Heribert Weber im Gespräch
 

Interview vom 4. November 2010 mit freundlicher Genehmigung von forza-rapid.com

"Ich habe alle Rapid-Tugenden in mir vereint!" ein meines Lebens"

Heribert Weber ist als Rapidler einzigartig. Nur er, wirklich nur er, darf sich „Ehren-Kapitän“ des SK Rapid Wien nennen! Darüber hinaus war der am 28. Juni 1955 geborene Pölser nicht nur als Spieler, sondern auch als Trainer in Hütteldorf tätig. In puncto Bundesliga-Spielen ist Weber die absolute Nummer eins Österreichs – seine 573 Matches haben das Potential zur Ewigkeit. 315 Bundesliga-Auftritte absolvierte „Heri“ für Rapid und erzielte dabei 39 Tore. Auch dieser Wert wurde von keinem Defensiv-Mann im Rapid-Dress je erreicht. Der gelernte Buchdrucker schrieb mit dem SCR eine viele Seiten lange Erfolgs-Geschichte, die vier Meistertitel, vier Cupsiege und das Europacup-Finale 1985 beinhaltet. Für diese Erfolge wurde Weber mit den Wahlen zu „Österreichs Fußballer des Jahres 1987“ und ins „Rapid-Team des Jahrhunderts“ belohnt. Und das, obwohl der Rekordmann auch in Salzburg sehr erfolgreich war. Weber wurde zum Abschluss seiner Laufbahn Meister und erreichte sensationell die UEFA-Cup-Endspiele 1994. Auch als Trainer wurde er mit Salzburg 1997 Champion. Kein Wunder, dass Heribert Weber als Trainer nach Hütteldorf zurückkehrte. Ein Titel blieb dem ehrgeizigen Doppel-Vizemeister (1998 und 1999) aber verwehrt.

Ich vereinbare mit Heribert Weber ein Telefon-Interview, das ihm die Autofahrt nach Wien verkürzen soll. Dass der Kult-Libero privat zu einem Europa-League-Heimspiel seiner Rapid anreist, ist für den gebürtigen Steirer und Mitglied des Legendenklubs Ehrensache. Der einstige Vorzeige-Profi ist nach wie vor fit wie ein Turnschuh, auch wenn sein elegantes und makelloses Äußeres keinen Touch von Sportlichkeit besitzt. Am Ende des Interviews erfahre ich, warum Heribert Weber immer wie aus dem Ei gepellt auftritt. Schon viel früher wird mir klar, dass mein sympathischer Interview-Partner ein hervorragender und witziger Erzähler ist. Einer, der ehrlich über die Vergangenheit spricht, über Zufälle, Territorial-Kämpfe, Erfolge, Kulinarisches und vieles mehr. Heribert Weber nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Das hat er aber ohnehin noch nie getan!

Herr Weber, fahren Sie privat zum Spiel gegen ZSKA Sofia oder als Fußball-Experte?
Privat. Ich bin auch Mitglied im Legendenklub, der von „Funki" Feurer vor ein paar Jahren ins Leben gerufen worden ist. Eine Wahnsinns-Einrichtung! Ich weiß nicht, ob es das in Österreich noch einmal gibt. Jedenfalls profitieren nicht nur wir Rapid-Legenden davon, sondern die ganze Rapid-Familie.

Was für ein Spiel erwarten Sie für heute abend?

Einerseits ein schweres Match, weil ZSKA wahrscheinlich tiefer stehen wird als in Sofia. Aber ich erwarte mir von der Mannschaft, dass sie gewinnt und die Chance auf den Aufstieg am Leben hält. Aber es wird sicher nicht leicht.

War der Abgang von der Admira schmerzhaft?
Wir waren bis 13 Minuten vor Ende der letzten Saison Meister. Dann hat Schreter im Paschinger Waldstadion zweimal getroffen. Es war eine äußerst knappe Geschichte. Wie sehr das schmerzt, kann man sich ungefähr vorstellen. Die Zeit bei der Admira war sehr lehrreich für mich, weil ich nicht als Spieler oder Trainer, sondern als Sportlicher Leiter dort tätig war. Ich glaube schon, dass mir einiges gelungen ist! Friesenbichler und Sabitzer habe ich beispielsweise zum Verein geholt. Kühbauer, von dem ich sehr überzeugt war, auch. Der Verein kann mit den Sachen, die ich dort die letzten zwei Jahre gemacht habe, heute sehr gut leben! Die Trennung war ja auch eine Folge der wirtschaftlichen Lage, da die Firma Trenkwalder durch die Krise auch in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Den Sportlichen Leiter wollte oder konnte man sich nicht mehr leisten. Übrig bleibt, dass ich meinen Teil zum momentanen Erfolgslauf von Didi Kühbauer beigetragen habe.

Hat er das Zeug, sich als gefragter Profi-Trainer zu etablieren?
Der Anfang war ja mehr als großartig! 18 Siege und 2 Unentschieden in 20 Spielen, so etwas hat es das letzte Mal bei der Rapid in den Achtziger-Jahren unter Otto Baric gegeben. Als Trainer braucht man aber auch Glück, nicht nur Können. Die Klubwahl ist auch ein ganz entscheidender Faktor. Didi hat es gut erwischt. Ein paar der Spieler, die er bei den Amateuren ausgebildet hat, spielen jetzt schon in der Kampfmannschaft. Gemeinsam mit dem Stamm des letztjährigen Teams ergibt das eine gute Mischung. Mit Altach gibt es nur einen wirklichen Gegner, aber die Admira hat den besseren Kader. Natürlich drücke ich Didi und dem Verein die Daumen, dass sie den Aufstieg schaffen. Und damit meine Arbeit vollenden! (lacht)

Für welche Vereine bzw. welche Tätigkeit stehen Sie prinzipiell zur Verfügung?
Spezielle Vereine will ich gar nicht nennen. Aber in den nächsten Jahren werden nur mehr ausgewählte Engagements für mich in Frage kommen. Ich bin für alles offen, aber der Reiz muss vorhanden sein! Und die Vertrauensbasis, dass man mit mir plant…

Wie sind Sie als Kind zum Fußball gekommen?
(lacht) Der ist eigentlich viel mehr zu mir gekommen! Seit ich gehen kann, bin ich einem Fußball hinterhergelaufen. Für mich hat es nur das und Skifahren im Winter gegeben. Seit ich denken kann, hat der Fußball mein Leben bestimmt. Ich bin dann von Pöls nach Judenburg in die Obersteiermark gegangen.

