde und Du – das war anscheinend schon eine gute Kombination, bevor Du in der grünweißen Dress getroffen hast...
Es könnte sein, dass es vorgekommen ist, dass ich hin und wieder ein Stunderl oder länger nur herumgestanden bin, (lacht) und wenn die Leute schon über mich geschimpft haben, habe ich dann oft doch noch meinen Riecher unter Beweis stellen können. Den hatte ich nämlich! Ich habe oft schon vorausgeahnt, wo es etwas für mich zu erben geben könnte. Das hat mich ausgezeichnet! An das angesprochene Spiel kann ich mich auch deswegen noch gut erinnern, weil es damals schon einen Kontakt zu Rapid gegeben hat. Aber es ist noch nichts daraus geworden...

Nachdem Du 1991/92 mit zwölf Toren bereits Vierter der Torschützenliste warst, langte es in der Folgesaison nur zu vier Liga-Treffern und Ihr seid abgestiegen. War das eine Folge der Konkurrenz (Peter Pacult) , einer Verletzung oder einfach eine schlechte Form?
Wir haben damals generell nicht gut gespielt. Mit Felix Latzke haben wir einen Trainer bekommen, der sehr eigenartige Trainings-Methoden gehabt hat. Er war ein typischer „Peitschenknaller“, was mir überhaupt nicht zugute gekommen ist. Ich hatte nie das Gefühl, dass er auf mich baut. Peter war bei ihm gesetzt, aber ich habe mich trotz der Konkurrenzsituation sehr gut mit ihm verstanden, auch privat. Es hat aus meiner Sicht damals das ganze Paket nicht gepasst. Solche Saisonen gibt es, und den Trainer kann man sich halt nicht aussuchen – so ist das im Profigeschäft.

1993/94 ging es für Dich im wahrsten Sinne aufwärts: Du hast Deinen Verein als Torschützenkönig von der Zweitklassigkeit in die Bundesliga geschossen, mit dem Höhepunkt Cup-Finale (0:4 vs Austria) . In der Saison darauf waren es zwölf Tore im Oberhaus, zwei davon wieder gegen Rapid. Deine Leistungen müssen ja aufgefallen sein. Ab wann gab es Anfragen von anderen Klubs?
Die Admira war einmal kurzzeitig ein Thema, Rapid – wie bereits gesagt– auch. Aber es war kein Angebot konkret genug. Außer im Sommer 1995, als ich zum Trainingslager der Salzburger nach Rust gefahren bin. Wir hatten gerade die Relegation gegen Ried verloren und sind abgestiegen. Und ich hatte mit meinen damals 27 Jahren endgültig die Nase voll, ständig zwischen der ersten und zweiten Liga hin und her zu pendeln. Mein Vertrag war gerade am Auslaufen und ich bin für drei Tage nach Rust zu Otto Baric und seiner Mannschaft gefahren. Ich habe aber von Haus aus gemerkt, das ich mich dort nicht wohl fühle. Es war die Glanzzeit von Salzburg und die ganzen Bombenkicker von damals waren dort – von Pfeifenberger über Feisersinger, Jurcevic, Artner bis hin zu Konrad und Konsorten. Bei einigen von ihnen bin ich nicht gut angekommen, weswegen ich auch meine Leistung nicht gebracht habe. Ich hatte ständig ein ungutes Gefühl. Bei der abschließenden Testpartie hat es sich zwischen mir und Tibor Jancula entschieden, wer genommen wird. Ich bin zur Halbzeit ausgetauscht worden, nachdem ich einige Chancen vergeben hatte. Ich bin gleich zu meinem Manager und habe ihm gesagt: „Komm, fahren wir heim. Ich weiß, dass sich das erledigt hat!“ Das war schlussendlich auch so. Also sind wir nach Linz, wo ich mit FC Linz-Trainer Heinz Hochhauser ausgemacht habe, dass ich bleibe. Ich habe einen für die zweite Liga sehr guten Vertrag ausgemacht, mir aber auch die Klausel hineinschreiben lassen, dass ich im Falle eines Top-Angebots problemlos gehen kann. Etwa drei Tage vor dem Bundesligastart hat mich dann Werner Kuhn angerufen. Ich sollte dringendst nach Wien kommen, weil man mit mir reden wolle. Ich bin ins Auto und habe meinen Manager, Jürgen Werner, angerufen. Heinz Hochhauser war bitterböse, aber das war mir egal. Als ich nach Wien unterwegs war, habe ich gewusst, dass ich unterschreiben werde. Ich habe es gewusst! Nach einer halben Stunde war der Vertrag tatsächlich unterschrieben und ich bin mit einem riesigen Glücksgefühl zurück nach Linz gefahren. Ernst Dokupil war bei den Verhandlungen zwar nicht dabei, aber ich habe mir versichern lassen, dass mich der Trainer unbedingt haben möchte. Da habe ich auch erfahren, dass Didi Kühbauer ein gutes Wort für mich eingelegt hat.