Hat Ihr Herz damals für Sturm geschlagen?
Gar nicht! Ich komme aus einer Region der Steiermark, wo es sehr viele Rapid-Fans gibt. Ausgelöst durch die großartigen Spiele in den Sechziger-Jahren, wo keine andere Mannschaft so oft im Fernsehen zu sehen war. Egal, ob Bjerregaard, Glechner, Flögel oder Skocik – das waren alles Namen, die man sich gemerkt und denen man nachgeeifert hat. Die Leistungen dieser Spieler wollte ich erreichen. Und Rapid war für mich schon immer die Mannschaft in Österreich!

Wie sind Sie letztlich von Sturm entdeckt worden?
Das ist eine ganz eigenartige Geschichte! Ich bin sechs Jahre ins Gymnasium gegangen, habe abgebrochen und danach eine Buchdrucker-Lehre begonnen. Ich bin damals wöchentlich in die Berufsschule nach Graz gefahren. Mein Lehrer war im Vorstand von Sturm und hat eine Buchdrucker-Mannschaft zusammengestellt. (lacht) Und aus dieser Mannschaft ist der Heri Weber herausgekommen. Wir haben ein U-20-Spiel gegen Sturm organisiert bekommen und ich habe beim 3:5 alle drei Tore geschossen! Das hat Karl Schlechta, ein Wiener, der damals Sturm trainiert hat, gesehen. Das war's! Er hat gesagt – „den Burschen will ich haben". Ich bin von Judenburg nach Graz gezogen und habe vier Monate später in der Kampfmannschaft debütiert. Unglaublich! Mein Ziel war es immer, Fußball-Profi zu werden. Aber mit 18 Jahren habe ich nicht mehr richtig daran geglaubt. Die ganzen Fußballcamps und andere Einrichtungen zur Sichtung und Förderung von Talenten – das hat es damals ja alles nicht gegeben.

Kurz nach Ihrem Debüt schossen Sie am 09. April 1974 gegen Rapid das Goldtor, damals noch als offensiver Mittelfeld-Spieler. Wie sehr hat diese Prägung Ihre spätere Tor-Gefährlichkeit beeinflusst?
Ich war sogar Mittelstürmer! Damals bei meinen drei Toren gegen die U20 und auch danach bei Sturm. Gegen Rapid habe ich zum ersten Mal von Beginn weg gespielt und gleich das entscheidende Kopfballtor gemacht! Aber meine Vergangenheit als Angreifer hat meine Arbeit als Verteidiger nicht nur in puncto Torgefährlichkeit beeinflusst. Ich konnte dadurch auch besser antizipieren. Die Sachen, die mein Gegenüber machen wollte, habe ich quasi in mir drin gehabt, ich konnte Situationen sehr gut vorausahnen. Meine Reaktionszeit war einfach sehr gut. Und vorne war ich sowieso in meinem Element! Es hat nicht allen gepasst, dass ich so oft in die Spitze gegangen bin, aber im Training war ich diesbezüglich nicht zu halten. (lacht) Manche sagen noch heute, dass mein Spiel zu offensiv war!

Nach der WM in Argentinien, bei der Sie zu drei Kurz-Einsätzen in den Vorrunden-Spielen kamen, wechselten Sie als 23Jähriger zu Rapid. Wie enttäuscht waren Sie, als bald nach Ihrer Ankunft in Hütteldorf verjüngt und verbilligt werden musste und Ihr ehemaliger Sturm-Trainer, Karl Schlechta, das Opfer von Intrigen wurde?
Es war eine schwierige Zeit damals. Ich bin von einem Klub mit sehr viel Nestwärme gekommen, habe von Pichler oder Jurtin gelernt. Bei Rapid haben die Leute mehr auf sich selbst geschaut. Mit Hans Krankl hatte gerade das große Idol den Klub Richtung Barcelona verlassen. Das hat das Unterfangen von Haus aus erschwert. Wir waren nicht schlecht, haben immer oben mitgespielt. Aber es war weniger, als man bei Rapid fordert. Und das war wiederum mehr, als man in dieser Situation verlangen konnte.
Der Abschied von Karl Schlechta tut mir im Nachhinein noch sehr leid. Das passierte alles aus Gründen, die ich heute noch nicht nachvollziehen kann. Andererseits war die damalige Verjüngung, war der Neuaufbau für den Verein Goldes wert. Weil sich aus dieser jungen Mannschaft einige sehr gute Spieler herausgebildet haben. Ich denke da an Kienast, Keglevits, Garger, Willfurth oder Pregesbauer. Damals wurde der Stamm der erfolgreichen Mannschaft der Achtziger-Jahre geformt. Für Feurer, Persidis, Krejcirik und mich war es eine große Herausforderung, der Truppe Stabilität zu geben. Wir waren damals nicht weit davon entfernt, abstiegsgefährdet zu sein. Mich hat es sehr geprägt, schon in so jungen Jahren eine derart große Verantwortung zu tragen. Ich musste mich einfach noch mehr einbringen, um mit der Mannschaft Erfolg zu haben.

Waren Sie eigentlich damit einverstanden, als Sie zum Persidis-Nachfolger als Libero umfunktioniert wurden?
Sehr! Abgesehen davon, dass ich auch gerne Stürmer gespielt habe, war immer schon Libero meine Lieblingsposition. Ich könnte mir auch heute gut vorstellen, Innenverteidiger zu spielen. Als Libero hatte ich allerdings immer die Freiheit, mit nach vorne zu gehen. Meine Schnelligkeit hat hinten viele Angriffe des Gegners im Keim erstickt. Mit Lochpasses hat man damals gegen Rapid jedenfalls wenig Erfolg gehabt. (lacht) Lainer, Krauss, Garger, Pregesbauer, Brauneder, ich – wir waren damals schon eine verdammt gute Verteidigung!
Als dann Hans Krankl und Antonin Panenka zur Mannschaft stießen, konnten sich die jungen Spieler im Schatten dieser Routiniers voll entfalten. Der Druck, den diese großen Namen auf sich zogen, machte das optimale Heranreifen der Talente erst möglich.

Als Hans Krankl zu Rapid zurückkehrte, löste er Sie als Kapitän ab. Kurz darauf wurden Sie zum Ehren-Kapitän ernannt. War das eine Art Wiedergutmachung, ein Zuckerl zum Weiterverbleib in Hütteldorf, oder einfach nur ein einzigartiger Moment für einen besonderen Spieler?
Damals habe ich es nicht so richtig verstanden, immerhin war ich schon drei, vier Jahre bei Rapid. Die Wertigkeit dieser Auszeichnung, die mir das Präsidium entgegengebracht hat, war mir nicht bewusst. Heute bin ich sehr stolz darauf, gerade, weil ich ein Steirer bin! Ich bin schon oft nach dem Warum für diese Ehrung gefragt worden. Ich glaube, dass sich in meinem Fall alles in einer Person vermischt hat, was einen Rapid-Spieler ausmacht. Der Einsatz, die Kampfstärke, die Bereitschaft, alles für die Mannschaft zu geben, das Spielerische – ich habe viele Dinge in mir vereint, die für den Klub typisch sind. Insofern bin ich sehr glücklich darüber, der einzige Ehren-Kapitän Rapids zu sein!

Sie galten nicht als Diplomat – immer wieder soll es zu atmosphärischen Störungen mit Hans Krankl und Funktionären gekommen sein.
Das stimmt auch. Ein Stürmer wie der Hans wurde immer an seinen Toren gemessen. Und so hat er geschaut, dass er zu möglichst vielen Torchancen kommt. Für mich war immer der gesamte Erfolg das Wesentliche. Mich hat es nicht glücklich gemacht, wenn wir 2:3 verloren haben und der Hans hat zwei Tore geschossen. Mir war ein 2:0 mit x-beliebigen Torschützen viel lieber! Vor seiner Zeit in Barcelona hat der Torschützenkönig dreimal Hans Krankl geheißen, Rapid war aber nie Meister. Nach seiner Rückkehr war er es „nur" einmal, aber wir sind von Erfolg zu Erfolg geeilt. Weil wir andere Top-Stürmer wie Kranjcar, Pacult oder Keglevits gehabt haben. Die Aufgabe des Toreschießens hat sich auf ganz viele Schultern verteilt. In den Siebzigern war es so, dass Rapid zumeist verloren hat, wenn Hans Krankl nicht getroffen hat. Das war in den Achtzigern nicht mehr so.

Gab es bei Rapid damals vielleicht sogar zu viele Stars, Alpha-Tiere und Anführer?
Wir waren keine einfachen Typen und es hat mit Sicherheit genügend Streitereien gegeben. Aber letztlich – und das war das Wesentliche – waren wir uns gegenseitig enorm behilflich. Wenn ich gefoult worden bin, war Hans der Erste, der da war. Und wenn der Hans gefoult worden ist, war es umgekehrt. Wir waren vielleicht nicht die besten Freunde, aber auf dem Platz waren wir 100%ige Profis. Diese Reibung, Aggressivität und Polarisierung, die da waren, haben uns wahrscheinlich dazu getrieben, dem anderen zu beweisen, wie gut man ist. (lacht) Oder, dass man der Bessere ist, von mir aus…
Ich habe vor Jahren einmal mit Säumel, Salmutter und Ertl ein Gespräch in Graz gehabt. Sie haben mir erzählt, dass sie sich wegen ihrer jahrelangen Freundschaft in Krisenzeiten nicht gegenseitig kritisieren können. Das erschwert natürlich die Bewältigung einer Krise. Bei uns war das Ausleben der Reibungspunkte ganz wichtig, weil es die notwendige Emotion und Aggressivität gebracht hat. Apathie oder Lethargie konnten da nie aufkommen.

Wie haben Sie das „Meisterschafts-Finalspiel" 1982 gegen Wacker Innsbruck miterlebt, als 25.000 Menschen im Hanappi Stadion waren und Rapid erstmals nach 14 Jahren Meister wurde?

Ich kann mich noch ganz genau an dieses Spiel erinnern. Es war ein überragendes Match von uns mit Traumtoren! Die Leistung war sensationell und die Stimmung sowieso. Die Fans waren nach der langen Durststrecke richtig ausgehungert, und so gesehen war es doppelt schön, ihnen den Meistertitel schenken zu können. Manchmal braucht es in Zeiten des Misserfolgs Geduld, um danach wieder erfolgreich sein zu können.