Du hast beim zweiten Spiel im Derby nach Deinem missglückten Debüt in Ried einen perfekten Heimeinstand gefeiert und gleich das Goldtor erzielt. Wie sehr hat dieser Einstand den abrupten Wechsel vereinfacht?
In Ried habe ich mir noch gedacht, dass es das ja nicht geben kann – ich wechsle zu Rapid und verliere schon wieder im Innviertel! Das kann es ja nicht sein! (lacht) Wenigstens war mein Einstand bei der Mannschaft ein guter. Ich bin privat mit dem Auto zur Ried-Partie gefahren und habe sofort gemerkt, dass ich mich bei meinen neuen Kollegen wohl fühle. Vor allem bei Didi und Zoki ist der Schmäh gerannt. „Was will der Bauer bei uns Wienern?“, so auf die Art. Ich hab‘ dem Didi aber gleich Contra gegeben und ihn daran erinnert, dass er ja auch kein waschechter Wiener ist. Es hat einfach gepasst, weil ich selbst auch nicht schüchtern und auf den Mund gefallen bin. Nach meiner Einwechslung in Ried, bin ich im Derby in der Startelf gestanden. Die Kulisse und dieses prestigeträchtige Duell haben mich schon beeindruckt. Als Gast im Hanappi-Stadion war man gleichermaßen eingeschüchtert wie fasziniert, und plötzlich habe ich selbst die grünweiße Dress angehabt! Nach dem Spiel habe ich gewusst, dass ich bei den Fans angekommen bin. Im Vorfeld haben die Leute nicht so recht gewusst, was man mit mir vorhat. Den klangvollen Namen hatte ich trotz meiner vielen Tore auch nicht, aber der Treffer im Derby war für mich wie ein Lottosechser! Mehr habe ich nicht mehr gebraucht! Und die Mannschaft hat auch gewusst, dass ein Goalgetter da ist. Was dann passiert ist, waren die schönsten Jahre meiner Karriere! Trotzdem es neben all den Höhen auch Tiefen gab. Wir waren eine super Einheit, und der Trainer hat ganz genau gewusst, wie er uns führen muss. Bier und Zigaretten – darüber hat er hinweggesehen, und wir haben es ihm am Feld zurückgezahlt.

Auch Carsten Jancker ist erst recht spät zur Mannschaft gestoßen. Wie war es um Euer Verhältnis bestellt?
Kompliment an Herrn Dokupil, weil er das Experiment des „Mittelstürmer-Doppels“ durchgezogen hat. Wir waren beide nicht die begnadeten Techniker, nicht wendig und schnell, aber wir haben gewusst, wo der Kasten steht. Funktioniert hat es letztlich aber vor allem wegen unserer Mitspieler. Carsten hatte kein leichtes erstes Halbjahr, er wurde fast schon verarscht. Aber beim Wintertrainingslager in Dubai habe ich gesehen, wie er sich von Tag zu Tag gesteigert hat. Ab diesem Zeitpunkt waren wir Zimmerpartner und haben uns privat auch sehr gut verstanden, bis heute. Das Wichtigste war aber, dass wir uns am Rasen nix neidig waren, jeder hat sich für den anderen gefreut, bei allem Ego, das ein Stürmer haben muss. Futterneid gab es bei uns in keinster Weise! Wir haben uns füreinander gefreut und deswegen harmoniert, wie es nur ganz selten der Fall ist. Dass es so gut funktionieren wird, hätte ich am Anfang aber auch nicht geglaubt.