Sie waren 1982 Meister, schieden im UEFA Cup erst im Viertelfinale gegen Real Madrid aus. 1983 folgte das Double und im Europacup der Landesmeister der Einzug ins Achtelfinale. Und 1984 gewann Rapid den Cup und scheiterte in der Meisterschaft nur an der Tor-Differenz. Im EC der Landesmeister ging es sogar bis ins Viertelfinale. Der überragende Erfolg im Pokalsieger-Bewerb 1985 kündigte sich über die Jahre hinweg an, oder?
Ich bin im Nachhinein noch immer enttäuscht, dass wir den Europacup nicht gewonnen haben. Die Qualität der Mannschaft war enorm, aber nicht nur in der Europacup-Saison 1984/85, sondern viele Jahre hindurch. Wir haben uns nicht vor sehr vielen Mannschaften in Europa fürchten müssen. Nicht vor dem Läuferischen, nicht vor dem Kämpferischen, und schon gar nicht vor dem Spielerischen!
Im Finale 1985 hatte ich das Gefühl, dass viele Spieler schon mit dem Erreichen des Endspiels zufrieden waren. Zudem ist uns mit Panenka, Willfurth und Brucic fast das gesamte Mittelfeld ausgefallen. Wir hätten gewinnen können! Aber der Ehrgeiz war bei einigen wahrscheinlich zu gering, und die Tore, die wir bekommen haben, waren blöd.

Mit Rapid hatten Sie elf internationale Auswärts-Spiele mit 30.000 oder mehr Zuschauern. Herausragend war das Duell mit Dynamo Kiew im EC der Cupsieger 1986, als Sie vor 104.000 Fans antreten durften. Hatte die klare 1:5-Niederlage mit dieser gigantischen Kulisse zu tun?
Überhaupt nicht! Wir haben ja vor qualitativ viel hochwertigeren Fan-Massen bestehen können. In Russland war die Atmosphäre außerdem nicht so großartig, dass sie uns eingeschüchtert hätte. Aber der berühmte Trainer Walerij Lobanowskyj war damals nicht nur Trainer von Kiew, sondern auch des Nationalteams der UdSSR – beide Mannschaften waren praktisch ident! Bei Dynamo Kiew haben damals die besten Kicker der gesamten Sowjetunion gespielt. Kusnetsow, Demjanenko, Bessonow, Belanow, Rats, Blochin – das waren alle Stars, die 1986 den Europacup gewonnen haben, nachdem sie uns rausgeworfen hatten, und großteils beim Vize-Europameister-Team von 1988 dabei waren. Beim Hinspiel im Hanappi-Stadion haben wir zweimal an die Stange geschossen und letztlich mit 1:4 verloren (Anm.: vier Tore innerhalb von 17 Minuten) . In Kiew haben wir eigentlich auch gut gespielt. Ein Tor war aber symptomatisch für unsere unglücklichen Auftritte. (lacht) Brauneder wollte den Ball wegschießen und hat dabei den Michi Konsel am Kopf getroffen – Eigentor! Wir sind mit dem Gesamtscore von 2:9 ausgeschieden. Das klingt aber viel wilder, als es war! Wer die Spiele gesehen hat, der weiß, dass wir einerseits viel Pech hatten und andererseits gegen die damals vielleicht beste Vereinsmannschaft Europas antreten mussten.

Nach zwei weiteren Meistertiteln und einem vierten Platz verließen Sie Rapid und gingen als aktueller Rapid-Kapitän nach Salzburg. Was waren die ausschlaggebenden Gründe? Auch ein wenig, dass Hans Krankl als neuer Trainer kam?
(lacht) Nein! Ich hatte damals einfach das Gefühl, dass meine Zeit bei Rapid zu Ende geht. Es ist wieder etwas Neues im Entstehen gewesen, und ich wollte dem einen oder anderen jungen Spieler, wie Schöttel oder Pecl, nicht im Weg stehen. Zu Beginn meiner letzten Saison war ich 33 Jahre alt und mir war von Anfang an klar, dass es mein letztes Jahr bei Rapid sein würde. Unabhängig von der Platzierung, die am Ende der Saison herausschauen würde. Trotzdem war der vierte Platz nach all den erfolgreichen Jahren bitter. Als mein Abschied schon etwas länger feststand, war noch überhaupt nicht abzusehen, dass der Hans Trainer bei Rapid werden würde. Damit hatte es also auch nichts zu tun. Aber ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sich Hans Krankl damals einen Heribert Weber in der Mannschaft gewünscht hätte. Auch wenn ich das nur schwer beurteilen kann, weil es ja nie in Frage gekommen ist. Ich habe ihm aber schon ein paarmal gesagt, dass, wenn er mich zum Bleiben überredet hätte, Rapid Meister geworden wäre. Das war ja mit Fjörtoft, Herzog und anderen Spielern eine gute Mannschaft! Seine Probleme hatte Hans mit der Defensive. Aber wie auch immer! (lacht)

Nachdem Sie bereits bei Rapid zweimal unter Otto Baric trainiert hatten, trafen Sie in Salzburg wieder auf „Otto Maximale". War er der wichtigste Trainer Ihrer Laufbahn?
Ich muss dazu sagen, dass ich Otto Baric nach einigen Gesprächen mit Präsident Rudi Quehenberger nach Salzburg geholt und diese Trainerfrage mitentschieden habe. Ich wusste einfach, dass er nach Salzburg passt, der Mannschaft den letzten Kick Richtung Erfolg bringen würde. Die Mannschaft war sehr talentiert, hat aber einen Trainer gebraucht, der ihr vermittelt, dass sie Meister werden kann. Zweimal wurden wir Vizemeister, punktgleich hinter der Austria. Aber letztlich hat es dann ja doch geklappt. Und Otto Baric hatte einen großen Anteil daran. Seine große Stärke war, dass er jedes einzelne Match sehr ernst genommen hat und jedem einzelnen Spieler das Gefühl gegeben hat, dass er dazugehört.

Gibt es eine Anekdote, die den kroatischen Star-Coach gut beschreibt?

Ich könnte hunderte von ihm erzählen! Otto Baric war einer, der nie eine Ruhe gegeben hat. Er hat zu allen Spielern und zu jedem Thema immer etwas zu sagen gewusst. Einerseits war das gut, weil er ständig präsent war, andererseits hat er kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen. Einmal waren wir mit Rapid in Kuwait eingeladen und haben dort zwei freundschaftliche Spiele gegen das kuwaitische Nationalteam bestritten. Trainer war dort Miljan Miljanic, der auch Real Madrid, Valencia und das jugoslawische Nationalteam betreut hat. Nach dem ersten Spiel, das wir gewonnen haben, ist Baric zu mir gekommen und hat mich gebeten, dass ich die Spieler für ihn bis halb elf Uhr einfangen soll, weil er eine Einladung im Haus seines Freundes Miljanic habe. Ich habe seine Aufgabe natürlich übernommen. Am nächsten Morgen beim Frühstück war er völlig zerstört. Ich habe nachgefragt, was los ist, und er hat kopschüttelnd gesagt: „Weißt du, Heri, habe ich viele, große Bledsinn gemacht. War ich in Wohnzimmer mit Milan, kommt Frau mit Tablett hinein. Sage ich: ‚Ah, Milan, ist deine Mutter auch hier!‘ Aber Milan sagt: ‚Ist nicht meine Mutter, ist meine Frau!‘" (lacht) Der Trainer hat weiter zu mir gesagt: „Weißt du, Heri, war ganze Abend kaputt! Bin ich nicht lange geblieben." So war er damals!

Mit Austria Salzburg erlebten Sie einen zweiten Frühling. In Ihrer allerletzten Saison als Spieler 1993/94 schafften Sie dann den ersten Meistertitel der Vereins-Geschichte und scheiterten sensationellerweise erst im Finale des UEFA Cups. Die Krönung einer sensationellen Karriere?
Ich habe von den Burschen verlangt, dass wir uns besser verkaufen, als ich es neun Jahre zuvor mit Rapid erlebt hatte. Und das ist uns tatsächlich gelungen, bloß hatten wir just in den Finalspielen gegen Inter Mailand nicht mehr dieses Quentchen Glück, das uns bis dahin begleitet hat. Und so sind wir als bessere Mannschaft nicht UEFA-Cup-Sieger geworden. Wir waren in beiden Spielen über weite Strecken überlegen, haben uns also nichts vorzuwerfen. Und das gegen eine Startruppe mit Zenga, Bergomi, Berti, Sosa, Bergkamp und anderen Klassespielern. Mit ein wenig Glück hätten wir die Sensation geschafft!

Der Lohn für Ihre „Landes-Treue" war und ist der Rekord als Bundesliga-Spieler mit den meisten Einsätzen. Was waren die ausschlaggebenden Gründe für diese Ausnahme-Leistung?

Als ich nach Salzburg gegangen bin, war mein Plan, dass ich zwei Jahre dabei mithelfe, etwas aufzubauen und mit der Mannschaft den Abstieg zu verhindern. Auf einmal war dieser unglaubliche Höhenflug da, der für meine Motivation und meine Emotionen Goldes wert war! Dass die Mannschaft Jahr für Jahr stärker geworden ist, mit mir und durch mich, hat mich angespornt. Außerdem haben die Spieler auf mich gehört und mir das Gefühl der Wertschätzung gegeben, das ein Führungsspieler braucht. Erst so war es möglich, dass ich solange auf diesem hohen Niveau Fußball spielen konnte. Wobei ich dann mit meinen 39 Jahren keinen Monat mehr länger hätte spielen wollen!

Ehrlich – haben Sie Michael Baur in den letzten Monaten seiner Karriere mitverfolgt, weil er Ihnen als einziger Spieler den Rekord an Bundesliga-Einsätzen streitig hätte machen können?

Ich sage immer, dass Rekorde dazu da sind, um irgendwann gebrochen zu werden. Irgendwann wird einer daherkommen und diese Marke übertreffen. Dieser Mann wird aber sehr gut auf sich schauen müssen und auch die Körper-Gene dazu haben müssen, um so lange und fast verletzungsfrei spielen zu können. Und man darf die Freude nicht verlieren! Bei mir war der Spaß so groß, am Platz zu stehen, dass ich eigentlich nie aufgegeben habe.

Sind Sie ein wenig wehmütig, weil Sie als Spieler nie ins Ausland gegangen sind? Es muss doch Angebote gegeben haben!
Hat es auch! Es war damals aber wegen der Legionärsbeschränkungen viel schwerer, bei einem richtig guten Verein unterzukommen. Und nachdem ich mit Rapid auch international so erfolgreich war, wären da wirklich nur mehr absolute Top-Vereine im Ausland für mich in Frage gekommen. Von Anfragen habe ich immer erst im Nachhinein erfahren. Rapid wollte mich nicht hergeben. Außerdem hat man damals, auch wenn der Vertrag gerade ausgelaufen ist, noch immer dem Verein gehört. (lacht) Vielleicht haben sie mich damals ja auch mit dem Hintergedanken zum Ehrenkapitän gemacht, dass mir ein Abschied so noch schwerer fallen würde.

Und welche Vereine hatten Interesse?
Monaco, Kaiserslautern, HSV, Verona und sogar Real Madrid, nachdem wir gegen sie 1981 nur knapp ausgeschieden sind. Es hat schon einige Anfragen gegeben, die allerdings immer abgeschmettert worden sind. Ich habe davon immer erst erfahren, als es auch schon wieder vorbei war. Mir war das damals völlig egal, weil ich mich bei Rapid so wohl gefühlt habe. Heute muss ich sagen, dass die Wertschätzung jener österreichischen Spieler, die bei einem großen Verein im Ausland gespielt haben, viel größer ist. Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, weil wir uns mit Rapid international mit jeder Mannschaft messen haben können.