Dann kam der 2. November und der Thriller von Sporting. Was hat dieses Match in Dir und der Mannschaft ausgelöst? Warst Du in der Form Deines Lebens?
In Lissabon haben wir Glück gehabt, weil wir ohne die Weltklasseleistung von Michi Konsel schwer unter die Räder gekommen wären. Wir sind dort an die Wand gespielt worden, aber nach dem frühen Tor von Didi im Happel-Stadion war plötzlich wieder alles offen. Das Spiel ist dann ein wenig hin- und hergeplätschert. Für uns war es schwer, weil Sporting eine sehr gute Mannschaft hatte. Zum Glück hat Trifon, wie so oft, die Eigeninitiative ergriffen, was sich ja in letzter Sekunde ausgezahlt hat. Mir ist die Ganslhaut am ganzen Körper gestanden, es war ein Gefühl, das schöner war als jeder Orgasmus! Mir ist soviel runtergefallen, als wir plötzlich die Verlängerung gepackt haben. Gleichzeitig ist das Adrenalin literweise durch mich geschossen. Die Müdigkeit war komplett weg, ich habe mich nur noch auf die zweimal 15 Minuten gefreut. Ich glaube, dass die ganze Mannschaft in diesem Moment gewusst hat, dass wir jetzt nicht mehr zu biegen sind. Und letztlich haben ich und Carsten tatsächlich noch die Tore zum Aufstieg gemacht. Wenn man soetwas nicht selbst erlebt hat, kann man sich gar nicht vorstellen, welcher Schub durch einen geht – unbeschreiblich, einzigartig! Durch die ganze Mannschaft ist in diesen Stunden ein Ruck gegangen, nicht nur in Hinblick auf die internationalen Spiele, sondern auch in puncto Meisterschaft. Plötzlich ist so viel von selbst gegangen. Wir waren im Großen und Ganzen immer die selben 12, 13 Spieler, keiner hat sich ernsthaft verletzt. Unsere Hochform hat sich von Spiel zu Spiel immer mehr aufgeschaukelt! Wir waren nicht hochnäsig, aber wir hatten eine extrem breite Brust und vor niemandem Angst. So schön kann Fußball sein! Und ja, ich selbst war in dieser Saison in der Form meines Lebens, teilweise von Spiel zu Spiel immer mehr. Ich war geistig und körperlich voll da. Ich war so geil auf jedes Match, am liebsten hätte ich andauernd vor 100.000 Menschen gespielt. Mich haben die tollsten Kulissen immer extra motiviert und niemals gehemmt. Wenn das Stadion beim Aufwärmen schon fast voll war, konnte ich es kaum mehr erwarten. Am liebsten hätte ich dem Schiri sein Pfeiferl in den Mund gesteckt, damit er endlich anpfeift! (lacht)

Knappe zwei Wochen später hast Du beim 3:5 in Nordirland Dein Debüt in der Nationalmannschaft gefeiert und gleich ein Tor geschossen. Im März 1996 hast Du auch beim 1:0-Sieg gegen die Schweiz gespielt, was aber gleichzeitig das Ende Deiner ÖFB-Karriere war. Was hat überwogen – die Freude, es ins Team geschafft zu haben, oder der Frust, dass dieses Vergnügen von relativ kurzer Dauer war?
Ich bin heute noch sehr stolz darauf, aber ich hätte den Adler schon gerne öfters auf meiner Brust getragen. Schon in Linz war ich immer bei den gefährlichsten Angreifern Österreichs mit dabei und hatte einen respektablen Torschnitt. Aber einerseits war die Konkurrenz mit Polster, Ogris und Konsorten riesengroß, andererseits hatte ich als Spieler außerhalb Wiens keine Lobby. Als ich bei Rapid Leistung gebracht habe, war ich plötzlich mit dabei – die Auslage Rapid war schon ein eklatanter Unterschied zur „Provinzbühne“. Nachtreten werde ich aber alleine deswegen nicht, weil ich den „Schneckerl“ sehr gerne mag. Für sein Vaterland spielen zu dürfen, das ist und war eine große Sache! Reinzukommen war vor 15 Jahren sicher schwerer als heutzutage. Aber was früher war, zählt heute nicht mehr! (lacht)

Fürs Protokoll erhebe ich Einspruch, auch wenn man das einfach Mal so stehen lassen kann. Kommen wir zu einem „Wegbegleiter“ Deiner Rapid-Zeit: Deine Kollegen haben den Spitznamen „Büffel“ kreiert, der Dich nie wieder losgelassen hat. Wie ist es genau dazu gekommen?
Das habe ich Andreas Heraf zu verdanken! (lacht) Wir haben auswärts in Fenerbahce trainiert und Hösche gespielt. Wir hatten viel Spaß und ich bin herumgerannt wie ein Irrer und habe dazu tierische Geräusche gemacht. „Der is ja wie a Büffel!“, hat Andi gemeint. Seitdem klebt dieser Spitzname an mir wie ein Kaugummi. Wenn ich in Wien bin und erkannt werde, sagen alle „Büffel“ zu mir und niemand Christian. Ich habe mich damit immer sehr gut identifizieren können. Es ist ja schließlich anerkennend gemeint und hoffentlich nicht, weil ich so ausschaue. (lacht)