Im ÖFB-Team kamen Sie auf 68 Einsätze. Der letzte war aber kein freiwilliger Abschied, sondern passierte nach einem Zerwürfnis mit Teamchef Josef Hickersberger. Sie hatten gerade in der Türkei mit 0:3 verloren und das legendäre Spiel gegen die DDR wartete. In Italien wären Sie als erster Österreicher auf eine dritte WM-Teilnahme gekommen. War das die Revanche von „Hicke" dafür, dass Sie ihm als Spieler seinen Platz im Nationalteam abluchsten?
Nein, ganz so war es nicht! Aber darüber, dass ich deswegen nicht der erste Österreicher war, der bei drei Weltmeisterschaften mit dabei war, denke ich auch erst jetzt im Nachhinein nach! (lacht) Ich habe noch gemeinsam mit dem Pepi den ersten Meistertitel mit Rapid geholt. Als Routinier hat er uns sehr helfen können. Privat habe ich mit ihm immer ein super Verhältnis gehabt. Er hat mich damals, nachdem ich nach meinem 50. Länderspiel meine Teamkarriere eigentlich schon beendet hatte, zum Weitermachen überredet. In der speziellen Situation vor dem DDR-Spiel waren wir beide, glaube ich, einfach zu stur. In der Türkei hat die ganze Mannschaft sehr schlecht gespielt, auch ich. Eine Woche vor dem DDR-Match hatte ich dann eine Zahnoperation und am Wochenende vor dem Spiel ganz leichtes Fieber. Daraufhin wollte mich Pepi nicht einsetzen. Ich habe mich aber voll fit gefühlt und dem Trainer auch gesagt, dass ich mit 34 Jahren selbst ganz genau weiß, ob ich spielen kann oder nicht. Auf die Bank wollte ich mich nicht setzen lassen, weil ich, wenn ich für die Reservebank fit genug war, auch gleich beginnen hätte können. Das hat sich dann aufgeschaukelt und es ist zu keinem Gespräch mehr darüber gekommen. Im Februar hat Pepi dann bekanntgegeben: „Nie mehr Weber unter Hickersberger!" Schade, auch für ihn! Ich hätte der Mannschaft in Italien vielleicht helfen können und Pepi das Färöer-Desaster ersparen können. (lacht) Eigentlich sind wir beide nicht gut ausgestiegen! Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass wir uns sehr gut verstehen. Wobei ich das ja nur von mir sagen kann! (lacht)

Nach Ihrem Trainer-Einstieg beim FC Puch betreuten Sie die U18 und U19 des ÖFB und wechselten dann 1996 nach Salzburg. Die großen Stars verabschiedeten sich, und Sie holten trotzdem den Meistertitel. Ausgerechnet im Zweikampf mit Rapid. Hätten Sie sich damals gedacht, dass Sie eine knappe Saison später auf der Rapid-Trainerbank sitzen würden?
Damals ist alles so schnell gegangen, ist alles aus heiterem Himmel gekommen! Mit Salzburg war der Nicht-Abstieg das vorgegebene Ziel. An den Meistertitel haben wir eigentlich nie geglaubt. Das Team hat sich dann aber derart gut entwickelt und eine super Atmosphäre geschaffen, dass Unglaubliches gelingen konnte. Für alle Spieler, die damals mit dabei waren, war es das schönste Jahr ihrer Karriere! Es hat eine Euphorie geherrscht, die mit Worten nicht wiederzugeben ist.
Bezüglich Rapid hat es immer schon Gespräche gegeben. Ich konnte mir das natürlich sehr gut vorstellen, auch weil der Dreijahres-Vertrag, den ich in Salzburg vorgelegt bekommen habe, nicht meinen Vorstellungen entsprochen hat. Ich wollte mit Rapid dann Großes erreichen, muss aber eingestehen, dass meine Vorhaben nicht gelungen sind. Wenn man als Meistertrainer aus Salzburg geholt wird, dann erwartet man sich logischerweise bei Rapid den Titel umso mehr. Auch die Fans waren auf mich zornig, weil ich ihnen mit Salzburg gerade den ersten Platz weggenommen hatte. Zweimal waren wir Zweiter, einmal Dritter. Auch wenn wir fast immer um die Meisterschaft mitgespielt haben, hat es aus den verschiedensten Gründen nie gereicht. Die anderen waren einfach immer ums Eutzerl stärker. Das hatte viele Gründe. Dejan Savicevic beispielsweise war, wenn er gespielt hat, Ausnahmeklasse, hat aber ein riesiges Loch hinterlassen, wenn er verletzt war. Es war sehr problematisch, einen solchen Klassespieler zu haben, der aber nur 40 Prozent der Matches bestritten hat. Das Spiel gegen Sturm im Praterstadion ist dafür ein gutes Beispiel: Als Dejan ausgeschieden ist, haben wir durch ihn 2:1 geführt. Aber auch ohne ihn sind wir dreimal alleine auf das Tor von Schicklgruber gelaufen, nur wollte der Ball nicht ins Tor. Und im Gegenzug bekommen wir in der 85. und 92. Minute zwei Tore… es hat halt nicht wollen sein!
Ich sage immer: Wenn Du Meister werden willst, dann muss im Klub alles funktionieren, vom Zeugwart bis zu den Spielern. Bei uns war aber die Stimmung nicht so gut. Auch aus Gründen, die ich teilweise nicht verstanden habe.

Wie sehr hat Sie Sportdirektor Dokupil in dieser Zeit sekkiert?
Für einen erfolgreichen Trainer, und das war Ernst Dokupil, ist es sehr schwer, ins zweite Glied zurückzugehen. Das hat er auch nie gemacht und seinen Einfluss weiter geltend gemacht. Die meisten Positionen im Verein sind von ihm besetzt worden. Ich bin von einem Klub gekommen, bei dem ich alles gemacht und sportlich entschieden habe. Bei Rapid war das anders, da wurde Vieles von Ernst Dokupil bestimmt. Damals war ich als Trainer wahrscheinlich noch nicht routiniert genug, um diese Situation besser zu bewältigen. Ob ich in diesem Fall mit Rapid Meister geworden wäre, ist eine rein hypothetische Frage. Das soll sich jetzt auch nicht gegen den Ernst richten, weil ich wieder sehr gut mit ihm bin. Und auch damals war! Dass man sich mit jemandem privat sehr gut versteht, bedeutet aber noch lange nicht, dass man auch beruflich harmoniert.