Ist diese spaßige Lockerheit in der Mannschaft auch geblieben, als es immer mehr Richtung wichtige und entscheidende Spiele gegangen ist?
Hut ab vor dem Trainer! Herr Dokupil hat auch in dieser Situation eine Ruhe und Lockerheit ausgestrahlt, die ansteckend waren. Er hat keine tausend Pfeile auf die Tafel gezeichnet, aber er hat ganz genau gewusst, wie er unsere Stärken zum Vorschein bringen kann. Das zeichnet für mich einen guten Trainer aus. Bei mir ist es jetzt auch so, dass die Menschenkenntnis oft entscheidender ist als reine Taktik. Mir kann auch keiner in meiner Mannschaft etwas vormachen. Ich spreche viel mit den Spielern, genauso wie es Dokupil und „Funki“ Feurer gemacht haben. Das hat einfach gepasst, die Mischung war ausgezeichnet! Es war ein ständiges Nehmen und Geben. Ich mag „Dok“ heute noch sehr gerne!

Gegen Dynamo Moskau hast Du auswärts das Tor zum 1:0-Auswärtssieg geschossen. Nach dem 3:0 zuhause hast Du drei Liga-Spiele pausiert. Die Vermutung liegt nahe, dass Du verletzt warst?
Nein, ich habe bei einem Match in der Südstadt die rote Karte bekommen, weil ich mit dem Bacher eine Auseinandersetzung hatte. Er hat mich das ganze Spiel über gekratzt, gehalten und getreten, und irgendwann sind meine Nerven mit mir durchgegangen. Normalerweise habe ich mich in solchen Situationen immer recht gut unter Kontrolle gehabt, aber nicht an diesem Tag. Es ist 0:0 gestanden und wir haben uns eigentlich einen Sieg erwartet. Ich persönlich habe auch nicht gut gespielt und eine Riesenchance vergeigt. Irgendwann hat mir dann alles gereicht. Drei Spiele war ich dann gesperrt und es war ein Glück für mich, dass dazwischen Europacup-Matches am Programm gestanden sind.

Gegen Feyenoord ist es dann wieder wie am Schnürchen gelaufen. Wie hast Du diesen Spiel- und Torrausch im Heimspiel in Erinnerung?
Zur Vorgeschichte muss man sagen: Arie Haans Aussage mit dem „g'spitzten Kas“ haben wir natürlich auch gehört und gesehen. Das hat uns schon extra motiviert. Nach dem Ausscheiden war er kleinlaut, da hat man nichts mehr von ihm vernommen. Es war jedenfalls wieder so, dass wir in Rotterdam eine unschöne Packung bekommen hätten, wenn Michi nicht so mörderisch gut gehalten hätte. Dank seiner Weltklasse-Leistung hatten wir eine super Ausgangsposition und haben gewusst, dass wir nur mehr ein Spiel vom Finale entfernt waren. Ich bin rausgelaufen ins Oval, alles war grünweiß – es gibt nichts Schöneres! Als wir mit dem 3:0 in die Kabine gegangen sind, haben wir es selbst beinahe nicht fassen können. Einerseits waren wir das Gefühl schon gewohnt, andererseits war es schon ein Husarenstück, als österreichische Mannschaft in einem Europacup-Finale zu stehen. Unbeschreiblich, was uns in dieser Saison alles aufgegangen ist! In der Kabine ist nach dem Match die Post abgegangen, dass sich alles nur noch gebogen hat. Aber das war es, was uns ausgezeichnet hat – nach diesen ekstatischen Feiern haben wir drei Tage später den LASK zuhause mit 2:1 geschlagen, obwohl wir uns bis zu diesem Match nur vom Feiern erholen konnten, zwei Tage lang kaum geschlafen haben. Die beiden Tore hat uns Peter Guggi gemacht. Auch diejenigen, die nicht zum absoluten Stamm gehört haben, haben uns dann geholfen, wenn wir sie am dringendsten gebraucht haben. Darum sind wir später auch Meister geworden!

War die Mannschaft mit dem sensationellen Erreichen des Europacup-Finales zufrieden, oder war die Einstellung beim Endspiel perfekt?
Unsere Offensivmaschine hat in diesem Spiel gestottert, wir konnten nicht an die zuvor gezeigten Europacup-Leistungen anschließen. Die Stimmung, die unsere Fans gemacht haben, war Bussi, vom Feinsten! Aber wir selbst haben gehemmt gewirkt, haben vielleicht auch etwas Angst vor der absoluten Sensation gehabt. Ich persönlich wurde zur Halbzeit ausgetauscht und habe tatsächlich nicht gut gespielt. (ein Freund Christians kommt vorbei und begrüßt ihn mit „Servas, Bomber!“) Im Moment selbst war ich natürlich angefressen, aber nicht im Nachhinein. Wir haben einfach alle zusammen nicht das gebracht, was es braucht, um einen derart großen Titel zu gewinnen.

Im letzten Meisterschaftsdrittel hatte Rapid einige Stolperer, was den Punktevorsprung bedenklich schmelzen ließ. Dann das Titel-Finale gegen Sturm, und Christian Stumpf sitzt auf der Bank. Wie hast Du Dich da gefühlt? Und wie ist es Dir gegangen, als Du in der 87. Minute mit dem Ball im Sturm-Tor gelegen bist und der Meistertitel fixiert war?
Meine Form war gegen Ende der Saison nicht das Gelbe vom Ei. Ich habe selbst ganz gut einschätzen können, dass es mit einem Platz in der Startelf eng werden wird. Es war bitter für mich, vor 50.000 Menschen auf der Bank zu sitzen, und der Büffel in mir hat geschnaubt! (lacht) Aber letztlich ist es darum gegangen, dass wir den Meistersack zumachen – alles andere war absolute Nebensache. Ich wollte unbedingt den Teller in die Höhe halten, das war das Wichtigste. Als ich eingewechselt wurde und nach einem Pass von Didi für die Entscheidung gesorgt habe, war das natürlich ein Hochgefühl, wie ich es vorhin schon beschrieben habe. Ich habe mich vor allem auch für unsere Fans gefreut, die uns so sensationell unterstützt haben. In der Kabine haben wir Hannes Kartnig noch das eine oder andere Liedchen gesungen, was eine große Genugtuung war, nachdem er seinen Mund im Vorfeld so weit aufgerissen hat, dass man ein Auto darin hätte parken können.

Wenige Tage später hast Du Deine Freundin Petra geheiratet. Du musst ja beruflich und privat auf Wolke sieben geschwebt sein...
Meine Rückennummer war ja auch die 7! (lacht) Bei der Hochzeit waren viele Kollegen mit dabei. 1996 war für mich ein Traumjahr mit vielen Höhepunkten. Wenn ich noch die Lottozahlen gehabt hätte, wäre es perfekt gewesen.

Nach dieser Wahnsinns-Saison ist Carsten Jancker zu Bayern München gegangen, aber plötzlich waren mit René Wagner, Marek Penksa und Samuel Ipoua drei neue Stürmer im Rapid-Kader. Wie hat sich das auf Deine Situation und Dein Standing beim Trainer ausgewirkt?
Am Anfang war noch alles okay, aber als es bei mir nicht so rund gelaufen ist, hat René plötzlich einen Lauf bekommen und fast in jedem Spiel getroffen. Dass er spielt, war schon verständlich – so ehrlich und anerkennend muss man schon sein! Er hat eben eine Mörderform aufgerissen, war gesetzt und ist schließlich auch Schützenkönig geworden. Ich und Marek haben uns quasi abgewechselt, der Konkurrenzkampf war in jedem Fall größer als in der Saison zuvor. Dass es nicht so gut funktioniert hat, lag aber auch an mir selbst. Sechs Ligatore, davon drei im letzten Match – das war für mich und für Rapid zuwenig.

In der Champions League hast Du aber die erfolgreiche Qualifikation gegen Dynamo Kiew eingeleitet und in der Gruppenphase für einen Punkt gesorgt.
Das Tor gegen Dynamo und der Ausgleich zuhause gegen Fenerbahce waren Highlights für mich in dieser Saison. Wir hatten es aber allgemein als Mannschaft schwerer, es sind doch einige Spieler gegangen, bei anderen hat sich ein Wechsel abgezeichnet. Ich habe mich trotz aller Probleme nach wie vor sehr wohl bei Rapid gefühlt. Blöd war halt, wie wir im Liga-Finish die Titelverteidigung verpatzt haben.