Sie waren von 1983–88 durchgehend „Verteidiger der Saison". Manche Leute haben gesagt, dass Rapid unter Ihrer Führung dementsprechend defensiv und ergebnisorientiert gespielt hätte. Wie sehen Sie das?
Als ich gekommen bin, war Rapid sehr schlecht. Sonst wäre ich ja gar nicht geholt worden! Danach haben wir die meisten Matches gewonnen, oft auch mit 1:0 oder 2:1. Ein Journalist, den ich gar nicht benennen will, hat geschrieben: „Rapid gewinnt und keiner will es sehen!" Dabei musste ich die Mannschaft stabilisieren und auf die Erfolgsspur zurückführen. Außerdem hat jede Münze zwei Seiten. Ich war zwar ein sehr offensiver Libero, aber der Mannschafts-Erfolg war mir immer am wichtigsten! Es ist nun einmal so – je weniger Tore man kassiert, desto höher stehen die Chancen, dass man gewinnt. Durch Siege, egal wie knapp sie sind, kommt erst das Selbstvertrauen. Und mit dem Selbstvertrauen kommen dann auch gute Spiele. Aber ich gebe gerne zu, dass ich nie ein einfacher Mensch war. Und wenn jemand unbedingt etwas Negatives bei mir finden wollte, habe ich mich halt auch gewehrt. (lacht)

In Ihrer Zeit als Rapid-Trainer hieß es in den Medien immer wieder, dass Sie zum Lachen in den Keller gehen würden. Ich habe vor ein paar Jahren mit einem ihrer Ex-Spieler gesprochen, der unter Ihnen den Durchbruch nicht geschafft hat und dieses Gerücht trotzdem absolut verneint hat, sich sogar sehr positiv über Sie äußerte. Ich kann diese These auch nicht unterstützen. Wie ist er denn in Wirklichkeit, der Sportsmann Heribert Weber?
Ich würde mich sehr freuen, wenn jeder so lustig wäre, wie ich! (lacht) Im privaten Bereich wohlgemerkt. Viele Menschen bei uns im Profifußball können nicht zwischen Privatem und Professionalismus trennen. Didi Kühbauer zum Beispiel weiß das sehr wohl. Der Fußball hat, wie das Leben auch, nicht immer nur gute Seiten. Professionalität war mir immer sehr wichtig, weil ich den Fans nur das Bestmögliche bieten wollte. Wenn ich mit Rapid bei einem 1.-Klasse-Verein angetreten bin, dann habe ich gefordert, dass wir mit 10:0 gewinnen. Damit die Fans stolz darauf sein können, Rapid-Anhänger zu sein und zum nächsten Heimspiel kommen. Diese Einstellung, die ich als Spieler und als Trainer gehabt habe, hat nicht unbedingt jeder mit mir geteilt. Manche haben gesagt: „Der ist deppert, nicht einmal bei den unwichtigen Spielen gibt er eine Ruhe!" Mir hat das Spiel immer mehr Spaß gemacht, wenn wir viele Tore geschossen haben. Andere haben nur gespielt, damit die Zeit vergeht.

Sie haben einmal die Aussage getätigt, dass Rapid in Österreich so dominieren müsse, wie Bayern in Deutschland. Warum war das in den letzten Jahrzehnten nicht der Fall bzw. wie hätte es gehen können?
Man muss sagen, dass sich Rapid in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat. Was mir aber fehlt, sind zwei, drei Gönner, die dem Klub ein Budget bescheren, mit dem die Rapid-Tradition leichter umsetzbar ist und man auch international besser mithalten kann. Man spricht im Zusammenhang mit Rapid immer von einer Million Sympathisanten. Das ist ja ein unglaubliches Potential, auch vom Finanziellen her! Ich verstehe nicht, warum Rapid nicht noch mehr Unterstützung bekommt. Warum gelingt es diesem großen Verein nicht, ein noch größeres Budget auf die Beine zu stellen? Das ist keine Kritik, sondern nur die Frage eines Laien! Es muss doch mehr Sponsoren geben, die bei diesem Verein mitmachen wollen! Rapid hat überall Fans, nicht nur in Österreich, sondern weltweit! In den Achtzigern sind wir jeden Winter auf Tournee gegangen, weil Rapid in der gesamten Fußballwelt einen unglaublichen Namen gehabt hat. Ich bin ja kein Guru auf dem Gebiet der Sponsoren, aber ich frage mich halt. Das Stadion ist fast immer voll und hat eine einzigartige Atmosphäre, aber man schafft es nicht, einen Riesen-Sponsor aufzustellen, der Rapid mehr ermöglicht…

Zuhause haben Sie ein Dreimäderl-Haus, beruflich kommen Sie aus einer von Männern dominierten Welt. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen diesen Extremen?
(lacht) Sehr gut eigentlich! Ich habe mir immer eine Tochter gewünscht – jetzt habe ich gleich zwei. Ich verstehe mich mit beiden, auch mit dem Mann der einen und dem Freund der anderen, sehr gut. Die Familie ist mir immer extrem wichtig gewesen! Als Ausgleich und zum Energie tanken. Leider ist mein Schwiegervater, der Chef der Kern Buam , kürzlich gestorben. Das Hotel „Kern Buam" führt jetzt meine Frau. Früher sind wir mit Rapid bei Auswärtsspielen in Graz dort abgestiegen. Später mit Salzburg auch. Das Verschmelzen meiner beruflichen Männerwelt und der privaten Frauenwelt hat also immer ganz gut funktioniert! (lacht)