Auch in der Saison 1997/98 gab es im Rapid-Angriff keine Konstanz, bei keinem der fünf Angreifer (Pürk wurde inzwischen verpflichtet) . War der zweite Vizemeistertitel in Serie für Dich insofern doppelt unbefriedigend?
Man weiß ja, was ein zweiter Platz in Hütteldorf zählt. Nüsse! Einserseits war es schade, dass wir aus diesem Potential nicht noch mehr Titel herausgeschlagen haben, andererseits waren inzwischen auch Konsel und Kühbauer im Ausland, was die anstehenden Aufgaben immer schwieriger hat erscheinen lassen. Für mich ist es gar nicht so schlecht gelaufen. In der Liga habe ich bis zur Winterpause siebenmal getroffen. Und als wir unseren UEFA-Cup-Auftritt in Rom gegen Lazio hatten, war es schon ziemlich konkret, dass ich im Winter zu Napoli gehe. Meine Tochter ist knapp davor auf die Welt gekommen und meine Frau und ich haben uns darüber hinaus in Wien immer sehr wohl gefühlt. Es war sehr schwer, sich zu entscheiden. Letztlich wäre ich aber gegangen, weil ich nicht mehr der Jüngste war und noch einmal richtig Geld verdienen hätte können. Michi Konsel wäre in Rom auch nur zwei Autostunden von mir entfernt gewesen und hätte mir mit seinen Kontakten helfen können. Gescheitert ist es letztlich an der Ablöse. Rapid wollte zehn Millionen Schilling haben, Napoli hätte fünf gleich gezahlt, fünf Millionen später, den zweiten Teil allerdings ohne Bankgarantie. Ich war nicht wirklich angefressen, als ich in den Flieger, der uns zum Trainingslager nach Dubai gebracht hat, gestiegen bin. Ich war mir ja selbst nicht sicher, hatte schon einen Bammel vor dem Chaos in Neapel mit all den Wechseln an der Vereinsspitze. Als Rapid dann am Saisonende auch noch Angelo Vier verpflichtet hat, habe ich aber gemerkt, dass man nicht mehr wirklich mit mir plant. Und so ist diese schöne Zeit bei Rapid zu Ende gegangen.

Zu Beginn der Saison 1998/99 bist Du zum Karlsruher SC in die zweite deutsche Bundesliga gewechselt. Am 4. Spieltag gelang Dir ein Tor beim 3:0 gegen St. Pauli, ansonsten bist Du vor allem von der Bank gekommen.
Ich hätte noch ein Jahr Vertrag gehabt, wollte mich aber verändern. So hat Rapid noch einmal Geld für mich bekommen und ich habe auch ganz gut verdient. Trotzdem – die Frage, ob dieser Wechsel für mich wirklich gescheit war, kann man im Nachhinein kaum mit einem „Ja“ beantworten. Nach sechs Runden hatten wir fünf Niederlagen am Konto und Trainer Jörg Berger musste gehen. Und sein Assistent, der zum Cheftrainer avanciert ist, war mit den von Berger geholten Leuten nicht so glücklich. Also bin ich im Frühjahr wieder zurück nach Österreich zum LASK gewechselt, obwohl ich noch eineinhalb Jahre Vertrag gehabt hätte.

Wie war es für Dich, mit einer anderen Mannschaft ins Hanappi-Stadion zurückzukehren? Und wie haben die VOEST-Fans reagiert?
Meine Rückkehr ins Hanappi-Stadion war gut. Eigentlich. Die Fans waren super und haben mich ganz toll empfangen. Mir hat es halt irrsinnig weh getan, dass ich im Mai 1999 im Cupsemifinale das entscheidende 2:0 gemacht habe. Ich konnte mich nicht wirklich freuen, schon gar nicht im Hanappi-Stadion. In diesem Spiel war ich noch dazu Ersatz und bitterböse, weil ich auf der Bank Platz nehmen musste. Sieben Minuten nach meiner Einwechslung habe ich getroffen – das war ein Gefühl zwischen Trauer und Freude. In Linz war der Enthusiasmus über meine Rückkehr etwas verhaltener. Die VOEST-Fans haben nicht akzeptiert, dass ich zum LASK gegangen bin, die LASK-Fans wollten mich auch nicht wirklich.

Mit dem angesprochenen Sieg gegen Rapid hat der LASK das Cup-Finale 1999 erreicht und gegen Sturm erst im Elfmeterschießen verloren. Was war Deine Rolle in diesem Spiel?
Ich habe in der Verlängerung den Matchball am Fuß gehabt. Aus zwei Metern habe ich den Ball nicht gescheit getroffen, Sidorczuk hätte keine Chance gehabt. Mit der Niederlage im Elferschießen war es dann ein weniger angenehmes Spiel. (lacht)

Nach dem LASK bist Du nach Pasching gegangen und hast dort sechs Tore geschossen und die Regionalliga-Meisterschaft gewonnen. Danach bist Du wieder zum LASK zurückgekehrt.
Trainer Zellhofer hat damals befunden, dass ich zu alt für seine Mannschaft bin und es körperlich nicht derblasen werde. Dass ich nicht mehr erwünscht bin, habe ich am Telefon erfahren. Kurios ist, dass ich in der darauffolgenden Saison Torschützenkönig geworden bin und Pasching deswegen aufgestiegen ist, weil ich ausgerechnet gegen sie einen Elfmeter verschossen habe. Wenn ich den getroffen hätte, wäre meine „Rache“ perfekt gewesen! (lacht)

Nach einer Saison in Linz bist Du zum Wiener Sportklub weitergezogen und wurdest dort als oftmaliger Torschütze gefeiert. Danach hat Dich Dein Weg nach Lustenau verschlagen, wo Du 16mal genetzt hast und auf dem zweiten Platz in der Tabelle gelandet bist. Du warst überall erfolgreich, bist aber ständig weitergezogen – warum?
Beim Wiener Sportklub hatte ich eine sehr schöne Zeit, abgesehen davon, dass ich wegen eines Bandscheibenvorfalls fünf Monate außer Gefecht war. Trotzdem habe ich gut gespielt und immerhin 14 Tore erzielt. Leider sind wir abgestiegen, weswegen ich den Verein gewechselt habe. Ich wäre gern in Dornbach geblieben und hätte mir auch darüber hinaus etwas vorstellen können, aber mit dem Abstieg hat sich das alles leider zerschlagen. Auch heuer im Sommer hat mich Sportklub-Präsident Udo Huber angerufen, ob ich nicht Trainer werden möchte. Wir sind letztlich nicht zusammengekommen, aber trotzdem verbinde ich mit diesem Verein sehr schöne Erinnerungen. Jedenfalls bin ich danach nach Vorarlberg gegangen. In Lustenau haben wir lange geführt, sind letztlich aber nur Zweiter geworden und haben den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Danach bin ich zurück nach Linz zum SK St. Magdalena, wo ich mir im ersten Spiel alle Bänder gerissen habe und meine Karriere beenden musste. Dass ich nach meiner Zeit bei Rapid recht wild herumgewechselt bin, hatte keinen besonderen Grund, sondern war ein Mix aus den verschiedensten Zufällen.

Von 2006 bis 2009 warst Du als Co-Trainer beim LASK engagiert. Hattest Du damals schon den Trainerschein in der Tasche?
Nein, den Schein für die A-Lizenz habe ich 2007 gemacht, als wir mit Karl Daxbacher aufgestiegen sind. Von ihm konnte ich sehr viel lernen und es war eine Freude, mit Karl zusammenzuarbeiten. Für mich ist er ein ganz feiner Mensch und super Trainer, was er ja auch jetzt bei der Austria beweist. Meiner Meinung nach ist er einer der besten Coaches in Österreich! Er ist ein väterlicher Typ, der mit den Jungen sehr gut kann.

Seit 2009 trainierst Du Union Edelweiß Linz, bist zu Deinen sportlichen Wurzeln zurückgekehrt. Wie geht es Dir und dem Verein? Und was sind Deine Ziele als Trainer?
Ja, ich bin wieder bei meinem Stammverein gelandet. In der ersten Saison sind wir Vizemeister in der Landesliga geworden. Im zweiten Jahr haben wir den Meistertitel geschafft und sind in die Oberösterreich-Liga aufgestiegen. Heuer sind wir als Aufsteiger Dritter, noch ungeschlagen und haben aus sieben Spielen 15 Punkte geholt. (am Spieltag nach dem Interview gewann die Stumpf-Mannschaft bei Grieskirchen mit 3:2 und ist weiter ungeschlagen) Ein Freund von mir ist Präsident des Vereins und ich arbeite auch bei ihm in der Firma. Er hat mir einfach ein sehr schönes Paket geschnürt und ich fühle mich sehr wohl mit meinen Aufgaben. Ich habe eine gute Mannschaft und mir wird ein sehr gutes und strukturiertes Umfeld ermöglicht. Der Aufwand ist nicht gerade gering, aber es macht Spaß, vor allem, weil ich eine gute Truppe mit ein paar super Burschen habe. Aktuell wollen wir uns in der Liga vorne etablieren, ein Aufstieg in die Regionalliga ist eigentlich nicht unser Ziel.