Wer aus dem momentanen Admira-Kader würde Ihrer Meinung nach gut zu Rapid passen? Didi Kühbauer hat in diesem Zusammenhang einmal Christopher Dibon erwähnt.
Genau der Name wäre mir auch eingefallen! Ich habe keine Zweifel, dass Dibon sofort auch bei Rapid spielen könnte. Von der Einstellung her ist er für mich ein Ausnahme-Charakter. Und für sein Alter ist er ein unglaublich guter Spieler. Wie er sich bei einem Spitzenverein tut, muss er erst zeigen, aber er hat in jedem Fall alle Anlagen und Möglichkeiten. Seine Konstanz ist beeindruckend! Ansonsten will ich namentlich gar niemanden nennen. Es gäbe ein paar junge Spieler, aber bei denen sagt man lieber nichts, weil sie sonst gleich weiß-Gott-was denken. (lacht) Da halte ich lieber noch den Mund und schau mir ihre Entwicklung an.

Und welcher Rapid-Spieler, abgesehen von Steffen Hofmann, gefällt Ihnen momentan besonders gut?
Markus Heikkinen taugt mir einfach! Er ist ein sehr wichtiger Bestandteil von Rapid. Darüber hinaus gefällt mir auch Veli Kavlak sehr gut. Er hat im Vergleich zur letzten Saison noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht. Seine Entwicklung ist vielversprechend. Er ist noch lauffreudiger geworden und fordert öfters den Ball.

Ich habe gelesen, dass Sie eine Vorliebe für kulinarische Genüsse haben.Wie leben Sie Ihr „Leben als Feinschmecker" aus?
Ich muss sagen, dass wir in der Süd- und Weststeiermark großartige Weinbauern haben! Wenn das Wetter gut ist und die Sonne scheint, dann bin ich schon wieder draußen. In einem Gastgarten zu sitzen und auf die wunderschöne Landschaft zu schauen, dazu ein gutes Glaserl Wein und ein gutes Essen – da kann man schon wunderbar abschalten!


Interview vom 04.11.2010 (grela)

10 Fragen zum besseren Kennenlernen:

Ihre Lieblings-Elf aller Zeiten?
Ich könnte nicht einmal eine Lieblings-Rapid-Mannschaft formen, weil es unfair gegenüber manchen Spielern wäre. Jede Generation hat so viele großartige Kicker herausgebracht, dass mir die Wahl zu schwer fällt. Weltweit bin ich diesbezüglich noch überforderter. Wobei mich Manchester United seit meiner Kindheit begleitet. Und die großartige Arbeit von Alex Ferguson beeindruckt mich schon sehr! Aber es gibt auch andere Topklubs in Europa, die mir imponieren.

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?
Ich habe im Camp Nou zweimal das Juan-Gamper-Turnier gespielt, einmal vor 110.000 Menschen! Damals hat Hans Krankl sein erstes Spiel für Barcelona gemacht. Aber ich habe auch im Bernabeu, im San Siro, im Olympiastadion in Rom, im Old Trafford und im Hampden Park gekickt. Da etwas herauszuheben, ist sehr schwer!

Ihre größte Niederlage am Fußball-Platz?
Habe ich alle verdrängt! Es hat sicher genügend gegeben, aber ich komme schon in ein Alter, wo man das vergessen darf. (lacht)

Rapid ist...
... der interessanteste Verein Österreichs, der am meisten polarisiert und die meisten Anhänger hat. Im Leben haben Dinge, die sich in der Grauzone befinden, oft keine große Bedeutung. Bei Rapid ist es so, dass dieser Klub ganz viel schwarz und ganz viel weiß provoziert. Das gefällt mir!

Ihr Lieblings-Gericht?
Da gibt es so viele, hunderte! Momentan bin ich auf rohe, marinierte Fische ganz narrisch! Ich habe das erst kürzlich wieder in Italien gegessen – großartig!

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?
(überlegt) Früher habe ich auch gerne Fernreisen gemacht, in letzter Zeit eher weniger. Am ehesten fahre ich nach Venedig. Ich liebe diese Stadt! Alles muss mit den Schiffen transportiert werden, die Bauten, die Atmosphäre – sensationell!

Kottan oder Columbo ?
Kottan . (lacht) Aber der mit dem Resetarits! Der Lukas ist früher öfters zu unseren Heimspielen gekommen und danach haben wir sehr schöne Abende im VIP-Klub gehabt. (lacht)

Eine Marotte?
Ich bin ein bisserl wie der Monk! (lacht) Ich mag nichts Dreckiges, bin gerne selbst rein und sauber. Alles muss auf seinem Platz stehen – das passt mir gut!

Welches Talent hätten Sie gerne, haben es aber nicht?
Ich war als Fußball-Profi mit soviel Talent vom lieben Gott gesegnet, dass ich absolut zufrieden bin. Naja, Schlagersänger vielleicht. Aber da braucht man ja auch sehr oft gar kein Talent! (lacht)

Der beste Stürmer, gegen den Sie je gespielt haben?

(bläst durch) Naja, ich hab‘ ja auch gegen den Hans gespielt, als er bei der Vienna war. Den hast ja auch nie aus den Augen lassen können! Obwohl er gegen mich kaum Tore geschossen hat. (lacht) Ansonsten war es ja so, dass ich als Libero selten direkt gegen einen Stürmer gespielt habe. Ich habe eher in Heimspielen Mann-gegen-Mann gespielt, damit wir einen Spieler mehr für's Mittelfeld haben. Trotzdem haben viele gute Stürmer meine Wege gekreuzt, aber der Kenny Dalglish war für mich ein besonders guter Angreifer. Wobei einem britische Stürmer gerne eine mit dem Ellenbogen mitgegeben und dich dann ausgelacht haben. Yeboah, Santillana, Figo, Bergkamp – es sind einfach zu viele!