Für mich wäre es nicht unlogisch, wenn Du in der zweiten Liga irgendwann von BW Linz oder dem LASK verpflichtet werden würdest. Wie siehst Du das?
Reden kann man über alles. Es ist aber so, dass das Paket wirklich sehr gut passen müsste, damit ich meinen aktuellen Job aufgebe. Mein Freund ist Präsident meines Vereins und mein Chef in der Firma, in der ich arbeite – das passt einfach sehr gut! Da müsste schon ein Angebot daherkommen, das mich umhaut, und das wird es wohl eher nicht spielen in der zweiten Liga.

Dein Kontakt zu Rapid ist – soweit ich weiß – ein sehr guter, Du giltst in Hütteldorf zurecht als Legende. Wie oft bist Du noch bei Spielen des SCR dabei?
Kaum. Ich habe noch Kontakt zu Gaby Fröschl und dem Wolfi Frey, und Peter Schöttel und Raimund Hedl kenne ich aus unserer gemeinsamen Zeit. Auch meine Auftritte bei Legendentreffen oder –spielen haben nachgelassen. Im Dezember vergangenen Jahres bin ich an den Bandscheiben operiert worden und habe mich auch etwas schonen müssen. Aber natürlich verfolge ich den Weg von Rapid und werde in Zukunft sicher auch wieder das eine oder andere Spiel live mitverfolgen.

In welcher Form könntest Du Dir eine Rückkehr zu den Grünweißen vorstellen?
Zu Rapid geht man immer gerne zurück! Aber wie bereits gesagt – ich fühle mich hier sehr wohl und habe eine intensive Aufgabe, auch wenn wir mit unseren Zielen etwas bescheidener sind als in Hütteldorf. (lacht)

Wie bewertest Du, was bei Rapid in den letzten Monaten passiert?
Man muss dem jetzigen Team ein wenig Zeit geben. Mit Peter Schöttel, Carsten Jancker und Zoki Barisic sind ja auch drei Männer am Werken, mit denen mich viel verbindet, die viel für Rapid geleistet haben. Ob es heuer schon für die vorderen Plätze reicht, weiß ich nicht. Meiner Meinung nach sollte Rapid einen wirklich guten Spieler holen, das Geld müsste nach all den Erfolgen und Verkäufen der jüngeren Vergangenheit ja vorhanden sein. Im Herzen bin ich jedenfalls noch immer ein Grünweißer und drücke ihnen ganz fest die Daumen, dass sie möglichst schnell wieder den Teller in die Finger kriegen!

Interview vom 05.10.2011 (grela)


10 Fragen zum besseren Kennenlernen:

Deine Lieblings-Elf aller Zeiten?

Die Rapid-Mannschaft der Saison 1995/96, für mich gar keine Frage!

Das beeindruckendste Stadion, in dem Du je gespielt hast?
Old Trafford.

Deine größte Niederlage am Fußball-Platz?
Das Finale gegen Paris St. Germain.

Rapid ist...
... für mich nach wie vor der genialste Verein in Österreich, wegen den Fans, dem ganzen Umfeld. Auch wenn es abgedroschen klingt – Rapid ist eine Religion. Da kann Red Bull noch so viel Geld in den Fußball reinstecken, Rapid ist und bleibt Rapid!

Was fehlt in Deinem Kühlschrank nie?
(lacht) Weißwein und Bier!

Dein liebster Platz außerhalb von Österreich?
Italien gefällt mir schon sehr gut.

Wohin würdest Du schauen, wenn Du in der Zeit reisen könntest?
Ich würde mich gerne zu den schönsten Fleckerln dieser Erde beamen lassen, da gibt es dann sicher auch eine Zeitverschiebung. (lacht)

Eine Marotte?
Ich bin gerne vor dem Spiel aufs Klo gegangen, um eine zu rauchen. Vor sieben Jahren habe ich dieses Laster abgestreift.

Der beste Verteidiger, gegen den Du je gespielt hast?
Moreno Torricelli.

Der bedeutendste Sportler aller Zeiten?
(denkt lange nach) Er ist wahrscheinlich nicht der bedeutendste Sportler aller Zeiten, aber Gerd Müller hat mich als Kind schon immer fasziniert. Außerdem werde ich in Linz „Bomber“ genannt, und Müller war und ist in Deutschland der „Bomber der Nation“.